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You must always face the curtain with a bow.

2. April 2013

Remy_Bowing… und sogar mit langen Haaren für Mell. Sieht man allerdings nicht richtig, da sie im Nacken gebunden sind. Ich glaube, ich packe noch Teil Zwei des ersten Cetus-Kapitels hier rein, damit Teil Eins nicht so verloren herumsteht. Aber Kapitel Zwei ist mir dann schon zu … wenig allgemeinkompatibel. Das kann ich nicht hier hinpacken. Das wäre … unpassend. Andererseits habe ich nichts von Second Life, was sich lohnen würde, es zu erzählen. Also bleiben mir nur alte Geschichten, bis sich vielleicht wieder etwas ergibt. Mehr Vampire, mehr RP … Apropos Vampire! Wenigstens einen alten Witz darf ich bringen. Worin unterscheidet sich eine Brujah-Intrige von einer Gangrel-Intrige? Bei einer Gangrel-Intrige steht man mit dem Baseballschläger hinter der Tür. Bei einer Brujah-Intrige macht man wenigstens vorher die Tür zu.

Ich entschuldige mich.

Und nun schalten wir wieder nach Germanien.

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Für Bannatus Narcissus Marus, von seinen Freunden – oder den Kerlen, mit denen er abends trank, was eventuell das selbe war – wegen seines breiten Nackens Bovis, der Ochse, genannt, war es bisher ein ereignisloser und deshalb angenehmer Tag gewesen. Die Germanen kümmerten sich um ihre eigenen Angelegenheiten, keiner der Barbaren wollte etwas von ihm und auch sonst hatten Probleme durch Abwesenheit geglänzt.

Noch dazu genoss er einen unerwartet freien Nachmittag. Eigentlich sollte er heute als erster Decurio der Ala Secunda die Soldlisten mit den Namen und Nummern der Rekruten füllen – doch der Schreiber befand sich seit heute morgen im Valetudinarium. Ein Bovis wohlgesinntes Maultier hatte ihm mit einem erstaunlich akrobatischen Tritt die Schulter ausgerenkt.

Natürlich konnte Bovis Lesen und Schreiben … aber wozu die wohlgeordneten Unterlagen durcheinanderbringen?

Nein, die Götter wollten ihn heute am Fluss und einen der Hechte fangen lassen, das spürte er in den Knochen.

Wobei der Wille der Götter nichts war, das sich Bovis so einfach erschlossen hätte. Immerhin schienen sie auch für ihn festgelegt zu haben, dass er seine letzten zehn Jahre im Dienste der Legion nicht in einem idyllischen Etappenkastell in Italia verbringen durfte, sondern sich statt dessen mitten im Land der unzivilisiertesten Barbaren, die man sich vorstellen konnte, um Rekruten kümmern und Dolmetscherdienste leisten durfte. Oh hätte er doch nie diese blonde Schönheit kennengelernt … oder zumindest sich nie so sehr verliebt, dass er ihre Sprache gelernt hatte! Dass sie ihn nur ein Jahr später verlassen hatte, um wieder in diese nasskalten Wälder zu ziehen, vergrößerte seine Grundsympathie für alles Germanische auch nicht unbedingt. Und nun eben die Ironie, dass diese verfluchte Sprache – genauer gesagt nur eine von hunderten, in der diese aggressiven Irren hier brabbelten! – ihn mitten im Nirgendwo festnagelte.

Jupiters haariger Sack – zumindest den Hecht konnten sie ihm dafür gönnen.

Er schnappte sich seine Angel und den großen, nach Tang riechenden Kescher und stapfte in Richtung der Brücke.

Bovis hatte seine eigene Theorie über den Hechtfang. All dieses „am Besten im Morgengrauen“-Gerede oder dergleichen – darauf gab er nichts. Es kam nur und ausschließlich auf den Köder an. Außerdem war es Schwachsinn, dass Hechte eher in Ufernähe anzutreffen wären, wie die germanischen Fischer behaupteten. Die hatten keine Ahnung. Verdammte Hinterwäldler. Dass Bovis bisher nicht einen Hecht gefangen hatte, trübte seine Überzeugungen nur wenig.

Was der Decurio außer einer festen Überzeugung besaß, war die fast hellsichtige Intuition eines alten Soldaten. Und diese Intuition ließ ihm, kaum dass er die Mitte der Brücke erreicht und seine Ausrüstung abgesetzt hatte, die Härchen im Nacken zu Berge stehen.

Langsam richtete er sich auf und sah zum gegenüberliegenden Waldrand. Bedrohungen kamen hier an der Grenze immer von Osten.

Nichts.

Nur zwei halbwüchsige Germanen, die in einer eigenartigen Mischung aus Entschlossenheit und Zögern über die Brücke wanderten.

Bovis hatte in seiner fünfzehnjährigen Legionszeit schon genug „Ich laufe fort und gehe zur Armee und dann werdet ihr ja sehen, was ihr davon habt!“-Jüngelchen gesehen, um diese Beiden als das einzuordnen, was sie waren: Erst einmal ein Ende seines freien Nachmittags und dann, in ein paar Wochen, mehr Papierkram, wenn sie wieder weggerannt waren.

Er musterte die Näherkommenden mit einer fast sichtbaren Wolke des Ärgers auf der Stirn.

Gut, der Blonde mochte einige Monate durchhalten, er war groß und kräftig und hatte die richtige Art sich zu bewegen. Aber der Rothaarige … nein, dem gab Bovis höchstens vier Wochen. Allerhöchstens.

Verdammte Barbaren. Schlimm genug, wenn man gegen sie kämpfen musste. Aber die Freiwilligen, die verzweifelt genug waren, um sich der römischen Legion anzuschließen, die waren noch eine ganze Ecke übler.

Warum nun aber schon halbe Kinder herkamen? Bovis kratzte sich am sauber rasierten Kinn. Ein wenig neugierig war er schon. Hecht hin oder her.

Und natürlich steuerten sie direkt auf ihn zu. Er war da, er trug eine Angel – und eine Uniform. Wusste der Kuckuck was diese zwei kleinen Wilden dachten, wozu die Legion Angler beschäftigte.

Wie sich Bovis gedacht hatte, sprach ihn der Blonde an. Natürlich auf Suebisch. Mit einem Dialekt, der kaum verständlich war. Die beiden Kerle kamen wohl von weiter her. Immerhin erstreckte sich das suebische Siedlungsgebiet noch etliche Tagesritte in den Wald und die Hügel hinein.

„Gut´n Tag. Du bis von ´n Röma, ja? Wir sin hier weil wir bei euch kämpf´n woll´n.“

Bovis seufzte. Wenigsten den Hecht hätten sie ihm gönnen können, die grausamen Götter!

Er atmete tief ein, setzte sein „Fürchte dich, kleiner Mann!“-Gesicht auf und brüllte: „Denkst du etwa, die Legion nimmt jeden verschissenen Germanen, der hier seine hässliche Fresse zeigt, an der noch kaum Bart wächst? Denkst du das? Häh? Dann denkst du richtig. Verdammt.“

Bovis hielt es den beiden zugute, dass sie nicht zurückzuckten. Der Rothaarige schien die Brüllerei aus irgendwelchen Gründen sogar fast amüsant zu finden. Er würde sehr schnell lernen, dass Humor nichts war, das man in der Legion auf regelmäßiger Basis antraf.

Der Blonde hakte nach. „Also is das so, ihr nehmt uns? Einfach so? Wir könn´n auch mit´m Schwert umgehen. Ich zeig´s dir, wenn du magst … Aber einfach so is besser! Das is guuut! Der da is Sagest un ich bin Tjyrolf.“

Bovis lächelte sonnig, als seien sie plötzlich beste Freunde, nur um dann wieder loszubellen: „Es ist mir verdammt egal, wie euch eure Hurenmütter genannt haben! Kann keiner hier aussprechen. Du da!“ er deutete auf den Blonden „Du bist Suebicus Flavus. Und du ..“ der Rothaarige riss überrascht die Augen auf, als Bovis´ Finger wie ein Bannstrahl aus Asgard auf ihn deutete, „..du bist Suebicus Rufus. Gewöhnt euch dran. Und ihr werdet ab jetzt Latein sprechen. Könnt ihr nicht? Mir völlig egal! Ihr habt noch den ganzen Mittag, es zu lernen. So schwer kann es nicht sein, das sprechen bei uns sogar die Kleinkinder!“

Für die vollständig konfusen Blicke der zwei jungen Männer vergab Bovis den Göttern sogar fast, dass sie ihm den Nachmittag und den Hecht geraubt hatten.

Und warum aufhören, wenn es gerade am schönsten war? Die Brüllerei hatte die Aufmerksamkeit einiger Müßiggänger unter den Fischern auf sich gezogen, die nun langsam näher kamen und sich alles ansahen, wie einen besonders faszinierenden Karrenunfall. Bovis mochte Publikum. Er pumpte sich auf und setzte erneut an. Zu seiner Verwunderung sah er im Gesicht des Blonden tatsächlich so etwas wie Begeisterung. Sollte der junge Mann wirklich freiwillig hier sein? Ein wenig nahm das dem Decurio den Schwung, doch wenn man einmal drin war konnte man schlecht wieder bremsen. „Ihr zwei denkt, die Legion ist nur ein Ort, an dem Soldaten sind! Ihr zwei denkt, wir hätten hier nur auf euch Penner gewartet. Ihr wisst ja noch nicht einmal, wie man Seife benutzt … zumindest riecht ihr so! Ihr seid nutzlos. Verschwendung von Uniformen, wenn ich je eine sah! Aber nach meiner Meinung fragt zu eurem Glück erstmal keiner – also seid ihr drin! Ihr wisst nicht zu würdigen, was das für ein Geschenk ist – aber ich werde es euch beibringen! Ich werde dafür sorgen, dass ihr lernen werdet, dass ihr nur Maden seid, nichts weiter. Dass ihr erst zu Menschen werdet, wenn ihr der Legion von Nutzen seid! Euer Leben beginnt erst, wenn ihr eure Kameraden schützen könnt. Vorher seid ihr Ballast. Nichts weiter. Los jetzt, ab zum Kastell!“

Bovis drehte sich energisch um, vergaß Kescher und Angel – beides würde bis zum nächsten Morgen gestohlen worden sein – und stapfte voran. Natürlich folgten sie ihm. Was hätten sie auch sonst tun sollen?

Über ihnen ragten die Wälle, Palisaden und Türme des Kohortenkastells auf, als sei jedes Stück Holz und jeder Stein in diesen Mauern nur aus dem einen Grund an seinem Platz: Den beiden jungen Männern zu zeigen, dass das, was Bovis gesagt hatte, die absolute Wahrheit war. Sie waren nichts. Nicht einmal wert, dass der Schatten der Tore kühl auf sie fiel.

Die rechtwinkligen Gänge zwischen den Gebäuden schluckten alle drei – und nur Bovis schien unversehrt wieder dazwischen hervorzutreten.

Flavus und Rufus. Dass es nur Beschreibungen und keine Namen waren … woher sollten sie das wissen?

Kurz bevor sie das Horreum erreichten, wo sie ihre Ausrüstung bekommen würden, blieb Bovis stehen, drehte sich zackig auf den Absätzen seiner genagelten Caligae um und starrte sie finster an. „Und denkt nicht, dass es mich wirklich interessiert – aber ich will hier keine Unruhestifter. Also erzählt mir besser, vor was ihr weglauft.“

Der Blonde öffnete überrascht den Mund, das Abstreiten lag ihm sichtlich auf der Zunge, doch der Rothaarige berührte seinen Freund ganz sacht am Arm und meinte zu Bovis: „Wir hatt´n Problem mit Vieh, das nicht uns´res war. Un´ jemand wurd verletzt“

Der Blonde, der zu Boden gesehen hatte, trat einen Schritt zurück, als wollte er rennen. Doch Bovis knurrte nur „Viehdiebe … Großartig! Phantastisches Material für die Bestia! Ich würde euch beide aufknüpfen. Aber wie schon gesagt – mich fragt hier keiner. Also los jetzt!“

 

Durch das Auge der Vergangenheit … wir sagen Dinge, die wahr und doch nicht alles sind.

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