Hausbesuche

13. September 2013

Invictus_aDer morgendliche Nebel hatte sich über Selnar gelegt wie eine weißgraue Decke, machte alle Konturen unscharf und verstärkte jedes Geräusch zur Unwirklichkeit.

Er wusste nicht, was ihn geweckt hatte. Vielleicht ein Husten vom Unterdeck, vielleicht ein Tropfen Wasser, der sich in der nebligen Luft gesammelt hatte und dann mit sattem Ton auf die Planken gefallen war.

Einige Herzschläge lang war alles Verwirrung. Er lag stocksteif und lauschte in die weiche Undurchsichtigkeit um das Schiff, bis er wieder wusste, wo er war. Der Arzt. Die Gastfreundschaft. Natürlich.

Ingula setzte sich auf und rieb sich die Augen. Der Affe, der an seine Halsbeuge gedrückt bei ihm gelegen hatte, sprang auf und turnte über die Reling, vermutlich um sich in der Stadt irgendwelche Früchte zu stehlen. Vom Deckkastell waren die Bewegungen der Wache zu hören.

Der Navigator streckte sich, bis die Wirbel knackten und wickelte sich aus der Decke. Auf den Fellen und Teppichen der Cabana zu schlafen war nicht so nett, wie es sich anhörte.

Invictus_bAber seine Matte hatte er für diese Nacht an einen Gast abgetreten, der vielleicht wichtig werden könnte. Ein Arzt! Danach suchte der Capitano schon länger. Auf einem Kriegsschiff gab es auch außerhalb jeder Kampfhandlungen immer Verletzungen. Männer fielen irgendwo herunter, gerieten irgendwo dazwischen oder prügelten sich wegen Nichtigkeiten. Unbehandelt konnten auch Kleinigkeiten bei einer wochenlangen Reise zu einem Problem werden. Jedoch gestaltete es sich schwierig, einen Grünkastigen für das Leben auf See zu begeistern. Die meisten zogen aus unerfindlichen Gründen ein stickiges Haus und langweilige Patienten vor.

Dieser jedoch schien anders zu sein. Ingula war nicht sicher, ob der Capitano begeistert von dem dürren Typen mit den Kanda-Schwierigkeiten wäre (der Navigator war von Berufs wegen ein scharfer Beobachter; unauffälliges Herumdrehen und dann auf Dingen kauen stellte ihn schlussfolgerungsmäßig vor keine allzu große Herausforderung) – aber wer weiß, vielleicht machte der Grüne diesen Nachteil durch weitreichende Qualitäten in Sachen Traumachirurgie wett. Ein Versuch konnte nicht schaden.

Ingula trat an die Leeseite der Aequitas und pisste ins Hafenbecken. Sein Blick wanderte ins graue Nichts des Nebels und er gähnte noch einmal herzhaft. Auch für die Port-Kar-Sache wäre ein Knochenflicker gar nicht mal so schlecht. Vor allem, wenn nun tatsächlich die Infanterie mitkäme. Der rotkastige Fußsoldat hatte zumindest so geklungen, als wäre schon alles mit Nereus besprochen. Na, ihm konnte es egal sein. Auch wenn er immer sehr aufpassen musste, wenn er mit den Landsoldaten zu tun hatte. Irgendwie war es leichter, mit nüchternen Seesoldaten wie Nereus umzugehen. Die machten klare Ansagen und gingen dann ihrer Wege. Ingula mochte Klarheit. In seinem Kopf war es unklar genug, da brauchte er nicht auch noch eine Horde Rotgekleideter, die irgendwelche „Dieses eine Mal, im Krieger-Camp …“-Geschichten erzählten und dabei Sklavinnen jonglierten, nur um ihn noch weiter zu verwirren.

Invictus_cAber alles der Reihe nach. Zunächst der Arzt, dann die Infanteristen und dann Port Kar.

Ingula brachte seine Kleidung in Ordnung und ging sich Waschen. Er kam an Laesios „Kunstwerk“ vorbei, der Frau mit dem Fischkopf. Priesterkönige und alle Ahnen, die das Pech hatten, herabzusehen –  war das Ding hässlich! Aber es tarnte die Aequitas gut. Genau wie die neue Beflaggung und der neue Name.

Bald, ja bald Port Kar. Die Karten …

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Weiter mit OOC. Nun schon der dritte RP-Bericht in Folge. Obwohl ich das Zeug selber nicht lese. Aber erstens schreibe ich gern, so dass der Weg das Ziel ist und zweitens sind es keine tausend-Wort-Monster sondern schnell weggelesene Kleinteile. Das sich-Schämen kann also im Schrank bleiben.

Wie man an den Screens sehen kann, habe ich die Aequitas gestern kräftig getarnt. Die anatomisch schwer herausgeforderte Fischfrau, die neuen Banner (Seepferdchen völlig willkürlich gewählt) und sogar ein Paar Augen; einfach nur, weil es sich so für ein antikes Schiff gehört. Man begriff damals Schiffe nämlich als lebende Wesen, die natürlich Augen brauchten, damit sie den Weg sicher finden konnten. Sowieso waren die antiken Schiffe immer bunt bemalt – mit Seeungeheuern, mit Götterfiguren, mit Unanständigem, mit wilden Mustern … schade, dass das heute ziemlich verloren gegangen ist!

RP-mäßig war ich hauptsächlich mit dem Arzt beschäftigt, später kamen noch zwei Krieger und etliche Sklavinnen dazu. Ich hoffe, heute können wir den Arzt mal dem Capitano vorstellen. Laesio wird da sein, das habe ich schon gehört – von Nereus weiß ich es noch nicht. Na, wir kriegen den Grünen in jedem Fall unterhalten!

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  1. Mell
    13. September 2013 um 10:19 am

    Mir kommt es grad vor als ob ich ne Ewigkeit nicht hier gewesen bin….Bilder aus SL …und dazu noch Gor…..
    Gefällt mir 🙂

    • 13. September 2013 um 10:22 am

      Man hört ja auch nix mehr von Dir! 🙂
      Schön, doch wieder was von Dir zu lesen.
      Ja, nach anderthalb jahren wieder einen Fuß nach SL-Gor gesetzt. Ich bin noch unsicher, aber mein Kokon aus ein paar Gleichgesinnten hält mich noch schön warm.

  2. Mell
    13. September 2013 um 10:32 am

    Ich kann mich für dein anderes Spiel nicht erwärmen (Mann und Sohn sind ja hier auch Feuer und Flamme). Jetzt scheint es wieder schöne Bilder zu geben und Geschichten die ich gerne lese. Sieht also so aus als ob ich wieder öffter da sein werde und vielleicht auch etwas zu sagen haben 🙂

    • 13. September 2013 um 10:35 am

      Dabei wollte ich doch bald mal ´nen Post machen, um mit dem neuen Saberstaff mit Blood Red Indestructible Crystal meines kleinen Miraluka-Sith zu protzen!
      Aber gut, Dir zu liebe gibt´s lieber noch mehr SL. 😉

  3. Luc
    13. September 2013 um 12:50 pm

    Konjunktiv hat ja keinen Schimmer, welche Roots dieser „Infanterist“ hat und warum er so auf Klunker steht ist wie nen Voskpirat!

    • 13. September 2013 um 1:00 pm

      Der Hautfarbe nach zumindest dem Navigator sehr ähnliche Roots. Aber man sieht ja nie in andere Charaktere rein sondern hat das, was man nach und nach mitbekommt.

      Wie´s aussieht war die Erziehung bei Ingula etwas Proudhonlastiger, was für den Navigator eines luxusfixierten Krieger-Kapitäns vermutlich eine zumindest schwierige Grundhaltung sein könnte. Wird interessant zu spielen.

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