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Hebdisch on moinare Honddasch, isch heb Engschd!

1. November 2013

Oder auch für nicht-Südhessen: „Halt´ Dich an meiner Handtasche fest, ich hab´ Angst!“

Ein Blogpost noch ohne Bilder – leider. Die Chefin vom BFC hat zwar etliche Bilder im Gruselgang und später von der ganzen Erschreckertruppe gemacht, die wird sie aber heute morgen wohl kaum schon auf der Vereinsseite (der BFC kommt immer mindestens zehn Mann hoch zum helfen und miterschrecken vorbei) hochgeladen haben – vom letzten Jahr sind noch Bilder drauf, sogar von mir – aber natürlich völlig unkenntlich.

Ich bin ja auch nur schon wach, da ich mich gestern im kalten Hof wohl gut erkältet habe und gerade aufgewacht bin, weil ich nicht mehr durch die Nase atmen konnte und Kopf- und Halsschmerzen sich die unangenehme Waage halten. Tja, erstens armes Tuktuk und zweitens: Totally worth it!

Es began wie jedes Mal: Ich habe G. abgeholt und wir sind bestens gelaunt über die Grenze nach Norden gefahren. G. hatte für jeden Erschrecker aus unserem engeren Freundeskreis ein monströses Halloween-Überraschungsei gekauft. Meins habe ich im Auto vergessen und bin jetzt zu faul, um runterzulatschen und es zu holen. Es ist kalt genug, dem Ding passiert schon nichts.

Angekommen, wurden wir von Lady Z. (der französischen Kostüm-Verkäuferin, die einmal quer durch den vollen Laden einem Mann, der gerade ein sehr spezielles Kostüm anprobiert hatte, hinterhergerufen hat „Jungär Mann, sie ´aben ihre `oden in där Umklaide värgessän!“) mit passendem Kostümmaterial versorgt und dann von L., immerhin ihres Zeichens gelernte Maskenbildnerin (ich kenne Schauspieler, Regisseure, Maskenbildner und Bühnenplastiker. Ich habe bald ein ganzes Theater zusammen. Lustigerweise arbeiten alle an unterschiedlichen Orten), mit allerlei Zusatztand ordnungsgemäß verwüstet. G. sah so grandios schräg aus, dass wir sofort seinem Mann, der ein Halloweenmuffel ist und sich deshalb jedes Jahr nachdrücklich verweigert, ein Bild geschickt haben. Es kam leider keine Reaktion. Spielverderber.

Es wurde langsam dunkel, wir nahmen unsere Positionen im Gruselgang ein. Wie jedes Jahr war der komplette Hof mit dichten, schwarzen Stoffbahnen in ein klaustrophobieförderndes Labyrinth verwandelt und wild dekoriert worden. Dazu Schwarzlicht, Kunstnebel, reflektierende Skelette, Gummikörperteile, Lichterketten und nicht zu vergessen: falsche Spinnweben, die sich an alles hefteten, das vorbeikam. J. marschierte einmal aufgebracht durch den Gang und schnauzte „Da war grade ein fettes Kind, das hatte an seinem Arsch mehr Spinnweben als in einen Beutel passen!“.

Wir verteilten uns strategisch und dann wurden die wartenden Kinder (und auch Erwachsenen, wir diskriminierten niemanden)  gruppenweise in die Geisterbahn geschickt. Zum Teil war die Warteschlange einmal quer durch den Laden – wir hatten also gut zu tun. Wie immer gab es die ultracoolen Jungmänner, die ja „vor gar nix!!“ Angst hatten und sich dann im günstigsten Fall doch in einem Panikanfall fast einnässten. Oder vor Angst ihr gerade konsumiertes Ayran wieder erbrachen. Dieser Sonderfall trat zum Glück nur einmal auf. Ist schon sehr spezifisch als Unfallhergang. Außerdem gab es die üblichen „Iiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhhhhh!!!!“-Mädels, die, mit dem Kreischen einmal angefangen, bis zum Ausgang nicht mehr aufhörten. Die ganz Kleinen, die überraschend gelassen sein konnten und die dazugehörigen Eltern, die oft mehr Angst hatten, als ihre Brut.

Ich habe zusammen mit der dreizehnjährigen Tochter von D., die als Ringu-Mädchen verkleidet war, ein Tag-Team gebildet. Ich stand hinter einer S-Kurve. Ganz stocksteif. Verwirrte die Leute, die dachten, ich wäre nur so ein Gummimonster. Die meisten zögerten dann, schickten eine Person vor, die mich anstupsen musste. Und dann schlug Ringu-Mädel zu und sprang schreiend aus einer Nische. Wir haben damit gute Erfolge erzielt.

Meine persönlichen Highlights waren, neben der im Posttitel erwähnten Dame, die in ihrer Handtasche wohl etwas immens beruhigendes herumtrug, ein Rudel Jawa in Originalgröße, die im Gänsemarsch durch den Gruselgang wackelten. Zwar sagte kein einziger „Utiniii!“, aber sie nahmen meine Beschwerde, dass bei der roten R2-Einheit der Motivator defekt wäre, sehr würdevoll entgegen. Außerdem der kleine Junge, der sich nicht traute, allein zu gehen, L. zur Seite bekam, die ganze Zeit laut tönte „Das ist GAR NICHT gruselig!“ und dabei L. vor Angst fast die Hand brach. Und natürlich der winzige, etwa kniehohe Dracula, den wir vor seinen Eltern nicht kommen sahen, deshalb die übliche Schrecknummer abzogen, dachten, wir hätten nun ein kleines Kind für den Rest seines Lebens traumatisiert – doch nix da, der blieb völlig unbeeindruckt! Und die Frau, die verächtlich meinte, dass ich ja echt total klar künstlich wäre und dann fast die Stoffbahnen herunterriss, als ich sie, kaum war sie an mir vorbei, freundlich am Nacken berührte. Ähnlich ein Cool-Jüngling, der mich als Gummifigur völlig unüberzeugend fand, dem ich leise zwei Ecken weiter folgte und der dann nahezu einen hysterischen Anfall erlitt, als er sich umdrehte und ich direkt hinter ihm stand.

Gruseln macht Spaß, Erschrecken ist eine Freude für die ganze Familie und weil es danach noch jede Menge selbstgemachtes zu Essen gab (und natürlich Alkohol. Also, klarerweise nicht für mich, aber für jeden sonst), wurde es danach bei Kürbissuppe, Augen-Wackelpudding, Spaghettisalat in Eingeweideoptik (keine Ahnung, ob das beabsichtigt war) und Grabstein-Cupcakes nochmal eine Runde gruseliger.

Zusammenfassend: Halloween war mal wieder ein großer Spaß. Ich bin sehr zufrieden, dass ich dafür zwei Tage Urlaub verbraten habe.

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  1. Mell
    1. November 2013 um 11:56 am

    Liest sich als ob du eine gute Zeit hattest 🙂 das du nun erkältet bist ist natürlich doof!
    Hier haben nichtmal Kinder geklingelt um mir saures zu geben weil ich blöderweise nix süßes im Haus hatte. Ich hätt Äpfel verteilt *gg*
    Naja, dafür kommen sie dann zum Martinsfest.

    • 1. November 2013 um 11:58 am

      Ja, scheint so, als würde diese importierte Tradition des von-Tür-zu-Tür-gehens kaum eingeführt schon wieder aussterben. Bei uns waren zwar im Gruselgang mehr Kinder als je zuvor, herumgelaufen sind aber kaum welche.

  2. beowulfmcdonnell
    1. November 2013 um 12:07 pm

    Ich habe mich dieses Jahr perfekt Vorbereitet.Blutige Metzgerschürze..Schön geschminkte Hackfresse und sogar extra noch die Schneidkette aus meiner Stil Motorsäge ausgebaut..Das Teil Getankt und den Vergaser eingestellt das sie auch beim ersten mal Reissen Anspringt.

    Nicht EIN Kind hat bei uns geklingelt..

    Mist importierte Gebräuche..Nächstes Jahr bin ich raus aus der Nummer…Das Kostüm behalte ich aber 🙂

    • 1. November 2013 um 1:41 pm

      Dann nimm nächstes Jahr die 700 km Reise auf Dich und hilf uns im Gruselgang Kinder/Erwachsene erschrecken! 🙂

  3. 1. November 2013 um 12:45 pm

    Bei uns waren viele Kinder unterwegs. Aber es gilt die Regel, geklingelt wird nur da, wo ein Kürbis oder andere eindeutige Halloweendeko draussen steht. Damit nicht jeder von diesem Kram genervt wird. Aber bei mir klingelt eh keiner – seit ich Ronja habe, hat sich das seeehr schnell rumgesprochen. Keine Werber, Staubsaugervertreter, Zeugen Jehovas, Sammlungen, Martins- oder Halloweenkinder.. Sogar der Vertretungspostbote hat drauf bestanden dass ich meine Post abhole.. dabei ist sie garnicht sooooo schlimm.. naja, okay, ist sie doch. Aber die Tür hält bestimmt *grinst*
    Aber klingt als hättest Du echt Spass gehabt und Spass verbreitet, Du alter Sozialphobiker.

    Gute Besserung!

    • 1. November 2013 um 1:43 pm

      Von mir aus muss sich das auch nicht so seuchenartig verbreiten wie in Amerika. Aber es macht Spaß, sich zu verkleiden – vor allem, wenn man damit anderen noch eine Freude machen kann. Oder sie zumindest fies erschrecken kann.
      Soziophob war ich dann doch noch, als ich auf der Party danach nicht allzu lange geblieben bin. Aber das hat von mir auch keiner erwartet. Ich habe schon länger durchgehalten als normal.

  4. Daanta
    1. November 2013 um 3:49 pm

    Ich finde es toll, dass es bei euch so aufwändige und witzige Veranstaltungen zu Helloween gibt. Würde gerne ein paar Bilder sehen 🙂
    Bei uns beschränkt sich dieser Abend darauf, dass Teens und Twens wieder einen Grund haben, sich ins Delirium zu trinken, (ja natürlich waren wir alle VIEL besser und braver und außerdem war das ein anderes Jahrtausend 😉 ) und dass kreischende und trampelnde Grüppchen von Kindern durch die urbanen Straßen ziehen und gratis ihren Schokoladevorrat auffüllen, damit sie die 100kg schon vor dem fünfzehnten Lebensjahr erreichen ;).

    Eigentlich wollte ich eine Schüssel vor die Tür stellen mit Bonbons (hier sagt man eigentlich Zuckerl, aber das versteht vlt nicht jeder …), die ich vor vier Jahren für diesen Anlass gekauft hatte und einen Zettel dazuhängen, „Esst Süßes oder es gibt Saures!“
    Aber ich habe mich dann doch dazu entschlossen, das zweifache Klingeln einfach zu ignorieren, und zu hoffen, dass diese Biester meine Tür nicht beschmieren.
    Mein republikanischer Leutnant hat sich währenddessen tatooines‘ Sand zwischen den Zehen herausgepuhlt und Freundschaft mit einem Rudel Jawas in Originalgröße geschlossen 😀
    Sie ist übrigens die kleine Schwester der imperialen Agentin – das weiße Schaf der Familie sozusagen 😉

    lg und schönes WE
    Daanta

    • 1. November 2013 um 5:59 pm

      Bilder gibt´s von 2012 auf der BFC-Seite. Und bald auch von 2013.

  5. Daanta
    1. November 2013 um 8:35 pm

    Oh … ich hatte zuerst die Gallerie übersehen. Beeindruckende Kostüme!

    • 1. November 2013 um 8:40 pm

      Und dieses Jahr war noch besser! D. hatte ein „Bunnykiller“-Kostüm mit Chestbuster-Hase an.

  6. Kendrick McMillan
    4. November 2013 um 9:04 am

    Hat sich wieder gut gelesen, die Story….hört sich nach richtig Fun an.
    Das mit der Klingelei ist so ne Sache, bei uns in der Strasse gabs dann 5x Klingeln und absahnen……das große Gerenne gabs in einem Neubauviertel in Ort und an einer anderen Ecke wo auch mal eben ein ganzes Haus zum Gruselobjekt umgemodelt wurde, der Rest vom Ort blieb ruhig und dunkel.

    • 4. November 2013 um 11:12 am

      Ja, so in etwa war´s wohl überall. Kleine Inseln und sonst nix.
      Finde ich in Ordnung – man muss nicht jedem unschuldigen Bürger alles aufdrücken.

  7. Kendrick McMillan
    4. November 2013 um 1:40 pm

    klar sind so kleine „Inseln“ gut, ist nur schade für die Leute, die nicht in solchen Ecken wohnen und wo man entweder nur per Zufall vorbei kommt, wie bei uns oder garnicht, hast alles möglich vorbereitet und niemand kommt. Hab schon überlegt, ob ich n Sarg baue, meinen Sohn rein packe und den dann durch so eine Ecke ziehe und der dann die Leutz erschrickt wenn er dann mit einer Knochenhand aus dem Sarg wedelt.

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