Leviathan

12. Dezember 2012

Horizon_A

Chief among these motives was the overwhelming idea of the great whale himself. Such a portentous and mysterious monster roused all my curiosity. Then the wild and distant seas where he rolled his island bulk; the undeliverable, nameless perils of the whale; these, with all the attending marvels of a thousand Patagonian sights and sounds, helped to sway me to my wish.

Herman Melville, Moby Dick, or, the whale, Seite 21

Ja, ich jage einmal mehr meinen weißen Wal. Meinen Dämon, den ich so wenig als das erkennen kann, was er wirklich ist, wie Ahab es konnte, bis sein Schiff zu Grunde ging.

Horizon_BDie Bilder entstanden komplett auf meiner Platte, das Meer und die Inseln gehören zum Sim-Surround-Fatpack, das ich mir geleistet habe. Fand ich gestern sehr passend. In Verbindung dazu die Tatsache, dass ich Moby Dick jetzt für meinen eReader habe, was bedeutet, dass ich keine riesige Schwarte mehr herumschleppen muss, sondern nur ein kleines Tablettchen überall dabeihaben kann, führte wieder einmal zu Erkenntnissen. Unter anderem natürlich, dass es wichtig ist den Zeitpunkt zu bemerken, ab dem ein Kampf nur noch in eine Richtung gehen kann.

Horizon_CDer Kampf, ein stetiges Ringen mit sich selbst, ist natürlich einerseits ermüdend, kann einen an Nebenschauplätzen aufzehren und bringt immerwährende Selbstzweifel und -befragung mit sich. Doch andererseits bewahrt er einen vor der Bequemlichkeit, sich nicht mehr ständig zu hinterfragen. Das eigene Tun nicht mehr in einen Kontext zu setzen.

Was passiert, wenn man es nicht mehr schafft, vor dem selbst Geschaffenen zurückzutreten um es unvoreingenommen zu betrachten, konnte man gestern sehr kurz auf SLInfo beobachten. Eine Dame berichtet begeistert davon, jetzt ein Buch veröffentlicht zu haben. Und man steht fassungslos vor dem Exzerpt, das sie dazugibt.

Kann persönliches Leid der Antrieb zu Großem sein? Sicherlich.

Aber nicht jeder hat die Fähigkeit, dies auch zu nutzen. Ich bin kein Verfechter des Konzeptes „Talent“, glaube vielmehr an altmodische Dinge wie „stetige Übung“ und „harte Arbeit“ – aber manchmal sehe ich mich dabei vom Leben korrigiert. Wenn wirklich jeder Funke fehlt und dazu auch noch ein profunder Mangel an Handwerkszeug kommt … wie soll da etwas entstehen?

Mit Aufkommen des Self-Publishing, ohne die lenkende Hand des Lektorats oder einer Redaktion, steht jetzt jedem die Tür offen, sein Werk unter die Menschen zu bringen. Doch wer hat nun die Aufgabe, das Publikum vor solchen Schulaufsätzen in krudem Duktus und haarsträubender Orthografie zu schützen? Nur der Autor selbst und das Maß seiner Fähigkeit zur Selbstreflexion. Und an der scheint es in Zeiten der Ver-superstarisierung, in denen jeder ein Held ist, der unfallfrei eine Bühne überqueren kann, immer mehr zu mangeln.

Ich habe mir überlegt, der schreibenden Dame eventuell einen Hinweis zu geben, dass sie, wenn sie schon niemanden korrekturlesen lässt, wenigstens die Rechtschreibprüfung in Word/Open Office nutzen sollte (wobei hier ein Esel den anderen Langohr schimpft. Meine Kommata gehen im Text nach Lust und Laune spazieren und Versalien benutze ich manchmal wie Zuckerstreusel auf Kuchen). Und wenn möglich sich mit – in jeder Stadtbücherei, mindestens aber über die Zentralbibliothek, erhältlichen – Anleitungen zum freien Schreiben befassen möchte. Aber die Folgen in SLInfo wären nur allzu vorhersehbar. Der Rentier-Eklat auf Avameet wäre ein Dreck dagegen. Wie könnte man es wagen, jemandem der sich bemüht hat, negative Kritik entgegen zu bringen. Denn Bemühung ist alles. Es wird bedingungslos auf die Hollywoodlüge vertraut, jeder könne alles erreichen, wenn er nur fest genug an sich glaubt und sich bemüht. Nein.

Ich sage nicht, dass jede Neuveröffentlichung, jedes Erstlingswerk ein literarischer Meilenstein sein muss! Eine Welt voller James-Joyce´esker Sprachakrobaten würde einem den Kopf platzen lassen. Es geht rein darum, nicht hinter allem, was einem durch die Rübe rauscht, eine Epiphanie zu vermuten, die man bedingungslos mit der ganzen Welt teilen muss.

Ob eine PN an die Autorin der angemessene Weg wäre? Aber wie hoch sind die Erfolgsaussichten? Ich schätze sie als den Aufwand nicht wert ein. Ich bin niemandes Hüter. Möge jeder sein schönstes Ferienerlebnis zwischen Buchdeckel bringen.

Ich werde mit meinen Bemühungen niemanden belästigen, bis ich nicht noch deutlich besser geworden bin. Und um das zu erreichen, übe ich jeden Tag. Hier im Blog, in Kurzgeschichten und auf der stetig wachsenden Langstrecke. Ich habe kritische Erstleser und verzweifle stetig am direkten Vergleich mit den großen Meistern. Mein Weg ist noch lang. Aber ich möchte niemals erleben, dass ich für etwas, das ich geschaffen habe, einen Mitleidsbonus bekomme.

  1. Kendrick McMillan
    12. Dezember 2012 um 8:50 am

    Oh ja , Korrekturlesen ist eine Verdammt wichtige Sache. Meiner einer hatte vor Jahren mal eine Phase in der ich eine Storyline in Kurzegeschichten verpasst habe. Die Word Korrektur ist schon gut und am Besten man drückt danach noch ein paar Freunden das Werk in die Hand, die geben dir dann a) noch ein paar Fehler zur Korrektur und b) ein Feedback
    Selbst nach der Wordkorrektur und 3x Lesen wurden immer noch Fehler gefunden. Dennoch, auch wenn das Feedback von jetzt insgesammt 10 Leuten durch die Bank weg gut war, so schlummern diese Storys weiterhin auf meiner Platte und da werden sie auch bleiben.

    • 12. Dezember 2012 um 8:55 am

      Word findet auch nicht alles – einfach weil ein stures Programm natürlich keinen Kontext erfasst.
      Aber lies´ Dir den Auszug aus „dem Buch“ durch und sage mir, ob da auch nur ein Korrekturgang drüberlief! Ich denke mal nicht. Ich will Qualität auch nicht zwingend an Vertippern (was ich in SL so unkorrigierterweise an Ortho-Sülz von mir gebe ist immerhin eine Schlachtplatte der feinsten Sorte!) und einer allgemeinen Rechtschreibschwäche festmachen … es geht mir um die insgesamte Qualität des Textes und die rangiert etwa in der siebten Klasse.

  2. liweistardust
    12. Dezember 2012 um 8:55 am

    Ich denke es kommt immer auf die eigene Absicht an.
    Diese Frau sagt sie hat es mit ihrer Tochter zusammengesponnen weil ihnen langweilig war. Dann hatte man wohl die Idee „och wir könnten es ja aufschreiben, mal gucken ob es jemand kaufen mag wenn es als ebook zu haben ist“…….
    DAS war vermutlich alles. Ich glaube kaum dass sie die Erwartung an sich hatte, „Literatur“ zu schaffen. Ich denke auch nicht, dass sie sich Gedanken über ihre Rechtschreibung gemacht hat weil es ihr um die Botschaft geht. Sie denkt vermutlich sie hat einen kleinen Trost geschaffen für alle die in der Schule gemobbt werden, was ja in der heutigen Zeit in der unter Schülern das schlimmste Schimpfwort „Opfer“ ist, nicht selten vorkommt.

    Was ich damit sagen will?
    Sollte die Dame die Absicht gehabt haben wirklcih ein Stück Literatur zu schaffen und in Konkurrenz mit Pipi Langstrumpf, Hanni und Nanni oder den fünf Freunden zu gehen, dann stimme ich Dir absolut und ganz und gar zu, Zasta.
    Sollte sie aber im Hinterkopf gehabt haben was ich oben annehme, dann finde ich es okay. Vermutlich wird es eh kaum jemand kaufen. Denn auf dem Markt für ebooks gibt es inzwischen eine extreme Fülle an solchen Büchern von selbsternannten Autoren. Ebenso wie es auf dem Kunstmarkt jede Menge schöner Bilder von selbsternannten Künstlern wie mir gibt 🙂
    Print on demand macht es möglich! Und sobald etwas möglich ist, kommen auch Leute die es nutzen.
    Das hat dann für mich mit einer Absicht ein wirklicher Autor zu sein, wenig zu tun und ist m.E. somit p.c.

    • 12. Dezember 2012 um 9:03 am

      Und genau das ist für mich der Horror: Die Meinung, nun publizieren zu müssen, nur weil man es kann.
      Es hätte völlig gereicht, das alles in Word zu tippen, fünfmal für die Verwandtschaft auszudrucken und sich einen Keks zu freuen. Aber die Tatsache, dass sie in einem Forum auf ihr Werk aufmerksam macht, gibt einen nur allzu deutlichen Hinweis, dass da eine Berufung zu Höherem da ist. Und für dieses Höhere fehlt einfach Einiges. Und ohne einen Lektor, der klar macht: „Tut mir Leid, Frau X. .. aber das ist maximal etwas für Reader´s Digest“, kann auch keine Entwicklung stattfinden.

      Ich glaube immer noch daran, dass etwas, für das man nicht jede Menge Anstrengung und Übung investiert hat, die Sache nicht wert war. Und hat man diese Anstrengung und Übung investiert und das Ergebnis ist immer noch scheiße … dann hat es nicht sollen sein und man verschont den Rest der Welt damit.
      Ich bin grottig in Vielseitigkeit, hatte mit meinem darin ebenso grottigen Pferd aber immer Spaß daran. Wir haben geübt, es wurde nix – und das war keine verlorene Zeit. Ich war so luzide, dass ich mich nie auf Turnieren lächerlich gemacht habe, hatte aber große Freude dabei, wild schreiend durch den Wald zu galoppieren und Rentner-mit-Hund zu erschrecken. Diese Fähigkeit zur Selbsteinstufung vermisse ich zusehends in allen Bereichen des menschlichen Tun und Schaffens.

      • liweistardust
        12. Dezember 2012 um 9:12 am

        nun DAS liegt schon alleine daran das wir Formate wie „Supertalent“ haben 🙂
        Und eventuell an unserem Zeitgeist in dem Du ein Niemand bist, sofern Du nicht irgendwas Herausragendes von Dir gibst. Das dürfte der Grund sein warum jeder versucht über die breite Masse zu triumphieren. Das sich die Leute falsch einschätzen mag auch daran liegen wie heutzutage erzogen wird. Nämlich so gut wie gar nicht mehr.
        Fakt ist aber, die Leute werden damit auf die Nase fallen. Natürliche Auslese.
        Alles ist gut

      • 12. Dezember 2012 um 9:28 am

        ganz einfach, weil sie es können! natürlich kann man zeichnen, schreiben oder was auch immer und die sachen in seiner kammer horten ohne, dass sie jemals jemand zu gesicht bekommt. hätte es ralf könig mit seinen ersten verkäuflichen comics so gehandhabt, wer weiss, ob wir jemals einen comic von ihm zu lesen bekommen hätten. das konnte man auch bei einigen schriftstellern, die für die shadowrun-reihe geschrieben haben beobachten. sie wurden mit jedem buch besser.

        manchmal muss man einfach mal den sprung ins kalte wasser wagen, auch wenn es schmerzhaft werden kann.

        zudem, jeder kann durch fernsehserien wie dsds und andere formate sehen, dass man völlig ohne talent, ohne stimme und mit völlig verblödeten getue geld verdienen kann. helge schneider z. b. ist ein begnadeter musiker, der zig instrumente spielen kann. womit hat er kohle gemacht? „katzenklo!“ solange die menschen bereit sind, ihr hirn an der garderobe abzugeben und für diesen müll geld auszugeben, ja warum dann nicht veröffentlichen?

        wenn alle stricke reissen, dann hat man zumindest seine mitmenschen genervt und das hat einen ganz eigenen wert. 😉

        • 12. Dezember 2012 um 9:39 am

          Ich will die nach unten führende Spirale aber nicht zum Maßstab meines Schaffens machen. Ich bin durch und durch arroganter Elitist (dieser Anglizismus sei mir erlaubt) – ich will meine Lebenszeit nicht mit Mittelmäßigem verplempern. 😀
          Und Allgemeinkompatibilität ist kein Maßstab. Ich bin ein großer Bewunderer auch Helge Schneiders unernsten Oevres – er hat Grandioses auf diesem Gebiet geleistet. Aber er ist eben richtig gut in dem, was er tut. Wenn die Öffentlichkeit Katzeklo (das sicherlich nicht schlecht ist) einem kleinen Edelstein wie „Meisenmann“ vorzieht, muss ich diese Meinung nicht teilen. Große Künstler können auch für ihre geringeren Werke geliebt werden.
          Was aber nicht geht ist das völlig kritiklose Stümpern, das um sich greift … weil man es kann.
          Jeder darf alles tun – aber man muss es nicht unreflektiert dem unschuldigen Publikum um die Ohren hauen.

          Jap, total arrogant.

          • 12. Dezember 2012 um 10:12 am

            kein publikum der welt ist unschuldig, sie haben alle schuld auf sich geladen und es verdient, damit konfrontiert zu werden, allein schon wegen der eigenen vermeintlich gottgegebenen selbstgefälligkeit mit der sie z. b. nach einem theaterbesuch ihre hackfressen (ein toller begriff!) in jede kamera halten und ihre ach so fundierte kritische ansicht in die welt hinaus posaunen.

            offen gesagt, du widersprichst dir. große meister müssen erstmal zu großen meistern werden, dass man ihre geringeren (vielleicht stümperhaften) werke lieben kann. wir erinnern uns an die band „trio“ mit ihrem hit „da da da“? die gesellschaft will mit stümperhaftem bullshit verarscht werden! anders hätte man deren erfolg nicht erklären können. „katzenklo“ fällt in die gleiche kategorie, ebenso „don’t worry, be happy“ von bobby mcferrin. grandiose künstler, die ihr geld aber schlicht mit geistigen müll verdient haben.

            damit will ich sagen, wenn es dazu nützt, in dieser unsozialen welt sein geld zu verdienen und völlig verblödetes publikum dazu bereit ist, diese zeugnisse der menschlichen degeneration zu kaufen… ja warum denn nicht? rita mae brown schreibt schließlich auch immer schlechter.

          • 12. Dezember 2012 um 10:19 am

            Ich widerspreche mir nicht.
            Ich kann die Anspruchslosigkeit „der Masse“ nicht ändern – aber ich kann meine Ansprüche auf hohem Niveau halten. Dass Du eine andere Wahrnehmung hast, macht meine Wahrnehmung nicht inkonsistent. 😉

          • Titus
            12. Dezember 2012 um 12:28 pm

            Ja Zasta, fang den größten aller Wale und gib dich nicht mit geringerem zufrieden. Auch wenn es dein leben kosten wird.
            Der weiße Wal oder nichts.

          • 12. Dezember 2012 um 12:36 pm

            Exakt. Darum geht´s.

  3. Kendrick McMillan
    12. Dezember 2012 um 10:10 am

    Ich finde auch das es grausam ist was heute passiert, das Leute jeden Scheiß machen oder mit machen einfach weil sie es können. Nicht zuletzt geht das ganze zu Lasten der Qualität.
    Die Musik Industrie zum Beispiel, noch in den 80ern und 90ern wurden große Stars gemacht, die kennt man heute noch singt heute noch deren Lieder. Dann kam die Masse, DSDS und Konsorten machten Typen wie Daniel Kübelkotz zum Superstar. 3 Singels werden gemacht, ein Album, wenn man Glück hat gibts ne Tour, dann ist „Superstar“ Altpapier und wird wegeworfen, der nächste Bitte.
    DJs in SL, das selbe, 2007, 2008, es gab wenig DJs und die waren teuer, konnten sich erlauben 3000 bis 5000 Linden fürn Abend zu fragen, aber die waren gut, du gingst in nen Club und wußtest, es wird geil. Heute, wo jeder 2. eine gecrackte Version von Sam oder anderen Sendeprogrammen auf seinem Rechner hat, glaubt jeder er wäre der beste. Da wird Metallica, gleich nach Roy Black gespielt und eine grausame Stimme schreit total übersteuert ins Mikro“i bin der beste Dejäi den ma in ÄsÄl hören können tut“
    Vorteil, du bekommst DJs für umsonst, Nachteil die Mukke ist grotten schlecht und die guten DJs verlassen dassinkende Schiff, weil sie sich sowas nicht geben wollen.
    Wenn jetzt jeder anfängt sein Buch, sein Lebensinhalt, die Geschichte der alten Eiche in Nachbars Vorgarten oder was weiß ich zu schreiben, das auf E-Books raushaut, wird es immer schwieriger werden in dem Urwald noch was gutes zu finden. Denn früher hat ein Verlag das gelesen und gesagt, „Geil das nehmen wir“, oder „pack deine Scheiße und verpiß dich“. Die natürliche Auslese fällt nun weg und wir werden zu gespammt.
    Quantität statt Qualität und es wird immer schlimmer.

  4. 12. Dezember 2012 um 10:46 am

    Zasta Korobase :
    Ich widerspreche mir nicht.
    Ich kann die Anspruchslosigkeit “der Masse” nicht ändern – aber ich kann meine Ansprüche auf hohem Niveau halten. Dass Du eine andere Wahrnehmung hast, macht meine Wahrnehmung nicht inkosistent.

    jetzt hatte ich doch glatt inkontinent gelesen. was mußt du auch so ein schwieriges wort verwenden? ;P

    spass beiseite, damit hast du natürlich recht. zudem brauche ich meine ansicht darüber, ansonsten könnte ich nicht einen eventuellen publikum mit meinen gedichten *umpfumpf* oder diversen würfeldesastern auf den nerv gehen. selbstschutz sozusagen, damit eventuelle forderungen auf schmerzensgeld abgewehrt werden können.

    @ Kenny

    ein schönes beispiel ist „der herr der ringe“, ein meilenstein in der literatur. dann kam die zeit der ideenlosigkeit und schwupps wurde ein grottenschlechter film zusammengeschnippelt. die vielen „buchwerke“ die danach kamen, wurde als „der 2. tolkien“ oder als „ganz im geist von tolkien“ gefeiert. nur weil ein paar hirnrissige elfen und grunzende zwerge darin vorkamen. das buch „der herr der ringe“ wurde sogar neu getextet, damit sich das multimediale volk nicht mit der „alten“ sprache abmühen muss. soviel zur qualität.

    oder nehmen wir diese unsere aussterbenden nachrichtenblättchen. die zeit, die welt, die süddeutsche, die faz oder den focus. ein copypaste von dpa jagt das nächste. aber von „qualitätsjournalismus“ faseln.

    sicher, es gibt nach wie vor noch qualität, aber man muss sich eben die mühe machen, diese zu suchen und zu erkennen. allerdings hat man keine chance, wenn man von schriftstellern wie rita mae brown hereingelegt wird, die über jahre hinweg tolle bücher geschrieben hat, nun aber seit 3 bänden degeneriert ist.

    • 12. Dezember 2012 um 10:55 am

      Oh ja … ich erinnere mich mit Entsetzen an die „Shannara“-Romane, die ich auf Empfehlung von irgendjemand nach dem Herrn der Ringe las. Dass der Autor sogar den Plot, nicht nur das Personal, plagiiert hatte, verstörte mein Teenager-Selbst zutiefst. Dass man mit „sowas“ durchkam hat mich damals sehr verwirrt.

  5. 12. Dezember 2012 um 11:20 am

    Immer öfter wenn ich hier lese habe ich das Bild vor Augen

    🙂

  6. liweistardust
    12. Dezember 2012 um 2:46 pm

    Ein Stück weit geht es sicherlich auch um das Bedienen von Klischees. „Katzenklo“ ist so ein Fall. Helge Schneider hat, wie wir wissen, wirklich viel mehr drauf. Er schafft es aber sich mit dieser Art Klamauk so weit runterzuleveln, (und da gehört eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein dazu), dass er das „Spinnerklischee“ bedient. Ich erinnere mich noch gut als ich Helge das erste Mal im TV sah. Irgendwer war bei mir, ich weiss nicht mal mehr wer. Wir schauten uns an und überlegten ob der Typ das nun ernst meint oder einfach nur genial veräppelt. Wir entschieden uns für Letzteres und wie wir heute wissen, lagen wir damit richtig.
    Warum lieben die Leute Spinner? Warum schafft es die „Katze“ Katzenberger mit ihrer bewusst auf blöd und blond reduzierten Dokusoapidentität die Massen zu begeistern? Richtig: Weil all Jene, die dieses Selbstbewusstsein nicht haben, und auch zu einfach gestrickt sind um das Prinzip zu durchschauen, sich freuen dass sie schlauer sind. Einem Deppen zuzusehen wertet den Zuschauer auf. (Übrigens, wäre die Katzenberger nicht eine geniale Gattin für Longus? Der braucht sicher so ein Kätzchen….. hihi)

    Ganz anders verhält es sich m.E. mit „Maschendrahtzaun“ oder „Ich hab die Haare schön“.
    Das waren wirklich Dinger die durch einen glücklichen Zufall zu einer seltsamen Berühmtheit fanden. Oder von mir aus auch der Gangnam Style, ich frage mich immer wieder was an dem Ding so besonders ist, dass es so einen Hype auslösen konnte. DAs ist ja nichtmal von einer excellenten Blödheit sondern einfach nur ein total durchschnittliches Video. Jedenfalls in meinen Augen.
    Fakt ist: Ich bewundere das Selbsbewusstsein von Menschen die es schaffen, sich selbst derart auf ihre Unzulänglichkeiten zu reduzieren dass sie dadurch zum Sympathieträger werden und Berühmtheit erlangen. Die Katze hätte sich ihre Brust OP sicherlich nie leisten können, wäre sie nicht vorher mit einem Kamerateam zu Hefner getingelt……
    …und heute hat sie das was alle immer zuwenig haben: Klingende Münze.
    Ich finde das legitim!

  7. Luc (Zelmo)
    12. Dezember 2012 um 7:06 pm

    Ach, so schlimm ist das nicht. Das Hobby-Schreiben passt sich nur dem Hobby-Malen an. Hobby-Maler oder Hobby-Musiker können ihre Sachen seit Jahrzehnten schon überall in Cafes, Gemeindehäusern usw. an die Wände hängen. Nur für die Hobby-Autoren gab’s kein Publikum außer der Schublade – es sei denn, sie blätterten Zuschussverlagen ein paar Tausender hin. Heute kann jeder im Netz seine Texte und Geschichten publizieren und tut das auch, weil Geschichten zum Lesen/Hören, Bilder zum Gesehenwerden und Musik zum Hören da ist. Deswegen wir längst nicht jeder Hobbymaler zum Matisse und längst nicht jeder Hobbyautor zum Heinrich Böll und nicht jeder Gitarrist im kleinen Café zum Jimi Hendrix. Und der Konsument wird stets klar entscheiden, ob er lieber in den Louvre geht, um wertige Kunst zu sehen, oder ins evangelische Gemeindehaus um die Ecke – bzw. bei BOD oder Epubli oder amazon usw. selbstverlegte Sachen zu laden oder welche, die von Publikumsverlagen angeboten werden. Am Ende hat der Louvre aus gutem Grund bessere Karten.

    • 12. Dezember 2012 um 7:29 pm

      Stimmt. Das ist natürlich ein Punkt. Der eine stellt seine Aquarelle bei der Sparkasse am Ort aus, der andere schaffts in die Galerie nach Berlin.

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