Alte Zeiten

3. Juli 2013

PurebloodIch war gestern tatsächlich eine Stunde in Second Life und konnte wieder einmal feststellen, dass Akkon optisch wirklich eine Perle der Mittelalterspielwiesen ist. Ja, ich bin ein Fan von Anderas Bebauungen. Ist eben so. Allerdings wies Mashia zurecht darauf hin, dass es noch ein wenig grau in grau ist. Das werde ich mit Deko-Gestrüpp und Zeug ändern, sobald/falls sich irgendwann mal Spieler eingefunden haben sollten. Wenn nicht gefällt es mir einfach weiterhin so.

In dieser Second-Life-Stunde stellte sich erstaunlicherweise heraus, dass Mashia auf dem selben Ultima-Online-Freeshard gespielt hat, auf dem Lola und ich damals angefangen haben: Vergessene Welt (wow, die gibt´s sogar immer noch …). Und wir schwelgten in Erinnerungen daran, dass dieser Shard zweifellos die skurril-beklopptesten GMs von komplett Deutsch-Ultima beherbergt hat. Aus diesem Grund sind Lola und ich damals (ich glaube, das war 2003 oder 2004) nach Beyond all Betrayal (die gibt´s nun wiederum nicht mehr) weitergezogen. Tja, alte Zeiten. Als man Horden von Lamas mit nach Minoc geschleppt hat, beim Versuch, Blade Spirits zu zähmen regelmäßig im Dreck lag (und jeder einen looten konnte! Und die Leiche samt komplettem Inventar auch mal decayed ist, wenn man zu lange gebraucht hat und dann war alles weg! Und man jeden ständig und überall angreifen konnte!) und die Avatare aus ungefähr 32 Pixeln bestanden.

Es gab aber gutes RP, da kann man nichts sagen. Auf Freeshards wurde meist sehr streng vorausgewählt, wer eine Sonderrasse oder -klasse spielen durfte, mit langer Charstory und Tests, was der Qualität der Spielerei sehr zum Vorteil gereichte. Auf BaB war ich bei den Waldelfen, die nahezu 1:1 auf DSA-(Wald)elfen basierten (beinahe fließend in Isdira gewesen, irgendwann …zum Glück verlernt man das aber schnell wieder) und da hatte es im Laufe der Zeit einige sehr epische Plots. Kriege, gut gegen böse. Die Bedrohung durch dunkle Magie. Der Balanceakt, die Sippe verborgen zu halten und trotzdem zu RP mit dem Rest der Shardbevölkerung (zu Maximalzeiten waren etwa 100 Leute on, also nichts Riesiges) zu kommen … ach, war schon schön.

Tja, vorbei ist vorbei. Ultima Online endete für mich ungefähr vier Wochen nachdem WoW in Deutschland auf den Markt gekommen war. Irgendwie war ich dann nur noch im Brachland unterwegs … war Taurenspielen in dieser aufregenden 3D-Welt etwas ganz anderes, furchtbar fesselndes, mit dem die kleine zweidimensionale Welt von BaB nicht mithalten konnte.

So löst ein Spiel das andere ab. Sicherlich ist es schade – aber ich könnte mir nicht vorstellen, noch einmal nach UO zurückzukehren. Es war eine schöne Zeit, ist aber vergangen. Traurig ist natürlich, dass sich keine Kontakte erhalten haben. Aber man hat eben verschiedene Geschmäcker und geht verschiedene Wege.

Oha, wenn das nicht gerade mal ein Blick in die Zukunft war! Na, mal sehen. Immerhin schaffe ich es meistens, zwei Computerspiele parallel zu spielen. Im Moment liegt SWTOR ganz weit vorne, weil es Action mit der Möglichkeit zum RP kombiniert, aber Second Life hat das Potential, optisch ansprechender zu sein (ja, Potential). Mit Action wird es zwar nie in dem Maße dienen können, wie das moderne Spiele tun – aber das ist meiner Meinung nach auch nicht der Pool, aus dem SL schöpfen sollte. Dafür taugt das System einfach nicht. Optik und Storytelling … das kann/könnte SL. Und damit kann man vielleicht auch „Normalspieler“ fesseln, wenn man es richtig macht. Leider ist und bleibt das Image von SL im „Raum außerhalb“ einfach nur: „Is ´ne hässliche Klotzwelt mit Ficken“. Da macht man so schnell auch nichts dran, weil die Lobby fehlt. Kein Mensch, der Second Life nicht eh schon spielt, schaut sich die schönen Bilder in manchen SL-Blogs an. Ohne mehr Aufmerksamkeit von nicht-SL-affinen Medien wird sich das wohl auch nicht ändern.

Na, ich bin dann mal mit meinem Pureblood-Jugger (s.o.) auf Tatooine …

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  1. liweistardust
    3. Juli 2013 um 9:14 am

    hmm.
    Ich bin der Meinung, es sollte sowieso niemand von aussen SL als „Spiel“ betrachten, denn m.E. ist es viel mehr soziales Netzwerk als ein Spiel.
    Das man in SL auch Rollenspiel haben kann ist ja eher eine „Unterabteilung“.
    Eine der vielen Möglichkeiten.
    Und selbst wenn man zu hundert Prozent als Rollenspieler in SL einloggt ändert sich am Wesen von SL ja nix.
    Von daher denke ich das die Leute die WoW, SWOTR oder sonstwas spielen, soll heissen, auf SPIELE aus sind, was ganz anderes suchen als der durchschnittliche SL Nutzer.
    Und daher ist auch klar, das sie SL nicht als „Spiel“ sehen oder akzeptieren werden…..die wenigsten!

    • 3. Juli 2013 um 9:27 am

      It´s a social online experience!! – Your mooom is a social online experience!!

      Auch als soziales Netzwerk hat SL das Problem, dass die Konkurrenz mehr bietet. Es ist ein Hybrid mit allen Vor- und Nachteilen. Aber wenn man sagt „Das ist nicht für Spieler!“ nimmt man eine Zielgruppe raus, ohne eine andere konkret benennen zu können. Es ist also nicht für Spieler – aber für wen dann? Für Social Network-Leute auch nicht, die haben mit Facebook und Konsorten bessere Möglichkeiten. Damit bleibt …?

  2. liweistardust
    3. Juli 2013 um 9:31 am

    Damit bleibt:
    Es ist für diejenigen die weder in die eine noch die andere Schublade wirklich passen, für diejenigen, welche den Hybrid brauchen.
    🙂
    ach ja……..social network………lol……….
    Ich bin nicht abergläubischer als jeder durchschnittliche Zeitgenosse, aber…….ich hab erstens lange nix von Dir gehört und zweitens heute Nacht von Dir geträumt.
    Wir besuchten ein archäologisches Museum in dem ich auch wohnte, und Du hast gesagt „das ist besser als SL, was es nicht alles gibt!“….hehe.
    Und da hab ich mich gefragt ob es Dir gut geht. Das tu ich immer wenn ich von jemandem träume, der in der Regel nicht durch meine Träume geistert.
    Ehm…..alles klar? Geht’s Dir gut?

    • 3. Juli 2013 um 9:41 am

      Schubladen sind ein Märchen. Jeder ist ein Hybrid. 😉
      Und „den bösen Gamer, der nur ballern will“ gibt´s auch nur in der Phantasie der Leute, die SL gern „rein“ halten wollen. 😀

      Ja, mir geht´s gut. Ich bin nur schon so voll positiver Energie für nächsten Dienstag … das war ein Scherz. Nein, gehört auch dazu. Bin ich eben wie jedes Jahr spätestens ab Nachmittag eher grummelig drauf.

  3. 3. Juli 2013 um 10:10 am

    lass uns Taris rocken 🙂 Es gibt nichts heisseres als einen netten Rakhghul. Oder doch..ein infizierter, aggressiver Rakhghul. Das ist RP, Spiel UND Sozializing in einem virtuellen Ü-Ei!

    Gestern in SL hab ich mir BTW endlich Turmus angeschaut. Und wo Du hier grad über schöne Optik schreibst- das lohnt einen Besuch. Zwar konnte ich vor lauter Lag nur dumm herum stehen, aber was ich (per Cam) gesehen habe war klasse. Auch wenn das auf Gor inzwischen übliche Verhältnis Männchen zu Weibchendort noch extremer war (ich glaub 10 Damen auf 2 Herren), gab es stimmiges RP zu sehen und eben eine super, super liebevoll gestaltete Stadt. Sogar Adran hab ich kurz gesehen dort. Turmus lockt offenbar Touristen an *lacht*
    Nee, Turmus ist echt einen Besuch wert, vor allem für optische Vielfrasse wie Dich.

    • 3. Juli 2013 um 10:22 am

      Ja, mit Rakghoulen hatte Nimr es im RP ja schon zu tun. Hat einen der netten Mutanten direkt niedergestreckt. BÄM! 😀 Vielleicht finde ich noch einen Hut für Jorrar. Sie hat viel zuwenig davon.

      Mal Turmus ansehen kann ich mir auf jeden Fall. Wobei mein „mal“ und „irgendwann“ in SL derzeit seeehr dehnbar sind. 😉

  4. liweistardust
    3. Juli 2013 um 2:39 pm

    Ja Turmus ist ein optischer Augenschmaus.
    Und ja Zasta, es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, irgendwie ist jeder von uns ein Hybrid, grins.
    Dennoch ist SL für mich per definitionem kein Spiel.
    Es ist eine Plattform auf der man spielen kann wenn man möchte.
    Es ist ein Chat mit Bild.
    Es ist ein social network der ANDEREN Art, nämlich in dem Sinne das man dort Zeit mit Leuten verbringen kann die einem irgendwie grad was bieten was man gern nimmt, sei es ein RP, sei es ein Plausch, sei es einfach nur Dummfug.
    Manche Leute nutzen es auch wirklich als Ersatzleben, zum Beispiel kenne ich eine Person die im RL unter MS leidet und nicht mehr laufen kann. Die entkommt ihrem Rollstuhl halt in kleinen FLuchten in diese Welt wo sie sich im Avatar unversehrt fühlen kann.
    Auch ein Mensch ist mir begegnet der Gehörlos ist. Er liebt SL weil er per chat natürlich „hören“ kann.
    Was auch immer die Intensionen der Leute sind – sie sind in den seltensten Fällen gleich aber sie gehen fast immer über das hinaus was ich als Spiel bezeichnen würde

    • 3. Juli 2013 um 3:18 pm

      Aber deshalb gleich sagen, dass man nicht auf Leute abzielen sollte, die spielen wollen, ist nicht sinnvoll.
      Ich habe in SL nie irgendein soziales Netzwerk gefunden (vermutlich, weil ich das auch nie gesucht habe) und hatte trotzdem meinen Spaß. Und ich kenne noch eine Menge anderer „Asozialer“, die SL primär als Spiel wahrnehmen. Uns als Randgruppe zu titulieren wäre genauso irrig als wenn ich die Sozioleros nicht in SL tolerieren würde. 🙂

  5. liweistardust
    3. Juli 2013 um 7:38 pm

    *lacht*
    ich tituliere doch gar niemanden als Randgruppe, da haben wir uns mistverstanden. 😉
    Und ich habe auch nirgends gesagt das man nicht auf spielwillige Hybriden abzielen soll.
    Es ging mir lediglich darum, das sowohl die Erfinder unseres schönen zweiten Lebens als auch die meisten Bewohner von SL es eben nicht als Spiel im klassischen Sinne betrachten.
    Denn in einem Spiel hat man einen viel engeren Rahmen.
    Und ein Spielziel, oder von mir aus auch eine Mission.
    Beides muss man nicht haben um sich in SL zu entspannen oder zu amüsieren.
    Und nee, als Sozialphobiker hast Du sicher kein Netzwerk gesucht , schmunzel

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