Gundark-Steak

1. August 2014

Der Geruch von Desinfektionsmitteln und Koltospray waberte durchs Lager und stand scharf neben dem modrigen Dunst des Waldbodens und dem metallischen Duft von Blut. Khalb wartete geduldig in der Reihe, die sich vor dem Zelt gebildet hatte, in dem der Medic herumwuselte und mit mäßigem Erfolg versuchte, an mindestens drei Stellen gleichzeitig zu sein.

Über den Bäumen im Süden kreiste das Gunship. Hin und wieder ging es tiefer und eine Salve blühte weißgelb am Frontgeschütz auf. Die Imperialen hatten wieder alles ordentlich und unter Kontrolle. Khalb wettete, dass sie vor Freude darüber, dass man wieder vor Unvorhersehbarkeiten geschützt war, fast die Hose wechseln mussten. Je länger er an der Seite der Soldaten kämpfte um so seltsamer erschien ihm die Entscheidung des Mandalor, sich mit dem Imperium zu verbünden. Sie passten so gar nicht zu den mando’ade. War die Republik noch schlimmer? Hatte der Mandalor das kleinere Übel gewählt, weil die ewig zankenden Clans sonst zwischen den zwei großen Mühlsteinen zerrieben würden? Einzeln waren die Imperialen in Ordnung. Man konnte Spaß mit ihnen haben und neben ihnen kämpfen. Aber kaum traten sie in Rudeln auf erschienen Bürokratie und der unbedingte Wille zur Hierarchie wie Pilze nach dem Regen. Ob das genetisch bedingt war?

Khalb pulte in seinen blutverfilzten Haaren herum. Langsam machten sich dumpfe Kopfschmerzen breit, als würden die Knochen nach innen drücken. Er schüttelte sich und machte „Whoaa …“ als ihm daraufhin schwindelig wurde.

Vielleicht war es doch etwas folgenreicher als gedacht, von einem Gundark gegen eine Felswand geworfen zu werden und dabei keine Rüstung zu tragen. Er wäre ja bald dran, dann könnte ihm der Medic … irgendwas geben. Und irgendwas tun. Er hatte von „Nähen“ gebrabbelt als er vorhin an Garrm und Khalb vorbeigehastet war und falkengleich im Sprint kurz Khalbs blutverklebten Hinterkopf erspäht hatte.

Khalb drehte seine Trophäe in den Fingern. Ein Gundark-Reißzahn. Garrm hatte auch einen. Und nachher würden sie buir ihre Beute zeigen. Falls die Imperialen sich dann nicht motivierende Reden von Vorgesetzten anhören mussten. Die Gundarks waren tot, die Krieger hatten gut gekämpft und waren am Leben. Das sollte reichen. Man könnte zum Feiern und Essen übergehen, Garrm könnte weiter versuchen, Sergeant Morrison anzugraben und Khalb hätte Gelegenheit, buir von der Jagd zu erzählen (wobei er natürlich auslassen würde, dass er sein ‚gam nicht angehabt hatte, weil alles so schnell ging …). Und vielleicht könnte man irgendwie völlig vermeiden, über Illjana nachzudenken. Natürlich kannten auch mando’ade Verrat. Aber musste man die Tatsache dadurch aufwerten, dass man auch noch Gedankenzeit an sie verschwendete? Nein, lieber die Gundarks …!

Die vierarmigen Monster – eine ganze Rotte davon! – waren am frühen Abend erstaunlich taktisch über das Lager hergefallen. Sie hatten sich aufgeteilt und in einer Zangenbewegung versucht, möglichst viele der Soldaten zusammenzutreiben. Doch ganz so einfach war das nicht …

Khalb wusste nicht genau, was innerhalb des Lagers genau geschah, da er und Garrm einen Ausfall nach Süden machten um ein paar der Bestien abzufangen, bevor diese überhaupt das Lager erreichen konnten. Von hinter sich hörten sie Schüsse und gelegentlich die dumpfe Detonation einer Granate aber sie hatten keine Zeit, sich um die anderen Gedanken zu machen.

Garrm hatte Khalb mit Hilfe seines Jetpacks auf eine Klippe über dem Weg zum Lager gebracht. Khalb war ungerüstet, weil er sich nach Illjanas Schlafmittel (Gift!) Attacke immer noch völlig daneben gefühlt hatte. Natürlich hatte er seine Waffen. Aber keiner der Beiden besaß ein funktionierendes Com. Die Verbindung zu den Imperialen war völlig abgeschnitten.

Die beiden jungen mando’ade waren sich über das weitere Vorgehen uneins, stritten ein wenig herum bis Khalb schließlich seinen Kopf durchsetzte, in dem er (wie erwachsen!) brüllte, dass er kein Baby mehr sei und sich nicht ständig alles vorschreiben lassen wollte … und dann einfach zum Rand der Klippe ging, um sich von oben mit gezücktem beskad (es galt immer noch Lorsas Befehl, nur mit dem Schwert zu kämpfen) auf einen Gundark zu werfen. Garrm schaffte es noch, Khalb auch sein beskad in die Hand zu drücken, so dass der Junge wenigstens zwei Schwerter in den Kampf bringen konnte und dann wurde es sehr schnell sehr hektisch.

Khalb attackierte den Gundark mit den beskad’e in dem er beide Schwerter mit Wucht in den Nackenspeck des Monsters trieb – in der Hoffnung, irgendwie einen Genickfang setzen zu können. Im ersten Anlauf klappte das nicht und der Gundark schleuderte seine verbissene Nemesis mit einem heftigen Schulterzucken gegen die Basis der Felswand. Khalb schnellte zwar sofort wieder zurück, beide Schwerter erhoben und bereit, den nächsten Angriff zu starten, doch tropfte ihm Blut in den Nacken und es war klar, dass man koordinierter vorgehen musste. Den Gundark zwischen sich manövrieren … springen … .Während dessen nutzte Garrm sein Jetpack, flog um das vierarmige Tier herum und suchte einen günstigen Punkt, um seinen Flammenwerfer einzusetzen.

Die beiden vod’e erreichten ihre Ziele fast gleichzeitig: Der Gundark bekam eine Ladung Feuer zu fressen und Khalb rammte ihm im selben Moment die Schwerter zwischen Schädel und Wirbelsäule.

Der Siegestaumel währte aber nur kurz – ein weiterer Gundark tauchte auf. Allerdings eher … klein. Ein kaum einen Meter hoher Babygundark versuchte, Khalb anzunagen, was diesen in eine moralische Zwickmühle brachte. Er wollte keine schwachen Kinder töten! Das gab nicht wirklich viel Ehre. Garrm war in diesem Fall zwar eher der Praktiker, ließ seinem Kumpel aber den Willen und so bekam das Gundark-Jungtier nur ein paar Tritte und Schläge mit dem Schwertknauf bis es sich wütend kreischend verzog.

Jetzt galt es den anderen Soldaten im von weiteren Bestien bedrängten Lager beizustehen.

Als Garrm und Khalb ankamen, war Master Sergeant Blex schon am Boden, Captain Trace verteidigte ihn und versuchte, seine medizinischen Kenntnisse sinnvoll anzuwenden. Ein letzter Gundark hatte Sergeant Morrisen auf einen Baum getrieben und Lieuteannt Cole schien irgendwie Hilfe leisten zu wollen.

Garrm stürzte sich mit einem wütenden Schrei (irgendwas von „Lady Sergeant“) in den Kampf und auch Khalb wollte noch einmal seine Schwert-im-Nacken-Taktik anwenden. Doch Sergeant Morrison hatte dem gierigen Gundark schon eine Granate in den Schlund geworfen und so wurde aus der vielarmigen Bedrohung sehr plötzlich Landschaftsdekoration.

Eigentlich wäre es dann an der Zeit gewesen, sich auf höheres Gelände zurückzuziehen. Khalb war zurück in die Reste der Zelte gerannt (die Gundarks hatten ganze Arbeit in Sachen Zerstörung geleistet) und hatte seine Rüstung geholt … aber dann war plötzlich ein Gunship aufgetaucht. Wie aus dem Nichts. Hatte die restlichen Gundarks vertrieben und dann war alles … friedlich?

Irgendwie konnte Khalb das nicht glauben!

Und doch lief jetzt Lieutenant Thun herum, ermunterte Soldaten, ließ sich von buir Bericht erstatten und alles war irgendwie so wie immer. Als hätte es die letzten Tage gar nicht gegeben. Sehr seltsam!

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