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Die letzte Reise – ein Beginn

13. März 2013
Remy1

Für Mell – Rémy. Aber in seiner P&P-Vampire-Version. Da ist er kein Künstler-Toreador, sondern ein Krieger-Salubri.

Er beobachtete, wie der Schatten der Takelage über seine Hände wanderte, als sich die Galeere um die Landzunge drehte und in den Hafen einbog. Die Sonne hier schien wärmer zu sein. Es war sein zuhause. Egal, dass sie ihre Zelte schon weit über ein Jahrhundert in Limassol aufgeschlagen hatten. Geruch nach Lavendel, wildem Thymian, süßer Staub, hell wie Glas – hier gehörte er hin. Olivier blinzelte in die Sonne, die den Zenith überschritten hatte und langsam den Himmel hinabglitt.

Er würde den Herrn auf dem Schiff lassen. Iskander mochte es nicht, wie ein Gepäckstück behandelt zu werden. Also sollte er doch nach Einbruch der Dunkelheit auf seinen eigenen Füßen von Bord gehen. Um so besser für Olivier, der damit mehr Zeit hatte, mit dem Jungen … nein, dem Mann … zu sprechen, bevor er Iskander sehen würde. Und natürlich Zeit dafür, endlich wieder einmal etwas ordentliches zu essen! Die Griechen mochten vieles können – aber Oliviers Meinung nach gab es nichts, was der aquitanischen Küche vergleichbar gewesen wäre.

Die Galeere des Ordens glitt wie ein vielfüßiger Wasserkäfer auf das Kai zu, das riesige Segel mit dem roten Tatzenkreuz schon … was auch immer die Seeleute es nannten. Zusammengerollt? Olivier war alles Nautische ziemlich gleichgültig. Er kniff die Augen zusammen und suchte in der Eskorte, die vom Komtur geschickt am Hafen wartete, nach bekannten Gesichtern. Sie waren noch zu weit entfernt. Ordensbrüder auf Pferden, weißes Habit, rotes Kreuz auf der Schulter. Sergeanten in schwarzem Habit daneben. Alle gleich … bis auf –

Natürlich. Egal, wie weit man entfernt war – ihn konnte man erkennen. Haare wie Feuer. Olivier musste unwillkürlich lächeln. Er betrachtete Rémy immer noch als seinen Schützling, seinen Knappen, das Kind, das er vor dem Zugriff der Schergen des Tremere gerettet hatte – auch wenn der junge Mann schon lange erwachsen war, vor acht Jahren den Schwur abgelegt hatte. Was waren acht Jahre? Ein Kiesel in einem Teich, mehr nicht.

Olivier drehte sich in Richtung der Ladeluke, als könne er durch das Holz der Planken bis hinunter sehen, wo Iskander von Carthago, Alexandre le Loup, schlief und das Dunkel der Nacht erwartete. War es richtig, was der Herr vor hatte? Sie waren Gejagte. Ihre Zuflucht wurde politisch immer wackliger, seit der Tremere an den Höfen in Paris Einfluss gewonnen hatte und sich mit den Einflüsterungen der Emporkömmlinge die Stimmung gegen die Templer drehte, die den letzten der Salubri, dem gejagten Clan der Heiler und Ritter, Schutz gewährten. Und nun wollte Iskander allen Ernstes Rémy de Tolosa zu einem von ihnen machen. Olivier war hin und hergerissen zwische Loyalität und Freundschaft seinem Blutherrn gegenüber und dem fast väterlichen Wunsch, Rémy vor einem Leben – einem Unleben! – auf der Flucht zu bewahren.

Er starrte zum Hafen hinüber. Sie waren fast dort. Man konnte die Männer nun deutlich unterscheiden. Er sah, wie Rémy sich zu Michel, seinem Sergeanten, hinüberbeugte und etwas sagte. Michel lachte und machte eine abwehrende Geste. Normalität. Menschlichkeit?

Niemand hatte eine Wahl. Gottes Wille.

Olivier seufzte.

———————

OOC. Merkt man, dass ich mich auf in zwei Wochen freue, wenn wir unsere „Babyvampire“ Gassi führen dürfen? Das wird phantastisch. Zwar eine Umgewöhnung von unseren üblichen 6-Jahre-gespielt-und-deshalb-200-Punkte-Monstern, für die man Probleme in der Größenordnung der Goldenen Horde auffahren muss, um sie ins Schwitzen zu bringen, aber gerade das wird einmal etwas ganz Neues. Keinen schwer heilbaren Schaden austeilen können und mit einem Pünktchen Fortitude auch keinen groß einstecken können! Kein Presence 3, Auspex 5 oder Potence 5. Kein Instant-Obfuscate, keine Klauen, keine Armee aus Skeletten. Unsere Gruppe mal ganz klein. Rémy wurde zwar schon einmal gespielt (noch vor Carcassonne-Zeiten), hat aber damals keine XP kassiert, ist also genauso blutiger (haha) Anfänger wie die anderen.

Second Life-mäßig habe ich gestern wenig getan – nur mal wieder auf der Platte herumgestanden und IMs gehabt. Lange sowieso nicht – ich muss schließlich Ordnung (oder Chaos) in die weit entfernte Galaxis bringen! Gestern habe ich zum Beispiel mal wieder einen ergötzlichen Moment gehabt, als mein Bountyhunter einem endschnöseligen alderaanischen Adligen die Fratz polieren durfte. Gut, ich hätte diese Entscheidung nicht treffen müssen – das Spiel ließ auch andere Möglichkeiten … aber der Typ war ein echter Kotzbrocken. Und trug einen unglaublich beknackten Hut, die ihn wie eine Mischung aus Papierkorb und Galactus aussehen ließ. Für diesen kurzen Moment der Befriedigung musste ich dann aber seine Leibwache töten. Berufsrisiko!

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  1. mell
    13. März 2013 um 11:01 am

    Rèmy *hach*! Ich find dich als Baum ja auch ganz toll aber an Rèmy kommt nix ran 🙂
    Vielen Dank für die Zeichnung *lächelt* ich bin heute irgendwie komisch drauf und musste ein paar mal zwinkern bevor ich deine Story lesen konnte.

    • 13. März 2013 um 11:03 am

      Zwinkern? Das verstehe ich jetzt nicht.

  2. mell
    13. März 2013 um 11:06 am

    *für Mell* und die wirklich schöne Zeichnung haben dafür gesorgt das ich verschwommen sah. Ich sag ja ..komisch heute *grinst schief*

  3. mell
    13. März 2013 um 11:28 am

    Sonst auch? War mir garnicht bewusst *gg*

  4. dieandera
    13. März 2013 um 12:56 pm

    Klingt episch, nichts desto trotz müssen diese Parasiten vernichtet werden 😉

    Ein Job für Buffy!

    • 13. März 2013 um 1:14 pm

      Die fressen Buffy zum Frühstück. 😀
      Vor allem, da die edlen Salubri zu Buffys Lebzeiten ein Haufen Irrer geworden sind, die man an einer Hand abzählen kann. Aber bis dahin ist noch viel Zeit!

  5. Johanna
    13. März 2013 um 1:54 pm

    Wow! Obergeile Grafik! Erstaunlich, wie hier der Remy wirklich absolut menschlich und mit keinem Pixel mehr wie ein Pixelhaufen wirkt! Obwohl (oder weil?) der Stil so plakativ ist.
    Das Gesicht muss ich immer wieder ansehen… wunderschön.
    Die Körperhaltung verwirrt mich allerdings. Auf den ersten Blick erwartete ich eine Story dazu, die beschreibt, wie er moppelig wurde. Ich sah ihn etwas lasziv zurückgelehnt mit dem Seitenblick, aber leider mit Bäuchlein… Hm, können Vampire eigentlich Bäuche von zuviel verfettetem Wohlstandsbürgerblut bekommen?
    Auf den zweiten Blick sage ich mir vom Kopf her, dass das sein Arm mit Umhang ist. Aber die Neigung instinktiv geht leider zum Bäuchlein.
    Sorry.
    Aber du bist ja schon des Öfteren hier zu dem Urteil gekommen, dass ich eine etwas verquere Wahrnehmung habe, also wirst du es dir nicht zu Herzen gehen lassen.

    Weiß so ein Schützling eigentlich schon, dass der „väterliche“ schützende Freund ein Vampir ist?
    Und noch zwei vermutlich doofe Laienfragen: Wieso kann Olivier in die Sonne, sein Blutherr aber nicht? Und die aquitanische Küche? Ich dachte, Vampire essen nicht oder genießen Essen jedenfalls nicht?

    • 13. März 2013 um 2:05 pm

      Das ist durch das plakative auch nicht einfach zu erkennen, sein Blick geht über die rechte Schulter nach hinten, sein rechter Arm ist nach vorne unten ausgestreckt und der Umhang darumgewickelt. Die Schulter sitzt etwa dort, wo der Ring den Umhang hält. Ich habe mich mehr auf das Gesicht konzentriert. Ich habe die Vorzeichnung auch aus dem Gedächtnis erstellt und bewusst auf Screenshots verzichtet, so dass die Ähnlichkeit eher im Wesen als in den Proportionen liegt. Der SL-Rémy hat einen breiteren Kiefer, schmalere Nase und anders stehende Augen.

      Olivier ist der Ghoul (blutgebundene menschliche Diener) von Iskander, dem zukünftigen „Vater“ von Rémy. Olivier ist ein Mensch, der zwar solange nicht altert, wie er von Iskander regelmäßig Blut bekommt, aber dennoch normal essen und schlafen muss wie jeder normale Mensch auch. Ghoule können wenn sie älter werden auch ein wenig Macht ihrer Vampire bekommen, sie heilen sich mit Vampirblut und ähnliches. Aber im Prinzip sind es Menschen.

  6. Serena
    13. März 2013 um 3:49 pm

    Wow! Das Bild hat Seele.
    Du weisst ich mag Deine Bilder grundsätzlich fast alle gern, aber dieses hier ist………. Dir aussergewöhnlich gut gelungen. Die Augen leben!

    • 13. März 2013 um 6:19 pm

      Mal sehen, ob sich der Kollege auch so gut spielt. Das eine Kurzabenteuer war er ganz spannend, wenn auch natürlich etwas ohne den richtigen Rumms beim Zuhauen. Aber das kommt noch! Derzeit steckt er dank Kainsrüstung immerhin schon ganz gut ein.

  7. Adran
    13. März 2013 um 8:21 pm

    Fehlt da nicht noch ein Auge?

    • 13. März 2013 um 8:54 pm

      Wenn die das immer offen hätten, wäre das für die Tremere doch nicht mehr spannend. 😉
      Reicht doch, dass man keine Helme oder Stirnbänder tragen kann …

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