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Curry-Schranke und die Kunst

14. September 2012

Gestern habe ich auf hochkulturell-elitäres Bildungsbürger-Arschloch gemacht, heute sitze ich in Assipelle auf der Couch. Second Life machts möglich! Und natürlich die Tatsache, dass man dieses echt passende Outfit kaufen kann. Vermutlich soll es hip und stylish sein (swag!), aber wenn man es richtig macht ist das eindeutig Samstagmorgen in Gelsenkirchen. Ja, mir fehlen Adiletten und das Dosenbier. Aber manche Accessoirs sind eben nicht auf Knopfdruck verfügbar!

Die Klamotten sind zwar nett, doch sind sie nicht das Thema dieses Posts. Wobei sie – ohne dass ich es anfänglich beabsichtigt habe – doch zu einem gewissen geistigen Rahmen wurden.

Für: Kunst.

Kunst in Second Life. Dazu habe ich mittlerweile ein sehr gespaltenes Verhältnis. Ich liebe die sinnfreien Spielereien eines Tinguely, die mich noch am ehesten an das erinnern, was in SL gemeinhin Kunst ist. Aber … , ja, es gibt nach solchen Einleitungen immer ein „aber“. Und meines ist vage und unbehaglich.

Kunst in Second Life … Bisher habe ich hier zwei Varianten ausgemacht, die mich beide auf ihre Art sehr leer zurückgelassen haben. Natürlich könnte man einwerfen, dass es nicht die Aufgabe von Kunst ist, mich mit Inhalt zu füllen – aber komplette Leere ist auch nur ein, zweimal eine nette Sache.

Variante eins ist das, wozu die Sim gehört, die ich gestern mit Mell betrachtet habe.

Wie man sieht: handwerklich nett gemacht. Aber warum muss ich mir ansehen, was jemand anders sich zu Coleridges Ancient Mariner gedacht hat? Die Ballade ist von sich aus schon so voll mit Bildern, dass ich eigentlich keine weitere Visualisierung brauche.

War nett gemacht. Die anderen beiden Installationen auch.

Und genau das ist es: Nett. Es ist alles gefällig anzusehen, man denkt sich „Oh, da hat aber einer schön gebaut. Schicke Texturen!“ und das war es dann. Es ist alles sehr Art Nouveau. Ich mag Jugendstil, da er die Grafik zur Kunst gemacht hat – aber viel mehr eben nicht. Und das, was ich in Second Life größtenteils als Kunst präsentiert bekomme, ist nichts anderes: Grafik zur Kunst erhoben. In vier Dimensionen. Alles kreist um sich selbst. Alles ist Fast Food – bunt, lecker und man hat nach zehn Minuten wieder Hunger.

Die andere SL-Kunstvariante gefällt mir auch nicht besser. Die geht den Weg der maximalen Reduktion und Hässlichkeit, sieht aus, als hätte jemand einfach sein Inventar ausgekippt und erschlägt meist mit Hitlerbildern, Blut oder Kriegsgebiettexturen. Hier ist die Optik eindeutig nur Vehikel (und zwar ein Vehikel, das nicht über den nächsten TÜV käme) und die Botschaft sitzt darauf wie eine sehr fette Dame auf einem sehr wackligen Klappstuhl.

Standardantwort: „Dann mach´s doch besser!“ Nein, mach ich nicht, kann ich nicht. Ich bin kein Künstler. Schon im Studium habe ich das Seminar informelle Malerei gemieden wie der Teufel das Weihwasser, weil ich nichts Abstraktes hinbekomme. Aber immerhin weiß ich, dass ich Kunst nicht kann und nie können werden. Ich bin Handwerker.

Und irgendwie habe ich das Gefühl, das sind die meisten SL-Künstler auch …

Ich schau´s mir an, ich konsumiere es, ich denke nicht gerade lange darüber nach. Es geht nicht darum, ob etwas gefällig ist. Auch Gefälliges kann Kunst sein (grausiger Satz). Die unterkühlte Ästhetik eines Edward Hopper oder Helmut Newton ist auf den ersten Blick gefällig und trotzdem trifft sie einem ins Mark. Die wilden Bilder eines Max Ernst, die dem Durcheinander in Second Life am nächsten kommen, sind trotz aller Dada-Nicht-Philosophie viel … hmmm … füllender als die nett anzusehenden Geschichten auf den LEA-Sims.

Ich fürchte, es liegt mal wieder an mir. Ich bin ein nörgeliger Snob, der´s nicht besser machen kann. Und ich werde mir auf jeden Fall auch weiterhin Kunst-Sims ansehen. Denn wenn sie nett gemacht sind, ist das eine angenehme Abendunterhaltung.

Und Pommes rot-weiß ist auch lecker.

Bevor ich es vergesse: Kein Brundisium heute für mich – ich spiele Vampire Gas Light in RL.

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  1. Adran
    14. September 2012 um 8:38 am

    „Mach’s doch erstmal selber besser“ ist das Gift der Dummen, der weinerlichen „Schaffenden“ und der irren Fanboys. Ich muss nicht selber Kanzler sein um die Handlungen der Bundesregierung zu kritisieren, ich muss nicht selbst einen Film gedreht haben um nach dem Kino sagen zu müssen gut/schlecht. Ich muss nicht selbst ein gutes Steak braten können um zu beurteilen ob es gut oder schlecht ist. Ich muss auch sicher nicht selbst in der Lage sein Meisterwerke zu schaffen bevor ich über die Meisterwerke anderer beurteilen kann.

    Das ist schlicht dumm. Man vertut sich im Denken. Auch wenn du Eco schwerfällig fandest. 🙂

    • 14. September 2012 um 8:42 am

      Man bekommt fundiertere Kritik von selbst-Schaffenden. Und ein ahnungs- und begründungsloses „Gefällt mir aber nicht“ hat noch keinem geholfen. Von daher finde ich es schon wichtig zu sagen, dass ich Kunst einfach nicht kann und man meine Kritik auch aus diesem Blickwinkel bewerten muss. 🙂

  2. beowulfmcdonnell
    14. September 2012 um 8:48 am

    Ich bin bekennender Kunstlegastheniker.Jemanden der Fotorealistisch Malen oder Tätowieren kann,bewundere ich ungehemmt.Bei sogenannten Kunstwerken frage ich mich oft was das Geschmiere soll.Die Frage “ Was will uns der Künstler damit sagen?“ beantwortet sich bei mir immer mit.“Kauft die Kleckserei damit ich Moppen bekomme.“

    Ich bin einfach Gestrickt..Ich weiß 🙂

    • 14. September 2012 um 8:51 am

      Ne, das Fotorealistische langweilt mich auch, dazu bin ich zu sehr Grafiker. Ich sehe die technische Rafinesse, nicke mit dem Kopf und das wars.
      Gerhard Polt hat mal erklärt, was für ihn Kunst ist: „Mei, wemma einen Kartoffelbrei aufm Tella hat und dann wie einen Wasserfall die Soßn runterbrausen laßt – des is eine schöne Kunst. Da bestell ich auch gern eine Soßn nach.“
      Recht hat der Mann. 😀

      • beowulfmcdonnell
        14. September 2012 um 9:03 am

        Dem ist nichts Hinzuzufügen.

        Bei dem Fotorealistischen ist es eben auch das Handwerkliche Geschick was mich vor Bewunderung verstummen lässt.

  3. echtes Leben
    14. September 2012 um 9:10 am

    Ich sehe diese Kustsims garnicht als solche. Ich finde sie nur in der suche unter Kunst. Für mich sind sie einfach schön anzusehen. Sie begeistern mich. Manchmal lassen sie mich überlegen wie das wohl gebaut wird aber als Kunst sehe ich sie nicht. Wobei es sicher eine Kunst ist sich soetwas auszudenken und es umzusetzen. Das es nicht jedem gefällt ist dabei auch klar.
    Für mich steht im Vordergrund einen schönen Abend zu haben mit etwas schönem für die Augen und dem eigentlich viel wichtigeren Teil, jemandem den ich gern mag und mit dem ich einfach Zeit verbringen möchte. Aber selbst das scheint gestern nicht gelungen zu sein. Ich hab dir eine Freude machen wollen, zu lesen das es so nett war wie Pommes rot weiß ….naja.

    • 14. September 2012 um 9:26 am

      Ich habe doch nichts gegen Pommes rot-weiß gesagt. 🙂
      Und der Abend war schon schön, ich konnte mich nur irgendwie nicht darauf einlassen, da ich die ganze Zeit diese „Was nun?“-Frage im Kopf hatte. Genau darum geht es ja … oder nicht. Ein schöner Abend ist nicht unbedingt das, was für Kunst das „Ziel“ ist. Oder man weitet die „schön“-Definition. Ich möchte von Kunst gefordert werden … und das ist in SL noch keinem Künstler gelungen. Nicht in dem Maße, in dem ich mich über ein Richter- oder Pollock-Gemälde aufrege.
      Und Mell – Zeit mit Dir zu verbringen hat doch qualitativ nichts damit zu tun, ob mir Kunst gefällt. 😉

  4. Adran
    14. September 2012 um 9:22 am

    Zasta Korobase :Man bekommt fundiertere Kritik von selbst-Schaffenden. Und ein ahnungs- und begründungsloses “Gefällt mir aber nicht” hat noch keinem geholfen. Von daher finde ich es schon wichtig zu sagen, dass ich Kunst einfach nicht kann und man meine Kritik auch aus diesem Blickwinkel bewerten muss.

    Das grausamste, was du einem Künstler antun kannst ist ihm zu sagen, dass das was er tut „perfekt“ ist, wenn es einfach nicht der Fall ist. Man MUSS kritisieren. Jedes „Gefällt mir aber nicht“ verhindert das du zum selbstzufriedenen Arsch wirst dessen Lebensinhalt es ist die eigene Genialität abzufeiern.

    Und ob die selbst-Schaffenden fundierter kritisieren wage ich zu bezweifeln. Vielleicht kann mir der Steakbratexperte erklären was ich rein technisch falsch machen – ob es schmeckt kann mir nur der sagen der es konsumiert.

    • 14. September 2012 um 9:30 am

      Ich als selbst-Schaffender (wenn auch keine Kunst) kann Dir mit hundertprozentiger Sicherheit und im Brustton der Überzeugung sagen: Kritisiert mich ein Kollege mit „Der Deltoid geht bei dieser Perspektive in der Verkürzung anders nach hinten“ bringt mir das um Längen mehr als ein „Das sieht komisch aus“ vom Laien. 😉
      Und das letztere habe ich auf wöchentlicher Basis.

  5. Adran
    14. September 2012 um 9:39 am

    Was der Kollege dir sagt macht das Bild „realistischer“. Was der Laie dir sagt macht das Bild für die Masse konsumierbarer. Da musst du jetzt überlegen ob du für das Volk schaffst oder anatomische Studien(? Deltoid ist der Muskel?) fertigst.

    Richtiger Handwerker wirst du sicher über das was die Experten sagen. Richtig erfolgreich wirst du mit dem was der Laie dir sagt.

    • 14. September 2012 um 9:44 am

      Ist so nicht ganz richtig. Vermutlich fällt dem Laien halt unbewusst auf, dass die Schulter seltsam aussieht, er kann es aber nicht verbalisieren, was seine Kritik für mich zu einem Ratespiel macht. Der Experte hingegen weist mich auf das Problem, das ich übersehen habe, hin und sobald ich das dann korrigiert habe, sieht es auch für den Laien in Ordnung aus. Der konnte es mir nur einfach nicht mitteilen. Das ist wie mit Lassie – der Hund hat die besten Absichten, aber wenn er nicht sprechen kann, wird´s eben knapp damit den Zug anzuhalten, der auf die kaputte Brücke zufährt. 😀
      Oder aus dem echten Leben (TM): Auto kaputt. Ich Laie sage „Springt nimmer an“. Ein Fachmann sieht, welches Kabel wo vom Marder angefressen wurde und bestellt ein Neues. Ergebnis: Auto fährt wieder, auch ich als Laie bin glücklich.

  6. Adran
    14. September 2012 um 9:53 am

    Und dabei ist dir völlig wurst ob das Kabel jetzt richtig geil repariert worden ist oder eher mäßig – wenn es funktioniert bist du zufrieden.

    Das ist das was ich meinte. Der KFZ Techniker kann das schönste, beste und geilste Ersatzteil perfekt einbauen – wenn die Karre danach trotzdem nicht fährt ist er ein Handwerkliches Ass, aber sein Kunde verklagt ihn 😉

    • 14. September 2012 um 9:57 am

      … und jetzt hast Du mich verloren.
      Wo genau war nun Dein Punkt zum Vorhergehenden?

  7. Adran
    14. September 2012 um 10:13 am

    Das du auf das hören sollst was der Laie dir sagt: „Ich will das mein Auto wieder fährt“ und nicht auf das was dir der Superexperte sagt: „Wenn du den Fluxkompensator an die Beschleunigungsmatrix klemmst geht der Kofferraum viel weicher zu“

    • 14. September 2012 um 10:26 am

      Dann antworte ich: Ist vermulich der Grund, warum ich nie auf einen grünen Zweig komme. Habe ich aber nicht vor zu ändern. 😀
      Mein Punkt ist aber: Hast Du die Kritik des Experten berücksichtigt, ist in 95% der Fälle auch der Laie, der es nur nicht richtig ausdrücken (oder bemerken) konnte, zufrieden.

  8. Tanja
    14. September 2012 um 10:28 am

    Das sieht komisch aus.

  9. Serena
    14. September 2012 um 11:49 am

    auweia.
    Kunst.
    Kein Begriff ist so dehnbar und individuell interpretierbar. Seit Anbeginn der Zeiten haben sich die unterschiedlichsten Gesellschaften darüber gestritten, was Kunst ist und was nicht.
    Zeitweise musste sie fordern, verstören, polarisieren, sonst war sie keine.
    Zeitweise sollte sie fein, harmonisch, gut konsumierbar und hart an der Kante zum Kitsch sein – sonst war sie ebenfalls keine.
    „Kunst liegt im Auge des Betrachters“, ebenso wie Schönheit. (Es gibt Gemeinplätze mit Allgemeingültigkeit!)
    Für jeden Menschen ist Kunst genau das was er dafür hält. Definitionen sind Legion, das indivdiduelle Kunstempfinden entscheidet.

    Kunst erleben kann ein soziales Element sein wenn man es mit Freunden tut. (winkt Mell zwinkernd zu). Voraussetzung wäre aber, das beide Beteiligten Nähe zulassen können UND vor allem nicht ein Ziel suchen, den Kopf abschalten und einfach „Sein“ können.
    Kann nicht jeder.
    Seele baumeln lassen. Absichtslos und kopflos plaudern. Einfach zufrieden sein weil „es schön / lustig / interessant ist „………….
    Kunst als soziales Event. So wie eine gemeinsame Pizza! Fein!

    Ich war immer Künstler, nie Handwerker. Gerade wird mir klar, meine Kunst hätte Zasta gelangweilt. Nicht von der Sorte die polarisiert oder Dich denken lässt, keine von der Art die die Zahnräder in Deiner Ratio ölt!
    Sie kam aus meinem Bauch. Für den Bauch anderer Menschen die einfach nur einen visuellen Brocken geniessen möchten so er sie anspricht.

    Denken? Mein Leben ist hart genug da brauch ich nicht Kunst die mich fordert. Ich bin froh wenn Kunst mich harmonisiert, nachdem das Leben mich ohne Unterlass ÜBERfordert.
    Ha
    Heute bin ich ein Wortspucker. Seltsam kurze Sätze für Meinereiner.
    Warum auch nicht?

    • Serena
      14. September 2012 um 11:56 am

      PS und zum Thema „mach’s doch selber besser“………
      auch ich pflege wenn ich etwas kritisiere in der Regel hinzuzufügen ob ich es denke besser zu können oder ob ich selber auch keine Alternative hätte.
      Kritik finde ich konstruktiv wenn jemand vorschlagen kann wie es besser zu machen wäre.
      WEnn ich etwas kritisiere das ich nicht besser machen kann ist es keine Kritik. Dann ist es lediglich ein Statement in puncto „mag ich/mag ich nicht“.
      Das steht jedem zu.
      Ich kann über die Regierung maulen weil ich sie nicht mag. Das ist pc!
      Kritisiere ich sie aber sollte ich einen wirklichen Vorschlag in Petto haben wie es besser ginge. Das eine ist „Meinung kund geben“ und das andere „Kritik, konstruktiv“.

      Da gehe ich also mit Zasta konform.

    • 14. September 2012 um 12:36 pm

      „Kunst muss wehtun“ 😀
      Ich werde nervös, wen Kunst Harmonisch ist. Okay, ich habe ein Sumi-e eines springenden Pferdes im Wohnzimmer hängen und das ist NUR dekorativ. Aber das bewundere ich auch eher als Handwerk.

      • 14. September 2012 um 1:03 pm

        Kunst muss gar nichts, kann aber alles

        • 14. September 2012 um 1:11 pm

          Dann lieber Kartoffelbrei! 😉

      • Serena
        14. September 2012 um 2:59 pm

        und ob Du das nun als Kunst bezeichnest ist am Ende eigentlich wurscht, es hängt da und erfreut Dein Auge. Was der Mensch der es gemalt hat dachte, ob er sich als Handwerker oder Künstler sah, wissen wir nicht, vor allem weil die Kunstdefintion ja hier in Breitengrade geht wo man schon wieder gaaanz anders mit dem Begriff umgeht.

        Meine Definition von Kunst ist einfach. Nennt mich einen Kunstbanausen, aber ein Werk ist für mich dann Kunst, wenn es mich in der Seele berührt. Egal ob aufrührend provokant oder harmonisch besänftigend. Es muss etwas in mir auslösen. DANN nenne ich es Kunst.

    • echtes Leben
      14. September 2012 um 2:25 pm

      „Kunst erleben kann ein soziales Element sein wenn man es mit Freunden tut. (winkt Mell zwinkernd zu). Voraussetzung wäre aber, das beide Beteiligten Nähe zulassen können UND vor allem nicht ein Ziel suchen, den Kopf abschalten und einfach “Sein” können.
      Kann nicht jeder.
      Seele baumeln lassen. Absichtslos und kopflos plaudern. Einfach zufrieden sein weil “es schön / lustig / interessant ist “………….
      Kunst als soziales Event. So wie eine gemeinsame Pizza! Fein!“

      Zu blöd zum zitieren 🙂

      Ganz genau so ! :–)

  10. 14. September 2012 um 12:04 pm

    nun ich finde man muss aufpassen das man Kunst und Dekoration nicht durcheinander wirft. Viele „Kunstsims“ sind leider nur mehr oder weniger schön decodierte Sims.

    besonders wenn man sich vor Augen hält was Kunst ist, bzw was das ist was man gemeinhin als Kunst bezeichnet. Und da ist das Werk eben die Manifestation eines schöpferischen Prozesses. Das Werk an sich alleine betrachtet ist eben nur ein Teil und deswegen vom Prozess nicht losgelöst zu betrachten.
    In meinen Augen ist das der Unterschied zwischen Dekoration, Gebrauchsgrafik und Kunst. Die Gebrauchsgrafik steht für sich alleine.

    Auf die Spitze getrieben damit hat es Warhold, zb mit seiner Campbells Tomato Soup Serie.

    was unterscheidet dieses Bildhttp://www.jssgallery.org/Other_Artists/Andy_Warhol/Campbells_Soup_Can.htm

    von diesem Bild?
    http://www.usa-import-shop.de/Fertiggerichte/Campbell-s-Tomato-Soup-305g-MHD-07-13::767.html?XTCsid=085cdebffce9fd23d621356b28ffbfd0

    In meinem Augen ist es der Prozess und die Intension des Künstler, der eine will Irritieren und der andre will verkaufen.

    • 14. September 2012 um 12:30 pm

      Ich denke nicht, dass Du den Prozess als wesentlichen Teil des Werkes bestimmen kannst. Zumindest nicht immer. Eindeutig ja bei so Zeug wie Fluxus (klar) – eindeutig nein bei den meisten anderen Sachen. Und gerade Warhol hat ja den Schaffensprozess vom Künstler ziemlich entkoppelt, etwas, das Koons dann zu seiner Werkstatt „perfektioniert hat“. Da ist der Prozess absolut irrelaevnt. Intention ist wichtig – aber nicht unfallfrei steuer/kommunizierbar.
      Wir setzen den Kunstbegriff immer etwas wahllos ein – da hast Du recht. Und in SL hat mich halt einfach noch keine Kunst wirklich „erwischt“. Du hast mich ja damals zu Bryn Ohs Rabbicorn geschleppt – auch das war cool … aber weniger cool als z.B. ein Sandman-Comic. 🙂

  11. 14. September 2012 um 12:54 pm

    der Prozess ist mehr als der reine Akt des Schaffens, zum Prozess gehört für mich der Gedanke dazu, die Intention eben das große ganze.

    deswegen ist Werk von Warhol in seiner Factory etwas anders als das Werk der „Kollegen“ in der Madison Avenue auch wenn beide vordergründig das gleiche machen.

    Bryn Oh, hat ja auf unsere Frage „warum machst du das“ erzählt „I just likte to tell storrys“ das sie eben Geschichten erzählen will, also ist da die Frage ja schon fast beantwortet.

    Ich bin mir auch gar nicht sicher ob in dem Medium SL überhaupt ein Künstlerischer Prozess möglich ist, dafür ist SL ja doch sehr begrenzt, man kann dort coole Sachen machen keine Frage aber wirklich schöpferisch tätig sein? ich weiß es nicht.

    die Rabbicorn Sache war echt cool, und Sandman Comics (Gaiman) auch, aber auch Frank Millers düstere Holzdruck artige welt in Sin City oder die Serie um Bad Man sind großartig, nicht zu vergessen die tolle Welt von Barks.

    • 14. September 2012 um 1:01 pm

      Geil, Barks und Miller in einem Satz – dafür kriegste High Five! 😀
      Miller hat mittlerweile aber schwer einen an der Waffel. Und Barks ist tot … was bleibt also? Crisse und Don Rosa! 🙂 Na gut, das war schon sehr verkürzt.

      Ich verstehe, was Du meinst. Und auch wenn ich selbst das, auf was Du „Prozess“ ausweitest, nicht wirklich zum „Werk“ zähle, haben wir was SL angeht glaube ich die gleiche Ansicht. Und das macht es ja nicht schlechter! Betrachtet man Polts Kartoffelbrei dazu, kommt man auf eine saubere Schnittmenge.

  12. 14. September 2012 um 1:31 pm

    wenn man Werk und Prozess trennt kommt man so lustigen Diskussionen wie bei der Fettecke /Badewanne von Beuys und noch schlimmeren aussagen wie „das kann ich auch und dafür soll jemand (eine menge bis arschvielgeld) Geld zahlen und „diese Künstler veraschen uns doch nur um (eine menge bis arschvielgeld Geld zu bekommen.
    Zuletzt wieder bei Andreas Gursky Bild Rein II

    wer das nicht glaubt, liest sich mal diesen Artikel durch auch wenn es echt weh tut

    http://www.bild.de/news/inland/kuenstlerische-fotografie/vier-millionen-dollar-foto-vom-rhein-20974672.bild.html

    besonders die kommentare nicht vergessen

    was auch sehr lustig war, und ich war da dabei war diese Aktion, als Fluxus Kenner dürfte die dir auch gefallen haben. War besonders zur Schill Zeit in Hamburg echt wichtig wie ich finde.

    http://www.welt.de/print-welt/article396027/Von-der-Kunst-einen-Bratling-fliegen-zu-lassen.html

  13. 14. September 2012 um 11:00 pm

    Tolle Diskussion!

    Ich denke, spontanes Gefallen ist durchaus ein Kriterium für Qualität von Kunst. Die grossen Werke brauche kein pseudointellektuelles Geschwafel um ihre Bedeutung zu erklären.Wir sollten uns bei Künstlern in SL auch immer fragen, ob dieser Avatar Kunst-Roleplay macht oder wirklich Künstler ist. Und das ist so böse gemeint wie gesagt. Man muss hier noch mehr als im RL unterscheiden können. Ich versuche in meinem Blog, Spreu von Weizen für die Leser zu trennen. Gerade Bryn Oh tut viel um die Kunstszene in SL zu stärken und virtueller Kunst in der realen Welt die nötige Anerkennung zu verschaffen.

    Wenn Bryn von ihrer Freude am Erzählen spricht, zeigt es nur ihre Bescheidenheit. Sie ist natürlich eine „richtige“ Künstlerin und hat Kunst studiert. Das zeigt sie gerade in Ihrer derzeitigen Installation „Virginia Alone“. Dem oberflächlichen Betrachter öffnet sich eine malerische, kanadische Szenerie mit einer alten Dame in einem verwahrlosten Haus. Aber dem, der Zeit und Konzentration investiert, öffnet sich über Bild-und Tondokumente das verstörende Portrait eines Menschen, der seiner Wahrnehmung nicht trauen kann. Das ist für mich großartige Kunst, die die Möglichkeiten der virtuellen Welt ausnutzt und der Installation in SL dem Thema noch eine weitere Dimension hinzufügt, die nur Residents verstehen.

    Noch ein Beispiel: Auch „The Inevitabilty of Fate“ von Rose Borchovski ist für mich ein grosser Wurf. Rose ist RL Theaterfrau und erzählt mit starken Bildern in der interaktiven Installation die typische Geschichte einer europäischen, jüdischen Famile in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Die Arbeit ist sehr persönlich, herzergreifend und ästhetisch.

    Kunst muss meiner Meinung nicht wehtun, aber sie muss bewegen!

    PS: Und euch grad mal nix Schlaues zu einem Kunstwerk einfällt, kann ich euch „The Instant Art Critique Phrase Generator“ empfehlen: http://www.pixmaven.com/phrase_generator.html

    • 15. September 2012 um 7:37 am

      Das kontrastiert jetzt aber heftig mit Anderas und meiner Meinung, dass es (bisher) in SL nichts gibt, das wir nach unseren Kriterien als Kunst ansehen. Bryn Oh hatten wir beide als Beispiel dafür, was wir nicht als Kunst, sondern als verdammt solides Handwerk (und das ist zumindest bei mir ein richtiges Kompliment) ansehen. Gründe wurden schon genannt. Ein Kunststudium als Begründung des Künstler-seins lehne ich ab, da ich genug dieser studierten Künstler kenne und selbst vor dem Grafik-Studium mal Kunst versucht habe. Interessant war, dass die Fähigkeit, freihand einigermaßen gerade Linien zu ziehen, dort viel Ver/Bewunderung hervorrief. Das sagt einem schon viel, was man wissen muss. 😀 Ja, das ist nur ein Ausschnitt des Ganzen. 😉

      • 15. September 2012 um 5:49 pm

        Gerade weil Bryns Name hier fiel, habe ich mit ihr angefangen. Natürlich ist der Besuch einer Kunsthochschule kein Garant für Qualität, aber Wissen um Kunstgeschichte, Stilrichtungen und Techniken gehört im Allgemeinen auch zum Handwerkszeug eines Künstlers. Ich sehe in SL bei Künstlern grösstenteils eine erschreckende Ahnungslosigkeit.

        Gute Kunst lässt verschiedene Blickrichtungen und Interpretationen zu. Darin ist Bryn Meister. Dem oberflächlichen (!) Betrachter bietet sich eine nette Märchenwelt, dem Geduldigen etwas ganz anderes. Gerade weil sie das beherrscht, ist sie zu Recht so populär.

        Es gibt sehr wohl grossartige Kunst in SL. Schaut nur einmal richtig hin!

    • 15. September 2012 um 11:10 am

      spontanes gefallen ist ebenso ein kriterium, wie spontanes nichtgefallen für den persönlichen geschmack, aber nicht für die qualität eines werkes. mit dem begriff „große werke“ kann ich nichts anfangen. nehmen wir picasso, in meinen augen hat er jede menge mist zusammengeschmiert, seine werke sind aber als große werke gefeiert.

      gerade auf der diesjährigen documenta mußte ich wieder lernen, dass kunst relativ ist. besonders am „mit leinen bespannter rahmen“ oder die „tsetse-fliegen“. ein studium ist kein kriterium für kunst. nicht im hinblick darauf, dass kunst veränderungen herbeiführen soll oder möge. wäre das nicht ein wenig viel verlangt von beispielsweise einem stilleben? oder welche politischen und gesellschaftlichen veränderungen kann Bryn Oh mit ihrer kunst erwirken?

      fazit: meiner ansicht nach ist die erkannte kunst eine definition des persönlichen geschmacks.hierbei ist es völlig egal, ob es sich um einen „richtigen“ „studierten“ künstler handelt oder nicht.

      btw., wer lust hat, kann sich gerne mal die werke von Feather Boa anschauen. habe aber leider gerade keine surl.

      • 15. September 2012 um 6:26 pm

        Die Erwirkung politischer und gesellschaftlicher Veränderungen kann, aber muss nicht unbedingt eine Kriterium für die Qualität von Kunst sein. Und diese Sachen mit dem bespannten Rahmen usw. basieren alle auf der Tradition des Dadaismus und dem unsäglichen Pissoir von Duchamp. Viele meinen, das das dem Qualitätsanspruch in der Kunst einen Todesstoss versetzt hat. Andere meinen, sie wurde ab da erst richtig interessant. Tja, und in Fällen wie Feathers Boa zeigt sich deutlich, wie sehr es auch mit Geschmack zu tun hat. Ich habe selbst etliche Arbeiten von ihr, sie ist ja leider nicht mehr in SL. Aber manches von ihr fand ich schon grenzwertig in Richtung Kitsch.

        • 15. September 2012 um 8:34 pm

          dem stimme ich zu, dass die verarbeitung von politischer wie auch gesellschaftlicher veränderungen in der kunst, ein qualitätsmerkmal sein „kann“. kann ich allerdings eine aussage in einem kunstwerk erkennen, so ist mir das weit mehr wert, als wenn es noch so schön ist, aber eben keine aussage dahinter steht. in der tat geschmacksache.

          ich habe auf die schnelle vier werke von Feathers Boa im inventar gefunden (und ärgere mich darüber, dass ich den rest nicht finden kann. zu blöd, wenn man die werke nicht dem namen zuordnet. *grummel*) und habe sie hier ausgestellt:

          http://slurl.com/secondlife/Froog/217/216/2715

          sie bleiben für eine woche stehen.

  14. 15. September 2012 um 11:28 am

    sorry, dies wollte ich noch anfügen: sind comics kunst? in meinen augen ja, wenn sie sich wichtigen gesellschaftspolitischen themen widmen, die wichtigkeit des perfekt gezogenen zeichenstrichs verschwindet dann in der bedeutungslosigkeit, wenn der zeichner seine botschaft weitertragen kann. z. b. Ralf König mit „Dschinn Dschinn“ oder Walter Moers mit „Die Klerikalen“. Beide machen sich über religiöse fundamentalisten lustig. auch wenn letzteres im durch die influenza verursachten fieberwahns entstanden ist.

  15. Serena
    15. September 2012 um 11:40 am

    Wenn ich die Diskussion so verfolge komm ich mehr und mehr zu dem Schluß, das es einzig und alleine eine Definitionsfrage ist.
    Zasta, wenn Leute in einem Kunststudium jemanden bewundern der sein HANDWERK beherrscht, wieso sagt das aus sie seien keine oder schlechte Künstler?
    Muss ein Künstler freihändig ne grade Linie ziehen können?
    Was wenn er in seiner Kunst ohne gerade Linien auskommt? Oder sich die von wem anderen ziehen lässt? Oder schlicht ein Lineal verwendet?
    *schüttelt den Kopf und versteht diese Argumentation nicht*

    • 15. September 2012 um 12:41 pm

      Für mich ist Beherrschung des Handwerks Voraussetzung für Kunst, sonst „kann das mein Sechsjähriger“. Und auch wenn ich nur das erste Semester mitbekommen habe bevor ich zur Grafik geflüchtet bin, so war mir doch klar, dass es dort viele Leute mit sehr vagen Ideen aber ohne das kleinste Fitzelchen Handwerk gab. Und die hatten auch nicht vor, etwas dahingehend zu lernen.
      Ich bin kein Maßstab (bewahre!) aber ich kann niemanden bewundern, der nur herumspinnt und keine solide Basis hat.

      • Tanja
        15. September 2012 um 4:00 pm

        Man kann sein Handwerk beherrschen und man kann virtuos darin sein. Letzteres ist meiner Ansicht nach durchaus ein Element von Kunst.

  16. 15. September 2012 um 7:59 pm

    puh die Diskussion hat sich ja Interssant entwickelt.

    @Tanja, ohne dir widersprechen zu wollen so unterscheidet sich für mich der Kunsthandwerker vom Künstler in dem sinnen das bei dem Kunsthandwerker die Technik Selbstzweck ist und beim Künstler ist es eben Mittel zum Zweck

    @Quan Lavender was du pseudointellektuelles Geschwafel nennst ist auch oft nur der Fachtermini und wenn man mit dem nicht vertraut ist hört sich das lustig, gestelzt oder eben pesudointellektuell wenn sich zwei SL Spieler in der Realen welt über SL unterhalten dann klingt das für nichteingeweihte auch arg komisch.

    Kitsch ist so eine andere Sache, Kunst kann Kitschig wirken, Koons wurde ja schon mal genannt oder auch die neue Leipziger Schule sind da Paradebeispiele.

    die Sachen von Bryns Oh finde ich großartig, keine Frage nur ist es Kunst oder sind es tolle Interaktive Geschichten?

    • 16. September 2012 um 1:17 pm

      Och, ich denke Fachtermini verstehe ich. (Kleine Anmerkung: Termini ist Plural. Es muss also der Fachterminus heißen.) Aber es gibt genug, die ihre Inhaltslosigkeit mit Geschwafel überdecken und oft selbst die Ausdrücke nicht verstehen, die sie verwenden.

      Deine Frage danach ob etwas Kunst ist ist wohl so alt wie die Kunst selbst und auch in dieser Diskussion zeigt sich die Ratlosigkeit, die zu dem Thema spätestens seit Dada / Fluxus herrscht. Die klügste Definition die ich je hörte kommt von Rowan Derryth (SL), die RL Kunsthistorikerin und -dozentin ist. Sie sagt: „When the artist declares his work as art, it is art!“ Was sie damit meint ist, dass es Zeitverschwendung ist zu diskutieren, ob etwas Kunst ist oder nicht. Es ist sinnvoller zu fragen, ob die Kunst gut oder schlecht ist, weil es einfach zuviel Kriterien gibt. Mich hat das nach einigem Nachdenken überzeugt.

      Mir wurde gerade bei diesem Thema wieder einmal enorm bewusst, wie sehr nicht nur die Kultur, sondern auch die Sprache das Denken beeinflusst. Rowan ist in England lebende Amerikanerin. Im englischen hat „Kunst“ und „können“ keine Sprachverwandtschaft. Mein Blog ist auf englisch und vor einiger Zeit veröffentlichte ich mit Bryn’s Genehmigung einen privaten Chat, die wir beide über die Verwendung von Prefabs in Kunstwerken führten. Bryn gehört zu den Künstlern, die alles selbst bauen. Das macht sie in meinen Augen nicht zur Kunsthandwerkerin. Ich habe aber in der Diskussion versucht Kunst von Kunsthandwerk abzugrenzen und habe dafür das Wort craftmanship benutzt. Weder Sie, noch ein einziger in der folgenden Diskussion ist darauf eingegangen. Ich vermute, dass der Begriff Kunsthandwerk ein eher deutsches Phänomen ist, das das Handwerk auch kaum in einem anderen Land so eine starke Tradition hat.

      • 16. September 2012 um 1:36 pm

        Dagegen spricht das englische Wort „Artisan“, das schon eine Verquickung von „Können“ und „Kunst“ auch in dieser Sprache zeigt.
        Aber mir ist das ziemlich egal. Ich spreche niemandem ab, Künstler zu sein. Das darf restlos jeder wo immer er auch möchte! Wäre ja auch noch schöner.
        Für mich persönlich hat es in SL eben noch kein Kunstwerk geschafft, mir das zu geben, was mir ein RL-Kunstwerk gibt. Klar, auch im RL gibt es lockere 90% Schrott (Meinung Zasta, kein Dogma). Kunst nimmt jetzt auch in meinem Leben nicht unbedingt soviel Raum ein, dass ich umfassend informiert wäre.

  17. 16. September 2012 um 9:49 am

    Kunst muss vor allem teuer sein!
    Sonst kann man nicht damit angeben.

  1. 15. September 2012 um 7:41 pm
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