Der Graf von ….

2. Oktober 2014

Die Tür schließt sich. Sie bleiben wohl noch etwas davor stehen, denn ich kann ihre Stimmen gedämpft hören. Ich lehne mich zurück. Ein Blick an die Decke (hat sich nicht verändert; kenne ich seit drei Tagen bestens) dann schalte ich das Datapad ein und lese den Roman weiter, den mir Meister Concabille als erbauliche Lektüre dagelassen hat.

»Mein Fräulein,« sprach der Fremde, »Sie werden eines Tages einen Brief erhalten mit der Unterschrift: ›Sindo, der Frachtercaptain.‹ Befolgen Sie Punkt für Punkt, was Ihnen der Brief sagen wird, so seltsam Ihnen auch seine Anordnungen vorkommen mögen.« …

Nach ein paar Minuten verstummen die beiden Soldatinnen vor der Tür und Schritte entfernen sich. Haben sich genug darüber ausgetauscht, dass sie Glasperlen bekommen haben. Etwas mehr als Glasperlen. Sie haben es sich beide verdient, auch wenn die Lieutenant von „üblicher Pflichterfüllung“ herumredete und die Sergeant genauso enthusiastisch (wenn auch vorsichtig. Sie hat wohl schon näher mit Sith zu tun gehabt) die Normalität ihres Tuns hervorhob. Beide bemühten sich auch, Stryder-Garrde in Schutz zu nehmen. Das wird meinen Meister interessieren, die dem Captain nicht über den Weg traut. Aber die zwei Soldatinnen hatten nur gute Worte für Sheysas Betthäschen. Ob aus Angst oder echter Loyalität – was weiß ich schon. Für mich war das Gespräch nicht ganz so ergiebig. Ich hatte von meinem Meister den Auftrag, mehr über den Ausgang des Gefechts auf Tatooine herauszufinden, was mir aber nur bedingt gelungen ist. Niemand scheint genau zu wissen, was nun erreicht wurde und ob es mehr als die zwei Jedi, die getötet wurden, auf der Farm gab.

Die ganze Aktion war von Anfang an mit zu vielen Überraschungen gepflastert. Am Besten, wir halten uns weiträumig davon fern. Ist schließlich nicht so, als hätten wir nicht unsere eigenen Baustellen, um die wir uns besser kümmern, bevor sie uns einholen.

An demselben Tage erzählte er seiner Frau, seiner Tochter und seinem künftigen Schwiegersohn, was ihm widerfahren, und wenn auch nicht Ruhe, so kehrte doch Hoffnung in die Familie zurück.

Wobei man nicht sagen kann, dass sich Meister Concabille nicht nach Kräften bemühen würde, dass uns der ganze Mist um die Ohren fliegt. Sie schafft es nicht, sich von der Vorstellung zu lösen, dass Darth Aroval nicht die Absicht hat, ihren Idealen zu entsprechen und statt dessen das tut, was ihm in den Kram passt. Sie hat sich in all den Jahren ein rosa Zuckerguss-Bild des Alten gebastelt, hat es mit hehren Ideen gefüllt und wundert sich nun, dass er tut, was alle Darth so tun – sich einen Dreck um die Leichen scheren über die er geht.

War es nicht irgendeine Falle, die man ihr stellte? Ihre Harmlosigkeit ließ nicht zu, daß sie an die Gefahren dachte, welche ein Mädchen in ihrem Alter laufe; sogar eines muss noch bemerkt werden, dass gerade unbekannte Gefahren den größten Schrecken verursachen.

Ist es jetzt meine Aufgabe, sie auf den Boden zurückzuholen? Sie kommt mir immer bedrückter vor und das gefällt mir nicht. Wenn sie kämpfen will, dann hilft ihr nur Wut, tiefer Zorn, Leidenschaft. Nicht stille Depression.

Ich mag es, viele Gegner zu haben. Ich fühle mich lebendiger, wenn um mich herum praktisch jeder mich tot sehen möchte. Und sobald ich wieder fest auf beiden Beinen stehe lasse ich mir als erstes eine wirklich gute Rüstung bauen (Tatooine hat mir gezeigt, dass ich derzeit nur Schrott besitze) und dann finde ich gemeinsam mit meinem Meister heraus, ob wir wirklich in alle Richtungen angreifen und nur Feinde treffen können.

»Mein Vater,« sprach er, »bedenken Sie auch, dass Sie mich leben heißen?«
»Ja, ich heiße es dich,« versetzte Mondar, »denn es ist deine Pflicht; du hast ein ruhiges und starkes Gemüt, Malen, du bist kein gewöhnlicher Mensch, ich befehle dir nichts, ich verbinde dich zu nichts, nur sage ich dir: Prüfe die Lage, als ob du ihr fremd wärest, und urteile selber.«

Dieser Roman macht mich wütend und schläfrig zugleich. Tausend alderaanische Namen, Familien und Verwicklungen. Und ich komme mit dem Protagonisten nicht klar. Warum eine Rache so unendlich kompliziert planen? Der Kerl braucht Jahre, um die Typen, die ihn in den Knast gebracht haben, umzulegen. Und nicht nur das – er bringt sie nicht einmal selbst um.

Unbefriedigend.

Will sie mir irgendetwas damit sagen? Manchmal ist sie zu subtil für mich.

Ich schließe die Augen, lasse alderaanische Counts, ihre Verflossenen und ihre Sklaven draußen. Noch einen Tag … morgen darf ich endlich hier raus.

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