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Life’s no fun without a good scare

1. November 2012

Kein Bild von Halloween – dafür etwas aus der Konserve, rein zur Dekoration.

Während um mich herum fast ganz Deutschland den Schlaf der Gerechten schläft, sitze ich hier und arbeite. Naja, nicht wirklich. Ich schreibe einen Blogpost, was sich zu „Arbeit“ ungefähr verhält wie „Schwimmflügel“ zu „Jetski“.

Halloween war großartig! Ein – wie passend – Mordsspaß! Wie schon erzählt half ich im Gruselgang aus. Ein Gruselgang ist eine selbstgebaute Geisterbahn aus schwarzen Zelten und Tuchwänden, die einen kompletten Hof mit engen Gängen füllt. Dazu dann in jeder dunklen Ecke und extra eingebauten Nische lebendes Personal, eine Masse künstliche Spinnweben, Leichenteildekoration, Kunstnebel und Effektbeleuchtung und fertig ist die Laube.

Da mein Kommunismus-Gespenst für Kinder nicht eben interessant war, bekam ich ein Kostüm verpasst, das mich in eine Mischung aus Gammelchtuluh und einem … hmm.. untoten Campingzelt verwandelte. Also in etwa so, nur mit graubraunen Tentakeln. Jahaa, Ironie undsoweiter. Ich platzierte mich in einer dunkle Nische unmittelbar hinter einer 90-Grad-Biegung des Ganges und verschmolz perfekt mit der Umgebung. Dass sich eine Gummifledermaus aus der Wanddekoration in meinen Tentakeln verfangen hatte, merkte ich erst später beim Ausziehen. Egal, addierte zum Gruseleffekt.

So wurden also von draußen die Kinder (je nach Alter auch mal mit Erziehungsberechtigten) in Gruppen in die Geisterbahn geschickt. Vorbei an einem Zombie und einem Henker, mächtig erschreckt vom Waldschrat mit seiner stroboskopbeleuchteten, radkappengroßen Spinne in der Nische drei Meter vor mir, waren die Opfer schon fein angewärmt, wenn sie zu mir kamen. In 70% aller Fälle eilten sie hektisch an mir vorbei ohne mich für echt zu halten … bis ich mich plötzlich bewegte und mich brüllend auf sie stürzte. In den restlichen 30% entspann sich ein Dialog zwischen den Besuchern ob „das da“ echt ist und ob „da einer steht“. Tja, fanden sie früh genug raus! Ich kann stolz sagen, mehr als ein kreischendes Kind durch die Stoffwand gejagt zu haben. Dazu auch den einen oder anderen Erwachsenen. Eine mittelalte Prinzessin piekte mich wiederholt mit ihrem königlichen Szepter, bevor sie – überzeugt davon, dass ich eine Plastikifigur wäre – an mir vorbeischlich. Pech gehabt, Madam; es ist nicht tot, was ewig liegt! Eine wohlalkoholisierte Besucherin erschreckte sich zuerst furchtbar und hängte sich dann an mich, um mir zu sagen, dass sie damit nun wirklich nicht gerechnet habe. Ein dicker kleiner Junge schlug mich völlig entgeistert mit seinem Süßigkeitenbeutel, als ich anfing, mich zu bewegen. Am schwierigsten waren Teenagermädels. Immer in Rudeln auftretend und enthemmt auf 120 Dezibel kreischend eierten sie durch den Gang und wenn man sie zu sehr erschreckte, rissen sie die Dekoration von den Wänden oder selbige gleich ganz ein.

Kamen sehr kleine Kinder, warnte uns die Türsteherin vor und wir schalteten etwas zurück. Trotzdem musste unser einäugiger Zombie-Conférencier einmal einen heulenden Mini-Ninja zum Ausgang geleiten. Am coolsten war ein etwa sechs, sieben Jahre altes, als Skelett kostümiertes Mädchen, das völlig allein (!) durch den Gang ging und unglaublich harte Nerven hatte. Bis zum Waldschrat gab sie keinen Laut von sich und mich erwischte sie – sich leise heranpirschend – dabei, wie ich das Skelett an der Wand mir gegenüber wieder richtig aufhängte (Teenagermädels und so). Sie stellte sich neben mich und fragte „Was machst Du da?“ Ich antwortete „Leichenteile sammeln“. Sie nickte „Viel Glück dabei!“ und entschwand den Gang hinunter. Auch der Rest der Belegschaft schien sie nicht verstört zu haben. Sie tauchte dann später noch einmal mit ihren wesentlich nervöseren Geschwistern (?) auf und fragte mich höflich, ob ich all meine Organe gefunden hätte.

Dank einer strategisch platzierten Anlage gab es auch Musik und Waldschrat Laura und ich konnten uns in einer Spukpause auf amüsante Art nicht einigen, wo links bei „It’s just a jump to the left – And then a step to the right – With your hands on your hips – You bring your knees in tight“ vom Time Warp wäre. Dazu noch etwas schräges Mitgesinge im Allgemeinen … „Who you gonna call?!“ … und der Abend war perfekt.

Jap, Halloween war genial. Heute morgen bin ich sehr müde und von der Brüllerei vollständig heiser – aber ich bereue nichts!

Soviel zum seltenen Ereignis „Zasta erzählt aus dem RL“. Gewöhnt euch nicht dran! *grinst*

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  1. Tanja
    1. November 2012 um 10:17 am

    „…die einen kompletten Hof mit engen Gängen füllt. Dazu dann in jeder dunklen Ecke und extra eingebauten Nische lebendes Personal, eine Masse künstliche Spinnweben, Leichenteildekoration, Kunstnebel und Effektbeleuchtung und fertig ist die Laube.“

    Ihr wart in einer Mensa?! Ich wusste es! Nur die Sache mit dem „lebenden“ Personal hat mich kurz stutzig werden lassen.

    • 1. November 2012 um 10:24 am

      Also die Mensa an meiner FH war groß, hell, kalt und roch nach Pommesfett. 😀

      • Tanja
        1. November 2012 um 10:28 am

        Ouhh! Meine Vorstellung vom Himmel ist es, einmal schönes Pommesfett zu riechen, und sei es nur für ein paar Stunden. Die müssen wirklich glauben, die Sonne scheint aus Deinem Hintern, Jungchen. 😛

        • 1. November 2012 um 10:29 am

          Iss Deine Wachholderbeeren. 🙂

  2. Adran
    1. November 2012 um 12:02 pm

    Klingt amüsant… ich stelle fest, dass sich die Leute mit Halloween von Jahr zu Jahr mehr Mühe geben. Ich muss nur noch einen Ausweg finden aus der jährlichen Party auf die ICH gehen muss 🙂

    • 1. November 2012 um 12:11 pm

      Komm nächstes Jahr zu uns. Gruselgang gibt´s jedes Jahr. Danach ist noch „normale“ Party für die Erwachsenen, musste ich aber auslassen mangels Urlaub-am-nächsten-Tag. Das Buffett habe ich auch nicht gesehen. 😦 Letztes Jahr war es immens cool. Dieses Jahr bekam ich nur zwei Stücke Kuchen vom Zombie vorbeigebracht, die ich dann an meinen Tentakeln vorbei essen musste.

      • Tanja
        1. November 2012 um 1:12 pm

        Zombies sind eben auch nur Menschen.

        • 1. November 2012 um 1:20 pm

          War ja schon nett, dass er für mich ans Buffett gegangen ist. Wäre mit dem ganzen Gebamsel an mir auch uanppetitlich geworden.

  3. 1. November 2012 um 2:15 pm

    donnerwetter, das mädel war eiskalt. du bist sicher, dass es keine schwedin auf dem weg zum nächsten serienmord war? und statt das jugendamt im anfall der zivilcourage zu verständigen, hast du ein skelett bekrabbelt, während das mädchen dir beim aktiven organhandel zusah. wer weiss, was sie zuhause alles mitansehen muss, dass sie so cool ist. vielleicht satanische eltern, die in der besenkammer schwarze messen mit chicks abhalten oder schlimmeres. ;P

    • 1. November 2012 um 2:25 pm

      Der Rest Der Familie wirkte ganz normal verängstigt. Vielleicht ist es nur Wendnesday und wurde im Krankenhaus vertauscht. 😀

  4. 1. November 2012 um 11:27 pm

    Hehehe , hört sich ja nach mächtig viel Spaß an….. aber so eine cool kleine Lady, da kann man froh sein, dass es nur eine war, sonst würde das am Ende so aussehen.

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