Indomitable

27. September 2012

Selbst tausendfünfhundert Fuß über der Insel war es noch heiß. Das Licht des späten Nachmittags tropfte von den Dächern, deren krumme Wellblechschrägen weniger von der Kreativität der Bewohner als von ihrer Gleichgültigkeit erzählten. Die Gassen waren eng – denn wer auf einer fliegenden Plattform lebt, neigt nicht zu ausufernden Parks. Das gedämpfte Dröhnen der monströsen Rotoren, die zusammen mit den Heliumkammern die Stadt in der Luft hielten, war auch im Gewirr der Straßen ein stetiges Hintergrundgeräusch.

Neu-Tortuga. Anlaufpunkt für alles, was flog und im weitesten Sinne in der freien Logistikbranche tätig war. Weiter unten an den Docks lagen Luftschiffe der unterschiedlichsten Bauarten. Die meisten davon augenscheinlich schon schwer auf die Rente zugehend, keines davon glänzend und unbeschädigt.

Weiter oben: Plattform über Plattform, planlos gebaut, übereinandergefallen, die Läden, Bars, Bordelle, Häuser … verbunden durch Treppen, Leitern, Stege, Aufzüge. Die Luft trübe vom Kohlenrauch. Leitungen schlangen sich wie Lianen von Gebäude zu Gebäude, aus undichten Ventilen entwich mancherorts Dampf.

Und überall Menschen. Die meisten davon laut.

Mitten unter ihnen, hin und wieder höflich (und vorsichtig) zur Seite tretend, seinen Seesack mit beiden Armen vor sich haltend (dies war immerhin Neu-Tortuga …) ein rothaariger Mann. Nicht allzu groß, nicht allzu kräftig. Die Haut gebräunt und mit wachen, neugierigen Augen. Gekleidet wie so ziemlich jeder hier eher praktisch als dekorativ und – ebenfalls wie fast alle – schmutzig. Wenn es bei ihm aber eher Öl als Straßenstaub war, das sich tief in die Poren gezogen hatte.

Er machte der Sänfte einer Geisha Platz, trat um die letzte Ecke, vermied einen Straßenjungen und stand dann direkt am Rand der Docks. Schiff an Schiff. Jedes an einem wackligen Turm vertäut. Spirit of Bombay, Amour fou, Condor, Grünland, Fei … Namen in allen Sprachen der Welt, in mehr oder weniger hübschen Buchstaben an den Rumpf gepinselt. Der Mann legte den Kopf in den Nacken und betrachtete jedes der Schiffe. Bei manchen hingen Zettel. Wer in den halblegalen oder gar kriminellen Branchen tätig war, hatte meist eine hohe Personalfluktuation.

Er kniff die Augen gegen die karibische Sonne zusammen. Das da. Ja, das da würde es wohl werden. Indomitable. Netter Name. Im Grunde egal. Das Schiff war eher von der großen, behäbigen Sorte. Es wirkte auf ältliche Weise gepflegt und irgendjemand hatte versucht, die Messingbeschläge an den Luken zu polieren. Eine feine Geste, auch wenn dieser Jemand offensichtlich nach kurzer Zeit aufgegeben hatte.

Der Mann riss den Zettel vom Fuß des Turmes, an dem die Indomitable vertäut war und studierte ihn genauer. Dann drehte er sich herum und machte sich daran, über das Gewirr der Plattformen eine der höchstgelegenen zu erreichen.

Die Bar „Warszawa“ versprach auf einem Holzschild vor dem Eingang „Bier, Hausmannskost, Bier, besten Service“ und „Bier“. Der Mann hatte seine Zweifel bezüglich der Hausmannskost und der Qualität des Service – aber Bier klang harmlos genug. Und außerdem sollte der Kapitän der Indomitable hier zu finden sein, wenn man dem Zettel glauben schenken konnte.

Der Mann trat in das Halbdunkel, das nach dem grellen Silber des heißen Nachmittages draußen wie auf dem Meeresgrund wirkte. Er machte von der Tür einen schnellen Schritt zur Seite und blinzelte, bis sich seine Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Zu dieser Stunde war es so weit oben in Neu-Tortuga noch ziemlich leer. Im „Warszawa“ saß tatsächlich nur ein Mann an einem der hinteren Tische. Na, das war doch einfach gewesen!

Der Mann ging zu eben jenem Tisch, setzte seinen Seesack ab und hielt den Zettel vor sich, als sei es die Einladung zu einem Ball. „Sie suchen jemand, der ihr Schiff in der Luft hält?“

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OOC: So, ich bin wieder im Lande und bereit, mich in jedwedes RP zu werfen! Gestern war das eine spontane Besprechung bezüglich unseres irgendwie immer noch nicht ganz durchdachten Steampunk-RPs, das sich nach und nach aus dem Dunkel zu schälen beginnt. Die obige kleine Geschichte soll jedem, der mitspielen möchte, eine Hilfe geben, wo wir anfangen. Und wie. Denn immerhin müssen sich die Crew und die Passagiere ja noch zusammenfinden. Wann es losgeht? Wohl nächste oder übernächste Woche. Wir wollen die alten GoT-Spieltage Montag und Donnerstag nutzen, da das nicht mit Brundisium (wo die meisten ja hauptsächlich spielen) kollidiert. Ort ist Coghaven. Ich suche in den nächsten Tagen nach einer angemessen ranzigen Bar, damit wir nicht nur in der Luft sein müssen.

Und wer sich schon einmal einen Eindruck verschaffen möchte, wie denn die Spieler aussehen könnten, der schaue sich in Adrans Blog, in Kennys Blog und in den Kommentaren meines letzten Blogposts (Andera) um. Kris will auch bald dazustoßen.

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  1. Adran
    27. September 2012 um 8:00 am

    Es ist doch Indomitable geworden? 😀

    Wir sollten das „HMS“ noch wegkratzen…

    • 27. September 2012 um 8:11 am

      DU hast gestern ständig „Indomitable“ krakeelt! 😀
      Mir ist das doch Latte wie der Kahn heißt. 😉

      • Tanja
        27. September 2012 um 9:37 am

        Ich wär ja für „Fährpram 38“.

        Du bist wieder da?! Selbst schuld!

        • 27. September 2012 um 9:40 am

          Das kapier ich jetzt nicht. o_0

  2. 27. September 2012 um 8:53 am

    Schön das du wieder da bist! Ich hoffe du hattest ein paar schöne und erholsame Tage.

    • 27. September 2012 um 9:00 am

      Ja – fällt nur leider direkt wieder von mir ab. 😀

  3. Serena
    27. September 2012 um 9:09 am

    Welcome back!
    Du bist wieder da und ich entschwinde in der Mitte von gefühlten dreitausend Umzugskisten.
    Ich hoffe es geht alles glatt mit der DSL Leitung……….
    🙂

    • 27. September 2012 um 9:28 am

      Bis hoffentlich nächste Woche! Viel Glück beim Umzug!

      • Serena
        27. September 2012 um 11:27 am

        Danke Dir, wird schon schiefgehen, grins

  4. 27. September 2012 um 9:53 am

    ich kann keine dämonen, harte kerle, sexy girls und andere sogenannte „steampunk“- items mehr sehen. 😉 aber hier habe ich 2 avatare mit beschreibung abgebildet:

    http://cuberia.wordpress.com/2012/09/27/der-minotauer-seine-girls-und-ein-guter-kunde-auserdem-groses-seufzen-und-steampunk/

    ist zwar kein mesh, aber ich glaube, vom stil her kommt es hin. ein clown wäre doch sicher auch zeitgemäß, hm? 🙂

    • 27. September 2012 um 10:03 am

      Ich finde Clowns unangenehm.
      Der Junge hat was – der Forscher auch.

      • Serena
        28. September 2012 um 2:42 am

        ja seltsam, Clowns hab ich schon als Kind nicht gemocht. Vielleicht deshalb weil die Lacher die sie produzieren hauptsächlich auf Schadenfreude basieren. Zum Beispiel wenn zwei davon sich in der Manege ne Leiter um die Ohren hauen……… da hat mir als Kind der Clown der sie abbekam immer viel zu leid getan als das ich über das Missgeschick hätte lachen können.

        • 28. September 2012 um 6:46 am

          Bei mir ist es eher das „traue niemandem, der sein Geld damit verdient, auf den eigenen Arsch zu fallen.“

  1. 27. September 2012 um 9:43 am
  2. 28. September 2012 um 8:16 am
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