Yo-ho-ho and a rottle of bum.

26. August 2015 Kommentare aus

Ich bin derzeit unkreativ. Ich hätte genug Plot und Ereignisse, um darüber zu schreiben oder etwas dazu zu zeichnen. Aber irgendwie kommt nichts. Statt dessen pussle ich an einem Logo für des Generals Yara Squad herum, erwerbe wichtige neue Kulturfertigkeiten (eine Prepaid-Kreditkarte) und baue an meinem nächsten Tattoo – wieder stilistisch irgendwo zwischen Hallstadt-West und den Etruskern herumgurkend und ein Ziegen/Steinbocktier mit einer Bireme (ja, ein paar Jährchen danach …) kombinierend. Ich mag antike Schiffe (wenig überraschende Aussage des Tages). Ich mag Schiffe generell. Ich mag Piraten …

… und deshalb ist es ein wenig verwunderlich, dass ich erst vor kurzem auf die Serie Black Sails gestoßen bin. Zum Glück versicherte mir fast jeder (TM), dass sie gar nicht mal so gut sei, ohne ins Detail zu gehen, warum.

Denn wenn ich von genug Menschen meines Umfeldes gehört habe (kritische Kritiker-Masse sozusagen), dass eine Serie/ein Buch nicht gut sei, dauert es nie lange, bis ich mir das Ganze unbedingt anschauen muss. Umgekehrt hält mich allgemeines Lob auf Jahre hinaus davon ab, mir etwas anzusehen. Was bedeutet, dass “Once Upon A Time” noch eine lange Zeit ungeschaut bleiben wird, obwohl ich die Fables-Comics sehr mag.

So kam ich also zu Black Sails.

Sah den Vorspann.

Und damit war alles zu spät. Wer sich dieses CGI-Kunstwerk, eine Hommage an die opulenten Tafelaufsätze des Spätbarock, ansehen kann ohne “Whoa!” zu sagen, isst vermutlich auch kleine Hunde mit Messer und Gabel.

Ein umwerfender Vorspann macht noch keine gute Serie. Aber in diesem Fall ist er ein Indikator. Sich entwickelnde Charaktere (man mag Flint, man betrachtet Flint skeptisch, man hasst Flint, man versteht Flint, man mag Flint, man betrachtet Flint skeptisch …), keine nur-Guten oder nur-Bösen, nachvollziehbare Motivationen und ein Metaplot, der Zeit hat, sich zu entwickeln und zu reifen.

Und zu allem Überfluss besteht Black Sails jeden Test auf Repräsentation. Die niedrigste Hürde, der Bechdel-Test. Sehr einfach zu schaffen, wird aber dennoch von locker 80% aller Filme und Serien gerissen. “Gibt es zwei benannte weibliche Charaktere, die miteinander über etwas anderes als einen Mann sprechen?” Auch Black Sails schafft das nicht immer – aber in 2/3 aller Folgen auf jeden Fall. Besonders seit Max und Anne mehr miteinander agieren. Nächster Test: “Sexy Lamp”. “Gibt es keine Frau, deren Rolle ohne Qualitätsverlust durch eine Lampe (gemeint ist hier die beinförmige Lampe aus “A Christmas Story”, aber das ist nur Trivia) ersetzt werden kann?” Auch hier – nicht einmal die Huren sind nur Gerettet-werden-Material. Jetzt wird es schwieriger: Der “Mako-Mori-Test”. Benannt nach dem Charakter Mako aus “Pacific Rim” geht es darum, ob ein weiblicher Charakter eine völlig vom Plot der männlichen Darsteller unabhängige Story nur für sich hat. Jap, auch das gibt es. Natürlich recht einfach, wenn man jemanden wie Miss Guthrie als Hauptfigur hat. Oder eine Mrs. Barlow dabei. Oder Max. Oder Annie. Und der letzte Test – der “Furiosa”, benannt nach der Hauptfigur von “Fury Road”. “Macht eine Plotentwicklung oder ein Charakter etliche Männerrechtler so wütend, dass sie sich laut beschweren und die Serie/den Film boykottieren?” Auch das hat Black Sails geschafft. Mittels der Bisexualität eines als sehr hart und cool dargestellten Hauptcharakters.

Definitiv alles Gründe, diese Serie zu lieben. Überall Lieblingscharaktere (in meinem Fall ganz vorne: Charles Vane und Billie … mittlerweile holt Silver, den ich anfangs ob seiner Wieseligkeit gar nicht leiden konnte, auf).

Man erwarte keine historische Vollkorrektheit – wie auch, wenn fröhlich und offen geschichtlich gut belegte Figuren wie Calico Jack und Anne Bonnie auf Romanfiguren wie John Silver und Captain Flint treffen! – aber es wird sich bemüht. Keine Hochglanzpiraten, keine Papageien auf der Schulter und es wird Rücksicht auf wichtige Elemente wie die Proto-Demokratie an Bord eines Piratenschiffes genommen.

Einziger Nachteil der Serie: Es gibt erst zwei Staffeln. Staffel drei und vier sind zwar schon bestätigt, aber die Dreharbeiten beginnen irgendwann diesen Winter. Was soll ich nur so lange machen?

Ich habe versucht, mir die Serie Crossbones als Methadon anzusehen. Immerhin hat sie John Malkovich. Aber das war´s dann auch schon. Ebenso wie Black Sails im Goldenen Zeitalter der Piraterie angesiedelt, kann sie dieser nicht einmal einen Fingerhut voll Wasser reichen. Wurde auch nach nicht ganz einer vollen Staffel eingestellt. Zu recht. Disney-bunt voll immer sauber angezogener Menschen mit guten Manieren, aufgezwungener Repräsentation und einem John Malkovich dem man zu deutlich anmerkt, dass er das Geld gebraucht hat. Dagegen war Pirates of the Caribbean Realismus pur.

Schade drum. Dann muss ich eben bis 2016 ausharren.

Bis dahin schaue ich mir Constantine an, das gar nicht so schlecht ist, wie viele behaupten. Auch das hat nur eine Staffel erlebt – was aber vermutlich eher an der stilistischen Nähe zum Comic liegt als an irgend etwas anderem. Der Hauptdarsteller ist wirklich sehr dicht an der Vorlage!

Was hingegen bisher nicht an mich geht ist Vikings. Ich dachte zuerst, dass es daran liegt, dass ich mir die erste Folge auf Deutsch angesehen habe, was ein so krasser Fehler war, dass sich mir jetzt noch die Fußnägel rollen. So eine schlechte Synchro kam mir das letzte Mal in den Neunzigern bei einer Anime-Fandub unter! Irgendjemand dachte, dass es eine prima Idee wäre, die Theater-AG der Mittelstufe einer Brennpunktschule Dialoge vom Blatt lesen zu lassen und damit Vikings zu synchronisieren. Himmel, Ragnar klingt, als hätte er mehr Pickel als Haare am Sack und Polypen bis in den Rachen!

Ich habe meinen Fehler schnell korrigiert und auf Englisch weitergeschaut. Half aber nur bedingt. Die Originalstimmen sind auch eher WASP-Suburbia als Wikinger-Ghetto. Und dafür, dass so ein Gewese gemacht wird, wie “historisch korrekt” die Serie doch sei, fallen einem auch als in dieser Epoche nicht sehr beschlagenem Zuschauer schon in den ersten Minuten ziemlich viele … Problemstellen auf. Nicht auf Da Vinci´s Demons-wir-haben-vielleicht-mal-von-der-Renaissance-gehört-aber-mehr-nicht-Niveau, natürlich.

Aber vielleicht gibt sich das noch. Ich werde mir auf jeden Fall noch ein paar Folgen ansehen. Und wer weiß – vielleicht mausern sich die Wikinger ja noch zu einem schönen Serien-Zwischenspiel, bis die Piraten wieder über mein Laptop hüpfen.

Ghurab und Rednelak – Zwei Seiten der Münze

13. August 2015 Kommentare aus

Natürlich bin ich Onkel Ginyu dankbar. Der Frachtcontainer, in dem er uns untergebracht hat, wird normalerweise dazu genutzt, seine machtbegabten Funde zu transportieren. Unberechenbare Bestien, die mit unsichtbaren Klauen aus reiner Macht zuschlagen oder mit ihrer Hilfe das Licht um sich biegen und unsichtbar werden. Gefährlich. Deshalb dämpft das ganze Konstrukt alles, was mit der Macht zusammenhängt. Ich gehe in den acht Metern Durastahl mit jeder Menge Technik und nicht-Technik darum hin und her und fühle diese Dämpfung wie einen Kokon aus Watte, der mich verlangsamt und auslaugt. Alles ist farblos, geruchlos, ohne Geschmack. Die Welt ist schal und abgestanden. Ich könnte versuchen, meinem ohnmächtigen Zorn Ausdruck zu verleihen – aber nicht einmal das wäre wirklich echt. Ich sitze in einem Würfel aus grauem Gelee, acht mal drei Meter.

Tannan ist schlecht gelaunt. Sie versteht nicht, was geschieht. Vermutlich hat sie gespürt, dass ihre Mutter in der Nähe ist. Und jetzt kann sie dank unserer Unterbringung nicht einmal im Geist zu ihr. Das passt dem Zwerg nicht und sie mäkelt herum.

Aber es ist besser so. Wir sind so tief in Feindesland, dass uns nichts bleibt, als uns zu verbergen.

Mein Bladeborn-Schiff, die Destiny´s Edge, steht im Hangar dieser monströsen Harrower und ist mit ihrem bunten Runen-Überzug, den altertümlichen Bildern auf den Schwingen, so fehl am Platz wie ich selbst. Wir sollten nicht hier sein. Sollten uns nicht ausliefern müssen. Ich muss den Drang niederkämpfen, Tannan zu nehmen, mir den Weg zur Krankenstation freizukämpfen, Borraas halb-freundlich lächelndem Verlobten das Grinsen aus dem Gesicht zu schneiden, den Meister aus diesem Tank zu ziehen und zu verschwinden.

Ich kann nicht rennen.

Nicht laufen.

Sie hat mich an Vaters Leine gelegt. Borraa …

Wäre Onkel Ginyu nicht, dessen besonnene Art selbst in maximalem Zorn noch nüchtern-wissenschaftlich sein Handeln bestimmt … wäre nicht das Wissen, dass Skaara hier irgendwo im Bauch dieses Schiffes seinem Auftrag nach geht und den ich nicht in die Schusslinie bringen darf … ich hätte zugeschlagen. Borraa mit bloßen Händen getötet. Die Hexe ausgelöscht.

Die Ironie, dass alle, die mir etwas bedeuten, für deren Leben ich immer und immer wieder kämpfe, nun hier sind – mitten unter all´ denen, auf die mein Zorn sich schon so lange richtet, dass er ein eigenständiges Leben entwickelt zu haben scheint. Es brennt mir ein Loch in die Brust.

Ich sehe noch einmal zu Tannan, die missmutig ihren Gummi-Akk-Hund herumwirft. Ich kann es nicht weiter vor mir herschieben. Meine Ehre ist mein Leben und ich habe mein Wort gegeben, im Austausch für die Freiheit – die Macht wird mich befreien … – des Meisters vor Vater das Knie zu beugen.

Die Schleuse an der Tür des Containers zischt. Die Hydraulik hebt die schweren Torflügel. Ich kann die Macht wieder in mir fühlen.

Ich tue es für sie.

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Einige Stunden später.

Lord Rednelak lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Legte die Finger vor seinen Lippen zusammen. Runzelte die Stirn. Er betrachtete die Tür des Labors, durch die sein Sohn gerade verschwunden war, seinen mühsam gezügelten Zorn wie eine Schleppe hinter sich herziehend.

Es war eine sehr liebevolle Geste von Borraa. Nur für das Beste der Familie hatte seine Prinzessin diesen Nudarah einmal mehr an der Nase herumgeführt und sich einen Köder verschafft, der Ghurab angelockt hatte wie Honig einen Echsenaffen.

Es wäre eine Beleidigung des Intellekts seiner hochbegabten Tochter davon auszugehen, dass dies die einzige Motivation gewesen war. Sie versprach sich noch andere Dinge. Natürlich das Mischlingskind. Aber auch das schien in den Hintergrund gerückt.

Nun, er würde es erfahren. Jetzt galt es erst einmal die Situation zu analysieren.

Das Treffen war überraschend friedlich verlaufen. Die Menschenfrau hatte seinen Sohn wohl zumindest ein wenig gelehrt, sich zu beherrschen. Seine Wut zu verschließen und tief in sich zu schüren.

Rednelak glaubte nicht daran, Ghurabs Willen brechen zu können – er wäre im Gegenteil sehr enttäuscht, wenn ihm das gelänge – aber es war nicht erforderlich, dass sich Einsicht oder Fügsamkeit einstellen würden. Alles, was Ghurab tun sollte, könnte auch abgepresst werden.

Zunächst wollte der Lord das Bastardkind sehen. Sich ein Bild machen, zu was es in der Lage war und wie man es benutzen konnte. Und natürlich den Ursprung des Angriffs herausfinden, den der Bastard auf ihn umgelenkt hatte. Das Kind könnte das Potential haben, ein zweiter, verbesserter Nauras zu werden: Ein unfreier Leibwächter für Dabburs kleinen Sohn; mit diesem aufwachsen, Geschwister werden und damit immer bereit, das Leben zu opfern. Dummerweise war der Bastard ein Jahr jünger als Dabburs Junge – aber dieses Problem würde sich mit der Zeit verwachsen.

Noch einmal rief er sich das Bild in den Kopf. Ghurab, die Augen vor Hass goldmünzendunkel, der vor ihm auf die Knie sank. Die Runen an seiner Schwerthand in ohnmächtigem Zorn so sehr glühend, dass sich die Knochenstruktur auf der anderen Seite als dunkle Schatten auf der Handrückseite abbildete. Die knappen Worte; dahinter ein Zischen, als müsse Ghurab jede Silbe mit der Peitsche zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen heraustreiben.

Auf der Geistebene, die Ghurab nicht bewusst wahrnahm, standen sich der riesige Drache und der rotgoldene Reek gegenüber, dessen Nacken zum Angriff gesenkt war, von dessen Lefzen Schaum tropfte und um den fadendünne Ketten verhinderten, dass er losstürmte.

Rednelak schätze es, dass sein Sohn sich nicht die Mühe machte, auch nur einen Herzschlag lang zu schauspielern. Das machte vieles einfacher.

Ghurab musste sich erst an das Halsband gewöhnen, dazu würde ihn Rednelak ein paar Tage einfach laufenlassen, damit das Gewicht im Nacken zur zweiten Natur werden konnte.

Nun zu anderen Dingen.  Wo war eigentlich Sith Bahjia? Die Arbeit mit den Schwingungen im hörbaren Bereich machte Fortschritte und er wollte sehen, was Bahjia mit ihren Schutzkristallen erreicht hatte. Aber irgendwie war seine Schülerin in den letzten Tagen noch unsichtbarer als sonst.

Er würde herausfinden, was sie trieb.

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Es ist leichter, gehorchen, als befehlen zu lernen

9. August 2015 Kommentare aus

Nicht textrelevantes Bild eines RP-Ereignisses zu Dekorationszwecken.

Eine Autoritätsfigur im RP darzustellen ist solange recht einfach machbar, wie sich das Setting nicht allzu weit von der uns vertrauten Konsenskultur entfernt. Wir alle wissen, wie Meetings in flachen Hierarchien ablaufen, wir können uns im Normalfall erlauben, mit unseren Chefs Witzchen auszutauschen und müssen nicht befürchten, für eine Plastikfigur auf dem Monitor ins Lager geschickt zu werden. Alles normale Ebene.

Aber wie sieht es in autoritären, wenn nicht sogar faschistischen Systemen aus? Mit Anführern, die sich gottgleich wähnen, die nichts, was sie tun, hinterfragen, und die ihre Untergebenen zwar ähnlich zynisch und abwertend betrachten, wie es in kapitalistischen Systemen wie unserer heutigen Welt Usus ist, dies aber nicht aus Public Relations-Gründen in Zuckerguss hüllen wollen?

Wie stellt man rein über Worte eine Person dar, die Unbehagen verursacht? Deren Erscheinen so ungern gesehen wird, dass jeder sie sofort wieder loswerden möchte, sich dies aber nie zu sagen trauen würde? Kurz: Wie spricht/verhält sich eigentlich so ein mieser Lord der Sith?

Ich behaupte nicht, dass meine Version die einzig mögliche ist. Es geht immer auch anders. Aber als Grundgerüst ist es sicher brauchbar.

Fangen wir also an!

Als erstes sollte man sich klarmachen, ob man so etwas überhaupt spielen möchte. Es hört sich spaßig an, Leute herumzuscheuchen und das letzte Wort zu haben, selbst wenn man völligen Quatsch verkündet. Aber der alte Spiderman-Satz von der Verantwortung bei großer Macht trifft auch hier zu. Spielt man einen Lord muss man sich bewusst sein, dass man nicht nur das eigene RP im Blick haben sollte, sondern auch das der Sith und Machtblinden, die den Weg kreuzen und systemimmanent gezwungen sind, auf das zu hören, was der Lord so absondert.

Das verwandelt jeden Lord in einen Quasi-NSC. Man kann sich ein virtuelles Dreieck über die Rübe pappen, denn man ist ein Questgeber. Man kann Dinge anstoßen, Leute zusammenbringen und RP erzeugen. Und wenn man das nutzt, kann es sehr viel Spaß für alle Seiten bringen.

Gleichzeitig schränkt das aber auch ein. Von einem Lord wird eine gewisse Präsenz und ein gewisses Verhalten erwartet.

Und damit komme ich zum Kern. Dem groben Grundgerüst eines “How to”, das man dann in das Fleisch des Charakters einbetten kann.

Punkt 1 – Verhalten

Die wenigsten Lords sind psychopathische Irre. Und selbst wenn sie es sind, Dosieren sie ihr Verhalten, denn jeder Lord, der seinen Schuss Pulver wert ist, ist ein verflixt guter Empath, der nicht nur mit der Macht in seinem Gegenüber lesen und es manipulieren kann. In World of Darkness-Begriffen haben Lords etliche Dots in Manipulation, Vortrag, Laedership und Empathie.

Im Auftreten kann man das mit Emotes unterstreichen. Mit einer beängstigenden Höflichkeit verbunden mit einer sehr kühlen Arroganz. Ein direkter Fokus auf das Gegenüber bei gleichzeitiger emotionaler Distanz gibt das “Ameise unter Vergrösserungsglas”-Feeling. Dies mit Emotes erzeugt, unterstreicht alles, was man dann sagt.

Herumbrüllen oder Wutausbrüche sollte man unglaublich sparsam einsetzen, da sich der Schockeffekt sonst abnutzt und man nur noch als Choleriker wahrgenommen wird. Ich habe Rednelak bisher genau einmal Force Choke benutzen und ihn einmal Wut zeigen lassen – letzteres nicht einmal direkt sondern über kleinere Ereignisse der Zerstörung im Umfeld (splitterndes Glas neben ihm, während er völlig ruhig scheint).

Punkt 2 – Sprache

Hier einfach eine kleine Liste, aus der man sich Anstöße herauspicken kann:

  • Kurze, prägnante Sätze. Hauptsatz, maximal ein Nebensatz. Das wirkt zielstrebig.
  • Konjunktive vermeiden. Damit beugt man vor, als unsicher wahrgenommen zu werden.
  • Aufgaben so verteilen, dass man nicht nachfragt, sondern Tatsachen feststellt.
  • Den Adressaten des Satzes in einem Emote erwähnen, damit man einen Fokus erzeugt.
  • Die Zukunft “formen”, in dem man in der Gegenwart durch eine Aussage festlegt, wie der Lord es haben will.
  • Durch Aussprechen von Tatsachen Realitäten schaffen.
  • Höflichkeit und Aufmerksamkeit erzeugen Souveränität. Keine Servilität, sondern das ruhige Bewusstsein, sich das leisten zu können.

Letztendlich läuft also alles darauf hinaus, dass man das Bewusstsein seines Charakters darstellt, dass sein Wille die Umgebung formt. Dass es kein “vielleicht” oder “könnte sein” gibt, sondern dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann der Befehl Realität wird.

Einen Lord darzustellen ist also nicht zwingend einfacher, als wenn man mit einem ganz kleinen Licht am Ende der Nahrungskette Problemen aus dem Weg gehen muss.

Es kann eine erstrebenswerte und befriedigende Rolle sein – aber man sollte sich von Anfang an klar sein (oder es sehr schnell werden), ob man Spaß auch trotz der Einschränkungen haben kann.

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Rednelak – Schwarze Gedanken 2

6. August 2015 Kommentare aus

Die Harrower trieb in der Schwärze; ein Wal, der sich langsam auf die Seite dreht, kaum Aktivität so tief in der künstlichen Nacht. Hin und wieder Schritte auf den Gängen, Ablösung der minimalen Brückenmannschaft, mehr nicht.

Und auf der Ebene der Labore nicht einmal das.

Die Tür zum Raum der Kristallforschung war versiegelt. Die Kameras ausgeschaltet und vor den Luftschächten Energiefelder. Er durfte kein Risiko eingehen. Es durfte nicht entkommen, wenn er begann, es zu untersuchen.

Er hatte keine Zweifel, dass es nicht begeistert darüber sein würde, betrachtet zu werden. Und er hoffte, dass es einen guten Kampf liefern würde. Und am Ende, nachdem er alles herausgezogen hatte, was er zu wissen wünschte, würde er es langsam töten. Sich eine kleine Rache dafür gönnen, dass es ihn hatte Schwäche zeigen lassen.

Ein Schritt nach dem anderen.

Rednelak öffnete die Schnallen der Armschiene mit den Schutzkristallen, legte das Metallband auf die Werkbank und griff nach einer Pinzette. Dann atmete er tief und ruhig ein und baute einen mentalen Wall. Lenkte die Strömung der Macht um sich und den kleinen Bereich des Labors, in dem er gerade arbeitete, herum.

Der korrumpierte Kristall war gut zu erkennen. Seine Brüder strahlten ärgerlich, versuchten sich selbst und ihren Herrn vor der Verschmutzung zu bewahren. Wer Ohren hatte zu hören, konnte das hochfrequente Kreischen wahrnehmen, als Energie über mikroskopische Brüche in den Strukturen glitt.

Der Lord zog den stumpfen Kristall mit der Pinzette aus der Halterung, ließ ihn dann frei und hielt ihn schwebend auf Augenhöhe. Im Inneren drehte und wand sich die winzige Schlange aus reiner Dunkelheit. Fast nicht sichtbar, kaum so breit wie ein Haar und nicht einmal so lang wie das letzte Glied seines kleinen Fingers. Rednelak konzentrierte sich, fokussierte seinen Geist und sorgte gleichzeitig dafür, dass all´ seine eigenen Gedanken hinter einer gläsernen Mauer blieben, damit die Dunkelheit nicht ihr Gesicht annehmen und sich verfälschen konnte.

Die seltsame Schwärze hatte ihn vor nicht einmal fünf Stunden auf dem Schiff der Mandalorianerin angefallen. Hatte zugebissen und machtblutige Stücke aus seiner Panzerung gerissen. Fast wäre sie in sein Innerstes vorgedrungen, aber dazu war sie nicht groß genug. Er hatte sie gegriffen und seine Kristalle von der Leine gelassen wie das Rudel Tuk´ata zu hause auf dem Anwesen. Die grünglitzernden Wachhunde hatten ihre Beute gestellt und ein Stück davon verzehrt, bevor er den Rest in Fetzen riss und im Feuer seines Zorns verbrannte.

Rednelak drehte den Kristall, beobachtete den schwarzen Hauch darin, spürte dessen Aufmerksamkeit. Es war nur ein Echo, dessen war er sich sicher. Jemand hatte einen Teil des Angriffs, der einer anderen Person gegolten hatte, auf ihn umgelenkt. Weil dieser jemand spürte, dass er stärker war, als das ursprüngliche Ziel. Interessant. Sehr interessant.

Er öffnete sich. Liess zu, dass der letzte Rest der größeren Dunkelheit wieder angreifen konnte. Hirnlos, instinktgetrieben. Ein Stück Schwärze ohne lenkende Absicht dahinter. Es ergriff die Chance, als sie geboten wurde. Sprang wie ein Hai aus der Welle in Rednelaks Geist, biss um sich, schäumte und wütete.

Aber es hatte nicht mehr den Vorteil der Überraschung. Und war viel zu gering geworden. Nur noch ein Abglanz einstigen Potentials. Rednelak ging in seinem Geist-Raum um die schwarze Masse herum, zog an Fäden, griff hinein, reizte und wartete auf Reaktionen. Er wollte noch einmal alles sehen.

Ja … da war es wieder. Der Geruch nach Dschungel. Nicht Dromund Kaas. Anders. Alt, moossatt und mit der rauen Bröckeligkeit bearbeiteten Steins. Dazu der Stich einer zu nahe stehenden Sonne. Von dort kam es. Nein … dort saß derjenige, dem der Angriff wirklich gegolten hatte. Rednelak ermahnte sich selbst. Keine Vermutungen. Beobachtungen. Er konzentrierte sich weiter. Aus dem Durcheinander der Geräusche im Inneren der Schwärze – Schreie, Unartikuliertes – schälte sich ein Name. Wieder nur ein Echo. Aber er bestätigte, was ihm sein Gefühl direkt gesagt hatte.

Keine fremde Stimme. Er wusste, wer schrie. Kam aber nicht darauf. Kein Gesicht dazu. Er hatte schon Worte aus diesem Mund vernommen. Aber wo?

Weniger rätselhaft der Name, den diese Stimme brüllte.

Ghurab.

Was sollte er aus diesen Mosaiksteinchen machen? Ein Ort, unbekannt und ohne Anhaltspunkt. Dazu sein jüngster Sohn, der sich ihm seit Jahren entfremdet hatte. Wie er der Mandalorianerin erklärt hatte: Sie waren sich zu ähnlich. Weshalb die Unterschiede schwerer wogen, zu Klüften wuchsen, die niemand überspringen konnte.

Warum also jetzt das? Und wer war in der Lage, die unsichtbaren Bande des Blutes zu finden und entlangzureisen, um Rednelaks Stärke zu nutzen? Er hatte einen Verdacht. Bei den Karaz waren Begabungen im Bereich der geistigen Manipulation nicht selten. Borraa hatte darin zweifellos das größte Talent. Aber auch Rednelak selbst war ein geübter Beeinflusser. Es konnte also sein, dass …

Nein. Ein unschöner Gedanke. Nichtsdestotrotz musste er verfolgt werden. Es blieben nicht viele Möglichkeiten. Entweder die fremd-vertraute Stimme (wenn ihm nur einfiele, wann er schon einmal mit dem Besitzer eben dieser Stimme gesprochen hatte!) oder …. es.

Ein Griff um die sich windende Schwärze – hier in der Geistwelt so groß wie er selbst – und ein Zudrücken mit der Macht. Die fremde Dunkelheit zappelte, schrie die Tonleiter hinauf und warf ihm alles entgegen, das sie hatte. Viel zu wenig. Sein Zorn, sorgfältig im Geschirr gehend, wie er ihn seit Jahrzehnten abgerichtet hatte, wurde von der Leine gelassen. Sprang, verbiss sich im Eindringling. Zerreissen, Töten. Bis an die letzte Grenze gehen. Keine Gnade, denn Gnade war eine Beleidigung für den der sie gab und den der sie empfing.

Fast war der Eindringling zerstört … fast. Und dann war es da. Das Gesicht. Das, was die fremde Dunkelheit zu ihm geschickt hatte.

Rednelak mochte es nicht, in diesem Fall Recht zu haben.

Wie konnte etwas so Unreines so vertraut aussehen? Als blickten ihn Borraas Augen an. Als sähe er Chufashs elegante Kinnlinie. Dabburs schmale Nase.

Die Haarfarbe war ihm unvertraut. Ebenso der Schnitt der Wangenknochen.

Sein Zorn zerriss die Zügel und tötete das fremde Dunkel.

Rednelak trat aus seinem Geist und ballte die Faust. Es brauchte zwei Atemzüge dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. Das Puzzle mochte ihm nicht gefallen, aber die Teile lagen gut sichtbar auf dem Tisch.

Er musste herausfinden, wem die fremd-vertraute Stimme gehörte.

Dann könnte er sich daran machen, das Unreine zu finden.

Ruhig machte er sich daran, die Armschiene wieder mit einem neuen Kristall zu bestücken.

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Ghurab – Schwarze Gedanken 1

3. August 2015 Kommentare aus

Es ist sein Gesicht! Direkt über mir! Es kann nicht sein, denn er ist tot. Ich sehe jede Pore in der von der dunklen Seite ausgebleichten Haut. Es kann nicht sein, sie sagen alle, er wurde in die Schwärze gezogen. Es ist wieder der Goldüberzug des Herbsttages auf Voss, als er mich zu dieser Ruine führte. Es kann nicht sein, niemand überlebt so etwas.

Es muss sein. Er ist hier. Hier! Mein Schrei zerreisst meine Lunge, lässt mich in tausend Stücke geschmettert zurück, das Dunkel holt mich. Ich bekomme keine Luft mehr, kann nicht nach meinem Zorn greifen.

Die Realität trifft mich mit einem Schlag, der nicht physisch ausgeführt wird, mir aber dennoch den Kopf zur Seite wirft. Aus der wirbelnden nicht-Dunkelheit wird das nebelgefilterte Sonnenlicht in Onkel Ginyus Gästezimmer. Danke, Tannan.

Die Erinnerung kommt zurück. Ich habe mit Skaara auf dem Dach des alten Tempels trainiert. Alles ganz normal. Als ich das Bedürfnis bekam … das Bedürfnis … das selbe, wie auf Alderaan. Den Kampf auf die brutalst mögliche Weise zu beenden. Seine Knochen unter meinen Fäusten brechen zu fühlen. Blut an meinen Knöcheln, das Reißen von Haut, Gefäßen. Er hat es zunächst nicht bemerkt. Ging darauf ein …

Tannan merkte es als erste. Ihr Blick war ein Feuer, in der selben Sekunde, als Skaara meinen Namen schrie. Als das Dunkel aus dem Himmel stieg und ich nichts mehr sehen, fühlen, entscheiden konnte.

Was dann geschehen ist, weiß ich nicht. Auch nicht, wieviel Zeit vergangen ist. Ich habe die Augen geöffnet und war nicht mehr auf dem Dach, sondern auf einem Seitenanbau des Tempels. Skaara hatte Tannan auf dem Arm und sah nicht besonders gut aus. Ich wollte etwas sagen, aber …

Diesmal war es nur die Erschöpfung, denke ich. Das vorhin – nur ein Traum.

Das dritte mal ist es jetzt passiert. Dreimal habe ich die Kontrolle verloren. So vollständig, dass ich nicht einmal zusehen konnte, was mein Körper tat. Und ich habe nicht einmal die Garantie, dass ich nur das töten will, was mich bedroht. Zweimal schon war es der Drang, mir Nahestehende in Blut und Knochenbrei zu verwandeln.

Es kann nicht so weitergehen.

Ich setze mich im Bett auf. Auf der anderen Seite des Zimmers ist Skaara mit Tannan auf dem Schoß eingedöst. Er wacht auf, als die Kleine sich rührt, sich fast von ihm herunterstürzt und offenbar zu mir möchte.

Nein. Es kann wirklich nicht so weitergehen. Aber wem kann man sich anvertrauen? Onkel Ginyu lebt gerade seine Jagd auf die Artefakte aus und hätte – wenn Skaaras Theorie zutrifft – sowieso ein Problem damit, dann nicht mit “Vernichten!” zu reagieren. Wir sollten ihm erst einmal helfen, Borraa und Vater hereinzulegen. Dann ist er vielleicht gelassener und kann mir helfen, diesem … Ding in mir auf den Grund zu gehen.

Fremdgesteuert von mir selbst ist nämlich kein erstrebenswerter Zustand.

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Not the planet you are looking for …

2. August 2015 Kommentare aus

Ich habe es getan. Mir den Yavin IV-Stronghold gekauft. Für etwas über 10 Millionen Credits bisher. Und es sind noch nicht alle Räume freigeschaltet.

Ich habe das Ganze bisher als Thenebria III dekoriert, den Planeten voller Reste einer uralten, schon lange verschwundenen Kultur von Machtanwendern, der jetzt nur noch auf Steinzeitniveau lebende Stämme, wilde Tiere und Ruinen beherbergt. Die Heimat von Saqrs Stamm und sehr, sehr schwer zu erreichen.

Ich zeige größtenteils Bilder davon, wie ich das Teil ausstaffiert habe. Die weniger dekorierten Waldteile habe ich nicht fotografiert – sie enthalten praktisch nur Viehzeug, Totems und ein paar Käfige.

Hier Saqrs Nebencamp in der Nähe des Dorfes. Wie immer voll mit seltsamen, psychotropen Pflanzen. Und hinter dem Wasserfall … die geheime Höhle!

Überall monströse Köpfe. Die früheren Bewohner waren entweder sehr groß oder sehr selbstverliebt.

In Teilen der großen Ruine ist das Dach eingebrochen und wilde Tiere haben sich eingenistet. Sie legen sogar Eier!

Überall erobert sich die Natur den Tempel zurück. Der Dschungel frisst die Steine und Bäume klettern aus jeder Ritze.

Saqr (mit Siqsa natürlich) vor dem Haupteingang des großen Tempels. Endlich habe ich eine Verwendung für meine Naga-Sadow-Statue gefunden!

Wie gesagt: Mein Ziel ist es, möglichst viel Verfall zu bauen. Deshalb gibt es überall hängende Lianen, Moos und Geröll. Dazu immer wieder Zeichen der Wilden, die in den alten Tempeln die Wohnstätten der Vorfahren vermuten.

Der einzige noch halbwegs intakte Raum des Tempels. Sogar mit noch ein wenig uralter, funktionstüchtiger Technik. Woher die Energie dafür kommt? Nun, ich war noch einmal in “Kaon under Siege”, habe mir einen Generator geholt und ihn am Wasserfall hingestellt. Hält ewig!

Ein Blick über den Dschungel. Mit den beiden Riesenvasen bin ich noch nicht zufrieden. Viel zu filigran. Entweder hole ich mir noch ein paar Imperatoren aus “False Emperor” (sollte Malgus im Addon tatsächlich als Companion auftauchen, wird er jeden meiner Charaktere erst einmal ordentlich verdreschen) oder ich warte ab, was das Wild Space-Paket bringen wird.

Das Lager der Schmugglerin aus meiner Saqr-Geschichte. Mitsamt verpackten Artefakten und Zelt.

Überall Wasser! Überall fallendes Wasser! Eine sehr schöne Athmosphäre, lässt sich für etliche Plotideen verwursten. Es muss nicht Thenebria III sein – das Ding ist multifunktional!

Hier das Dorf des Stammes. Natürlich auch auf einer alten Ruinenfläche errichtet, weil die Hütten dann nicht im Matsch einsinken. Sobald Rishi-Hütten wieder günstig im GTN sind, kaufe ich eine dritte dazu.

In der Höhle gibt es leider deutlich zu wenige und seltsam verteilte Hooks, so dass meine Kristallhöhle für Rednelak und seine Schülerin Bahjia etwas spärlich bestückt ist. Den Rest muss eben die Phantasie richten!

Und als Letztes: Saqrs Hauptlager. Mit ein paar Pilzen und direkt an einem hübschen See gelegen. Ein bekanntes MMO-Übel sind viel zu große Möbel. Nicht einmal Rednelak würde hier richtig proportioniert aussehen!

Der Stronghold wird ein ständiges Work in Progress sein, da ich ihn für alle möglichen Szenarien verwenden möchte. Außerdem sind meine Charaktere nach dieser Mammutanschaffung erst einmal blank und ich muss etliche Dailies kloppen, bis ich wieder flüssig sein werde.

Und morgen … schreibe ich vielleicht eine Geschichte über die womöglichen Reste eines bösen, alten Geistes, der Gestern im RP seine Schatten vorauswarf!

Ghurab: Nachtregen

31. Juli 2015 Kommentare aus

Ich weiß nicht, was mich geweckt hat. Als ich die Augen öffne, ist erst einmal Verwirrung. Wo ich bin. Was ich bin. Das übliche. Ich atme tief durch, spüre ein Gewicht auf meinem nackten Bauch und fange an, mich zu erinnern.

Ich schiebe den Arm, der mir auf den Magen drückt, zur Seite. Von rechts kommt ein schläfriges Murmeln aber kein Erwachen. Der Ozongeruch eines Gewitters steht in der warmen Nachtluft. Von draußen dringt das Anbranden des Regens durch die offene Terrassentür. Ich sehe hinaus; der Gewitterhimmel hängt hell vor dem Schwarz des Gästezimmers. Ein Blitz wandert über die Wolken. Ich zähle. Donner. Noch etliche Kilometer entfernt. Ein Windstoß schiebt die Moskitonetze nach innen. Dann wieder Windstille, nur das Rauschen des Wassers.

Wie schon seit Monaten ist der erste Gedanke immer: “Tannan”. Ich stehe auf und gehe leise hinüber zu ihrem sorgfältig eingegitterten Bett. Hinter mir immer noch keine Regung.

Sie ist wach. Natürlich. Wahrscheinlich hat sie mich geweckt, in dem sie mir in den Kopf gesprungen ist. Sie ist unglaublich begabt darin, sich mit der Macht anzunähern und zu sehen. Aber sie ist erst ein halbes Jahr alt, weshalb sie weder von Erziehung noch Moral daran gehindert wird, diese Fähigkeit zu den unpassendsten Zeitpunkten einzusetzen.

Sie sieht zu mir hoch, streckt mir ihre Arme entgegen. Ernst in den phosphoreszierend gelben Augen. Ihre Majestät möchte vom Butler hochgehoben werden. Jetzt. Ich greife nach ihr und nehme sie auf. Trage sie zum Durchgang nach draußen. Ich mache einen Schritt auf die Terrasse. Ein kleines Vordach schützt uns vor dem Regen, den der Wind trotzdem bis fast ins Zimmer drückt. Die Nässe unter meinen nackten Sohlen ist warm auf den uralten Steinquadern.

Wir sind an der Ostseite von Onkel Ginyus seltsamem Rückzugsort, mitten im Nichts, weit weg von der Familie und die Koordinaten so geheim, dass es etliche Sprünge durch etliche Reifen brauchte, bis ich überhaupt wusste, wo ich hinmusste. Das Anwesen ist ein uralter Tempel. So lange verlassen, dass selbst Machtgeister sich vermutlich gelangweilt haben und weggezogen sind. Zwischen den Granitquadern der Mauer wachsen Schlingpflanzen, krallen sich fest und sprengen in langsamer Arbeit Plättchen um Plättchen ab, bis irgendwann nichts mehr übrig sein wird und der Dschungel, der von unten an das Hochplateau brandet, sich alles zurückholen wird.

Wieder einer von seinen verrückt-genialen Plänen. Wieder einmal Teil von etwas sein. Diesmal allerdings ohne Meister Concabille. Statt dessen ist Skaara wieder bei uns. Tannan freut sich darüber; sie mag ihn und seine seltsame Mischung aus Licht und Schwärze. Und ich freue mich auch. Seine unaufgeregte Art erinnert mich an den Meister. Wir können kämpfen, unsere Fähigkeiten messen und voneinander lernen. Meine Philosophie des Konflikts und seine der Begegnung von Weiß und Schwarz treffen zwischen zwei Klingen aufeinander.

Tannan sitzt mir auf der Hüfte und hat eine Hand fest um einen meiner Kinntentakel geschlossen. Sie sieht aufmerksam in den Regen. Beobachtet vermutlich die Myriaden Lebensfunken im Dschungel oder versucht ein paar jagende Fleischfresser anzulocken. Ich küsse ihre warme Stirn, flüstere in das winzige Ohr “Such´ deine Mutter, Kampfzwerg. Sag mir, wo sie ist. Und wie es ihr geht. Machst du das für mich?” Sie dreht das Gesicht nach oben, sieht mich an. Wie viel versteht dieses Kind schon von dem, was ich sage? In Momenten wie diesen habe ich das seltsam beunruhigende Gefühl, dass es wenig gibt, das sie nicht begreift.

Aber das wäre zu viel verlangt. Niemand kann quer durch die Galaxis … nein. Vielleicht. Aber nicht jetzt. Nicht so klein, nicht so unerfahren, nicht ohne jede Ausbildung. Außerdem ist es besser wenn ich nicht weiß, wo der Meister ist. Denn das bedeutet, dass sie ebenso ahnungslos ist, wo ich mich aufhalte. Und so lange Tannan noch durch Borraa und den Rest der Familie in Gefahr ist, dürfen wir keine Spuren hinterlassen.

Der Meister wird sich melden, sobald sie die gefunden hat, die wir suchen. Und falls sich diese … Personen als die richtige Wahl erweisen. Bis dahin sind wir aufgeteilt, bilden schwierigere Ziele.

Vielleicht ist es ja nur Paranoia. Vielleicht jagt uns keiner der Familie. Vielleicht haben sie längst andere Ziele. Für ihren Hass. Ihren Ehrgeiz. Ihre Unversöhnlichkeit. Aber auf ein “vielleicht” will ich nicht bauen.

Das Gewitter kommt näher. Als ein heftiger Windstoß den moosigen Geruch des Dschungels zu uns heraufträgt, streckt Tannan die Arme danach aus und lacht. Ein blauweißer Blitzfinger fährt ein paar hundert Meter vor-unter dem Tempel in das wogende Durcheinander der Baumwipfel, das metallische Krachen des Donners treibt mich zurück ins Innere des Gästezimmers.

Als ich Tannan in ihr Bett lege, ihr leise “Morgen gehen wir in den Wald” verspreche, während ich das dünne Leintuch über sie ziehe, spüre ich Skaaras nicht-Blick in meinem Rücken. Nicht meine Schuld, dass er wach ist. Der Donner ist lauter als Tannans Gedanken.

Das Gewitter rumpelt durch den Talkessel, als würde es hundert leere Fässer mitschleppen.

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