Startseite > In Character, Out Of Character, SL allgemein > Politische Spielchen – für die Familie

Politische Spielchen – für die Familie

8. November 2013

Chenbar_Ankunft_aDie Blätter der reifenden Ta-Trauben dufteten herb und nach dem rotgoldenen Staub unter den Füßen des Ubar von Tyros, als er kurz an der Klippe über Selnar anhielt, um seinen Blick über die Bucht schweifen zu lassen. Die nimmermüden Möwen der Thassa riefen hier so klagend wie zu Hause. Und das Blaugrün der Wellen war auf Cos so gläsern-schön wie vor den Mauern von Kasra. Damit hatten sich die Gemeinsamkeiten auch schon. Waren die Felsen auf Tyros kalkweiß und die Erde dunkel, so gab es hier auf Cos den Boden von der Farbe geronnenen Blutes und die graubraunen Klippen. Reiften auf Cos die Trauben so prall wie die Ärsche der Sklavinnen aus der Tahari, suchten sich auf Tyros die Verr ihr Gras in spärlichen Büscheln zwischen windverdrehten Korkeichen.

Chenbar riss eine Handvoll Trauben von den schulterhohen Stöcken. Er sah sich noch einmal zu Lurius´ Residenz um, die so feist wie ihr Besitzer auf dem höchsten Punkt der Insel thronte. Keinerlei Bedenken wegen Invidia. Das Mädchen hatte sich hervorragend verkauft und Lurius genug beeindruckt, dass er sie nicht nur als wertvolle Verbindung nach Tyros sah, sondern wohl auch als ein Schmuckstück, das als Gefährtin mehr konnte, als seinen Ruhm zu mehren. Diesmal würde es klappen. Und um sicherzugehen hatte Chenbar seinen verlässlichen Adjutanten Brutus bei ihr gelassen. Keine Zwischenfälle mehr. Kein plötzliches Knien mit Kragen. Invidia würde die Ubara von Cos.

Er drehte sich wieder um. Machte sich wieder auf, den steilen Weg zum Hafen hinunterzugehen. Seine Sandalen ließen winzige rote Kiesel aufspringen. Grillen zirpten monoton in der abkühlenden Abendluft. Lurius hatte ihm selbstverständlich keine Antworten gegeben. Hatte sich aus Fragen gewunden und seltsame Legenden eingestreut. Natürlich hätte Chenbar ähnlich gehandelt. Sie mochten seit Jahrzehnten Verbündete sein – aber beide erinnerten sich noch zu gut an die Zeiten, als die Flotten von Tyros und Cos sich nicht als Freunde begegnet waren.

Chenbar_Ankunft_bUnd zuzugeben, dass man sich vielleicht überhoben hatte war gefährlich, wenn Tyros derzeit noch mehr als zwei Drittel seiner Krieger im Bereich des Archipels hatte, während die Rarii von Cos sich entlang des Vosk dünner verteilten als Marmelade auf dem Brot eines Tagelöhners. Natürlich war Chenbar ein Mann von Ehre und würde nun nicht im Handstreich Cos einnehmen. Das wäre unklug. Aber einen Moment die Phantasie spielen lassen musste erlaubt sein.

Er steckte sich eine der Trauben in den Mund und genoss das Alleinsein, während ihn seine Füße weiter zur Stadt hinunter trugen.

Der Gefangene, den Trajanos angeschleppt hatte, schien Lurius äußerlich nicht zu beunruhigen. Aber Chenbar kannte den bulligen Herrscher dieser Insel schon lange genug um zu wissen, dass Lurius die Geduld und mimische Kontrolle eines Tharlarions hatte. Er würde sich nicht einmal etwas anmerken lassen, wenn ihm jemand die Robe in Flammen setzte. Dass der Gefangene in den Palast gebracht worden war statt in der Zitadelle verhört zu werden, sagte schon genug aus. Gut, dass Brutus dort geblieben war. Er würde für Chenbar Augen und Ohren sein.

Trotzdem war es Zeit, Berichte einzuholen. Die Fühler auszustrecken. Er war bündnistreu, das war sicher. Seine Ehre band ihn mit Stahl an Cos. Aber er würde seine Krieger nicht blindlings für Lurius´ Großmachtphantasien ins Verderben schicken. Informationen … das war der Schlüssel. Er wünschte, seine zuverlässigste Spionin wäre nicht schon so lange abgängig, dass er sie mit ziemlicher Sicherheit abschreiben konnte. Vielleicht sollte er die Reise nach Ar auf sich nehmen, um sich selbst ein Bild zu machen. Lurius´ Zuckerworte hin oder her.

Er würde noch etwas Zeit auf Cos verbringen. Immerhin galt es, seine Nichte ordnungsgemäß an Lurius zu verschachern. Zeit genug, Dinge herauszufinden. Und dann zu entscheiden.

Er hätte sich von Lurius diese Pani-Sklavin mitgeben lassen sollen. Ihm war nach Entspannung und ihre milchweise Haut mit den blauen Adern darunter hatte ihm gefallen.

Die Süße der Traube in seinem Mund war fast widerwärtig.

——————–

Weiter mit OOC. Oh Mann – ich wusste gar nicht, dass ich Politik vermisst habe! Und in Lydius konnte man das Ganze auch nicht so auspielen, da das diktatorische Element eines Ubarats gefehlt hat. Ja, ich hatte Spaß an Chenbar. Ja, ich werde ihn auf jeden Fall weiterspielen. Ich denke, Nobody als Invidia hatte auch Freude an ihrer Rolle als politisch intrigierende Hochkastige – nur bei Ganzbaf bin ich mir nicht sicher, ob der so glücklich war. Brutus ist ihm vermutlich (noch) zu straight-ahead und ehrenhaft. Andererseits spricht ja nichts gegen einen doppelten Boden. Wer mit Chenbar „nach oben“ gekommen ist, war garantiert früher mal eher mit dem Bodensatz der Gesellschaft unterwegs.

Schade, dass der geplante Ausflug gestern nichts wurde. Aber wenn die Leute, zu denen man möchte, plötzlich hellseherische Kräfte entwickeln, lässt der Spaßfaktor doch etwas nach. Ich gebe allerdings zu, nicht ganz verstanden zu haben, an was es nun hing. Naja, wir hatten auch zu Hause Spaß. Und Cos war voll genug, dass ich Deferred Rendering ausmachen musste, weil ich sonst auf 4 FPS gefallen wäre, was nicht eben spielbar ist.

Heute abend geht es mit den Freibeutern weiter. Samstag bin ich vielleicht RL unterwegs, kann also nur zu 50% sagen, dass ich dann mit Chenbar da wäre. Aber Sonntag werde ich Chenbar wieder spielen. Also – wer Interesse hat, der Ubar ist so etwa ab 19 Uhr wieder da.

Advertisements
Schlagwörter: , , ,
  1. 8. November 2013 um 11:29 am

    Das ist so ein wunderschönes Stück Prosa – schmeckt wie ein Kaiserstühler.

    • 8. November 2013 um 11:58 am

      Aus Deinem bewanderten Munde ist das mal ein tolles Kompliment.
      „Kaiserstühler“ musste ich als nicht-alkohol-trinkender Mensch erst einmal googeln. 😀

  2. Lurius con Jad
    8. November 2013 um 1:45 pm

    Der athletische und keinesfalls der Völlerei verfallene Ubar selbst hat am Sonntag leider P&P Runde (Fate) und wird, wenn, dann erst recht spät verfügbar sein, dies auch noch abhängig davon, ob er Montag seinen bereits verschobenen Urlaub antreten kann.
    Vermutlich werden aber seine Freunde, Cosianer, Landsleute seinem tyrotischen Amtskollegen gerne die Ehre erweisen.

    • 8. November 2013 um 2:03 pm

      Och, vielleicht ist der Besucher aus Tyros ja auch Samstag noch da. Kommt auf den Krankheitszustand diverser Mit-Vampire an. Schwächelndes Pack …
      Bei „Freunde, Cosianer, Landsleute“ dachte ich ganz blasphemisch an „Mitbürger, Ägypter, Mumien – hört mich an!“ von Signor Rossi.

  3. 8. November 2013 um 1:52 pm

    Wie beschreibe ich das dann für dich? Zahllose Sonnenstrahlen blauer Nachmittage, gespiegelt vom oberen Rhein, in einer Flasche zusammen. Glas uns Glas werden sie freigelassen, um in den Augen der Freunde am Tisch wiederum kleine Sonnenstrahlen hervorzurufen…

    • 8. November 2013 um 2:04 pm

      Ui, muss ich mal meinen weintrinkenden Freunden, die ganz unpatriotisch eher auf italienische Gewächse stehen, vorschlagen.

  1. No trackbacks yet.
Kommentare sind geschlossen.
%d Bloggern gefällt das: