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Die Prinzessin und der Drache

16. September 2014

Dass ich nicht einschlafen kann ist kein Wunder. Gedanken stürzen auf mich herunter, groß und unförmig wie Onkel Ginyus terrageformte Asteroiden. Ich rolle mich auf den Rücken und öffne die Augen. Das Glas der Fensterfront ist nicht auf dunkel gestellt, Lichtreflexe wandern über die Decke, kippen um Ecken und verschwinden im Boden. Ich stehe auf. Gehe zum Fenster, lege die Handflächen auf das kühle Glas und starre hinaus. Tief unter mir strömen Speeder auf einem Expressway vorbei. Ich kann sie sehen, sie mich nicht. Einwegglas. Unsichtbar bleiben.

Ich drehe mich um, lasse die glatte Fensterfläche den Schweiß auf meinem nackten Rücken in Eis verwandeln. Vor mir die Dunkelheit meiner kleinen Kammer. Die Schlafmatte ein unförmiger Haufen auf dem Boden. Trockener Gewürzgeruch von der schon lange kaputten Topfpflanze an der Wand.

Nicht einmal heute bin ich bei ihr in ihrem Bett, so groß wie ein alderaanisches Anwesen, geblieben. Gerade heute nicht. Das Problem ist nicht das „alles“, das Problem ist das „wir“. Sith sind nicht „wir“. Sith sind „ich“. Immer nur „ich“. Und trotzdem habe ich heute die volle Breitseite wir bekommen. Wir gegen den Rest der Galaxis klingt im Prinzip nicht schlecht. Dumm nur, dass „wir“ keine definierte Menge ist und sich unversehens zu einem ganzen Haufen „wir“ vermehrt hat.
„Ich“ wäre so einfach …

Darth Aroval hat recht. Ich habe meine Freiheit selbst damit beschnitten, dass ich das „wir“ zugelassen habe. Mit „wir“ kann man nicht den Kodex der Sith erfüllen. Es gibt keine Freiheit mit „wir“, denn dann geht man immer Kompromisse ein, damit das „wir“ sicher bleibt. Furcht mag ein starker Nährboden der dunklen Seite sein. Sie mag uns voranbringen und uns zeigen, welche Grenzen wir als nächstes einreißen müssen. Aber Furcht um andere ist nur eine Fußfessel.

Wir. Wir und alles. Kleine Worte.

Der Abend begann mit „alles“. Aber nicht sofort. Zunächst begann der Abend mit Wein.

Onkel Ginyu hatte uns eingeladen, da er eine Expedition plant, die wohl selbst für seine Verhältnisse etwas … abenteuerlicher werden wird. Weshalb er nach ein wenig Begleitschutz fragte. Das tat er natürlich nicht. Wie käme ein Lord der Sith dazu, eine Schwäche zuzugeben! Statt dessen wickelte er uns mit spannenden Erzählungen über eine uralte Zivilisation von Machtanwendern um den Finger, die sich auf einem primitiven Planeten als Götter verehren ließen. Kommt einem unangenehm bekannt vor, dieses Märchen, nicht wahr? Aber diese Variante der Geschichte ging anders aus. Denn die Machtanwender fielen ihrer Hybris zum Opfer. Ihre künstlichen Asteroiden, mit deren Wanderungen sie die wilden Ureinwohner beeindrucken wollten, stürzten aufgrund einer Fehlberechnung vom Himmel und töteten alles Leben. Onkel Ginyu nimmt an, dass es unterirdische Bunker gibt, die den Einschlag überdauert haben könnten. Voll mit Geheimnissen, Artefakten und Gefahren.

Eine Reise. Mehrere Reisen. Das klingt gut. Es bringt uns von Dromund Kaas weg. Aber dazu brauchen wir die Erlaubnis von Darth Aroval. Onkel Ginyu und ich werden ihn in den nächsten Tagen aufsuchen, während mein Meister nach Alderaan reisen wird. Nach Alderaan, um des „alles“ willen. Und für das „wir“. Aber das „alles“ braucht noch ein wenig. Zunächst kam „wir“, obwohl ich es noch nicht wusste. Nicht wissen wollte.

Unser Besuch bei Onkel Ginyu endete eher unschön – auch wenn er es wohl nicht bemerkt hat. Noch versuchte sie sich in Täuschung; erzählte mir von „schlechtem Wein“ (ich bezweifle, dass mein Onkel etwas anderes als exquisite Dinge trinkt), der ihr Übelkeit verursacht hätte. Ich wollte nichts wissen.

Alles.

Der Tagesabschluss auf der Terrasse. Wir saßen auf der Liege, sahen dem Gewitterregen zu, hörten die schweren Tropfen auf dem Pavillondach aufschlagen bis wir fast zu müde waren, um überhaupt noch zu sprechen. Von Belanglosigkeiten zur Organisation unserer Reise mit Onkel Ginyu glitten wir ins Schweigen. Doch es schien ihr wohl der richtige Zeitpunkt für „alles“. Ob ich alles wissen wollte, fragte sie. Als ob ich das sagen könnte! Muss ich alles wissen? Alles, Wahrheit, Vergangenheit. Dumme Worte.

Natürlich wollte ich. Es war eine Mutprobe. Ich laufe nicht vor „alles“ weg.

Aber ich konnte nicht mit dem rechnen, was sie mir erzählte. „Alles“ war so groß. „Alles“ fachte meinen Zorn an wie Wind einen Waldbrand. Sie hat mir rücksichtslos das um die Ohren geschlagen, was sie zu der Frau neben mir gemacht hat. Es war ihr egal, wie schwer zu schlucken ihre sperrigen Vergangenheitsbrocken waren.

Wie soll ich damit umgehen? Mit dem, was sie vor mir ausgebreitet hat. Mit der Wut, die sie gesät hat.

Ich will an ihrer Seite stehen, wenn sie ihn vernichtet.

Wer so denkt, tanzt auf dem eigenen Grab. Wir stemmen uns gegen die Macht eines Darth. Eines Mannes, der schon Intrigen gesponnen hat, als wir beide noch nicht geboren waren. Und doch können auch Giganten fallen, wenn sie ihren Zenith überschritten haben. Oder wenn sie Fehler machen.

Er hat mit ihr gespielt seit sie auf der Akademie war. Hat ihr die Illusion von Freiheit gegeben. Die Vorstellung, sie würde eigene Entscheidungen treffen. Nur, um ihr immer wieder mit einem schnellen Gertenschlag zu zeigen, wer die Zügel in der Hand hält. Er hat ihr alles genommen. Ihre Identität, ihre Gedanken, ihre Vergangenheit. Nur um sie zu seiner perfekten Wächterkreatur zu formen. Hat aus ihrer Loyalität Käfigstangen geschmiedet. Ließ sie denken, sie würde Freiheit erreichen, während er nur ruhig im Schatten saß und jeden ihrer Schritte lenkte.

Was, wenn auch dies alles wieder nur eines seiner Spielchen ist? Was, wenn wir nur strampeln ohne etwas zu erreichen, das er nicht schon lange vorhergesehen hat? Was, wenn sogar das „wir“ nur von ihm geplant wurde …?

Mein Zorn wärmt nicht, wie er es sonst tut. Meine Wut sitzt mir kalt im Magen, denn sie speist sich aus Angst. Das ist falsch. Aber das „wir“ ist mir in die Knochen gefahren. Verfluchte Scheiße.

Ich dachte, es wäre schon das Überraschendste, was an diesem Abend geschehen würde, als sie mir davon erzählte, wer sie gewesen war. Von ihrer Familie (erstaunlich ähnlich dem disfunktionalen Haufen dem ich entstamme), von ihrem Mann (einem Arschloch wie es scheint) und ihrem Kind (namenlos, geschlechtslos. Ich habe nicht gefragt). Von ihrer Zeit in der Schattenstadt, die sie ihm verdankte. Von den Jedi, die sie für einen glücklichen Zufall hielt, obwohl es wieder nur sein Werk war. Davon, alles zu verlieren, was sie zu sich selbst machte, sogar ihren Namen und ihr Gesicht (wer ist diese Frau?). Von Sheysa und was diese weiß. Oder auch nicht weiß. Und dass die kleine Lady Garrde nun ein Glied in unserer Kette werden soll, um den alten Drachen zu bändigen. Nicht, um ihn nach guter Sithtradition zu demütigen, weil wir es können (was sich noch zeigen muss), sondern nur, um endlich frei zu sein.

Sie hat mir gesagt, ich wäre so etwas wie ihre Freiheit. Ich hätte ihr gezeigt, was das bedeutet. Frei sein. Freiheit zu wollen.

Das klingt für mich nicht richtig. Alles, was ich bisher tun musste, war mich ein klein bisschen meiner Familie widersetzen. Sie dagegen hat für ihre Freiheit alles aufgegeben. Mehrfach.

Aber ich will verdammt sein, wenn ich ihn weiter mit ihr … mit uns … spielen lasse.

Er wird untergehen. Wir werden ihn fallen sehen.

Uns. Wir.

Zeit für dieses große Wort. Wir.

Sie hat es mir gesagt. Das, was ich eigentlich schon wusste. Oder zumindest ahnte, ohne es mir ins Bewusstsein zu lassen.

Ihre ersten Worte darüber waren sehr passend. „Du hast das Blut deiner Familie verunreinigt.“

Meine ersten Worte waren selbst für mich überraschend. „Ich bin darüber irgendwie weniger wütend als ich dachte.“

Sie hat mir mehr über den kleinen Parasiten in ihr erzählt als ich brauchen kann. Denn jetzt hat das Ding, der Zellklumpen, ein Gesicht. Ein Mädchen. Ich wollte immer so weit wie möglich weg von allem, was Familie heißt. Aber jetzt hat Familie mich am Arsch. Und ich will nicht, dass der Parasit irgendetwas mit den Karaz oder den Garrde zu tun haben wird. Sie denkt genauso. Sagte, dass unsere Tochter frei sein wird. Frei von der Familie. Jeder Familie. Und frei davon, als Geisel eingesetzt zu werden, mit deren Unversehrtheit Darth Aroval sich unser Wohlverhalten sichert.

Auch deshalb wird sie nach Alderaan gehen. Den Fötus in Sicherheit bringen und Sheysa unterstützen. Sheysa sollte am besten nichts vom Parasiten erfahren. Unwahrscheinlich, dass sie sich über eine Stief/Halbschwester freuen würde. Nein. Sheysa ist ja von der anderen Seite. Wenn ich das ganze Gewirr richtig auseinanderdrösle (nicht, dass ich viel Ahnung davon habe. Es ist auch nicht wichtig) ist der Parasit sogar mehr Garrde als Sheysa. Fast komisch. Die kleine rothäutige Prinzessin aus zwei Adelshäusern. Ich glaube, mir wird schlecht.

Über die Zukunft will ich nicht nachdenken. Der Parasit wird machtsensitiv sein. Das bedeutet, dass entweder die Akademie oder die esoterische Häresie der Jedi früher oder später ihre Finger ausstrecken wird. Und dann? Will ich in zwanzig Jahren meiner Tochter auf dem Schlachtfeld begegnen? Ich mag Zukunft gerade kein Stück.

„Wir“ war zu zweit schon schlimm genug. Zu dritt ist es zuviel. Viel zuviel.

Noch vor einer Woche wäre mir der vorzeitige Tod des Parasiten als gute Lösung für so ein Dilemma erschienen. Aber irgendwie kommt Zorn dazu. Weißglühende, eisklare Wut. Sie wollen uns („uns“!) vorschreiben, was unsere Freiheit ist. Wie wir („WIR“!!) die Welt, die lebendige Macht, die Zukunft, den ewigen Konflikt und den Kampf sehen sollen.

Aber nicht mit UNS („WIR“!!!). Freiheit ist der Abstand meiner Klinge vom Hals des Universums. Und es hilft, wenn ihre Klinge das Universum derweil von hinten aufschlitzt.

Wir. Hah! Zweimal ein „ich“ und dazu ein Parasit.

Und Freiheit.

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  1. 19. September 2014 um 6:50 pm

    mrrrrrrrrrrrrrrr… sexy, knackig! gib uns mehr! 😀

    • 19. September 2014 um 8:00 pm

      Wow. Long time no see! Alles fit bei Dir, Monsieur? 🙂
      Demnächst gibt´s special-interest-Bilder: Ghurabs Onkel in sexy. Auch Tentakel, auch rot.

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