Bluttaufe

12. April 2014

Der junge mando’ad rannte aus dem Kommunikationsturm, bremste kurz, um sich zu orientieren. Sein Körper summte wie eine angeschlagene Instrumentensaite. Alles Euphorie. Wieviel Zeit war vergangen, seit er …? Keine Ahnung, nicht die geringste. Das Letzte, was wirklich klar vor ihm stand, war der Anblick des Kopfes des Snipers, der sich nach hinten öffnete wie eine Blüte am Morgen, Blut und graurote Fetzen versprühend. Von seinen Blasterschüssen ein korrekt gestanztes Loch zwischen den Augen.

Khalb schaffte es noch, sich den buy’ce vom Kopf zu reißen, bevor er sich in den von Trümmern übersäten Hof übergab. Er würgte, bis nicht einmal mehr das Frühstück drinnen war, dann hustete er noch hingebungsvoll, blieb etwas stehen. Sammelte sich. Natürlich war alles perfekt. Er hatte getötet. Nicht das erste Mal aber das erste Mal kein Tier sondern einen Menschen. Einen Menschen, dem er vorher in die Augen gesehen hatte.

Nein. Feind. Es war der Feind gewesen. Der Feind, der auf ihn geschossen hatte. Der auf die anderen geschossen hatte. Vielleicht der, der vod Shillia verwundet hatte?

Das war nicht von Bedeutung. Er hatte getötet. Er hatte dem gefallenen Feind Respekt gezollt, hatte als Trophäe die Marke des Republiksoldaten an sich genommen und jetzt musste er weiter machen. Die Sergeant hatte es gesehen. Er hatte getötet. Dafür hatte er trainiert, darauf hatte er hingefiebert. Oder nicht? Es war die Jagd, nur mit Menschen. Er hatte gewonnen.

Khalb taumelte noch ein paar Schritte weiter. Er musste jetzt auf Posten. Die ältere dar’jetii hatte ihn losgeschickt.

Langsam fasste er sich. Kam die Kühle. Im Herzen und im Kopf.

Er kletterte auf die Reste einer Mauer, suchte sich einen Platz, an dem seine grün-blau bemalte Rüstung potentiellen Beobachtern nicht allzu direkt auffiel und machte sich daran, eine Wachschicht zu beginnen. Im Mund noch den sauer-bitteren Geschmack von Erbrochenem und irgendwo ganz tief unten im Bauch eine Mischung aus wahnsinnigem Stolz und dem Bedürfnis, sich auf dem Schoß seiner buir zusammenzurollen. Aber jetzt gab es nur Pflicht.

Während er, den Visor des Helmes immer noch auf Infrarot gestellt, aufmerksam die staubig-tote Umgebung beobachtete, kamen die Ereignisse des Tages zurück und umflatterten ihn wie eine Schar aufgeregt kreischender Vögel.

Sie waren, begleitet von zwei dar’jetiise, durch zerstörte Kanalisation vorgerückt. Über Trümmerteile groß wie die riesigen Dschungelkatzen auf Dromund Kaas gestiegen. Knietief in … Zeug, das eben in Kanalisation war. So dankbar dafür, dass der Helm Luft filtern konnte …

Und kaum wieder draußen angekommen, stießen sie schon auf die Stellungen der Republik. Khalb konnte sich kaum noch klar erinnern. Die Lichtschwerter vor ihm, die rote Fächer aufspannten und alles reflektierten. Vod Shillia, getroffen mitten auf der Brust und doch nicht wirklich verletzt; ihre Rüstung aufgerissen wie ein vorwurfsvolles Auge zwischen ihren Rippen.

Vorrücken, weiter Vorrücken. Alptraumhaftes Gelände. Rauchende Reste riesiger Häuser, verwundete Leviathane aus Duracrete mit blind starrenden Fensteraugen.

Der Moment, als die eine dar’jetii getroffen wurde. Als er helfen wollte, wie er es von der blauen Ärztin gelernt hatte. Und die Rothaarige ihn nur mit einem unfassbar starken Schlag ihrer Hand wegwischte wie ein lästiges Insekt. Man konnte den dar’jetiise nicht trauen. Niemals.

Weiterer Weg durch totes Nichts. Eine Stadt wie ein Kontinent und überall nur Zerstörung.

Sie hatten Verletzte. Vod Shillia wurde ins Bein geschossen. Das Vorankommen war mühsam. Doch irgendwann hatten sie den Kommunikationsturm erreicht, der ihre Nabelschnur sein würde, an der Tessien mit der Außenwelt verbunden sein konnte.

Khalb konnte die Ereignisse nur schwer wieder in der richtigen Reihenfolge zusammensetzen. Wieder nur Bilder wie bunte Stoffetzen. Das Lichtschwert der älteren dar’jetii. Wie es aufflammte, wenn sie die Schüsse reflektierte. Die Granaten. Wo waren Feinde? Sie konnten nicht unsichtbar sein. Alles ein Durcheinander aus Stahl, Duracrete, Zerstörung und Blut. Über Com gebrüllte Befehle und der eigene Herzschlag laut wie Trommeln im Ohr.

Übermächtig über allen anderen Erinnerungen nur der Moment, als ihm das kaum sichtbare Aufblitzen aufgefallen war. Dort, wo der Sniper saß, der ihnen das Leben schwermachte. Und dann die Ewigkeit die es brauchte, um aufzuspringen. Wie seltsam – es war alles genau wie im Training mit buir. Ganz genauso. Er erinnerte sich so deutlich. Die Schüsse waren so perfekt. Er wusste im selben Moment, als seine Finger die Abzüge auch nur ganz leicht durchgezogen hatten, dass er treffen würde. Er wusste es einfach.

Aber nichts bereitete einen auf das vor, was kam, sobald der Feind umfiel. Dass die Welt sich dann weiterdrehte und man einen Menschen getötet hatte.

Das war gut, oder nicht?

Khalb saß zusammengekauert auf seinem Wachposten und spähte in die Nacht.

Irgendwo hinter ihm kämpften noch die dar’jetiise. Auch sie lebten dafür.

Seltsam, wenn man merkte, dass Kampf das Leben war, aber Töten nicht so toll. Ob man sich daran gewöhnte?

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OOC: Was für ein cooler RP-Abend! Wir waren um die sechzehn Leute und hatten richtig viel Spaß. Taris doubelte uns wieder Tessiens Trümmerlandschaft und Amon gab den Reiseleiter. Das macht er wirklich hervorragend. Muss dringend mal gesagt werden!

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