Hamster im Tiefkühlfach

23. September 2014

Wieder einmal Ghurab und Concabille. Mit Janis Joplin im Hintergrund. Weil.

Gut umgesetzte Klischees sind wunderbar. Sie haben etwas immens beruhigendes (die Welt läuft in ordentlichen Bahnen), sortieren schon gut durchmodellierte Nervenstränge weiter (man hat´s ja schon immer gewusst) und sind einfach das Äquivalent zum Sonntagsbraten nach dem Kirchgang in einer mitteldeutschen Kleinstadt der Fünfziger.

In meinem Spielumfeld ist das typische Klischee natürlich „guter Jedi – böser Sith“. Im RP stimmt das definitiv nicht immer aber im PvE-Storyteil des Spiels kann man sich durchaus dahingehend bis zum Exzess ausleben.

Kann man. Muss man nicht. Ich habe einen Light 5-Sithkrieger. Dessen Entscheidungen bestimmt nicht nach Blümchenwiese und Ringelpietz getroffen wurden. Der helle Sith ist kein goody two-shoes sondern eine sarkastische Kackbratze mit schrägen moralischen Werten aber ohne sinnlose Grausamkeit. Spielt man hingegen den Klischeesith in lebensbejahendem Sehrdunkel (das habe ich bisher bis fast-Dark-4 geschafft) fragt man sich ernsthaft, wie solche Figuren mit spiegelglatter Großhirnrinde und Reflexgeifern sobald das Wort „Blut“ fällt, jemals Coruscant besetzen konnten.

Auf der anderen Seite ähnliche Verhältnisse. Ich habe es einfach noch nicht geschafft die Jedi-Knight-Story fertigzuspielen. Ich wurstelte mich bis Level 47 und blieb dann stecken. Obwohl die Geschichte durchaus episch ist. Aber ich habe den Fehler gemacht, der Schublade aufzusitzen. Braver, heller Jedi trifft brave, helle Entscheidungen. Das Aroma von Febreeze und Muttis Apfelküchlein durchweht einem das Gehirn. Der hellleuchtende Jedi leidet Höllenqualen wenn sich grade keine Oma findet, die über die Straße möchte oder kein Kätzchen auf einem Baum feststeckt.

Doch dann gab mir das RP-Schicksal einen Wink: Spiegelcharakter. Nicht mehr zwingend notwendig seit der Einführung von Housing aber immer noch praktisch, wenn man wie ich gerne mit „/me …“ emotet statt die say-Sternchen zu benutzen. Oder falls man irgendwo RPt, wo man ansonsten ständig gegnerische NSCs am Hintern kleben hätte.

Ich habe mir also eine Jedi Guardian erstellt. Ghurabs Spiegelbild. Denn man weiß ja nie, wenn Sey schon solche Andeutungen macht …

Weil ich aber niemanden damit nerven möchte, dass da im PvE ein Pureblood als Jedi herumrennt (soll ja immer mal wieder erzieherisch veranlagte Menschen geben, die einen dann anwhispern und belehren wollen), habe ich ihm die Reaver-Maske aufgesetzt und ihn in Kapuzenkutte gehüllt. Und jetzt tobt der kleine Kerl über Republikwelten und trifft dunkle Entscheidungen. Tötet Massenmörder und Kriegsgegner statt sie davonkommen zu lassen, ist gelegentlich selbstsüchtig und in Konversationen oft ein ziemlicher Saftsack. Und was soll ich sagen: Bisher macht das richtig Spaß. Das hat Fleisch, Blut und Tiefe. Das ist nachvollziehbar. Das ist eine Geschichte. Ich hoffe als dunkler Jedi auch am Ende von Kapitel eins die Möglichkeit zu haben, General Var Suthra für seine fortgesetzte Unfähigkeit (der Mann/Fisch/Whatever verliert rechts und links Geheimprojekte!) eine vor die Kiemen zimmern zu können. Würde alles harmonisch abrunden. Und ob die dunkle Gesinnung auf das zweite Kapitelende Einfluss haben wird ist auch eine spannende Frage.

Auf jeden Fall habe ich jetzt Hoffnung, diesmal die Jedi-Story ganz zu schaffen. Dann hätte ich jede der acht Geschichten gesehen (wenn mir auf Vanjervalis Chain auch noch der Consular fehlt. Die Story war aber auch schon auf The Ebon Hawk ziemlich … zäh). Schon amüsant, dass ich die ikonischste aller Star-Wars-Stories als letzte mache. Ich habe auf beiden Seiten zuerst die Nicht-Machtanwender gespielt.

Kurzfassung des Sermons: Gebrochene Charaktere, die quer zu ihrer Umgebung liegen, sind einfach spannender. Den Legacy-Titel „A Special Snowflake“ habe ich mir redlich verdient.

Schon erstaunlich, wie solche „Gewissensentscheidungen“ den Wiederspielwert erhöhen. Natürlich ist der eigentliche Grund, warum ich nach bald zwei Jahren immer noch bei SWTOR hänge das RP. (Und dass ich mir für TERA keinen Account machen konnte, weil die Benutzung von Addblockern zum Autoban führt, schräg aber so steht es geschrieben. Und dass das Tutorial für Age of Wulin einfach unglaublich kacke ist und ich nicht die Geduld aufbringe, dort alles per try and error herauszufinden. Und dass TESO leider nur ein sehr normales Standard-MMO ist, weshalb ich lieber auf TES VI warte) Ohne RP hilft auch das interessanteste PvE nicht ewig. Aber trotzdem … irgendetwas macht Bioware schon richtig.

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  1. Daanta
    23. September 2014 um 10:29 pm

    Kann ich voll nachvollziehen, Zasta. Ich meine diese Klischeeüberdrüssigkeit.
    Bei meinen Durchläufen hat es mir auch die imperiale Agentin am meisten angetan,
    die am liebsten jedem Sith einen Dolch in den Rücken gerammt hätte, aber die unentwegt helle Punkte bei der Unterstützung der einfachen Planetenbevölkerung sammelte 😉
    Schade nur, dass ich nie wirklich mit dieser Figur zu RP kam … oder mit einer anderen.
    Bin halt doch eine Einzelgängerin wie’s scheint. Aber auch PvE-RP mit Kopfkino kann nett sein 🙂

    lg
    Daanta

    • 24. September 2014 um 5:25 pm

      In SWTOR isses halt in dem Sinne doch wie in SL – man muss die Leute suchen fürs RP. Ich tue mir mit sowas ja auch nicht gerade leicht aber mir ist das RP einfach zu wichtig, um mir selbst dabei Beinchen zu stellen. 🙂
      Vielleicht findest Du ja doch nochmal den Mut und die Lust. Immerhin bespiele ich ja auch einen Geheimdienst-Sith (da Du die IA-Story gespielt hast weißt Du ja, warum jetzt Sith den Geheimdienst übernommen haben).

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