Bladeborn – Prüfung, Teil 2

16. Oktober 2014

Der Pilotensitz der Heart of Courage knarzt freundlich, als ich mich auf ihn fallen lasse. Der vertraute Geruch nach ihren Cigaras, der tief im Lederpolster hängt, umgibt mich. Mit einem dienstbeflissenen Piepen surrt der Medidroide heran und fängt an, die Wunde an meiner linken Hand zu versorgen. Die rechte Hand bleibt wie sie ist, ich verscheuche den Droiden mit einer ungeduldigen Geste, als er sich ihr nähern will. Obwohl er die Wunde vermutlich auch mit der besten Medizin nicht davon abhalten könnte, zu einer Narbe zu werden, da sie nicht auf natürlichem Weg entstanden ist.

Ich betrachte die Rune die jetzt rot und gewebeflüssigkeitsglänzend direkt über dem Daumenballen sitzt. Ich habe sie mir verdient.

Ein Griff zur Konsole und zum Hyperraumtransmitter. Ich tippe ihre Kennung ein und warte darauf, dass das Signal sie auf Alderaan erreicht. Die Zabrak hatte recht, die Turbulenzen sind verschwunden, alles ist, wie es sein soll.

Es dauert, bis sie ans Com geht.

Während dessen schweifen meine Gedanken. Die Reste des Giftes machen mir es auch schwer, völlig geradeaus zu denken.

… der Twi`lek sprang, nutzte die Macht und gab mir telekinetisch einen heftigen Schlag vor die Brust, der mich den Rest der Treppe nach unten schickte. Ich drängte ihn mit einer Serie schneller Angriffe wieder ein paar Schritte zurück, doch erwischte er mich dann so, dass ich mit der unbewaffneten Hand einen Schlag auffangen musste. Ich bin schon ziemlich weit in den defensiven Machttechniken, doch habe ich es nicht geschafft, das Schwert völlig zu stoppen, bevor er mir die Hand zwischen Mittel- und Ringfinger halb spalten konnte.

Ab da wurde der Kampf einseitiger. Schmerz kann man bis zu einem gewissen Punkt mit Hilfe der Macht gut unterdrücken – aber fehlende Funktionalität von Fingern lässt sich nur schwer kompensieren. Ich merke, dass ich mehr Training brauche. Das Problem ist nur, dass Meister Concabille in den nächsten Monaten dafür wohl zunehmend ungeeigneter sein wird. Ich brauche einen anderen Sparringspartner, bis sie den Parasiten los ist. Oder irre ich mich und das Ding wird sie nicht behindern? Alles nur in meinem Kopf? Ich sehe sie die Wasserkugel im eiskalten See auf Alderaan formen … die Macht liegt um ihre Schultern wie ein Mantel …

Der Kampf endete abrupt, wieder nur ein Test. Der Twi`lek erklärte mir mitten im Kampf, dass ich mich gar nicht mehr anzustrengen bräuchte – das durch die Wunde applizierte Gift würde sich durch Bewegung nur noch schneller in meinem Körper verteilen. Aber wenn ich stark wäre, würde ich es schon überleben.

Er fügte noch einen launigen Satz darüber an, dass ich irgendwann sicher einmal ein ernst zu nehmender Gegner würde (ich dachte mir: ich reiß´ dir bei nächster Gelegenheit den Kopf ab, Bruder!) und verschwand dann die Treppe nach oben.

Ich spürte das Gift zunächst nicht … oder dachte es. Alles wurde deutlicher und dunkler. Meine Wahrnehmung schien mir klar und doch sah ich Dinge wie brennende Nagetiere, fallende Steine, Lichter. Was konnte ich schon tun? Irgendwo dort vorne im schwarzen Nichts wartete die Zabrak … Also wanderte ich durch die Ruine, von der ich nichts als einen vagen Lichtschein weiter vorne erkennen konnte.

Meine Sinne waren unnatürlich geschärft und doch fokussiert-eingetrübt. Ich versuchte, mich nicht mehr auf meine Augen verlassen zu müssen, sondern nach ihrer Machtaura zu suchen. Und die war leicht zu finden. Wie ein turmhoher Leuchtturm, brüllend wie ein wütender Krayt-Drache. Sie nahm den ganzen Raum einer halb von irgendeinem jahrhundertealten Wassereinbruch überfluteten Apsis ein, war nicht zu übersehen und doch nicht da. Ob es das Gift war?

Wieder versuchte sie mich, mit Fragen aus der Reserve zu locken. Meinen Entschluss, Bladeborn zu sein, ins Wanken zu bringen. Obwohl sie Recht hat … warum tue ich es? Für mich? Für mehr Macht? Meinem Verständnis von Freiheit dient es nicht, sich einem Orden anzuschließen. Oder doch? Ich bin dem Weg gefolgt, ohne alles zu durchdenken. Sith sind keine Rudeltiere. Und dennoch stehe ich an der Klippe und muss fliegen oder fallen.

Als hätte die unterirdische Ruine vor, mich ebenfalls zu prüfen, lösten sich bei jedem tiefen Drachenbrüllen der Zabrak mehr Steine aus der Decke und klatschten um mich herum ins hüfttiefe Wasser.

Ich wich aus, versuchte gar nicht erst, tonnenschwere Felsstücke mit der Macht aufzuhalten. Die Zabrak und ihre Aura waren überall. Ich habe den Verdacht, die Hälfte ihrer Präsenz ging auf das Gift in meinem Blut zurück – aber ob diese Vermutung stimmt, werde ich erst morgen überprüfen können, wenn ich sie in nüchternem Zustand wiedertreffe.

Sie hat mich vor der einstürzenden Decke gerettet … oder? Alles bleibt unwirklich. Ich verlor das Bewusstsein. Verdammtes Gift, verdammt schwacher Körper.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich im Freien. Ich setzte mich auf und sah die zwei Bladeborn etwas abseits kauern und mich wie neugierige Raubtiere beobachten. Vor einer riesigen, bröckelnden Steinstatue eines Lords stand eine Feuerschale und inmitten der Flammen lag ein Schwert. Mein altes Schwert und meine Armschienen waren verschwunden.

Die Dunkelhäutige sagte mir, dass ich mir das Schwert verdient hätte. Ich müsste es nur noch für mich beanspruchen und nehmen. Der Twi`lek ließ es sich nicht nehmen, mir zu erklären, dass er mich beim ersten Anzeichen eines Zögerns töten würde. Weshalb ich noch einen Zacken ruhiger und langsamer (habe ich schon erwähnt, dass ich auf Provokationen gern einmal mit kindlichem Trotz reagiere?) als ohnehin geplant in die Feuerschale griff, meine Hand durch alles, was ich in meinem benebelt-geschärften Hirn an Machtfokus noch aufbringen konnte, gegen den Biss der Flammen gepanzert. Und dem Weißhäutigen dabei die ganze Zeit hasserfüllt in die Augen sah.

Ich schloss meine Faust um den langsam dunkelrot werdenden Griff, die Macht als Handschuh um meine Finger, die Hitze kam nicht durch … doch die Runen auf dem Metall glühten auf und eine davon bohrte sich durch meine Barriere und meine Haut; brandmarkt mich nun für immer als Bladeborn.

Und das war es. Ich gehöre zu einem uralten Orden, den die meisten Sith mit einer Mischung aus Verwunderung (die Weigerung, Lichtschwerter zu benutzen, wird als sehr archaisch angesehen) und Respekt (wer mit Ritualschwertern kämpft muss herausragende Fertigkeiten entwickeln, um die technischen Vorzüge moderner Waffen auszugleichen und zu übertreffen) betrachten. Ich mag jetzt noch der unterste der Hierarchie sein, aber ich werde mich nach oben kämpfen. Weiter habe ich noch nicht gedacht, was vermutlich ein Fehler ist. Ich war in letzter Zeit zu viel mit meiner direkten Umgebung beschäftigt. Ich werde noch ein, zwei Tage hier bleiben und mit der Zabrak reden und trainieren.

Das Holocom klickt und aus der Projektionsfläche wächst das blau-verwaschene Bild der Invicta. „Guten Abend, Meister …“

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OOC: Gestern haben wir es ganz knapp geschafft, den Bladeborn-Prüfungs-Plot zu Ende zu spielen. Bis kurz vor zehn hat´s gedauert und war keine Sekunde langweilig. Eine extrem gute Story mit vielen möglichen Abzweigungen und Variablen. Ich war zeitweise genauso ratlos wie Ghurab, wie es denn nun weitergehen könnte. Ich frage mich, ob es auf VC noch andere Bladeborn-Spieler gibt? Also so richtig aktive. Da die dann aber auch noch mit unserem Stil klarkommen müssen, wäre da vermutlich vorher viel Annäherungsarbeit nötig. Trotzdem … ich fände das cool.

Auf jeden Fall nochmal ein ganz großes DANKE an Sey und Eloun für das Organisieren und Mitspielen! Ich hoffe, ihr hattet so viel Spaß wie ich.

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