Rote Medizin

29. September 2014

„… und sehen Sie gleich wie Richter Agander Horm entscheiden wird. Kommt der Angeklagte mit einer einfachen Hinrichtung davon oder wird-„ – *klick* – Nachmittags–Holo-Sendungen. Ich kann spüren wie mein Hirn allein vom Zusehen aufweicht. Dann besser Wände anstarren. Weiße Wände mit Metall. Das monotone Piepen der Geräte. Meine Augenlider sinken nach unten. Ich werde doch nicht schon wieder einschlafen. Nichts als Schlafen, seit ich hier herein gekommen bin.
Ich kneife mir in den Oberschenkel, direkt über der Wunde. Nur um zu sehen, ob es weh tut. Tut es. Kann nicht irgendetwas passieren? Nur etwas kleines. Besuch meinetwegen. Eine Woche. Das wird elend. So träge …

Ich höre Bewegung auf dem Flur. Dem energischen Schritt nach die Ärztin, die mich gestern versorgt hat. Eine machtblinde Reinblütige. Ich dachte zuerst, man wollte mich mit alchemistischer Heilung verarzten, als sie ins Zimmer marschierte wie ein General aufs Schlachtfeld, aber dann stellte sich heraus, dass die Dame lieber ein Laserskalpell als Runen schwingt. Sie ist resolut und ein genauso harter Knochen wie mein Meister. Vermutlich sind alle Frauen so, die sich gegen den Willen ihrer mächtigen Familien durchsetzen mussten. Immer bereit gegen irgendetwas zu Felde zu ziehen. Immer wütend, selbst wenn sie entspannt sind. Energische sparsame Bewegungen. Fast Ungeduld, wenn sie sich das Haar aus der Stirn streichen.

Die Schritte kommen an meiner Zimmertür an und gehen weiter. Schade. Weiter Langeweile. Ich sollte meinen Meister bitten, der dürren Sergeant und der Frau mit den Augen (ich kenne die Namen von Beiden … die eine habe ich schon auf Tessien gesehen und die andere wurde mir vor ein paar Tagen erst vorgestellt … aber ich kann mir Menschen nicht merken) zu sagen, dass ich sie sprechen möchte. Aber dazu müsste sie mich erst einmal besuchen. Und derzeit sind Krankenstationen wohl nicht ihr Ding. Muss ich eben warten, bis ich wieder laufen darf.

Laufen darf … Ich kann froh sein, dass ich noch lebe. Es hat mich fast erwischt.

Der Angriff auf die Farm auf Tatooine war zwar minutiös geplant und die Aufklärung hatte gute Arbeit geleistet … aber was sich plötzlich dort ergeben hatte, damit konnte wirklich niemand rechnen. Statt eines Jedi zwei davon, statt ein paar Farmern eine halbe Armee aus anscheinend Söldnern und Kriminellen.

Ich versuchte zwar, bei meinem Meister zu bleiben, da sie sich Gedanken darum machte, dass Stryder sie ausschalten lassen wollte (weiß er, wer sie ist?) aber wir wurden getrennt, als direkt an unserem Landeplatz zwei Jedi auftauchten. Ich wollte es wirklich nicht … ihr Rücken war offen …. aber sie befahl mir, einen der Jedi zu beschäftigen und zu fangen, denn seiner Kampfhaltung nach war er der Gesuchte. Es dauerte keine zehn Sekunden und ich hatte sie aus den Augen verloren.

Und mit dieser Sorge im Kopf (ich darf nur an mich denken, nicht an sie … ich tue es nicht) kämpfte es sich beschissen. Ich machte dämliche Fehler. Ich ging Risiken ein, sicherte mich nicht ab und rannte in einen Hinterhalt. Ich musste mich gegen drei plötzlich hinter Steinen sitzende Gewehrschützen verteidigen … was der Jedi nutzte und mir den rechten Oberschenkel direkt über der Panzerung eine halbe Hand tief öffnete. Ich habe ihn trotzdem erwischt. Aufgeschnitten wie ein Frühstücksbrötchen. Er ist gut gestorben.

Aber dann, hinter ein paar Felsen plötzlich noch mehr Söldner, Kriminelle, wasweißich.

Nichts gegen die Soldaten von Lord Tragos´ Regiment. Ich habe sie schon vom letzten Einsatz als nervenstark und zuverlässig in Erinnerung. Sie haben das Verbrecherpack präzise zusammengeschossen – aber diese Typen, die dann noch dazukamen, konnten sie nicht aufhalten.

Ich musste mich zurückziehen. Und dergleichen schmeckt mir nie. Wut, Ungeduld. Egal, was es war – es führte dazu, dass ich nach ein paar frustrierend untätigen Minuten einen Vorstoß mitten ins feindliche Feuer machte und mir den Jedi schnappte. Ich wollte ihn mitnehmen. Etwas vorzuweisen haben. Und diese Eitelkeit gab den Gegnern die Möglichkeit, mir ein paar Blastersalven überzubrennen. Direkt am Bauch, direkt auf Rüstungsplatten. Hat die hübsche Schutzausrüstung gut durchgebraten und ein paar Zentimeter Gewebe noch dazu. Habe ich aber nicht mehr wirklich gemerkt, mein Kopf war schon Bienenschwarm vom Blutverlust aus der Oberschenkelwunde.

Ich habe den toten Jedi hinter einen Steinpfeiler gezerrt und bin neben der Leiche umgefallen.

Ich habe dann … später? … verschwommen Captain Stryder wahrgenommen, der aber nichts tat als ein wenig Koltospray zu verpulvern, was bei einer so großen Wunde nicht mehr bringt als draufzupusten. War das ein Versuch, mich loszuwerden? Er tat jedenfalls nichts weiter, während immer mehr Tinte in mein Gesichtsfeld lief und alles unscharf wurde während ich ausblutete. Zum Glück tauchten dann die dürre Sergeant und die mit den Augen auf und leisteten effektiver erste Hilfe. Ich glaube, mein Meister war auch da, das kann ich mir aber auch eingebildet haben.

Die nächste Erinnerung ist die Krankenstation der Phantom, ein paar Medidroiden und über mir ihre dunklen Augenglasimplantate. Sie hat Angst. Sie macht sich Sorgen. Und wenn sie sich Sorgen macht wird sie defensiv. Will beschützen. Ich habe nicht vor, mich bemuttern zu lassen. Sowas kommt einfach nicht gut. Ich bin nicht das zerbrechliche Boytoy. Entweder ich stehe an ihrer Seite oder gar nicht.

Aber vielleicht ist es auch anders und sie hat schon lange begriffen, dass ich kein kleiner Junge bin, dem sie die Rotznase wischen muss. Vermutlich ist es so.

Aber was ist es dann, das sie so reagieren lässt?

Ich bin müde. Dämliche Schmerzmittel. Oder was es auch immer ist, das meine Glieder schwer wie Blei macht. Mein Kopf füllt sich mit Watte.

Vielleicht doch noch ein paar schwachsinnige Holosendungen ..?

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