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TESO – mein erster Eindruck

2. April 2014

Ghurab und Kamila, bereit für Abenteuer.

Bitte das zweite Wort der Post-Überschrift sehr, sehr wichtig nehmen: Es ist nur mein erster Eindruck. Jeder erwartet von einem MMORPG etwas anderes, jeder spielt anders, jeder hat andere ästhetische Werte. Ich stelle keine Absolutismen in den Raum. Und schon gar nicht ist das mein finales Urteil. Immerhin waren wir erst drei Stunden im Spiel.

Aber zum Vergleich einmal meine ersten Eindrücke der letzten MMOs, die ich längere Zeit gespielt habe oder noch spiele.

  • Ultima Online: Whoa! Der Vogel hat mich grade umgehauen. Haha. Ein Vogel! Was mach ich hier eigentlich? Oh, cool, ein Bär! Hey, ich kann damit …. ui, damit kann ich … ich kann mit allem etwas tun!
  • WoW: Ich bin .. eine Kuh. Eine verdammt coole Riesenkuh! Schau mal diese Weite! Die Felsen! Das Gras!!! Das Design!!!
  • Champions Online: Cell Shading!!1111!!!!!11einself11!! Das ist ja wie im Comic. Hey, ich kann über dieses Haus da springen. Ach Mist, dagegengeklatscht …
  • SWTOR: Guck mal, ich bin ein Jedi! *Sith-ausprobier* Oh … da oben, über Korriban, diese Harrower …*sprachlos* WIR GEHEN JETZT IN DIE STADT UND ICH KAUF MIR EIN ABO!!!!!!!

Das illustriert, dass ich extrem begeisterungsfähig bin, wenn mich eine Welt in ihren Bann zieht. Wenn das Design aus einem Guss ist und die Charaktere ansprechend. Wenn ich das Gefühl habe, in einer fremden Welt zu sein.

Das Gesicht sieht hübsch realistisch aus. Die Klamotte … weniger.

Dieses Gefühl habe ich bei TESO (noch) nicht. Ich schließe mich bisher voll und ganz dem in meiner Umgebung herrschenden „Is ja ganz neeett“-Tenor an. Genau das ist es nämlich. Es ist einigermaßen fertig – zumindest fiel mir an Bugs nur auf, dass es bei der Charaktererstellung beim ersten Char nicht möglich ist, auf das Gesicht zu zoomen, so dass ich bei meinem Herrn Ghurab hier einfach Pi mal Daumen an den Reglern herumgeschoben habe – und macht einen proper-aufgeräumten Eindruck.

Ich fange einfach am Anfang an. Die Charaktererstellung bietet die Illusion der großen Möglichkeiten – leider bewirken die Schieberegler nicht gar so große Unterschiede, wie man denken sollte. Trotzdem konnte ich mich etwa eine halbe Stunde im Charaktererstellungsmenü verlustieren (Lola war derweil eher gelangweilt). Wie üblich bei Bethesda sind die Frisurmöglichkeiten ein Traum für jeden, der es liebt, seine verstorbenen Haustiere auf dem Kopf spazieren zu führen. Die Gesichter reichen von „herb“ bis „OMFG was ist das?!“, sind aber ganz nett detailliert. Die Körper haben einigermaßen realistische Proportionen, was jeden begeistern wird, dem die Mutantenästhetik der Asiagrinder auf den Wecker geht und dem die Leute in SWTOR zu comic-heroisch aussehen.

Kleidungsmäßig habe ich bis jetzt nur ziemliche Unfälle gesehen. In Skyrim sah das deutlich besser aus (generell sieht Skyrim besser aus, aber dazu später mehr. Erst einmal der Charakter). Man fängt mit einem Sack als Noobklamotte an und wenn man sich Endgame-Zeug einblenden lässt (im Charerstellungsbildschirm möglich) sieht man aus wie ein Powerranger, der einen Kampf mit einer metallenen Schnappschildkröte gewonnen hat.

Die Animationen sind Bethesdaüblich hölzern; Mimik praktisch nicht vorhanden. Wenn man frisch im Gedächtnis hat wie dynamisch, flüssig und elegant ein Sithkrieger seine Gegner filetiert, ist das Herumgestolpere und robotische Gehacke in TESO ziemlich traurig.

It´s called fashion. Look it up! Grässliche Kettenhose trifft Batikhemd.

Die Umgebung ist hübsch aber bietet bei weitem nicht den „Whoa!“-Effekt von Skyrim. Alles wirkt etwas lieblos und generisch. Man hat den Eindruck, alles schon einmal in anderen Spielen gesehen zu haben. Es fehlt die Tiefe und Weite, die man bei der Erkundung der Heimat der Nord an jeder Ecke spüren konnte. Aber ich glaube, ich lasse die Skyrim-Vergleiche. Man kann ein Singleplayer nie sinnvoll zu einem MMO in Bezug setzen. Aber der Eindruck, der Umgebung fehle eine liebevolle Hand die Details einbaut, bleibt. Egal ob man nun vergleicht oder es alleinständig betrachtet.

Die Kamera und das Kampfsystem sind so gar nicht meins. Wer auf die Idee kam, dass einen Meter über und einen Meter neben der rechten Schulter des Charakters die ideale (und wie es scheint unveränderbare! Außer Egoperspektive. Und ich hasse Egoperspektive) Kameraposition sei, glaubt auch, dass man dringend in New Yorker Brücken investieren sollte.

Mit dem Kampf freunde ich mich vielleicht noch an. Bisher ist „WASD plus gleichzeitig 1 bis 5 und Mausvisier“ für mich einfach nur ein Gewürge. Aber wie gesagt – vielleicht lerne ich ja noch, es zu mögen.

Erkunden macht Spaß, ist aber nichts, das einen wie in Skyrim (ach Mist, schon wieder der Vergleich!) ewig und drei Tage glücklich durch die Landschaft strawanzen ließe.

Klingt bisher alles eher unbegeistert? Sollte es nicht. Das Spiel ist wirklich okay. 35 Gigabyte „ganz nett“ mit Potential nach oben. Vermute ich.

In einer Gruppe zu spielen hat Lola und mir bisher keinerlei Vorteile gebracht, was den in der Branche zunehmend zu beobachtenden Trend zum Singleplayer-MMO zu bestätigen scheint. Mag sich aber in höheren Leveln ändern.

Höhere Level .. Gruppenquesten … und genau da kommen wir zu dem Punkt, der dem Spiel bisher für mich das Genick bricht: Der verdammte Scheiß-Megaserver. Ja, ich bin ein verflixt elitistischer, arroganter PC-Gaming-Master-Race-Arsch. Ja, ich habe Vorurteile gegenüber den Leuten, die sich normalerweise auf PvP- und PvE-Servern tummeln. Ja, ich halte die Abtrennung von RP-Servern für das Beste seit geschnitten Brot. Und warum? Ganz einfach. Ich nenne nur die ersten Namen, die uns bei Betreten des Spieles vor die Füße liefen (Schreibfehler waren auch im Original vorhanden): Crotschraider und Niggarheld. Und es wurde nicht besser. Doktor Snickers und Bätmän. Ab da habe ich es geradezu hysterisch vermieden, andere Spieler ins Target zu bekommen, damit ich auch ja nicht deren „lustige“ Namen lesen musste.

Mehr Argumente für einen abgetrennten RP-Server braucht niemand. Ja, ich weiß. Auch auf dem SWTOR-RP-Server bin ich schon über „Geilestute“ und „Hungerhab“ gestolpert. Aber das sind dort zum Glück Ausnahmen und die überschaubarere Community reinigt sich auch selbst. Auf dem Euro-Megaserver von TESO gibt es dagegen kein Entkommen. Wie soll man mit dieser herum-lol-enden Crowd von Figuren mit spiegelglatter Großhirnrinde, deren Spielziel darin besteht, nackt auf einer Schmiede zu tanzen (ja, haben wir gestern auch gesehen) um sich herum RP machen können?

Vielleicht bietet das Phasing ja Möglichkeiten, sich zu separieren. Ich hoffe es.

Ich werde trotzdem weitertesten. Zumindest den Freimonat und auf jeden Fall wieder heute zusammen mit Lola.

Ich hoffe, das Spiel fängt sich noch irgendwie. Dass es weder der WoW-Killer noch der GW2-Killer noch der SWTOR-Killer oder der Final-Fantasy-Killer ist/wird, ist überdeutlich. Falls sie klug genug sind, den Schritt zu Free to Play zu machen, könnten sie eventuell erfolgreich bei Rift im Garten wildern. Aber am wahrscheinlichsten ist, dass es ein MMO unter vielen sein wird. So wie SWTOR die Star Wars-Fans bedient wird TESO seine Nische bei der Elder Scrolls-Community finden. Aber der große Wurf, den ich mir vor einem Jahr erhoffte und in den buntesten Farben ausmalte, ist es nicht.

Es ist … ganz nett.

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  1. Kendrich McMillan, man without Brain
    2. April 2014 um 9:04 am

    Warum nicht mit Skyrim vergleichen, ist doch auch aus der Elder Scrolls Reihe. Aber wie immer muß alles schnell schnell gehen um möglichst schnell an die Kohle der Leute zu kommen. Ich habe viele Videos zu Skyrim gesehen und es ist, optisch, eine coole Welt, super gemacht, mit dem Game haben die Jungs den Zenith erreicht. Das zu übertreffen dürfte schwer werden und kaum einer packt sowas. Die meisten Hersteller brechen nach einem Megaerfolgsgame ein, dass dürfte hier auch der Fall sein, denn was ich da so lese, alleine schon die Bugs *abwink* sowas darf nicht passieren, das ist ein No Go.

    • 2. April 2014 um 9:15 am

      Bugs sind in einem frischen MMO Standard, das macht mir wenig aus und ich habe ein dickes Fell. 🙂
      Mich stört, dass ich mit Leuten (die Crotschraiders und Snickers-Heinis) in eine Welt gepfercht bin, die nichtmal ansatzweise die selbe Idee von Spielspaß haben, wie ich sie als RPler habe.
      Und die gefühlte Sterilität der Umgebung im Vergleich zur Schönheit von Skyrim. Und die unveränderlich ungünstige Kameraperspektive. Und das hölzerne Kampfsystem.

      Aber ansonsten finde ich es echt okay.

      Trotzdem: In meiner persönlichen MMO-Skala noch lange nicht in der Liga von SWTOR.

  2. Kendrich McMillan, man without Brain
    2. April 2014 um 9:29 am

    Dickes Fell hin oder her, wofür machen die denn dann die ganzen Firmen denn closed und open Betas. Naja, gehört warscheinlich zum guten Ton 😀
    Das man aber keine seperaten RP Server macht ist echt Hammer, aber vermutlich glauben die selber nicht an den Erfolg des Spiels, denn sonst würde man sowas ja einplanen. Selbst SWTOR, die extrem viele Server eingestampft haben, halten heute noch RP, PvP und PvE voneinander getrennt. Und gute Hersteller die was auf sich halten machen auch 3 Severarten um jede Gruppe, zumindest im Groben, zu sortieren.

    • 2. April 2014 um 9:47 am

      Exakt. Zielgruppenorientierung.
      Mir riecht das Ganze auch etwas nach Verzweiflung. Als hätten sie nicht so recht Vertrauen in ihr Produkt.

  3. Adran
    2. April 2014 um 9:32 am

    Also, weitestgehend Bugfrei ist es. Und der Start ging erschreckend sauber über die Bühne. Als jemand der beim WAR Start dabei war, bin ich Kummer und Leid bei sowas gewohnt. Die Grafik sehe ich ähnlich wie Zasta (der gestern Abend noch deutlich mehr nach „Penitenziagite!“ klang 🙂 ).

    Die Namen… Jein… die Namen sind eine Katastrophe, wie in jedem MMO, und das es diesen verkackten MEgaserver gibt hilft auch nicht gerade (EVE ist toll mit dem Megaserver. Alles andere weniger…). WAS die Sache ein wenig erträglicher macht ist, das man die Namen nicht in großen Lettern über dem Avatar hovern sieht, so das mir weniger Dinge aufgefallen sind.

    Was mich eher nervt sind die toxischen Rassisten im Daggerfall Covenant Chat, für die anscheinend die Redguards so eine Art Sklavenrasse und die Bretonen feige Kriegsverweigerer darstellen. Bizarrerweise tragen die Kapuzenträger hier Orkhauer („You keep telling me that they burnt Orsinium to the ground. Like that’s a bad thing.“).

    Das Questdesign ist sehr erfrischend angenehm – es ist nicht Secret World (ungeschlagen auf Platz 1) oder WoW, aber es ist einigermaßen abwechslungsreich und geht über das „Geh nach Ort X und klicke auf Y“ von SWToR und Konsorten gelegentlich einmal hinaus. Was schon viel wert ist.

    WoW Killer ist daran aber mal gar nüscht. Was mich am meisten aufregt, ist allerdings das minimalistische System. Man hat 4 Klassen zur Auswahl, allesamt so spannend wie Bionade, die dem Charakter absolut 0 Identität verleihen. Dafür stehen sie aber einer völlig freien Entwicklung im Wege. Ein Klassensystem taugt nur dann, wenn mit dieser Klasse auch ein gewisses Flair verbunden ist – das ist hier überhaupt nicht der Fall. Mir wäre ein klassenloses System wie Secret World oder das in dieser Hinsicht überragende Ultima Online deutlich lieber gewesen…

    Mei.. Mal sehen ob es die dreissig Tage überlebt.

    • 2. April 2014 um 9:53 am

      Das Questdesign fiel mir als exakt die selbe Soße wie jedes andere MMO auf. Keinerlei Unterschied. Und dank stummem Helden habe ich bisher auch nicht besonders viel Identifikation mit meinem gedreadlockten Purzel.
      Aber ich teste weiter. Mache mal etwas langsamer, damit die ganzen Schadowkiller und Cuntdestroyer woanders herumramentern können.

      Das Klassensystem scheint mir bisher auch sehr generisch. Ich spiele (natürlich) Tank, Lola (natürlich) Heiler und es ist alles wie immer. Sieht man davon ab, dass ich mir ´ne Sonic-Frisur aus dem Rücken wachsen lassen kann und keine schwere Rüstung finde (ich dachte, klassensensitive Questbelohnungen wären seit mehreren Jahren Standard – das ist aber wohl nicht zu den TESO-Leuten vorgedrungen).

  4. Adran
    2. April 2014 um 10:24 am

    Du musst nicht zwingend Dragonknight spielen um ein Tank zu sein un Lola muss keine Templerin sein.

    Das ist ja die Merkwürdigkeit an dem Spiel. Die Klassen bestimmen nur 3 Skilltrees, die du haben kannst. Du kannst mit dem Dragonknight also auch problemlos leichte Rüstung skillen (genauso wie ein Sorceror) und dann in die Magiergilde eintreten und mit Meteoren um dich werfen, ohne das du schlechter wärest als ein Sorceror. Der hingegen kann Einhand+Schild und Schwere Rüstung nehmen und sich mit dem Pet und den passiven Rüstungsfähigkeiten als Tank umtun.

    Daher finde ich die Klassen so Identifikationslos.

  5. Adran
    2. April 2014 um 10:25 am

    Daher kannst du keine Klassensensitiven Questbelohnungen machen – jeder kann alles tragen und benutzen. Und der Kampfmagier in schwerer Rüstung will vielleicht keinen Stoff haben?

    • 2. April 2014 um 10:31 am

      Was dann dazu führt, dass man überhaupt keine Questbelohnungen außer Geld und XP geben kann …
      Mal sehen, was das Craftingsystem ausspuckt. Kann man halt erst testen, wenn die Horden weitergezogen sind.
      Und ich spiele keinen Stofftank. Assassin ist mir schon in SWTOR die un-liebste Tank-Klasse. Kann man mit dem Tank keinen Erdrutsch aufhalten, ist er nur ein nervender Kerl ganz vorne. 🙂

  6. Adran
    2. April 2014 um 1:23 pm

    Du bist auch mit dem Dragonknight in Stoff vermutlich kein Tank… Dafür aber mit dem Sorceror in Platte evtl. schon. Das muss die Zeit zeigen, was gangbare Charaktere sind. Das wurmt mich ja so daran.

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