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Zu kalt für Illusionen

5. Dezember 2012

Jonah_Chicago

In dieser Stadt friert man sogar im Sommer. Dann zwar sicher nicht körperlich, aber die Dinge, die hier zu jeder Zeit geschehen, lassen nur die Abgebrühtesten unberührt. Und jetzt, nachdem der erste Schnee gefallen ist, wird der Dreck der Straßen gegen das unschuldige Weiß nur noch deutlicher.

Jonah_Chicago_A

Unschuldig …. Hah! Nichts hier ist unschuldig. Jeder muss sehen, wie er über die Runden kommt. Den kleinen Fischen mache ich nicht einmal einen Vorwurf. Wer nichts zu fressen hat – wie soll der der Versuchung widerstehen, ein Brot zu klauen? Doch die, die ich beobachte, sind von anderem Kaliber. Dort drüben, in Licht und Wärme des Cotton Clubs sitzt das, was in der Brühe von Chicago ganz oben schwimmt.

Jonah_Chicago_B

Ich schlage den Mantelkragen hoch und vergrabe dann die Hände tief in den Taschen. Fast scheint der Wind einem hier noch direkter in die Knochen zu wehen. Ja, da sitzen sie, die Italiener mit den geölten Haaren und dem geölten Lächeln. Die Finger mit den fetten Ringen daran fest auf den Ärschen der ewig freundlichen Kellnerinnen. Sie trinken offen und ohne Furcht Champagner und den teuersten Whiskey, der je in den schottischen Hügeln in Fässern lag – denn die, die sie dafür zur Rechenschaft ziehen sollten, sitzen schließlich mit ihnen am Tisch.

Jonah_Chicago_C

Nicht, dass ich viel von der Prohibition halten würde. Ich umgehe sie ja selbst auf meine bescheidene Weise. Aber immerhin verdiene ich kein Geld daran. Und trage nicht eine Haltung zur Schau, die jedes Menschenleben nur danach bewertet, was es in Dollar und Cent bringen kann.

Ich wende mich ab und wandere zurück in den weniger weihnachtsleuchtenden Teil der Stadt. Der Wind vom See her scheint einem den Mantel aufzuknöpfen, damit er einen noch besser von allen Seiten anfallen kann.

Ich verachte mich selbst dafür, dass ich Geld zur Seite lege, um mir einmal im Monat einen Abend in eben den schicken Clubs leisten zu können, in denen das reich gewordene Gesocks, das ich gerade beobachtet habe, jeden Tag der Woche diniert und herumhurt. Geld, mühsam mit miesen kleinen Jobs verdient. Untreue Ehefrauen bespitzelt, spielsüchtige Ehemänner entlarvt, kleine Betrügereien aufgedeckt … ich bin der Terrier, der die Ratten fängt, während die Wölfe ungestraft die Schafe reissen.

Jonah_Chicago_D

Ohne genau zu wissen warum ich es tue, klettere ich eine Feuerleiter nach oben bis auf das flache, mit Schornsteinen gespickte Dach eines Mietshauses. Auf meinem Weg nach oben höre ich die Geräusche der erwachenden Stadt. Ich war die ganze Nacht auf den Beinen. Es ist mir gleich, mit dem Licht des Tages konnte ich sowieso noch nie viel anfangen.

Der frühmorgendliche Streit eines Ehepaares, ein greinendes Kind, jemand hustet sich die Schwindsucht aus dem Leib.

Hier oben ist das nah und trotzdem weit weg.

Das Licht im Osten wird von hellem Blau zu lichtem Rot und schließlich zu wässrigem Gelb. Die Sonne ist im Dunst nicht zu sehen. Wolken greifen über den Himmel. Unter mir liegt Chicago, als wäre ich der König dieser korrupten, hässlichen, backsteinkalten Stadt.

Ich fummle eine Zigarette aus dem zerknautschten Raleigh-Päckchen. Kurz bleibt mein Blick an meinem Streichholzbriefchen hängen, auf dem sich eine gut frisierte Frau einen Strumpf vom porzellanweißen Bein streift. Überall Lügen.

Ich bin Jonah Stagheart, Privatdetektiv. Und ich mache die Regeln nicht. Aber ich will verdammt sein, wenn ich sie befolge.

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Weiter mit OOC! Tatsächlich waren meine Chicago-Windlights beim Starten des Exodus vorhanden, was ich sofort für ein paar Screens genutzt habe. Außerdem haben noch andere Leute die Stadt besucht. Adran sah sich den Club an (ich wusste nicht, dass Kenny die Möbel in einen per Gruppe bedienbaren Rezzer gesteckt hat, so dass das Ganze etwas kahl war), Ganzbaf suchte Inspiration, genau wie Serena und Fredi. Außerdem habe ich ein neues Schild für das Hospital gebaut und bin bereit, dergleichen auch jederzeit für andere Institutionen zu machen. Schöne und passende Texturen sind wichtig für die Immersion!

Weniger schön – WordPress hat mal wieder etwas geändert und nun erscheinen Bilder, die man von der Mediathek in den Artikel packt, immer ganz am Anfang statt an der gewünschten Stelle, so dass man sie erst mühsam an ihren Platz zerren muss. Vielleicht auch mal wieder ein Bedienfehler meinerseits – aber ich würde mich echt freuen, wenn sie einen darauf aufmerksam machen würden, was sie denn gerade zur Freude der User verbessert haben! Share and Enjoy! (Das Motto der Sirius Cybernetics Corporation)

Heute ist hoffentlich endlich mal wieder RL-Mittwoch (gut, an den letzten beiden Ausfällen war ich selber Schuld) – so dass ich wohl erst spät wenn überhaupt auftauche. Aber Lust hätte ich schon, mit Jonah oder Cet noch ein wenig durch die Stadt zu laufen und mir Dinge vorzustellen.

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  1. Kendrick McMillan
    5. Dezember 2012 um 9:06 am

    Du hast verdammtes Glück, laut Kalender ist heute tatsächlich im RL Mittwoch ;D
    Man wenn ich deine Story so lese mit den Bildern dabei kommt meine uralte Lust wieder auf auch ne schöne Story zu schreiben……..ist ja ansteckend *lach*

    • 5. Dezember 2012 um 9:15 am

      Ist ja keine Story, sondern nur etwas Charakteridee samt stereotyper Chicago-Romantik. 🙂
      Zu den Stories komm ich ja nicht oder bleibe auf Seite 5 kleben, weil ich im Exodus uuuunbedingt noch ein Windlight basteln muss.

  2. Kendrick McMillan
    5. Dezember 2012 um 9:26 am

    Das sagst, für mich ließt es sich wie die Einleitung zu einem Roman oder Buch

    • 5. Dezember 2012 um 9:37 am

      Das freut mich, wenn ich durch die ganze Blogschreiberei mittlerweile flüssig genug schreibe, dass das so rüberkommt! 🙂

  3. 5. Dezember 2012 um 9:39 am

    eine tolle chicago-romantik, gefällt mir sehr. 🙂 mit den bildern in wordpress hast du völlig recht. ich mußte die gestern auch mühsam verschieben. die orchidee hat sehr undamenhaft geflucht, besonders weil sie viel zeit aufgewendet habe, den fehler bei sich zu suchen!

    • 5. Dezember 2012 um 9:52 am

      Ich ebenso … ich hab immer wieder gedacht, ich hätte mich verklickt, bis ich mich irgendwann in mein Schicksal gefügt und immer von Hand rumgeschleppt habe.

  4. 5. Dezember 2012 um 11:21 am

    Ich hab gestern Abend auch einen kurzen Blick auf Chicago gewofen. In besagtem Club gabs nen Weihnachtsbaum 🙂 ich liebe Weihnachtbäume, Lichter und Schnee.
    Und deine Beschreibung liest sich wirklich wie der Anfang eines Romans.

    • 5. Dezember 2012 um 11:28 am

      Diese dekadenten Mafiosi – die arbeitende Masse hat kaum was zu beißen und die stellen Weihnachtsbäume auf!

  5. Serena
    5. Dezember 2012 um 11:25 am

    Ja, es liest sich in der Tat wie ein Romaneinstieg, da stimme ich Kenny zu.
    Ahh, drum war der Club so leer, Kenny ist der „RezzOnDemand“-pone.
    RL Mittwoch. Jo. Meine Chefin hat sich krank gemeldet, nun bleibt der unselige Rest ihrer Aufgaben auch noch an mir hängen. Kann jemand per Fingerschnippen acht Tage überspringen? grinst…… ich brauch nen Magier!

    • 5. Dezember 2012 um 11:29 am

      Rezzer finde ich gut. Nicht, dass ich vorhätte, eine Galeere mit 300 Prim aufzustellen (bewahre!) aber man weiß ja nie …

  6. 5. Dezember 2012 um 11:29 am

    Blos nicht! Ich komm jetzt schon nicht hin mit den wenigen Tagen die es bis Weihnachten hat. Wenn jetzt noch 8 Tage übersprungen werden bekomm ich nen Schreikrampf.

    • 5. Dezember 2012 um 11:31 am

      Ich hab auch noch keine Geschenke. Dabei kriegt nur Lola und meine drei Bestbuddies was … aber selbermachen dauert immer so lange und man kommt zu nix weil man Exodus-Windlights bastelt …

      • Serena
        5. Dezember 2012 um 11:35 am

        lol, da hab ich es ja wieder mal gut, Familie existiert nicht, also auch keine grossartigen Geschenkverpflichtungen 🙂
        Weihnachten pflege ich daher mehr oder minder auszublenden, grins

  7. Kendrick McMillan
    5. Dezember 2012 um 11:48 am

    Jau, ich habs da auch gut, Verwandte und Familie fast komplett ausgerottet, meine Frau und ich wir schenken uns nichts, wir haben ja uns, nur der Sohnemann bekommt was.

  8. 5. Dezember 2012 um 2:29 pm

    Ein guter Roleplay Plot ist doch schon so was ähnliches wie ein Roman. Vielleicht könnte man sogar einen daraus machen wenn alle Beteiligten Ihre Backstory und RP Notecards irgendwo einreichen.

    Der Sleen

    • 5. Dezember 2012 um 2:37 pm

      Ein guter Plot ist das Gegenteil von einem guten Roman. In einem Roman hat man nicht nur eine sehr durchgehende Konzentration (und sei es nur kapitelweise), sondern es mangelt auch nicht an innerem Monolog/Dialog oder auktorialem Erzählen, was es in einem Plot nicht geben kann und darf, sonst hat man Railroading der feinsten Sorte.
      Ein Plot ist eher eine Action-Soap oder Telenovela.
      Man kann aus einem Plot einen Roman machen – doch muss man mindestens 50% der Handlung erfinden, damit der Leser nicht einschläft. Man muss Straffen, Addieren, gnadenlos schneiden und ganze Stränge, die nichts zur Haupthandlung beitragen, cutten – was den daran Beteiligten sicher nicht so gut gefällt. 😉

      Ein guter Plot lässt jedem Charakter seine Nische. In einem Roman muss man dagegen sehr strikt die Zügel in der Hand halten.

      Fanfiction ist natürlich etwas anderes.

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