Ein Handel mit dem Teufel

28. August 2016 Hinterlasse einen Kommentar

Zach-jamieDas war eines der schönsten Dinge an Amerika! Man musste nur den richtigen Akzent mitbringen, ein wenig Benehmen auffahren, sich zu den richtigen Zeiten dann wieder auf dreist-selbstverständliche Art eben nicht benehmen und schon war man ein Lord.

Und kein Pfarrerssohn aus den langweiligen Cotswolds, zu jung für den großen Krieg, zu jung für das, was passierte und zu alt für diesen Scheiß.

Zachary stand auf. Keine große Vorsicht von Nöten. Seine drei Spielgefährten waren weit jenseits der Ansprechbarkeit. Er ging zur Kamera und schaltete sie aus. Zog die Speicherkarte heraus und schnappte sich das Laptop. Er schlenderte hinüber zu den großen Fenstern, seine Füße verursachten auf den kalten, glatten Holzbohlen kaum ein Geräusch und die Kühle machte ihm nichts aus. Ihre Lordschaft hatte gut gespeist, ebenso guten Sex gehabt und Einverständniserklärungen für Videos waren Pillepalle, um den er sich noch nie gekümmert hatte. Vor allem dann nicht, wenn sein optisches Alter beim Rest der Beteiligten sowieso dafür sorgte, dass sie freiwillig ruhig blieben. Dies war ein gutes neues Jahrhundert!

Und hin und wieder kam sogar jemand vorbei, der aus der Masse herausstach. Sorgte mit ein wenig Aufregung dafür, dass Zachary sein Ennui vergessen konnte. Aufhörte, sehr bewusst zu verdrängen, warum er nicht mehr in London war und statt dessen einfach das Hier und Jetzt vergaß.

Wie dieser Tänzer (ein Tänzer! Von allen Menschen, hatte es ein Tänzer sein müssen. Das konnte nur ein Zeichen sein. John hätte ihm jetzt gesagt, wer an Zeichen glauben würde, sollte dringend seinen Kopf untersuchen lassen … aber das war doch ein bisschen zu viel für einen Zufall. Nicht, dass Zachary nun behaupten würde, Arikel wäre auferstanden und würde durch diesen Magus zu ihm sprechen … aber ein wenig amüsierte Ehrfurcht hatte noch nie geschadet).

Es hatte ein wenig Überwindung gekostet, die Naivität des Jungen nicht auszunutzen und ihn zu trinken. Nur ein bisschen … Aber das wäre Zachary nicht gut bekommen. Zu rein, zu gut ernährt, keine Chemie in ihm. Wohlschmeckend aber nicht das, was wirklich nahrhaft gewesen wäre.

Zu seiner eigenen Überraschung war Zachary sicher, dass er Jamie helfen würde. Einfach so. Ohne Hintergedanken und vermutlich sogar ohne all zu viel für sich selbst an Profit herauszuschlagen. Vermutlich seine viel zu präsente romantische Ader. Er schnaubte ein Lachen.

Aus einem unerklärlichen Impuls heraus öffnete er Skype. Klickte auf Sues Avatar … Anrufen. Es dauerte etwas, dann ging sie ran. War offensichtlich am Handy, denn er hörte das rhythmische Klacken ihrer Absätze und ein Klirren, als sie ihren Kopf zur Seite warf und ihre Ohrringe sich verfingen. „Na sowas, der verlorene Sohn meldet sich. Ich dachte, du trotzt noch mit John und redest deshalb auch mit keinem von uns, Kleiner.“ – „Ja. Hallo Sue. Ich freue mich auch, deine Stimme zu hören.“ – „Ach Zach, sei nicht die beleidigte Diva. Natürlich freue ich mich. Aber ich bin auf dem Weg zu Evelyn-“ Sue brach ab. Ja, das war dann doch etwas zu viel. Zachary bereute es schon wieder, angerufen zu haben. Zu viel alte Dinge. Zu viele Jahrzehnte und zu viele Emotionen.

Sue nahm die abgebrochene Unterhaltung selbst wieder auf. „Es tut mir leid. Aber ich kann nicht um alle Themen herumschleichen, wenn du dich alle Jubeljahre wieder meldest. Klär´ das mit den Beiden und lass´ mich da raus.“ – „Du weißt, dass man das nicht klären kann. Ventrue haben immer recht. Weil. Und darauf habe ich keine Lust. Es ist ja auch nicht so, als hätte einer von euch anderen irgendwie eingegriffen.“

Sue lachte ein wenig gekünstelt. „Zach … ich werde keine Partei ergreifen. Das ist eure Sache. Und außerdem weiß ich ziemlich genau, dass John so staubtrocken und nüchtern ist, dass alles Drama immer nur von dir ausgeht, mein Süßer. Also – nicht mein Bier. Aber ich mag mich nicht streiten. Ich freue mich, von dir zu hören. Wie läuft es in den Kolonien?“ – „Alles in Ordnung. Ich bekomme doch mit, dass du meinen Channel abonniert hast, also siehst du doch, was los ist.“ – „Ich weiß, wem du Drogen verabreichst und mit wem du dann vor der Kamera amüsante Schweinereien veranstaltest. Aber das sagt mir nichts über dich.“ – „Hm. Ja. Nun, nichts Besonderes.“ – „Du rufst nicht wegen nichts Besonderem hier an.“ – „Na gut. Ich hatte eine kurze Begegnung mit wahrer Liebe. Und du weißt ja, dass mich das immer ärgert. Also wollte ich mit jemandem reden, dem so etwas völlig fremd ist.“

Eine kurze Pause am anderen Ende. Der frühmorgendliche Verkehr in London war noch spärlich aber zu hören. „Ah ja. Du bist immer noch ein Biest, Zach. Und du hast auch immer noch die Marotte, dass dir andere weh tun sollen, damit es nicht so schmerzt. Aber heute steige ich nicht darauf ein. Werd´ erwachsen, mein Herz. Du weißt, dass du immer zu mir kommen kannst. Meinetwegen wohne auch wieder in der Mansarde. Aber das Gekasper mit John und Evelyn bekommst du bitte ganz allein in den Griff. Apropos Evelyn. Ich stehe gerade vor seinem Haus. Also muss ich jetzt auflegen. Bis bald, Zach.“

Stille. Sie hatte tatsächlich einfach das Gespräch beendet.

Hatte ihn mit diesem ganzen Irrsinn allein gelassen, den Mr. Smith vor seinen Füße gekippt hatte, weil er dem pompösen Sir O. noch einen Gefallen schuldete. Mit einem jungen Magus, den man nicht komplett fressen durfte. Mit, ja … wahrer Liebe und ihren Folgen. Die er morgen ganz direkt ins Gehirn gepustet bekommen würde. Ganz großes Kino.

Andererseits war ihm schon länger langweilig. Und das hier versprach Potential für Amüsement zu haben. Schon allein, dass der Junge so furchtbar wenig wusste! Wie putzig er ihm Blut angeboten hatte! Wie ein harmloser Welpe, der gerade tapsig aber entschlossen auf eine Industriefritteuse zuhopste.

Und weil Zachary war, was er nunmal war, würde er solch anmutige Schönheit nicht sterben lassen. Würde er seinen Teil beitragen, um das Richtige zu tun. Widerwärtig.

Er zog seine Kleidung aus dem Haufen in der Mitte des Raumes und griff sich seine Autoschlüssel. Seine Liebe zu italienischer Ingenieurskunst hatte in den letzten neunzig Jahren nicht nachgelassen. Er vermisste den 35 B. Der zwar natürlich nicht aus Italien gekommen war – aber damals hatte man das noch nicht so eng gesehen. Jetzt hatte er sich den Aventador zugelegt. Weil ihm der Tesla immer noch zu brav war. Gutmenschenautos …

Und wahre Liebe. Alles war so wundervoll, dass man nur sein Bestes tun konnte, sich das Hirn an einer Highwaybrücke zu verteilen. Was natürlich keine gute Idee war, wenn die Lieferzeit des Lambo so verdammt lange war.

Zachary seufzte resigniert.

Lambo

Wartungsarbeiten im Kopf

26. August 2016 4 Kommentare

Sigurson_Swords_a

… deshalb hier im Moment nicht besonders viel los. Ich habe ein paar Tage gar nichts getan, nur Preacher geschaut. Sehr nette Serie. Man darf nur nicht erwarten, dass sie das Comic als Vorlage benutzt hätten. Vielmehr ist es eher „inspired by“. Das aber wirklich gut.

Wem Preacher nichts sagt: Das ist eine der stilbildensten Comicserien der Neunziger. Ein gezeichneter Roadmovie voller bizarrer Gestalten. Eine Suche nach Gott, um ihn zu töten. Eine Vision eines dystopischen und doch völlig realen Amerika. Verstörend und sehr unterhaltsam. Sollte man gelesen haben, wenn man sich für Comics interessiert (wobei ich Ennis´ frühe Hellblazer-Storyarcs bedeutender finde als Preacher. Aber das ist eine Einzelmeinung).

Zuerst dachte ich, Jesse wäre sehr fehlbesetzt – aber mit der geänderten Origin-Story passt das richtig gut. Mal sehen, ob und wie sie Jody und T.C. reinbringen. Wirklich perfekt ist Cassidy gelungen. Auch wenn ich den stark betonten irischen Dialekt manchmal ein wenig zu übertrieben finde – das herzliche „Shite!“ ist dennoch immer wieder schön.

Als absoluter Fehlgriff sticht nur Tulip heraus. Diesem Charakter haben sie die Persönlichkeit völlig genommen. Und ist die Affäre zwischen ihr und Cassidy im Comic ein drogeninduzierter Horrortrip mit sehr beklemmendem Machtgefälle und völlig ausgeschalteter Selbstbestimmung wird das Ganze in der Serie zu einem unmotivierten Langeweile-Fick (nicht besser gemacht durch das „I fell for you“ von Cassidy. Sorry … warum? Weil sie dich aus einem Fenster geworfen und dir den Arsch versohlt hat? Not buying it). Enttäuschend.

Wie auch im Comic gibt es praktisch keine LGBTQ-Repräsentation über den Freakfaktor hinaus. Ist halt absolut Neunziger (und hat Ennis als Autor, der da zwar noch am Anfang seiner Beklopptheit stand, die mit The Boys unerträglich wurde, aber auch der Anfang war schon beachtlich beknackt), da erwartet man das nicht wirklich. Und dass sie Jesus de Sade und seine Party (… das Gürteltier …) zeigen werden, bezweifle ich sehr, sehr stark. Nicht einmal Mr. Quincannon durfte seine Nazi-Anwältin und die Fleischfrau behalten (bis jetzt. Ich habe die erste Staffel noch nicht fertig). Dass sie den Saint of Killers so früh und gelungen mit reinbringen, hat mich hingegen sehr gefreut.

Dennoch ist es im Gesamten wirklich hübsch gemacht. Wie gesagt: Man darf es auf keinen Fall mit einer Verfilmung des Comics verwechseln. Es wurden nur das Personal und ein paar Grundelemente verwendet.

Vermutlich war es auch die klügere Entscheidung, die Story nicht 1:1 zu benutzen. Zwar lässt sich so ein Roadmovie gut als Serie inszenieren – aber ich glaube schon, dass alles darin sehr zeitgebunden ist. Ich bin noch nicht so weit mit Schauen, dass ich wüsste, warum Arseface sich in der Serie die Schrotflinte ins Gesicht gehalten hat, bezweifle aber, dass es auch diesmal der Selbstmord von Kurt Cobain war, da würde im Jahr 2016 einfach jeder direkte Bezug fehlen. Soll heißen: Die machen das schon richtig. „Inspired by“ ist großartig.

Deshalb: Deutliche Empfehlung auch an Fans. Kann man im Moment kostenlos mit Amazon Prime schauen.

Außerhalb des Fiktiven bin ich ein Risiko eingegangen. Ich lasse die Telekom meine Leitung auf 50 Mbit aufbohren und gleichzeitig auf Voice over IP schalten. Das habe ich bisher vermieden, weil ich sehr gebranntes Kind bin, was Veränderungen an Leitungen angeht. Die Wahrscheinlichkeit, dass man dann durch bizarre, unkontrollierbare Umstände wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten ist, ist einfach recht hoch. Aber erstens muss das Upgrade wirklich sein, zweitens kostet es weniger, als ich derzeit zahle und drittens kann man doch auch irgend wann einfach mal Glück haben. Nun, wir werden sehen. Sollte ich ab dem 15. September von der virtuellen Bildfläche verschwunden sein, haben sie´s gerissen. I also like to live dangerously.

Vorher hoffe ich natürlich, dass ich den Changeling-Plot weiterbekomme. Der wurde nun durch meine Blockade erst einmal ausgebremst, was mir sehr leid tut und wofür ich bei den anderen Beteiligten um Entschuldigung bitten möchte. Ich kann nicht versprechen, dass solche Ausfälle nicht jederzeit wieder vorkommen können. Aber das ist auch mit ein Grund, warum ich mich aus großen Online-RP-Plots herausgezogen habe. Ich möchte nur einer überschaubaren Anzahl von Mitspielern auf den Sack gehen. Deshalb mein Dank an diese überschaubare Zahl, die mit mir klarkommt: Ihr seid großartig.

Sigurson_Swords_b

Schlagwörter: ,

Man hat nie genug Werwölfe

18. August 2016 Kommentare aus

Alpha_Crinosrhys_Nasenkuss

Und sogar ein White Shadow dabei. Allerdings 130 Jahre vor Sigurson. Da war das noch ein deutlich schwierigerer Verein. So richtig mit Outlawdasein, sich schwarz verfärbendem Fell und Haar und dem Verlust von Namen und Mond.

Mehr habe ich heute nicht, auch wenn mich das Bauen in den Fingern juckt. Zuerst der Plot, dann der Umbau.

Exklusivität und dergleichen

17. August 2016 5 Kommentare

Sigurson on a bike

Man musste eine Weile suchen, um die Website überhaupt aus dem Wust der Angebote herauszufischen. Anscheinend gab sich die Besitzerin nicht wirklich Mühe, ihr unbekannte Gäste anzulocken, sondern verließ sich auf Mundpropaganda. Nicht unüblich in dieser Exklusivitätsklasse. Man wollte nicht den Straßenpöbel, sondern empfohlene Besucher. Wohlerzogen und zum Profil passend.

Schwierig da rein zu kommen. Sigurson klickte sich durch die Links, betrachtete Bilder der Insel; von lachenden Menschen und spielenden Kindern.

In früheren Zeiten hätten sie den direkten Weg genommen. Wären mit einem Kriegsrudel einfach aus dem Umbra gesprungen, hätten angegriffen, getötet, den Job erledigt.

Heute ging das nicht mehr. Zu wenige. Viel zu wenige. Man stemmte sich gegen den Sturm, so gut man konnte. Und war in der Wahl der Mittel nicht mehr besonders zimperlich. Sie mussten an zu vielen Orten zu gleich sein. Mit viel zu wenigen Kriegern.

Bevor er bei White Shadow Ltd. angefangen hatte, war er mit einem Haufen Children of Gaia auf einem Schiff der Sea Shepherd gefahren. Dort war alles irgendwie noch wie in früheren Zeiten. Einfach, ursprünglich. Das Entern isländischer oder japanischer Walfangschiffe war eine sehr direkte Sache und der Besatzung glaubte nach ihrer Rückkehr im schlimmsten Falle sowieso niemand, dass Bestien aus den buntesten Alpträumen ihre Ausrüstung zerlegt hätten.

Und heute? Heute ging man subtil vor. Weil man allein im Dschungel war. Auf sich gestellt im Labyrinth der Häuser.

In London war es schon weit nach Mitternacht. Egal. Aber offenbar hatte Jason anderes zu tun, als zu schlafen. Seine ruhige, kühle Stimme klang nicht so, als hätte Sigursons Anruf ihn aus dem Bett gerissen.

„Es gibt Probleme?“ – „Dir auch einen guten Abend, Jason. Nein, keine Probleme. Ich brauche ein paar Credentials.“ – „Was willst du tun? Ein Konto eröffnen?“ – Sigurson schnaubte leise. „Klar. Ich habe ein paar Kolumbianer kennengelernt, wir sind ins Rauschgiftgeschäft eingestiegen … Im Ernst. Ich brauche eine Empfehlung, um als Gast auf die Insel zu kommen. Hast du Kontakte?“

Stille vom anderen Ende der Leitung. Ein leises Rascheln, als Jason das Telefon zwischen Ohr und Schulter klemmte, um tippen zu können.

Sigurson wartete. Betrachtete die nikotingelben Vorhänge des Zimmers, die sich steif in der Kühlschrankbrise der Klimaanlage bewegten.

Schließlich atmete Jason tief ein. „Hab etwas. Eine Therapeutin aus Maryland. War zweimal auf der Insel, also kein echter Stammgast aber in der Kartei. Nicht bekannt genug, um dich mit Fragen in Verlegenheit bringen zu können. Und vor allem derzeit für ein Jahr in Bangladesh, also hübsch unerreichbar. Ich gebe dir alle relevanten Daten.“

Sigurson tippte auf den Refresh-Button und ein weiteres File materialisierte sich. Kurz konnte er das elektrische Zwinkern eines Netzgeistes sehen. Jasons kleine Freunde waren ihm unangenehm, ohne dass er hätte benennen können, warum genau. Vermutlich wieder eine dieser Traditionssachen.

„Habe es. Danke.“ – „Sonst noch irgend etwas Wichtiges? Du kommst klar?“ – „Es ist alles verdammt langwierig für so einen straight-forward-Job. Aber ja, ich komme klar.“ – „Es kann nicht alles hit and run sein, Mohammed.“ – „Ich weiß. Ich wollt´ nur motzen.“ – Ein fast-Lachen von der anderen Seite des Atlantiks. „Wir gehen alle zusammen essen, sobald du wieder in London bist. Kann man prima von der Steuer absetzen.“ – „Ich kenne dein Essengehen. Im Red Rooster saufen, bis es völlig egal ist, was man essen will.“ – „Mir entgeht dein Problem damit.“ – Nun war es an Sigurson, zu lachen. „Ja, ist gut. Alles in Ordnung. Ich lass´ dich dann mal schlafen und schreib unserer Miss L. eine freundliche Mail. Gute Nacht, Jason. Und keine Waltons-Witze.“ – Kurze, amüsierte Stille, dann „Gute Nacht, Mohammed“

Sigurson legte das Telefon vor sich auf den Tisch, lehnte sich vorsichtig auf dem wackeligen Stuhl zurück und rieb sich die Augen, bis Schnee vor ihm tanzte. Dann dehnte er die Schultern, ließ seine Wirbel knacken, griff nach dem Tablet. Zeit, freundlich und kreativ zu werden.

Jason hatte ihm eine zur Therapeutin passende kleine Backstory gegeben. Aber davon würde er nur das Notwendigste verwenden. Zu viele Details weckten nur Misstrauen. Also gut …

Guten Tag Mrs. L.

Mein Name ist Sven Guldberg (… woher hatte Jason solche Decknamen? Aus dem Buch „Skandinavische Stereotypen und wie ich sie passend einsetze. Smörrebröd!“ …) und ich wende mich auf Grund der Empfehlung von Dr. Preissinger aus Annapolis an Sie, die in den letzten Jahren schon zwei Mal Gast auf Ihrer Insel war und sich voller Enthusiasmus über Ihr Resort geäußert hat. Ich habe in den nächsten Wochen einige Vortragstermine an der Ostküste und würde eine mehrtägige Pause auf Ihrer Insel zur Erholung sehr zu schätzen wissen. Ich würde gern vier Nächte ab dem nächsten Dienstag buchen, sollten Sie noch Kapazitäten haben.

Ich freue mich auf die Ruhe und Abgeschiedenheit,

S. Guldberg

Senden. Und dann warten. Wahrscheinlich noch mehrere Tage. Sigurson strich sich mit der flachen Hand übers Gesicht, spürte trotz der Kälte der Klimatisierung Feuchtigkeit auf der Stirn. Vielleicht schlug sich ja Kondenswasser auf ihm nieder, wie an einem Felsen.

Warten war nichts, was ihm Freude bereitete.

Aber er war gut darin.


OOC: Natürlich habe ich Aranzas Nachnamen vergessen. War zu erwarten. Aber immerhin habe ich noch im Kopf, dass er mit „L“ anfängt!

Abwarten

15. August 2016 5 Kommentare
Sigurson is not very mature

Sigurson, sich erwachsen benehmend.

Ich warte auf eine Antwort auf eine NSC-Anfrage. Bis dahin kann im Changeling-Plot nicht viel vorangehen. Ist nicht schlimm, spielt man bei Bedarf kleine Szenen, die den Hauptplot nicht wirklich beeinflussen. Einen Besuch auf Coney Island zum Beispiel.

Und ansonsten stellt man Überlegungen an. Macht Finetuning am Setting. Wandert herum.

Ich bin immer noch MMO-übersättigt und deshalb im Moment nicht in TESO, obwohl ich Cadwell´s Silver immer noch nicht fertig habe. In SWTOR habe ich das letzte Kapitel der ersten KOTFE-Season gespielt und war auch nicht überwältigter als von den Kapiteln zuvor. Sehr schwache Storyleistung und die Bosse waren einfach nur der Athis-Endboss und der Droidenboss aus Dread Fortress (minus ein paar Mechaniken. Also noch anspruchsloser). Der Endkampf mit dem ach so bedrohlichen Oberbösewicht war unnötig lang, nicht sehr spannend, zu keinem Zeitpunkt gefährlich und mit der Verlangsamungsmechanik des Schildes einfach nur zäh.

Die Zielgruppe von SWTOR hat nun endgültig das Spielniveau der Zielgruppe von WoW erreicht. Man muss zwar noch ein paar Knöpfchen mehr drücken als bei Blizzards Schlachtschiff, aber prinzipiell ist nun alles gleich hohl.

Glauben die Verantwortlichen bei Bioware wirklich, die Frustrationstoleranz ihrer Spieler sei so gering, dass ein Kapitel mit anderen Gegnern als Skytroopern sie sofort in Hissyfits zusammenbrechen ließe?

Meine Frustrationstoleranz ist jedenfalls mittlerweile sehr dünn geworden. Und die Motivation, noch mehr Charaktere durch die KOTFE-Story zu schleppen, bewegt sich auf Fußleistenhöhe.

Schade drum. Dieses Spiel war einmal wirklich gut. Wirklich fordernd und hat wirklich Spaß gemacht. Mit 4.0 haben sie es getötet.

Ich dachte ja, dass 4.0 wegen des beknackten Zeitsprungs für mich das Ende der Fahnenstange werden würde. War es in gewisser Weise auch, da ich ab dann die Motivation zum RP ziemlich verloren habe – obwohl das Korrelation gewesen sein könnte, keine Kausalität. Aber letztendlich hat 4.0 auch das PvE langsam aber sicher ausgedörrt und begraben. Und das lag nicht am Zeitsprung, sondern an der Mischung aus ewige gleichem Grinding für die Alliance-Rufkisten („Los du Wurm! Mach die selben Heroics noch tausend Mal! Hopp-hopp!“) und dem Fehlen neuer Anreize. Auf 65 skalierte OPs. Woo-hoo. I can hardly contain myself.

Vielleicht kündigen sie ja nun nach Ende dieses unsäglichen Storybogens neue Inhalte an. Zwar vermutlich nicht, so lange WoWs neues Addon vor sich hin hyped – aber das dauert bekanntermaßen ja nie länger als drei Monate, bis die meisten Leute die Inhalte abgegrast haben und sich wieder auf andere MMOs verteilen. Dann ist es für die kleineren Publisher sicher und sie können die Federn spreizen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Schlagwörter: , ,

Noch einmal die Ebene. Ein Überblick.

13. August 2016 Kommentare aus

Krater_a

Sie ist tatsächlich groß. Sehr groß. Steht man in ihrer Mitte, sieht man weit hinaus zu den Kraterrändern und muss nach oben schauen, um überhaupt die hinter dem Rand liegenden Dünen und Felsrippen erfassen zu können.

Mir gefällt diese Landschaft. Nicht, dass ich sie ewig stehen lassen möchte. Ich mag Abwechslung. Und im Laufe des Plots wird sich die Ebene hoffentlich auch verändern. Aber derzeit ist es meine Ästhetik du jour.

Ich arbeite noch daran. Allerdings nicht mehr gezielt. Sollte ich noch etwas finden, das mir passend erscheint, wird es addiert. Ansonsten bin ich zufrieden. Die Ebene wirkt angemessen riesig und verlassen und wenn man zwischen den sehr großen Steinen steht, wird einem die eigene Winzigkeit bewusst.

Ich sollte noch Vergleichsbilder mit einem normalgroßen Avatar machen, um das zu verdeutlichen.

Krater_b

Schlagwörter: , ,

Die Ebene. Nicht New York.

12. August 2016 4 Kommentare

Während in New York Sigurson mit seiner Munitionstasche zurück zu der schäbigen Pension schlenderte, in der er untergekommen war, und noch erwog, einen weiteren Abendspaziergang zum Hudson zu machen – nur um eventuell ein wenig belanglosen Ärger zu suchen.

Während in den Hamptons Jamie damit beschäftigt war, Wings of Ether menschliche Umgangsformen nahezubringen – und nicht sicher war, ob der Satyr ihn nicht die ganze Zeit nur auf den Arm nahm.

Während der Großstadtschamane, der sich im Moment Red nannte, an einem Fetisch arbeitete, was hier in der Nähe des Caerns auf der Insel erstaunlich leicht von der Hand ging.

Gab es noch andere Dinge … Orte …

Ein sanfter Wind flüsterte von Nordwesten her über die Ebene. Hob ein paar Papierfetzen auf, spielte damit und legte sie wieder ab, als hätte er vergessen, was er damit tun wollte.

Der Zustand bemühte sich, ein Bewusstsein zu werden. Denn er spürte zwar nicht den Wind und konnte auch nicht sagen, ob über der mit Kratern bestäubten Ebene eine Sonne schien, weil er vergessen hatte, was eine Sonne war … aber er fühlte deutlich, dass seine Arbeit Früchte getragen hatte. Die winzige Veränderung, zu der er fähig gewesen war, diese wenigen Moleküle, die er zu seinen Gunsten manipuliert hatte, waren an den richtigen Platz gefallen. Hatten das in Bewegung gesetzt, was nun auf den Punkt zu lief, den der Zustand nutzen wollte.

Jahrhunderte? Äonen? Minuten? Nein, nicht Minuten. Der Zustand nahm zusammen, was er als ich zu betrachten begann. Er war ich. Er war Bewusstsein.

Ab jetzt spürte er das Vergehen der Zeit. Entwickelte ein Gefühl dafür, dass er wartete.

Und er mochte es nicht, zu warten.

Seine Figuren waren dabei, ihre Plätze einzunehmen. Bis dahin konnte er nichts mehr tun und das machte ihn … ärgerlich. Ja, er fühlte. Gut! Er wurde stärker.

Er wirbelte über die Ebene, tauchte in die Schatten der großen Steine. Griff nach Sandkörnern, denn er wollte wieder lernen, zu berühren.

Nach einer Stunde … Minute? Nein, nicht Minute. Hatte er das Blatt eines trockenen Farns einen Millimeter zur Seite geschoben. Zufriedenheit breitete sich in ihm aus.

Aber es war nicht genug. Er musste noch viel stärker werden. Durfte sich nicht nur darauf verlassen, das Immaterielle manipulieren zu können.

Er musste trainieren.

Zum Glück war die Ebene dazu sehr gut geeignet.


OOC: Den Plot zu entwickeln, Dinge dafür zu schreiben. Das ist die Art von Kreativität, die mir bei RPs am meisten gibt. Und das alles auch noch in einem Tempo, das es mir erlaubt, nachzudenken. Nicht zu schnell. Nicht zu hektisch. Spannung kommt nicht aus dem Hals-über-Kopf.

Und ja, die Wüste ist Geschichte. Wurde zu Gunsten des dunklen Kraters abgerissen. Aber ist er nicht eine großartige Darstellerin schlimmen Unheils? Seht die düst´re Dame in rotem Samt, die große Primadonna. Sie hat wohl viel gelitten.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.461 Followern an