Aller guten Dinge sind sieben

25. Februar 2014

Wie kann man dabei nur Spaß haben? Sechs Mal im Dreck liegen, über 80.000 Credits an Reparaturkosten, zwei Stunden immer wieder das Selbe, mitten drin abbrechen, weil ich off musste. Und die Screenshottaste war auch mal wieder kaputt, so dass ich statt eines heroischen Raid-Bildes nur den kleinen Trooper mit seinem neuen Bowcaster zeigen kann. Also – wo genau war das Schöne-Gute-Wahre an diesem Raidabend des Sturmregiment Kaas?

Keine Ahnung – es war einfach genial! Man glaubt gar nicht, wieviel Freude es machen kann, eine Entwicklung zu fühlen.

Aber von Vorne.

Montag, Raidtag. Wir versammelten uns kurz vor sieben Uhr; Siri brachte noch einen Bekannten mit, da man für die ersten Bosse von Denova zwei Tanks braucht. Alles soweit wie immer. Wir ließen uns auf den Planeten kutschieren, ärgerten uns über die rassistische Moff und begannen unseren Weg in Richtung des abtrünnigen Warlords. Und dann standen wir nach ein paar Trashmobs auch schon vor dem ersten Boss. Den ersten beiden Bossen. Toth und Zorn, zwei monströsen Droug-Tieren. Die sehen etwa so aus, sind grob so groß wie ein holländischer Sattelschlepper und haben ständig schlechte Laune.

Wir waren guten Mutes, stürzten uns ohne große Taktikbesprechung in den Kampf (ist doch nur 50er-Hardmode, haha) … und bekamen unseren Arsch serviert. Autsch. Große Überraschung. Was war denn das? Wir sind doch die großen Helden! Alle gut ausgerüstet!

Also – nächster Versuch. Diesmal geplanter. Genauso katastrophal. Hallo? Geht´s noch?

Dritter Versuch. Erste Ermüdungserscheinungen. Bei mir die feste Überzeugung, dass ich a) Schuld und b) zu blöd bin, den Encounter zu begreifen. Dieser Versuch läuft besser. Aber – Enrage, bäm, alle tot. Wie geht das? Enrage? Bei unseren Schadensmonstern?

Der tote Punkt und Versuch Nummer vier. Ro’ia ist die einzige, die noch Wut aufbringen kann (gut so, ein Juggernaut braucht das), der Rest ist stoisch. Wieder Fehlschlag. Lorsa fragt sich, wie die Leute früher auf nur-50 den Hardmode mit acht Mann geschafft hätten. Niemand weiß eine Antwort.

Und dann … irgendwie … hat sich etwas geändert. Die Stimmung schlug um. Denn – es fing an, sich etwas zu zeigen: Wir arbeiteten koordiniert zusammen! Kein wird-schon-schiefgehen mehr, statt dessen volle Konzentration. Die ganze Zeit nur die Prozentzahlen der Bosse und gelegentlich ein „Jetzt, Wechsel“ oder ein „Gelber Kreis, bitte hierher“. Und – fast! Nicht ganz, aber fast! Es hing nur noch daran, dass einer der Bosse eine Zeitlang Schaden reflektiert, was dottende Nahkämpfer ziemlich hart trifft, wenn sie nicht unglaublich fix auf den Füßen sind. Trotzdem … alles lief so gut, da hat Aroval einen Disconnect. Und ohne zwei Heiler ist nichts zu wollen. Khaaaaan!

Zeit für eine kurze Erklärung, damit klar wird, warum Toth und Zorn so schwierige Gegner sind. Erstens – sie müssen mindestens dreißig Meter voneinander entfernt stehen, sonst werden sie unglaublich stark. Zweitens – man muss aufgrund von Debuffs die Tanks auswechseln, wenn die beiden Viecher gelegentlich zusammenspringen. Drittens – das schon erwähnte Schadensreflektieren. Viertens – einer der beiden wird gelegentlich spottimun. Fünftens – sie müssen beide exakt gleichzeitig (auf die Prozentzahl genau) heruntergeprügelt werden, da sie sonst in Enrage gehen und auch 55er einfach so wegputzen. Sechstens – es gibt noch kleine Spässeken wie Mini-Enrages, die üblichen AoEs und dergleichen. Und Siebtens – ab zehn Prozent gehen sie sowieso in Enrage. Oh, und natürlich nicht vergessen: man hat für den ganzen Kampf exakt sieben Minuten Zeit.

Man sieht also, dass dies ein Kampf ist, der eine eingespielte Truppe erfordert. Und das Einspielen kann nur durch ständiges Üben passieren. Na dann – Allons-y!

Versuch Nummer sechs. Wir sind hochmotiviert. Fiebern mit, haben Spaß wie noch nie zuvor beim Raiden. Aaaah, verdammt! Beim letzten Prozent! Fast sind die Mistviecher tot, da reißt es uns, weil die Nahkämpfer mit Pech zu früh im Kampf ausgefallen sind. Aber egal, da geht noch was. Zeitdruck, weil ich um halb zehn off muss und es schon Viertel nach Neun ist.

Sieben! Magische Zahl, das klappt. Wir wissen das. Lorsa sowieso, aber Lorsa ist berufsoptimistisch.

Es läuft wie am Schnürchen. Wir singen uns die Prozente vor. Wir Tanks wechseln so elegant als wären wir beim Bolschoi-Ballett. Aroval hat keinen Disconnect. Die Bosse stehen auf Abstand. Die Nahkämpfer bewegen sich schneller als Ben Johnson nach einem Besuch am Tablettenschrank. Die Heiler klatschen sich perfekt getimed ab und unsere Fernkämpfer halten die Bosse auf den Millimeter genau im Schaden gleich.

Wir haben gelernt. Wir haben uns koordiniert – und wir haben die Bosse besiegt!

War das eine Freude, als die Beiden im Dreck lagen. Der kleine Nach-Boss war nur noch ein „Pff, geh heim, du Würstchen“.

Ja, das war tatsächlich der beste Raidabend bisher. Egal, dass wir die Operation nicht fertig bekommen haben und das nächste Mal nochmal an die zwei Bosse müssen. Völlig egal. Denn – wir haben gelernt. Der spürbare Fortschritt war die eigentliche Belohnung. Das Gefühl, sich voll auf die anderen verlassen zu können. Das Wissen, dass wir es immer und immer wieder versuchen.

Klar, es braucht das gewisse Quäntchen Glück. Aber das Meiste ist und bleibt Übung und Können. Und das haben wir gestern gehabt. Wir haben geübt, bis wir es konnten. Und das nächste Mal schaffen wir es dann mit weniger Wipes! First try halte ich als Ziel noch für etwas hoch gegriffen, aber wer weiß …

Und auch wenn ich vermutlich keine Leser habe, die die Begriffe nicht kennen, mache ich trotzdem mal ein kleines Glossar der heute verwendeten termini technici. Falls jemand den Text auch verstehen möchte.

  • Boss – böser Gegner mit besonderen Taktiken. Sehr, sehr schwer.
  • Enrage – der Boss wird wütend und macht soviel Schaden, dass ein Sieg schwer bis unmöglich wird. Passiert, wenn man zu lange braucht oder bei Eintreten bestimmter Bedingungen
  • AoE – Area of Effect. Flächenschaden. Sowas wie ein Säuretümpel, ein Blitzsturm oder so.
  • Debuff – Schädlicher Effekt, der den Betroffenen schwächt oder verletzt.
  • Spott – Tanks benutzen Spott, um die Gegner dazu zu bringen, sie anzugreifen. Tanks sind so ausgerüstet, dass sie es am besten aushalten, von Monstern vermöbelt zu werden.

Mehr habe ich heute glaube ich nicht an unverständlichem Gebrabbel dringehabt.

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  1. 25. Februar 2014 um 3:18 pm

    Ja, Denova ist so die allererste Probe, ob man als Raid wirklich Bestand haben wird und kann oder eben nicht – vor allem weil nach den beiden mies gelaunten Kotzbacken noch ein paar ebenso ’nette‘ Bosse lauern. Mein erster Denova-Kontakt war gleich im Hardmode, und ich muss sagen, ich habe als Heiler wirklich Blut und Wasser geschwitzt, bis die Sache endlich durch war. Vor allem, weil die Bosse im HM noch ein paar ’nette‘ Überraschungen mehr mit sich bringen – wenn ihr hier das erste Mal im SM durch seid, mach dich darauf gefasst, dass ihr beim ersten HM Versuch ebenfalls einiges an Wipes erleben werdet.
    Ich sag nur die Panzer-Bosse … und Kephess … ^^
    Aber: Wenn man es geschafft hat, ist man für alles, was danach kommt, durchaus gut gerüstet.

    • 25. Februar 2014 um 3:20 pm

      Wir gehen immer gleich im Hardmode durch. 😀
      Nix Storymode. 🙂

  2. 25. Februar 2014 um 3:19 pm

    Ich merke grad, ihr WART im HM drin. Lesen sollte man können *hust* na dann umso mehr Gratulation … 😀 ich werd echt alt …

    • 25. Februar 2014 um 3:31 pm

      Da wir fast nur mit Gildenleuten und immer ohne Randoms raiden (und auch stets mit der „nur wenn heute kein RP ist“-Prämisse) habe ich wenig Sorge ob des Bestandes. 🙂
      Es ist immer sehr unterhaltsam.

  3. 25. Februar 2014 um 4:01 pm

    Das ist die Hauptsache ^^ für einen guten Raid sind für mich immer zwei Sachen das Wichtigste: Durchhaltevermögen und Leute, die Spaß dran haben. Dann bekommt man den Rest auch irgendwie hin. Ausser, 90% der Leute sind Bewegungslegastheniker, dann braucht man umso mehr Durchhaltevermögen … 😀

    • 25. Februar 2014 um 4:20 pm

      Mal sehen, wie´s mit dem Durchhalten ist. 🙂
      Bisher hat sich da schon ein halbwegs harter Kern gefunden – aber es krankt natürlich daran, dass immer wieder alle terminmäßig unter einen Hut müssen. Und da kommen Dinge wie Arbeit und dergleichen bekanntermaßen gerne quer.
      Mit dem Bewegen, das kriegen wir schon hin. Wir machen ja auch immer Hardmode-55er-FPs in wechselnden Konstellationen zusammen. Obwohl ich mich nicht für sehr bewegungsbegabt halte. Zum Glück bin ich Tank! 😀

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