Fliegender Kuchen, fallendes Shuttle

27. Juli 2014

Die nicht-ganz-so-realen Minuten vor dem Einschlafen. Bilder des vergangenen Tages, hin und wieder eine Erinnerung, die ihn zucken liess. Dann öffnete Khalb kurz die Augen – oder zumindest etwas – und rollte sich wieder ein wenig anders zusammen. Niemand schlief gern in Rüstung, nicht einmal Mandalorianer. Aber es ging nicht anders, denn jederzeit … ja, jederzeit. Der Schlaf schlich sich an. Die Hitze und der lebendige Modergeruch aus dem Wald sammelten sich im Zelt wie unter einer Glocke.

Der Flug hatte auf einen Wüstenplaneten führen sollen. Nichts als ein kurzer Einsatz des Sturmregiments und des 181sten gegen ein paar Irre, die meinten, imperiales Hoheitsgebiet bedrohen zu können. Khalb war der Anlass egal. Hauptsache etwas zu tun. Etwas Sinnvolles. Kein Exerzieren, keine Übungen. Echter Kampf. Auch sein vod Garrm war aufgeregt und fröhlich gewesen, hatte einen ganzen Haufen uj’alayiise gebacken, die klebrigen Sirup-Nuss-Trockenfrucht-Kuchen – unglaublich beliebt bei den mando’ade. Und bei Private Beskell, der bei der Einsatzbesprechung drei davon in kürzester Zeit auffraß (was er dann auf dem Flug bereuen sollte … aber später).

Und noch etwas machte den Einsatz besonders: Buir war dabei! Sie hatte extra ihre Zusatzausbildung unterbrochen. Khalb hatte noch keine Möglichkeit gehabt, mit seiner Mutter allein zu sein und auch außer einem erzieherischen Klapps und einem kurzen Haarewuscheln noch keine familiäre Nähe genossen aber nun saßen sie ja erst einmal … ja, später.

Ein ereignisloser Flug. Ein Befehl von buir, seine so schön bunt bemalte Rüstung mit Wüstentarn aus der Dose zu versehen. Das Verlassen des Hyperraums. Das „später“ wird zum überraschenden „jetzt“. Irgendetwas, das so gar nicht stimmte. Ein Schlag gegen die Außenhülle, laut wie ein Blastergewehrschuss. Die erstarrten, genervten, überraschten Gesichter der Kameraden, als das Shuttle zu trudeln begann, als die künstliche Schwerkraft ausfiel. Und dann ging alles sehr schnell. Khalb verlor die Dose mit der Tarnfarbe und das Paket mit Garrms restlichen ujalayiise. Beide Dinge verbanden sich in der Schwerelosigkeit zu einer extrem unschönen Masse. Seltsam, was einem in solchen Momenten auffiel. Private Beskell, der die letzte halbe Stunde (aber mindestens! Oder so) auf dem Klo verbracht hatte und der wütend brüllend, gleichzeitig Hose hochziehend und nach seinen Waffen suchend dort herausgeflogen kam. Das Wiedereinsetzen der Schwerkraft … das Auftreffen der Kuchen-Farbmasse auf Beskell … das Aufglühen der Schilde beim Eintreten des Shuttles in die Athmosphäre im völlig falschen Winkel. Die Wolkenschicht wie graues Nebelnichts. Die Baumkronen als Brokkoligemüse auf einem riesigen Teller.

Der Aufprall. Das Hüpfen und hilflose Trudeln des tödlich verwundeten Shuttles über die Bäume, Felsen … Buirs fester Griff als sie Khalbs Gurt am Sitz mit einer raschen Bewegung festzog bis ihm die Luft wegblieb. Irgendjemand fing an zu singen, jemand anderes brüllte ihn an.

Dann noch ein Schlag; gequält stöhnendes Metall neigte sich noch einmal und lag dann still. Rauch der fettig aus Konsolen quoll. Ein letztes Zischen sterbender Hydraulik und dann nur noch das Gezeter fremdartiger Vögel, die, vom sich durch den Wald pflügenden Shuttle aufgeschreckt, in bunten Wolken in den dunstig-grauen Himmel stiegen.

Und so hatten sich dann die durchgeschüttelten aber größtenteils unverletzten Soldaten aus den Sitzen geschält, hatten den verletzten Piloten geborgen, die erschreckend wenigen noch brauchbaren Ausrüstungsgegenstände aufgesammelt und begonnen, die Lichtung unter dem Felsüberhang, der das Shuttle endgültig gebremst hatte, zu einem Teil des reibungslos funktionierenden Imperiums zu machen.

Zumindest bis es gelang, Verbindung mit irgendjemandem aufzunehmen, der sie von hier wegholen konnte. Oder bis es auffiel, dass sie nicht dort ankamen, wo sie hinsollten, und man Suchmannschaften losschickte.

Während Captain Carsson zusammen mit Lieutenant Cole und dem Medic versuchte, von den Soldaten ein einigermaßen sicheres Basislager aufbauen zu lassen, hatte buir sich die einzig walderfahrenen Kämpfer geschnappt (was bedeutete, dass einfach alle mando’ade plus erstaunlicherweise Beskell unterwegs waren) und war zur Erkundung losgezogen.

Khalb fand den Planeten (den Mond? Was auch immer!) eigentlich ziemlich schön. Es war zwar sehr heiß und feucht, der Boden dampfte und das Moos und die leuchtenden Riesenpilze schienen ständig von glitzernder Nässe bedeckt … aber es war wild, gefährlich und voll von riesigen Tieren, die praktisch nur darauf warteten, dass man sie jagte. Sie hätten definitiv auf einem schlechteren Felsen abstürzen können.

Schade war, dass sein vod Garrm und seine buir irgendwie keinen so optimalen Start hatten. Garrm kam nicht ganz damit zurecht, dass Lorsa von ihren Soldaten verlangte, Basic zu sprechen, obwohl Garrm sich im Notfall auf mando’a viel schneller ausdrücken konnte. Und dass sie auf eine korrekte Anrede bestand. Garrm hatte noch viel zu lernen. Khalb hatte aus Solidarität die Bestrafung seines vod mitgemacht – immerhin war er in der Hektik des Gundark-Angriffes auch in mando’a verfallen. Ja genau, Gundark-Angriff. Denn neben einem paradiesischen Wasserloch samt leckerer Sleens rundherum hatten sie auch eine Höhle gefunden, aus der ziemlich beunruhigende Geräusche drangen. Garrm versuchte Lorsa davon abzuhalten, hineinzugehen. Was er fast nicht geschafft hätte … wären nicht plötzlich mindestens fünf der wilden Monster dort herausgeschossen wie Korken aus der Flasche.

Sie konnten sich noch auf eine kleine Klippe zurückziehen und von dort beobachten (mehr hören als sehen), wie die Gundarks Dschungelkatzen jagten. In Khalbs Kopf begann eine Idee zu reifen, die lose um Worte wie „Jagen“, „großes Tier“ und „Ritus“ kreisten. Mal sehen, wie viel Zeit sie hier verbringen würden …

Zurück im Lager hatten die zwei jung-mando’ade geholfen die drei unbeschädigten Zelte aufzubauen und dann hatte sich Khalb, der vor Müdigkeit kaum noch geradeaus sehen konnte, in einer Ecke zusammengerollt.

Für ihn war der Absturz nichts wirklich Furchtbares. Ein unerwarteter Jagdausflug traf es eher.

Bevor ihn der Schlaf völlig übermannte dachte er noch an Illjana, die selbst unter diesen widrigen Umständen ihre Propaganda-Filmkamera nicht verloren hatte. Und die mit Schweißrändern am Hals und unter den Armen sehr energisch aussah.

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OOC: Da isser, der Survival-Plot. Er hat schon großartig und mit reger Beteiligung angefangen. Ich hatte sehr, sehr viel Spaß und freue mich auf eine Woche Dschungelkampf, Jagen und Psychoterror. Man bekommt alles von Blut und Angst bis zu Comic Relief geboten – wie in einem guten Kriegsfilm. Genthri gibt als Spielleiter alles und zerreißt sich zwischen den verschiedenen Gruppen. Ich hoffe, er verliert dabei nicht seine eigene Spielfreude aus den Augen! Ich liebe das actionreiche RP und bin voller Vorfreude auf das, was noch kommt!

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  1. 27. Juli 2014 um 3:58 pm

    Ich bin schon gespannt auf weitere Berichte – aus der Konserve miterleben ist zwar etwas blöd, geht aber leider nicht anders. Ich hoffe, ihr habt eine Menge Spaß 🙂

    • 27. Juli 2014 um 4:18 pm

      Ich habs extra gleich aufgeschrieben, weil Du ja gesagt hattest, dass Du nur lesen kannst. 🙂
      Hab ´nen guten Urlaub!

  2. 27. Juli 2014 um 10:29 pm

    Danke – habe ich fest vor 😀 und lieben Dank für’s aufzeichnen .. bin gespannt, was sich so die Woche über alles ereignet 😉

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