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Der Kultur eine Lanze …

23. Oktober 2012

Zugegeben – lange war ich gestern nicht im RP. Ich habe mir zwar eingebildet, von Sonntag auf Montag gut geschlafen zu haben, doch als ich etwa ab halb neun völlig inkohärent in meinen Äußerungen wurde (passt zwar zum Charakter kommt aber etwas seltsam), habe ich die Reißleine gezogen und bin um kurz nach neun davon gewandert. Gespielt haben wir aber trotzdem – eine vornehme Lady aus England kam mit ihrem Luxus-Schiffchen (hier oben im Bild am Leuchtturm angedockt zu sehen) angereist, betrachtete den etwas einfältig herumstehenden Zacharias als ihren persönlichen Lakaien (es gab Verwechslungen von Schaltschränken mit Schrankkoffern und die Pilotin der Indomitable erging sich über die Vorteile von vibrierenden Betten) und streute Bildung (ich bin mir nicht hundertprozent sicher – aber es war glaube ich eine Zeile aus den Kranichen des Ibikos, weshalb ich Zacharias unmotiviert „Korinthos“ sagen ließ. Ich kann mich auch völlig irren, damit als Kulturbanausen outen aber das Risiko gehe ich mal ganz mutig ein!).

Wie man sieht – allzu viel war nicht los. Kenny hing wohl tatsächlich gebannt an der Glotze und Adran kam nur on um zu sagen, dass er platt ist und ins Bett will. Dazu noch der urlaubsbedingt fehlende Ganzbaf und die noch nicht aufgetauchte Kris – und zack waren´s nur noch vier. Ich habe mich dann ja auch noch abgeseilt, gerade als man auf Einladung ihrer Ladyschaft einen guten Portwein (ich wette, die meisten Mnnschaftsmitglieder können in drei von vier Fällen einen guten Portwein im ersten Anlauf von Klosterfrau Melissengeist unterscheiden!) zu sich nehmen wollte.

Damit nicht genug Kultur – weiter ins OOC und zur Wiege des Abendlandes! Der wunderbare Beschneidungsthread ist wieder ein wenig eingeschlafen, hat es aber doch noch zu ein paar Stilblüten gebracht. Besonders gefällt mir die völlige Bewunderungsstarre, in der manche Leute (zum Beispiel hier oder hier) vor der griechischen Antike (und Antike allgemein) verharren.

Da wird dann mal in einem Aufwasch dem kompletten Mittelalter jegliche philosophische und vermutlich auch geistige Errungenschaft (war ja reichlich verknüpft) abgesprochen. Tolle Leistung – tausend Jahre Menschheit völlig verschwendet! Da haben diese Idioten einfach gar nichts mit anzufangen gewusst! Haben ihre Zeit damit verplempert, Eisenpflug, Dreifelderwirtschaft und die Brustblattanspannung zu erfinden, nutzlos Universitäten gegründet, grausam hässliche Bauten wie den Speyrer Dom oder die Notre Dame de Paris mit ihrer unverständlichen Zahlensymbolik in die Landschaft geklotzt, haben Schwachsinn wie den Druck mit beweglichen Lettern veranstaltet oder sind völlig unsinnigerweise mit ihren schlampigen Langschiffen nach Amerika gesegelt um dort absolut überflüssige Siedlungen zu gründen! Gar nicht zu reden von dem Blödsinn mit der anatomischen Forschung dieses, wie hieß der Kerl nochmal? Ach ja, Abu Ibn Sina. Absolut und völlig winzig im Vergleich zu den Griechen mit ihrer Säfte-Theorie! Ja, wären die alle mal mehr wie die Griechen gewesen – hätten sich in Städtekriegen zerrieben und andere Kulturen verunglimpft (na gut, das hatten sie alle zu jeder Zeit drauf), was wären da auch im Mittelalter für schöne Gedanken rausgekommen! Tja, aber hat man erstmal so etwas wie Monotheismus, degeneriert – leider, leider – das Gehirn völlig. Was die Philosophie angeht waren die deshalb natürlich auch nur Zwerge auf den Schultern von Giganten. Klar sind die Gedanken eines Franziskus von Assisi oder eines Bernhard von Clairvaux nichts wert! Und erst diese Araber! Die haben ja sogar Frauen denken lassen – das geht ja mal gar nicht! Was kann diese Rabia schon außer Schuhe kaufen im Kopf gehabt haben? Ne, ne … alles Antike und Renaissance. Mittelalter kann nix. Und außerhalb gab es sowieso nur Unnötiges. Zheng He und seine riesige Flotte? Braucht keiner! Überhaupt Forschung … Marcus Graecus oder Roger Bacon? Ach was! Dämliche Experimente wie die quasi-Demokratie der Ismaeliten? Konnten die Griechen doch besser! Religiöse Toleranz wie in Konstantinopel? Quark, das waren alles Fanatiker! Die christlich/buddhistisch/muslimischen Berater des Großkhans? Neee … Gerüchte! Alles verblendete religiöse Fanatiker, denen der Glaube aufs Hirn gedrückt hat, weshalb in der Renaissance dann alles besser wurde, als Kirchenfürsten Kunst und Kultur gefördert … äääähh … egal!

Mann, Mann, Mann … merkt man, dass mich solche Ignoranz aufregt? Dieses sich-Erheben über soviel Menschheitsgeschichte, nur weil einem das religiöse Fundament nicht passt. Da werden Philosophen missachtet, die wunderbare Dinge wie das Gleichnis von der Fackel und dem Wassereimer zu uns gebracht haben, werden Gedankengebäude wie die der Katharer einfach wegignoriert, weil hingebungsvolle Gottesliebe nicht en vogue ist. Aber die Griechen, die hatten´s ja total drauf! Zum Glück waren die Tüffeltöffel im Mittelalter wenigstens nicht so knackendoof, deren Schriften aufzuessen, sonst stünden wir heute echt dumm da. Was eine Freude, dass dann die lichterfüllte Renaissance die Welt erlöst und wieder auf den richtigen Pfad geführt hat!

Naja, der ganze Thread ist ja im Prinzip ein sich-besser-fühlen als andere. Ich habe mich schon wieder aufgeregt … da bin ich nicht sehr lernfähig. Ich hätte dahingehend wohl gut ins Mittelalter (egal wo) gepasst.

Zum Abschluss etwas ganz anderes – der WoW-kopfloser-Reiter-Zwischenstand: Immer noch kein Feeeerd, dafür der epische Plattenhelm. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!

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  1. Tanja
    23. Oktober 2012 um 10:02 am

    Ich bin fasziniert davon welchen Bogen der Beschneidungsthread geschlagen hat. Man ist versucht einen thread über die Lichtbrechung an frittierten Schokoriegeln in den schottischen Highlands zu eröffnen und voll freudiger Erwartung zu beobachten welchen Weg er nehmen wird. Ok…sobald man den Apostel Paulus erwähnt, hat er nen Bezug zur Religion und dann sitzt er wie auf Schienen.

    • 23. Oktober 2012 um 10:07 am

      Oder Du verlässt Dich darauf, dass man über „frittiert“ zu „adipös“ kommt und dann ist der Thread auch ein programmierter Gewinner.
      Ich hoffe jetzt auf den Wotans-Thread. Die Leute haben das nicht verdient – aber jetzt ist der Clown angekommen (seine Entourage ist schon länger da), nun kann man nur noch auf einem Platz in den Rettungsbooten hoffen.

  2. dieandera
    23. Oktober 2012 um 11:22 am

    oh schön du hast es erkannt.

    hat wieder Spaß gemacht RP zu spielen, leider musste ich auch bald nach dir raus.
    nun ja das nächste mal dann gerne länger ^^

    • 23. Oktober 2012 um 11:30 am

      Ich war nicht ganz sicher … ich schwankte zwischen den Kranichen und der Bürgschaft – was man halt so als Kind gezwungen wurde auswendig zu lernen. 😀
      Ich habe mich für die Kraniche entschieden und damit gewonnen!

      • dieandera
        23. Oktober 2012 um 12:28 pm

        um es mit den Worten des großen Philosophen Andreas Möller zu sagen

        egal ob Glocke oder Bürgschaft, Hauptsache Goethe

        • 23. Oktober 2012 um 12:38 pm

          … in Madrid!

          Ich liebe diese Falschzitate! Am besten noch mit Bild!

  3. Kendrick McMillan
    23. Oktober 2012 um 11:24 am

    HA!!! Ich hab es gestern geschafft nicht vor der Glotze zu sitzen, nur hab ich den Fehler gemacht mich auf mein „supertollgemütlichesjamjamschmatzwieschön“ Sofa zu setzen und habe kurz darauf mit einem SchnarchPunk RP begonnen, welches dann so gegen 22 Uhr unterbrochen wurde, liegt wohl irgendwie am Wettere mit der Müdigkeit (der Winterschlaf naht).
    Was den Thread angeht wirds langsam öde, ich wäre dafür einen zu eröffnen wie „Das sexualleben der Waldameise im Kommunismus“ Da haste die Tierwelt, Sex und der achte Zwerg kann uns eingehend über den Kommunismus aufklären (Wie sagte Ferris Bueller so schön :“Jeder sollte an einen Ismus glauben“)
    Oder solche schöne Threads wie: „Gibt es religöse Einzeller“ ; „An welchen Gott Glaubt E.T.“, oder „Is Odin ein Gott, oder doch nur der Wirt von Scagnar“

    • 23. Oktober 2012 um 11:28 am

      Ja, die Idee eines Threads den man kombiniert als Zwergen-, Sleen- und Sleengroupiefalle verwenden kann, hat was! Muss sinnvoll vereinen: Hartz IV, Fettleibigkeit, Religion, Gor (oder Sklaverei), Facebook, Mesh. DANN geht´s rund. 🙂
      Aber heute abend biste Brundi? Ich glaube, die Calpurnianus-Gladiatoren sollen sich mal mit dem Ex-Legionär von Granatus prügeln. Wurde zumindest über Buschfunk laut. 😀

  4. Kendrick McMillan
    23. Oktober 2012 um 11:39 am

    Also so was in der Art „Fettleibige und religiöse Goreaner in Meshkleidung, ein Fall für Facebook oder eher Hartz IV?“,
    In Brundi bin ich heute, ich werde einen Boge um das Sofa machen und sicherheitshalber direkt Kaffeebohnen kauen……. soso, kloppe sollen verteilt werden, na, ich bin dabei,

    • 23. Oktober 2012 um 11:48 am

      Müssen aber christlich sein, die Goreaner. Wegen der moralischen Fallhöhe.

      Ja, das mit dem Zusammentreffen hab ich aber auch nur OOC gehört. 😀

  5. Tanja
    23. Oktober 2012 um 11:51 am

    Ein statuengleicher Buddha (deckt Körpermasse und Religion ab) fragt über facebook ob Hartz IV neben dem Unterhalt auch die mesh-Klamotten seiner kajira abdeckt?

    • 23. Oktober 2012 um 11:54 am

      Puh … Buddha könnt ein Problem sein. Buddhismus finden die glaube ich ziemlich schnafte.

  6. Kendrick McMillan
    23. Oktober 2012 um 11:55 am

    ok, tauschen wir religiös gegen christlich….aber meinste nicht wir sollten vielleicht noch den Kommunismus mit einbauen, sonst kommen einige vielleicht zu kurz?

    • 23. Oktober 2012 um 11:56 am

      Kommunistische Goreaner? Hm. War da nichtmal ein Thread darüber, dass die eher faschistisch sind?

  7. Kendrick McMillan
    23. Oktober 2012 um 12:06 pm

    Kommunistische , christliche Goreaner, hey, da dürfte unsere rote Socke im Forum echt abgehen

    • 23. Oktober 2012 um 12:07 pm

      Gor hat sie ja selber gespielt und steht doch auch auf diesen Sklaven-Quark. Mit dem „Gor“-Wort holste eher andere Knalltüten an Land. man muss ja global denken!
      Uh, genau! Globalisierung!

  8. Tanja
    23. Oktober 2012 um 12:12 pm

    „Wer gegen die ganze Welt kämpft muß in Kontinenten denken.“

    Erwin Rommel (kein Grieche)

    • 23. Oktober 2012 um 12:18 pm

      Ganz sicher? Hat nichtmal Gyros gegessen?

    • Kendrick McMillan
      23. Oktober 2012 um 12:25 pm

      Da draußen lauert ein Wolf, er will mein Blut. Wir müssen alle Wölfe töten!
      J.Stalin (war auch kein Grieche, oder??) *gggg*

      • 23. Oktober 2012 um 12:26 pm

        Der war Georgier, wenn mich nicht alles täuscht.

        • dieandera
          23. Oktober 2012 um 12:29 pm

          meinst du, das ist so was ähnliches wie nen Grieche?

  9. dieandera
    23. Oktober 2012 um 12:30 pm

    die Proletarier haben nix zu verlieren außer ihren Ketten
    Heidi Klum

    auch keine Griechin

  10. Adran
    23. Oktober 2012 um 1:28 pm

    Ich weiß warum ich Ayn Rand mag…

    • 23. Oktober 2012 um 1:30 pm

      Ayn Rand ist/war einer der vielen Pickel am Arsch der zivilisierten Welt. 🙂
      Einen der amüsantesten Verrisse ihrer Bücher kann man in der Public Works Trilogy nachlesen. Ich habe sehr gelacht. Netter Ansatz, sie sich selbst demontieren zu lassen.

  11. Adran
    23. Oktober 2012 um 1:41 pm

    Sie hat mit einigen fundamentalen Aussagen sehr recht – wenn die Leistungsträger aufhören zu arbeiten, verhungern Leute wie der achte Zwerg gleich mit.

    • 23. Oktober 2012 um 1:54 pm

      Ich denke, sie hat mit gar nichts recht, das über die Aussage „Sauerstoff ist in gewissen Prozentanteilen ganz nett“ hinausgeht. 🙂 Schon gar nicht mit ihren abstrusen Theoriegebäuden.
      Aber ich glaube, im Prinzip können wir uns darauf einigen, dass der Zwerg außerhalb der Trollunterhaltung eigentlich keinen erkennbaren Zweck hat. 😀

  12. Tanja
    23. Oktober 2012 um 2:02 pm

    Trollunterhaltung ist aber ein nicht zu unterschätzender Faktor!

    • 23. Oktober 2012 um 2:05 pm

      Sag ich doch! Daher die Idee mit dem Megathread der alle anlockt.

      • dieandera
        23. Oktober 2012 um 2:14 pm

        dann mach nicht den Sleen sonder mach es und rede nicht nur drüber

        nichts ist so mächtiger als eine Idee für die die richtige Zeit gekommen ist

        Paris Hilton

        • beowulfmcdonnell
          23. Oktober 2012 um 5:23 pm

          Genau.Dont Sleen it.Zwerg it !

          • 23. Oktober 2012 um 5:37 pm

            Kann ich nicht, ich bin zu sehr als Troll geoutet. Du übrigens auch, Beo! Wir brauchen jemand seriöses für den Job.

        • beowulfmcdonnell
          23. Oktober 2012 um 5:56 pm

          Ich kenne Niemanden der Seriös ist Darkwing…

          😦

  13. Serena
    23. Oktober 2012 um 5:20 pm

    gut gut. Dann hole ich gegen halb acht mal den Exlegionär auf den Plan und guck wo ich meinen Kampfwürfel verstaut habe. Mal was anderes. Und bis dahin versuche ich irgendwie dem Chaos in der Küche beizukommen 🙂

    Und…..ehm hört mal nu mit den adipösen Buddhistengoreanern auf, sonst springt Euch ne adipöse Userin ins Gesicht, und zwar mit dem Sitzfleisch zuerst. Und glaubt mir, wo diese Tonne auftrifft, da wächst kein Gras mehr. Weder mit noch ohne RP Dice! ;-))
    Abgesehen davon ist Buddhismus gar keine Religion sondern eine Philosophie. Sagten das die Griechen? Oder hat man das in der Renaissance entdeckt?

  14. beowulfmcdonnell
    23. Oktober 2012 um 5:48 pm

    Hier mal ein sinniger Kommentar von jemanden der es besser Beurteilen kann in meinen Augen da er
    A: Selber einen Schwanz besitzt.
    B: Vater wird.
    C: Eine Religion hat und zu guter Letzt.
    D: Sogar beim Thema bleibt und nich den Faden verliert wie das debile Sl Forenzwergtrollclownspuplikum.

    Gruß Beo (Beschnitten)

    21.07.2012
    Beschneidungsdebatte
    Unsere seltsame Tradition
    Meine Schwester wollte ihren Sohn nicht beschneiden lassen. Die Familie sammelte Argumente, um sie umzustimmen. Ich fand keines. Jetzt werde ich selbst Vater. Ich, der jüdische Arzt.
    Von GIL YARON

    Foto: http://WWW.BRIDGEMANART.COM
    Es fühlte sich an wie ein Schlag in die Magengrube, nur dass er unsere Familie unter der Gürtellinie traf. Sie werde ihren Sohn nicht beschneiden lassen, teilte meine charakterstarke Schwester uns vor mehreren Jahren mit. Sie hielt diesen uralten jüdischen Brauch für überflüssig und barbarisch und versetzte so alle in Aufregung. Dabei sind wir nicht religiös. Mein Vater schlägt selten einen unkoscheren Shrimps-Cocktail aus. Meine Mutter fährt auch am heiligen Schabbat gern ins Kino, obwohl uns die Tora so etwas eigentlich verbietet.

    Dennoch bemühen wir uns, Traditionen aufrechtzuerhalten. Wir fasten zu Jom Kippur, singen gemeinsam Freitagabends jahrhundertealte Segenssprüche über Wein und Brot und begehen jedes Passah den Seder, das jüdische Abendmahl, wie es sich gehört. Undenkbar also, dass dem nächsten Glied in unserer Familie die Beschneidung verweigert würde. Was wäre da an Enkeln und Neffen noch jüdisch?

    Wir gingen zur Überzeugungsoffensive über. Ich wusste, religiöse Argumente würden meine abtrünnige Schwester nicht bekehren – schon gar nicht von mir. Als Arzt setzte ich lieber auf Fakten. In der Universitätsbibliothek von Jerusalem suchte ich nach Studien, die eindeutig die Vorteile männlicher Beschneidung erweisen. Vergeblich.

    Ein Kondom bietet besseren Schutz vor Krankheiten
    Zwar entdeckte ich, dass die Beschneidung dem künftigen Neffen eindeutig Vorteile verschaffen würde – aber nur wenn er in Afrika aufwüchse. Die Gefahr, sich mit HIV anzustecken, sinkt um 60 Prozent. Er und seine Partnerinnen liefen weniger Gefahr, Papillomaviren zu bekommen und eines Tages an Penis- oder Gebärmuttermundkrebs zu erkranken oder an anderen Geschlechtskrankheiten wie Chancroid, Syphilis, Herpes, einer Harnwegsinfektion. Doch in Deutschland bietet ein Kondom weitaus besseren Schutz – fast 100 Prozent.

    Im Familienkonzil wies meine Schwester die Einwände von Großeltern, Eltern und Geschwistern resolut zurück. Ich hatte ohnehin die Fahnen gestrichen. Meine Recherchen passten nicht zum Familienwunsch. Ich begann selbst, an der Beschneidung zu zweifeln.

    Hier hätte die Geschichte enden können, hätte meine Ehefrau mir nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Genauer gesagt waren es zwei Striche, in rosa Farbe, die eines Januarabends zu unserer freudigen Überraschung auf dem Teststab erschienen. Bei der Ultraschalluntersuchung wenige Tage später hielt mein eigener Herzschlag beim Anblick meines Kindes für einen Augenblick inne. Ich verstand, dass ich fortan die Verantwortung für dieses Lebewesen trug.

    Medizinisch überflüssig
    Für einige Wochen gab ich mich dem Wunschdenken hin, der Ewige habe mir eine Tochter beschert. Doch die nächste Untersuchung erfüllte mich mit dem neuen Gefühl des Vaterstolzes, als ich sah, dass mein Kind mir ähnlich ist, zwischen den Beinen. Ein Sohn. Nun hatte ich selbst ein Problem zu lösen: Wie hältst Du’s mit der Beschneidung?

    Ein Lehrsatz bildete die Grundfeste meiner medizinischen Ausbildung: Primum non nocere zuallererst keinen Schaden zufügen. Ein Arzt muss Vorsicht und Bescheidenheit walten lassen, darf einen Eingriff nur ausführen, wenn dessen mögliche Vorteile Risiken und Nebenwirkungen überwiegen. Die allgemeine männliche Beschneidung ist in Industriestaaten nicht indiziert. Sie ist ein risikoarmer Eingriff, aber medizinisch so überflüssig, wie es eine allgemeine präventive Tonsillektomie wäre. Niemand propagiert, Kleinkindern die Mandeln herauszuschneiden, um Halsschmerzen vorzubeugen.

    Doch Rabbiner argumentieren nicht medizinisch, sondern religiös. Sie nennen die Beschneidung „Brith“ – Bündnis, Zeichen der intimen Verbindung zwischen Juden und ihrem Gott. Die Pflicht, den Sohn am achten Tag zu beschneiden, entspricht dem Wortlaut des ersten Buch Moses. Wer nicht beschneidet, „dessen Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk, weil es meinen Bund unterlassen hat“. Nach dem Talmud ist kein Jude perfekt, bis er nicht beschnitten wird. Kein Wunder also, dass Juden behaupten, die Beschneidung kleiner Jungen sei unerlässlicher und untrennbarer Bestandteil des Judentums.

    Beschneidung als Kriegsdienst
    Doch in der Bibel finde ich noch eine andere Geschichte. Sie handelt von der Beschneidung des Stammes Sichems. Der hatte Jakobs Tochter Dinah entführt und vergewaltigt. Daraufhin überredeten ihre Brüder den reuigen Täter und seinen Stamm, sich beschneiden zu lassen, um Dinah ehelichen zu können. Als die Beschnittenen matt darniederlagen, übten die Söhne Jakobs Rache und erschlugen sie. Die Beschneidung war gar kein religiöser Akt, sie war eine Kriegslist.

    Ein beschnittener Penis definiert also ebenso wenig einen Juden wie die Vorhaut die intime Bindung zum jüdischen Gott stört. Der heiligste Augenblick seiner Geschichte widerfuhr dem jüdischen Volk sogar, als es den Brith nicht praktizierte. Gott gab den Juden die zehn Gebote am Berge Sinai just in den vierzig Jahren, in denen das Volk Israel laut Anweisung von oben seine Söhne nicht beschnitt.

    Das Judentum erfand Ausnahmeregelungen für Familien, in denen es in der Vergangenheit beim Brith zu Komplikationen gekommen war. Was ist das Schicksal dieser auf Geheiß der Rabbiner unbeschnittenen Jungen? Sie sind vollwertige Juden. Sie können vor jüdischen Gerichten aussagen, aus der Tora vorlesen, Jüdinnen ehelichen und vollwertige neue Juden zeugen – trotz Vorhaut. Nur von einem Akt sind sie ausgeschlossen: Sie dürfen das Passahopfer nicht essen. Das wurde übrigens zum letzten Mal vor 2.000 Jahren dargebracht, als in Jerusalem noch der Tempel stand.

    Ästhetische und spirituelle Gründe sind absurd
    Manche Befürworter des Brith nennen ästhetische Gründe, ohne Vorhaut sei der Penis schöner. Aber warum soll ich meinen Sohn deshalb beschneiden lassen? Das wäre so absurd wie eine Brustvergrößerung bei einem Mädchen. Andere, wie Rabbiner Ben Jaakov Ben Asher aus dem 13. Jahrhundert, heben die spirituelle Dimension hervor: „Wer sich nicht beschneidet, kommt nicht ins Paradies, auch wenn er die Tora studiert und gute Taten vollbringt“, schrieb er. Aber Wegbeschreibungen in den Himmel machen mich immer skeptisch. Wie oft folgten islamistische Selbstmordattentäter in meiner Nachbarschaft den Weisungen ihrer eigenen „paradiesischen Reiseführer“ – um in einer Rauchwolke zu enden?

    Michael Goldberger, ein Züricher Rabbiner, versuchte mich zu überzeugen. Goldberger sagte: Wer seine Vorhaut abtrenne und die empfindsame Eichel offenbare, mache auch sein Herz für die Außenwelt empfänglicher. Wie der Weizen von Spreu getrennt und verarbeitet werden müsse, bevor er zu Brot werde, obliege es dem Menschen, sich selbst zu vervollkommnen.

    Der berühmte mittelalterliche Arzt und Gelehrte Moses Maimonides sah das ganz anders. Er schrieb im 12. Jahrhundert im „Führer der Unschlüssigen“ (Teil III, Kap 49), ein Grund für die Beschneidung sei „der Wunsch, den Geschlechtsverkehr auf ein Minimum zu reduzieren und dieses Organ zu schwächen, damit (der Mann) es weniger treibt und sich nach bestem Vermögen zurückhält“. Es gehe nicht darum, den Körper, sondern den Charakter zu vervollkommnen. „Der physische Schaden ist das beabsichtigte Ziel“, schreibt Maimonides. Keine Vorhaut, keine Ausschweifungen.

    Von Abraham bis König David
    Ein beschnittener christlicher Freund war gar nicht so weit davon entfernt, als er mir von seinen Erfahrungen erzählte. Die Abnahme der Empfindlichkeit verleihe ihm in der Horizontalen größere Standhaftigkeit. Das habe ich schon öfter gehört. Doch das hehre Ziel, eine Frau sexuell zu befriedigen, kann man auch mit Vorhaut erreichen. Soll ich meinen Sohn etwa beschneiden lassen, um ihm weniger, seiner Frau dafür aber umso mehr Spaß am Sex zu bescheren?

    Der Inhalt rabbinischer Traktate, und somit die wahre Bedeutung der Beschneidung, ist den wenigsten säkularen Juden bekannt. Dennoch bestehen sie auf diesen Akt, den selbst Überzeugte als „grausam“ und „blutig“ beschreiben. Einer meiner besten Freunde erzählte mir von der immensen Pein, die ihm die Beschneidung seines Sohnes bereitete, und vom gleichzeitigen Stolz, eine mehrere Jahrtausende alte Tradition aufrechtzuerhalten. Von Abraham über König David, Albert Einstein bis zu seinem Sohn – alle waren sie beschnitten.

    Im Gegensatz zu König David steinigen wir allerdings keine Ehebrecher mehr und erdrosseln auch nicht diejenigen, die ihren Vater nicht ehren. Wir sind dennoch Juden und ähneln 30 Prozent der männlichen Bevölkerung des Erdballs, die ebenfalls beschnitten ist. Der Brith ist eines vieler Zeichen der Zugehörigkeit, kein Merkmal des Auserwähltseins.

    Gesellschaftliche Konsequenzen?
    Zwei Argumente machen mir eine Abkehr vom Brith schwer: Das eine gilt für die Diaspora, das andere für Israel, und sie widersprechen sich. Noch jeder israelische Freund warnte mich vor gesellschaftlichen Konsequenzen, sollte ich die Vorhaut meines Sohnes nicht abtrennen lassen. Wie stünde mein Knabe in Kindergarten, Schule oder Armee da, wenn im Klo oder in der Dusche seine Eichel verdeckt bliebe? Muss mein armes Kind am Ende den Preis zahlen für meine Entscheidung?

    Ich war als Kind der einzige Jude auf einer deutschen Schule, doch das andersartige Anhängsel zwischen meinen Beinen war nie Gesprächsstoff oder Auslöser eines Problems. Keiner der wenigen unbeschnittenen Israelis, mit denen ich sprach, berichtete mir von Traumata, Hänseleien oder Diskriminierung – im Gegensatz zu denen, die mit dicken Brillen oder Zahnspangen in den Kindergarten kamen.

    Am meisten sympathisiere ich mit dem Dilemma der Diaspora. Für mich, der nach Israel auswanderte und dort unter Juden lebt, ist es leicht sicherzustellen, dass meine Kinder ihr Judentum auch für weitere Generationen bewahren werden. Andernorts ist dies eine gewaltige Herausforderung. Die Versuchungen sind vielfältig, der Assimilationsdruck ist groß. Was ist leichter und andauernder als durch den kleinen, wenig traumatischen Eingriff sicherzustellen, dass mein Sohn sich mehrmals täglich beim Pinkeln seine Wurzel und eine Erinnerung an seine Herkunft vor Augen und in Händen hält?

    Doch dieses Argument degradiert Zugehörigkeit zu einem sofort löslichen Begriff, einem Instant-Kniff, der es uns ersparen soll, Liebe zur jüdischen Tradition durch geduldige Erziehung und das Vorangehen mit eigenem Beispiel zu wecken. Den meisten von uns ist es bequemer, beim Fest des Brith Shrimps zu servieren, als den Schabbat einzuhalten.

    Das Urteil der Kölner Richter macht es Juden wie mir nicht leichter. Es erinnert an die Beschneidungsverbote des Seleukidenkönigs Antiochos Epiphanes oder des römischen Kaisers Hadrian. Die waren Inkarnationen des Bösen. Sie wollten nicht die Rechte jüdischer Kinder bewahren, sondern das Judentum auslöschen. Hunderttausende Märtyrer ließen damals für die Aufrechterhaltung unseres Brauchs das Leben.

    Nachdenken und diskutieren
    Kann man den toten Helden ausgerechnet jetzt den Rücken kehren? Kann man den Wunsch, seinen Sohn nicht zu beschneiden, anders interpretieren als Verrat?

    Das Urteil der nichtjüdischen Richter in Köln sollte Anlass für zwei urjüdische Akte sein: nachdenken und diskutieren. Wir brauchen keine Rechtssicherheit, sondern eine Denkpause. Juden sollten die kommenden 15 Jahre in Deutschland nutzen, um sich zu vergegenwärtigen, warum sie ihre Söhne beschneiden: ob sie das wirklich wollen oder nur aus Angst davor tun, anders zu sein. Die Feier des Brith am achten Tag nach der Geburt könnte ein wichtiger symbolischer Akt werden, in dem der Vater nicht seinen Sohn zu seiner Religion verdonnert, sondern sich selbst dazu verpflichtet, ihm ein bedeutungsvolles Judentum vorzuleben und zu übermitteln.

    Wenn meine Erziehung zum Judentum dazu führt, dass mein Sohn eines Tages als mündiger, überzeugter Jude von seinem Vater fordert, ihn endlich zu beschneiden, dann werde ich seinen Wunsch erfüllen, mit Liebe, Stolz und Schmerz. Aber nicht früher.

    Text: F.A.S.

  15. Tanja
    23. Oktober 2012 um 6:56 pm

    Ein so langer Text…sachlich und nicht von Hasstiraden unterbrochen… schick! 🙂

    Bist Du eigentlich Grieche Beo?

    • beowulfmcdonnell
      23. Oktober 2012 um 11:40 pm

      όχι. Αλλά έχω ένα πέος

      • Tanja
        24. Oktober 2012 um 10:19 am

        Beim Poseidon… ehrlich?! Dürfen wir den mal sehen?

        • beowulfmcdonnell
          24. Oktober 2012 um 12:18 pm

          Δεν χωράει στην οθόνη

          • Tanja
            24. Oktober 2012 um 2:59 pm

            Auch nicht auf 27″ ?

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