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Jacob und die Mambo

16. November 2012

Jacob legte den Kopf in den Nacken und sah den Hauptmast des Schiffes hinauf. Ganz sacht schwankte der große Körper aus Holz unter seinen Füßen. Es schlief. Erst auf dem Meer würde es erwachen.

Er war kein Seemann. Nahm man es genau stand er als Schiffsarzt sogar ein wenig außerhalb des Mannschaftsgefüges, er musste unabhängig sein. Jacob trat an die Reling und sah nach unten, hin zum Markt der kleinen Inselsiedlung. Trotz der späten Stunde hatte seine Schwester Martha-Grace noch einen Händler gefunden, der ihr anderthalb Ellen leichten Stoffes verkaufte. Ohne dass er es wirklich wollte, musste Jacob lächeln, als er ihr sogar in der Dämmerung noch strahlendes Gesicht sah.

Vom Hügel herab trieb der Wind einige Fetzen Musik und Geschrei. Das Lächeln des Schiffsarztes verschwand. Rum, Ausschweifungen. Das führte wie immer zu Platzwunden, Schnitten, Knochenbrüchen, Glassplittern überall. Die erste Nacht an Land war für ihn jedes Mal schlaflos und voller Arbeit.

Er beobachtete Martha-Grace, wie sie, ihre Beute aus bunt bemaltem Stoff an sich gedrückt, über den Markt „heim“ zum Schiff eilte. Sie wurde ihrer Mutter immer ähnlicher. Jacob knurrte ärgerlich und griff nach dem silbernen Kreuz um seinen Hals. Er würde alles tun, damit sie der Hexe nicht noch ähnlicher würde. Und vor allem würde er dem unschuldigen Mädchen … nein, der unschuldigen Frau … nie die ganze Wahrheit erzählen. Dumm nur, dass sie diese Mambo an Bord hatten. Natürlich waren der Kapitän – und auch sonst jedermann – gegen diesen heidnischen Kult. Der französische erste Kanonier hegte sogar eine fast hysterisch-aggressive Abneigung. Aber irgendwie schien diese Frau mit dem Kopftuch und den dunklen Augen die Loa mit sich zu tragen wie einen Mantel ….

Nein. Das war nur Aberglaube. Geister, Monster, Legba, Ezrulie … das gab es nicht. Christus war das Heil und die Hoffnung. Jacob schüttelte ungeduldig den Kopf um die schwarzen Gedanken zu vertreiben und setzte wieder ein Lächeln auf. Für Martha-Grace.

OOC: Unser erster Abend als Piraten auf Ceriba. Ich gebe zu, ich bin mir mit meinen himmelhohen Erwartungen wieder einmal kräftig selbst auf dem Fuß gestanden. Wir waren zu fünft aufgelaufen (Kapitän McMillan, Erster Kanonier Antoine, die Mambo Mashia, Martha-Grace und eben Schiffsarzt Jacob) und majorisierten damit die Urbevölkerung. Am Ende war es dann aber zahlenmäßig ausgeglichen. Unser Schiff dominierte den Hafen – im ersten Screen dieses Beitrages sieht man, wie riesig der Schoner im Vergleich zu den anderen beiden Schiffen aussieht – obwohl das Teil rechts daneben viel massiger ist.

Was mir sehr gefallen hat war das Spiel innerhalb unserer Gruppe. Adrans wunderbar beiläufiger Rassismus (zu dieser Zeit das Normalste der Welt) hat mich schwer begeistert und auch Mashias dezente Voodooandeutungen haben Aufhänger geliefert. Kenny und Adran fuhren in ihren Gesprächen die eher politische Schiene und Mell brachte Farbe in ihren Charakter, in dem sie sich als ganz dezente Schnapsdrossel (Grogdrossel) outete.

Aber dass ich mit Leuten, mit denen ich schon länger und mehr gespielt habe und mit denen ich auf einer Welle liege, klarkomme, ist nun nicht verwunderlich. Mit den Einwohnern der Insel war es etwas schwerer. Kenny kam gut rein, ich weniger. Irgendwie fehlte mir etwas der Ansatz. Oder ich war mal wieder soziophob.

Auf jeden Fall möchte ich mindestens noch einmal nach Ceriba, um zu sehen ob und wie sich das Ganze weiterentwickelt. Ich mag die Atmosphäre und das Setting. Und meinen Charakter. Ich finde es spannend, einen Kerl zu spielen, der ständig bemüht ist, seine Wurzeln zu verleugnen und sich den dominierenden Europäern anzupassen – obwohl die in ihm nur den „dummen Bimbo“ sehen. Er hasst sie und will doch komplett integriert sein – sozusagen weißer als alle Engländer und Franzosen zusammen. Das ist ein schöner Zwiespalt. Angeblich soll das Windlight-Setting der Sim nicht so gut sein. Da ich Exodus benutze (der auch auf 350 Meter Sichtweite und mit Deferred/Schatten/dem ganzen Programm noch flott und lagfrei läuft), kann ich das nicht nachvollziehen. Dieser Viewer unterstützt entweder die automatische Übernahme von WL-Settings nicht oder ich habe den Haken nicht gesetzt, was weiß ich. Ich habe für mich selbst ein stimmungsvolles Windlight eingestellt: Zest auf frühen Nachmittag gedreht, die Wolkengröße hochskaliert und für das Wasser glassy.

Ob die anderen auch nochmal hinwollen? Ich hoffe es, kann es aber nicht sagen. Ich werde es sicher bald erfahren. Beim zweiten Mal komme ich hoffentlich auch etwas mehr mit der Bevölkerung in Kontakt.

Ansonsten, abseits des RP? Ich will mal einen Designer kräftig loben. Vitamen, der Hersteller der Extrem-Unterwäsche (wir erinnern uns: Thalabs Kalenderbild. Das Leoparden-Nichts) ist für Anregungen und Kritik offen. Er hat tatsächlich ein Update geschickt, damit man das Teil nun auch an hellere Skins anpassen kann. Respekt! Ausprobiert habe ich es noch nicht, werde das aber wohl dieses Wochenende nachholen. Damit auch Cetus mal neckisch aussehen kann. Oder so.

Das hier ist übriges der achthundertste Blogbeitrag. 800! So viel geschrieben … Das entspricht in etwa einem kurzen Roman.

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  1. Adran
    16. November 2012 um 8:37 am

    Rassismus? Bitte, ich bin doch kein Rassist! Und ich halte dich auch nicht für einen dummen Bimbo, ich sagte doch, für einen Neger bist du gar nicht doof! Du hattest einfach Pech mit dem Geburtsland – das du sowas auch immer als Beleidigung siehst. Schiffsärzte! Alle Sensibel 😉

    Ach, ich mag das Setting auch irgendwie, ich hätte es etwas bedrohlicher und versoffener gemocht mit leichteren Mädels und gestörteren Piraten – aber das ist nur meine eigene morbide Vorstellung von Piraten RP die nicht zwingend alle teilen müssen.

    • 16. November 2012 um 8:41 am

      Klar, das war halt damals so. 😀 Wassermelonen und Hähnchen … noch in den fünfziger Jahren. Ach was, heute noch!

      Ja, ich hätte mir auch etwas mehr Tortuga gewünscht – aber ist halt schwierig mit relativ wenigen Leuten. Also bist Du nochmal dabei? Ich werd´s in jedem Fall nochmal ansteuern.

  2. Kendrick McMillan
    16. November 2012 um 8:49 am

    Ich hatte meine Startprobleme, aber mit virtuellem Alkohol findet man oft nen guten Start *lach* und Piraten lieben nu ma Rum in Massen, auch wenn sie gebürtige Schotten sind (na ja gut, Schotten sind beim Trinken auch keine Heiligen).
    Ich will da auf jedenfall nochmal hin, warscheinlich schon am Samstag

    • 16. November 2012 um 8:51 am

      Samstag geht halt bei mir nicht, da werde ich im RL im Jahre 1244 in Limassol rum-vampiren. Aber ansonsten jederzeit gern wieder.

  3. Kendrick McMillan
    16. November 2012 um 9:00 am

    macht ja nix, ich werd mir ein paar Fässer von dem guten Rum für meine Privatbestände besorgen und vielleicht mal die Insel erkunden. Es werde garantiert noch weitere Besuche folgen, schließlich sitzen wir ja erstmal für eine ungewisse Zeit fest, mangels diverser fehlender Produkte. 😀

    • 16. November 2012 um 9:01 am

      Genau. Und wer allein unterwegs ist, hat eben den Rest grade mal auf dem Schiff gelassen. 🙂

  4. 16. November 2012 um 10:53 am

    Mir hat es gestern Abend gut gefallen. Nicht zu viele Leute in lockerer Runde. Für das erste Kennenlernen eigentlich optimal. Ich möchte auf jeden Fall auch nochmal hin. Schon allein um die Insel genau zu erkunden, die scheint wirklich schön zu sein.
    Der Stoffhändler war eine harte Nuss 🙂 ich hab das ganze Geld ausgegeben und musste versprechen das mein Bruder der Arzt sich seine kaputten Füße anguckt.
    Ich bin gespannt wie es weiter geht.

    • 16. November 2012 um 10:56 am

      Hühneraugen von Stoffhändlern! Dafür wird man nun Arzt! 😉

      • 16. November 2012 um 1:38 pm

        Ja naja , Hühneraugenpflaster aus der Drogerie gibbet ja noch nicht. Vielleicht stellen sich die Hühneraugen auch als was ganz schlimmes heraus und du musst amputieren…das wäre doch eine Herausforderung *lächelt*

        • 16. November 2012 um 1:41 pm

          Fußfäule oder Gammel. 🙂

          • 16. November 2012 um 1:58 pm

            Wie gut das du der Arzt bist *örks*

  5. Serena
    16. November 2012 um 11:29 am

    das hört sich ja mal gut an 🙂
    ich freu mich für Euch.
    Was meinereinen angeht, ich mache jetzt erst mal eine SL Pause, ich schätze so ein bis zwei Wochen. Aber heute Abend zum Shooting kommen meine Jungs noch. Wäre schön wenn Du die Bilder im Kasten hast, denn danach ist erst mal Auszeit angesagt. Muss sein.

    • 16. November 2012 um 12:13 pm

      Ne, dann machen wir das Shooting wenn Du motiviert aus der Pause kommst, das hat mehr Docht.
      Und vielleicht haben Mell und ich bis dahin herausgefunden, wie das mit dem Pferd geht.

      • 16. November 2012 um 2:44 pm

        falls nicht, kann ich euch gerne den anatomisch korrekten hengst (es ist schließlich sl) machen. das tier sieht sehr pferdig aus und meiner erinnerung nach, kann man auf mir reiten. hottehüh! 🙂

      • Serena
        16. November 2012 um 3:39 pm

        öhm ich möchte das aber heute machen
        Ich hab mich da jetzt seelisch und moralisch drauf eingestellt 🙂

        • Serena
          16. November 2012 um 8:09 pm

          ähm ich wäre dann mal da………. ich hoffe das war keine Komplettabsage und ich bin nur zu früh…. 😀
          Keine Angst es wird nicht stressig. Was heut nicht geht klappt dann nach der Auszeit

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