Andere Planeten, andere Sitten

25. Juni 2014

Ich schließe die Tür meines nicht eben üppig bemessenen Quartiers im Botschafterviertel von Voss-Ka hinter mir. Die ganze verrückte Welt bleibt jetzt erst einmal draußen. Keine Gelassenheit wie versagendes Deo ausstrahlenden Ex-Jedi, keine Bosheiten verschießende Schwester und keine Taschentücher fressenden Irren. Ich nehme die Maske ab. Das Ding hat nicht eben viel genützt, da Darth Aroval mich mit Namen vorgestellt hat. Ich würde ihm nicht zutrauen, nur zu seinem Amüsement den Hass zwischen mir und Borraa zu schüren – aber wer weiß, vielleicht war ihm einfach langweilig. Die blutrote Robe mit den schwarzen Verzierungen lasse ich achtlos zu Boden fallen. Ich schließe die Augen, atme tief ein. Der pudrig-medizinische Geruch von Kräutern lässt mich die Nase rümpfen. Dieser Planet wird von seltsamen Wesen bewohnt, die wohl zum Zwecke der Förderung von Konzentration überall mit eckigen Mäandern verzierte Räucherpfannen oder monoton gelb-rot-orangene Blumensträuße aufstellen … Ich schüttle den Kopf um all das aus meiner Wahrnehmung zu verbannen.

Eine Runde wieder zu mir selbst finden. Und weil ich dies heute nicht im Kampf tun kann, setze ich mich mit untergeschlagenen Beinen aufs Bett und greife nach meinem Datapad. Ich bin nicht gut darin, mich auszudrücken. Aber andererseits ist mein Meister auch nicht gut darin … oder sie will mich das glauben lassen. In letzter Zeit habe ich mehr und mehr das Gefühl, dass ich für sie auch nur ein Werkzeug bin, das man hervorholt, wenn man es braucht und das nichts wissen muss als seine nächste Aufgabe. Vermutlich täusche ich mich, aber ihre seltsamen Stimmungen der vergangenen Wochen haben mich misstrauisch gemacht. Trotzdem ist sie die einzige Person, der gegenüber ich das Wort „Vertrauen“ (in unserer Gesellschaft meist synonym mit „Dämlichkeit“ gebraucht) zumindest einmal in den Mund nehmen würde.

Also beginne ich einen Brief. Ringe mit Worten, Sätzen. Formulierungen rinnen mir wie Sand durch die Finger, ich kann sie nicht greifen. Trotzdem kämpfe ich. Schreibe, lösche ganze Passagen. Und je länger ich dafür brauche, um so zufriedener werde ich. Es ist fast, als säße Meister Concabille neben mir, ein Glas Whisky in der Hand und würde sich mit mir unterhalten ….

Meister Concabille!

Wir sind angekommen. Ich hatte Zeit, mich darauf vorzubreiten, meine geliebte, lang vermisste Schwester wieder zu sehen. Dass die Jedi, die Sheysa und ich damals auf Hoth aufgesammelt haben, mittlerweile irgendwie ebenfalls zu Darth Arovals Haushalt gehört, hat mich auf dem Flug für diese Begegnung abgehärtet. Sie ist zweifellos erträglicher geworden aber hat immer noch zuviel Jedi in sich.

Borraa hingegen ist in keinster Weise erträglicher geworden. Sie hatte eine Eskorte aus Mandalorianern bei sich (warum auch immer!) und drängte nicht nur so penetrant wie immer darauf, dass alles nach ihrer Nase ginge, sondern konnte es auch absolut nicht sein lassen, ihre „Freundlichkeit“ über mir auszukübeln. Ich hatte strikte und wörtliche Order von Darth Aroval, mich nicht provozieren zu lassen und denke, das habe ich hinbekommen.

Zum Glück gab es auch genug Ablenkung. Meister – Ihr werdet mir kein Wort glauben, was ich erzähle. Aber alles ist wahr. Diese Sith von Haus Calderis sind wahnsinniger als ein Wampa in einer Sauna. Der Lord, der wohl die Geschäfte für einen abwesenden Darth führt, war die ganze Zeit wie ein wildes Tier am Knurren, während er Probleme hatte, sich gegenüber von Darth Aroval am Riemen zu reißen. Unser Herr hatte sichtlich Vergnügen dabei, den Emporkömmling auf seinen Platz zu verweisen. Aber das war bei Weitem nicht das Seltsamste! Es gab eine Irre, die Borraa irgendwie hypnotisiert hat. Anders kann ich mir nicht erklären, dass meine Schwester plötzlich anfing, sich im Gleichklang mit dieser sonnig lächelnden Frau zu bewegen. Und dann der Stinker … Ein Typ in einer ziemlich offenherzigen Rüstung, der zehn Schritte gegen den Wind nach Schweiß und Verwesung roch. Und der Borraas Geschenk (irgendeine Sklavin) ansabberte. Ja. Er geiferte wie ein Akk-Hund. Bis die Lächel-Frau ihm ein Taschentuch gab. Das er auffraß. Ich glaube, die Jedi und ich haben ziemlich verdutzt geschaut. Zum Glück habe ich eine Maske aufgehabt. Von dieser wunderschönen Blonden muss ich auch noch erzählen. In ein unglaublich teuer aussehendes Kleid gehüllt und sah verdammt scharf aus. Und dann war das gar keine Frau sondern ein Kerl!

Es gibt vielleicht noch mehr schräge Vögel dort – aber das werden wir wohl erst beim nächsten Treffen feststellen. So richtig positiv aufgenommen wurde nur Borraa. Darth Aroval brachte zwar eine Antiquität mit (irgendwas mit König Adas wie es aussah) aber dennoch sah man diesem Lord Treag an, dass er unseren Herrn am liebsten mit einer schönen Soße zum Abendessen verputzt hätte. Machen kann er aber nichts. Darth Aroval wird genau so lange auf Voss bleiben und forschen, wie es ihm passt.

Ich vermisse Euch.

Euer Schüler,

Ghurab

Ich lösche eine Zeile. So etwas denkt man noch nicht einmal, auch wenn es wahr ist. Keine Schwäche zeigen. Dennoch bräuchte ich hier in dieser herbstfarbenen Langeweile jemanden, mit dem ich reden kann. Mit dem ich mich versichern kann, dass es außerhalb dieser erdrückenden Idylle Kampf und Leben gibt.

Der Brief wird auf die Reise ins Nichts zwischen den Planeten geschickt. Jetzt geht es mir besser. Ich denke, ich werde mit Borraa fertig. Und mit allen Wahnsinnigen.

Wird vielleicht sogar ganz … nett.

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Weiter mit OOC! Ich möchte darauf hinweisen, dass das oben wirklich „nur“ IC ist. OOC finde ich Haus Calderis klasse! Wir hatten richtig, richtig viel Spaß gestern. Es lief noch deutlich mehr, als ich Ghurab beschreiben lasse. Aber das ist Metawissen und gehört deshalb nicht in einen IC-Bericht. Auf jeden Fall war das tolles RP. Als Wächter von Darth Aroval konnte ich natürlich nicht unendlich aktiv sein, hatte aber trotzdem genug Gelegenheit, Borraa gründlich zu hassen. Und sie konnte mit Wonne auf ihrem kleinen Bruder herumhacken. Trotz der vielen am RP Beteiligten ging es nicht durcheinander und jeder kam zu Wort. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Ansonsten waren wir mit den Kleinen zweimal Kuat, was ordentlich XP brachte.

Und ich konnte aufgeschäumte Milch trinken. Das ist erwähnenswert, weil ich eine Schwäche für derartiges Zeug habe und mir eine Freundin aus heiterem Himmel einen Milchaufschäumer schenkte (und eine Postkarte mit „Du hast Recht aber meine Meinung gefällt mir besser“). RP ist noch besser, wenn man über den ganzen Schreibtisch pappigen Milchschaum schmieren kann.

Heute hoffe ich das Bild für Belenus fertigzubekommen, mache aber keine Versprechungen.

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