Der Wut Zügel anlegen

25. Oktober 2014

Es wäre zu einfach, jetzt dem Verlangen nachzugeben und sinnlos Zerstörung anzurichten. Alles in mir will töten. Irgendetwas. Ich will Schmerzen zufügen, um den Schmerz in mir auszureißen. Meine Füße tragen mich in den Garten dieses weitläufigen Anwesens. Die Luft ist klar, man sieht bis zu den zum verrückt werden hübschen Gipfeln der Berge weit hinter der Stadt. Ich balle die Fäuste, zwinge den Zorn, die Verletzung, die Ohnmacht in mir zu einem glühenden Ball in meiner Brust, der seine Fühler in meine Muskeln und Adern ausstreckt – ich nutze meine Leidenschaften, nähre die dunkle Seite.

In letzter Zeit erhielt meine Stärke durch andere Dinge Kraft. Durch den Stolz auf meine bestandene Bladeborn-Prüfung. Durch ihre Blicke, ihre Berührungen. Sogar – und es ist überaschend, das zu bemerken, durch den Gedanken daran, dem Parasiten einst zu zeigen, wie man kämpft …

Aber jetzt ist es Angst. Um sie. Um den Parasiten. Um uns. Und Wut, die aus der Angst wächst wie ein mächtiger Baum. Ich gehe weiter in den Garten hinein, ziehe aus jeder Bewegung Kraft, um Angst zu Hass zu machen. Ich strecke die Hand aus, krümme die Finger. Die Marmorstatue einer dicken Frau reißt von oben herab auf, fällt in zwei Teilen in das Wasserbecken, das sie eben noch in ihrer ganzen Hässlichkeit gekrönt hat.

Im Haus reden die drei Frauen immer noch. Ich hoffe, Shanora schafft es, Sheysa davon zu überzeugen, dass ich recht habe. Dass es Wahnsinn wäre, Darth Aroval direkt zu konfrontieren. Ich bin ein Krieger, meine Stärke liegt in meinem Schwert – nicht darin, gegen die Netze aus Alchemie und Dingen-im-Kopf anzurennen, die Darth Aroval so meisterhaft beherrscht. Und Sheysa ist eine … Diplomatin? Sie mehrt ihre Macht durch Beziehungen, durch wohl gesetzte Worte. Auch nichts, das uns gegen einen uralten Meister helfen kann. Bleibt noch Xzari, Lord Tragos´ Schülerin. Was sie kann weiß ich nicht. Da aber Lord Tragos ebenfalls eher in meinem Metier unterwegs ist, wird Xzari nicht plötzlich ein Jahrhunderttalent für Zauberei entwickeln.

Kurz: Wir haben die Chance eines Schneeballs in der Hölle, wenn wir kopflos auf den Alten zurennen. Ich will eine Ablenkung. Eine große Ablenkung. Die ihn von meinem Meister weglockt. Und dann hole ich sie da raus und wir ziehen uns zurück. Egal wohin. Nur weit weg. Was dann kommt wird sich zeigen. Die große Ablenkung kann vielleicht dieser Kerl bieten, auf dessen Spur mich Meister Concabille damals gesetzt hat. Als sie mir sagte, dass ich ihn aufsuchen und möglichst nicht töten solle, falls ihr etwas passieren würde. Klingt nach einem Jedi. Aber was habe ich für eine Wahl?

Im Moment bleibt mir nur zu hoffen, dass Shanora Vernunft in Sheysa und Xzari pflanzen kann. Seltsam, ich verlasse mich auf eine Frau, die ich vorhin zum ersten Mal im blauen Leuchten eines Holo-Coms gesehen habe. Die ihr überhaupt nicht ähnlich und doch absolut ähnlich ist. Die alles daran setzte mir klarzumachen, dass sie mich für das Letzte hält und nur um ihretwillen mit mir kooperiert (na, was solls – unangenehme Familientreffen bin ich nun wirklich mein Leben lang gewohnt).

Ich muss die Heart of Courage startklar machen, die seit meiner Rückkehr von der Prüfung still im Hangar liegt und auf uns wartet. Und dann werde ich sehen, was sich ergibt.

Ich werde sie dort rausholen. Ich wünschte, ich könnte ihre Präsenz so spüren wie Sheysa es kann. Aber meine Talente sind recht einseitig verteilt und ich habe zwar vor zwei Tagen in der Wildnis gefühlt, dass sie mich braucht, dass etwas nicht stimmt … aber ich kann sie jetzt nicht wahrnehmen. Sheysa sagt, dass sie lebt und sich seltsam-dämmrig wohlfühlt. Das klingt nach Drogen.

Ich muss jetzt Geduld haben. Der Moment muss perfekt sein, sonst verlieren wir alles und landen schlimmstenfalls ebenfalls in Darth Arovals Netz. Aber das wird nicht passieren. Nein. Ich bringe sie zurück. Sie wird frei sein. Wir werden frei sein. Und das ist besser als jede Droge, mit der er ihren Geist benebeln kann.

Ich gehe in Richtung Hangar. Eine weitere Statue birst in einer pudrigen Marmorwolke.

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OOC: Dramatische Dinge haben sich ergeben. Concabille ist gefangen, Sheysa hat – ganz klassisch star-wars-y – eine Hand weniger und Ghurab muss sich schwer zusammennehmen um nicht brüllend bei Aroval auf der Matte zu stehen und seinen Meister zurückzufordern. Außerdem wird man sich zu gegebener Zeit um den verräterischen Captain Stryder kümmern müssen (er denkt allerdings, wir wären die Verräter!) – aber Concabilles Befreiung geht vor. Leider ist die Spielerin des Jedi, der unsere Anlaufstelle wäre, derzeit krank (gute Besserung!), so dass wir erst einmal andere Dinge tun.

Die Bilderdekoration dieses Posts zeigt Ghurabs neue Rüstung. Seit ihm beim Einsatz auf Tatooine die alte zerstört wurde, brauchte er schließlich etwas neues. Und zu meiner Freude stellte ich fest, dass sich die Resolute Protector-Brustplatte – im Original sehr langweilig weiß-blau – mit einem schwarz-rot-Färbemodul zu einer blutbespritzten Scheußlichkeit pimpen lässt, die gerade perfekt passt.

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  1. 29. Oktober 2014 um 6:49 pm

    Es ist immer wieder eine Freude, von Ghirab zu lesen =)
    Und ich muss immer herzlich über den Parasiten schmunzeln – habe mein kleines Alien anfangs auch so betitelt ^^ Auch wenn mich selbiges leider abhält, für mehr als ein oder zwei kurze PVE-Hüpfer ins Spiel zu schauen: hier ist es so schön lebendig und ich lechtze nach mehr.

    • 29. Oktober 2014 um 6:59 pm

      Freut mich, dass Dir die Stories gefallen. 🙂 Wollen wir hoffen, dass der Parasit nicht der verrückten Tante Borraa in die Hände fällt, wie Sey so gruselig angedeutet hat ..

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