Die Hexe

30. Oktober 2014

Meine früheste Erinnerung an sie ist ihr fröhliches Lachen als sie mir mein Spielzeug wegnahm und in Flammen aufgehen ließ. Wie glücklich sie wirkte, als mir, dem vierjährigen kleinen Bruder, die Tränen des Zorns über die Wangen liefen.

Fast zwei Jahrzehnte sind seitdem vergangen und nun scheint sich die Situation zu wiederholen. Sie hat mir etwas weggenommen, das mir viel bedeutet und wenn ich nicht sehr aufpasse, wird sie es zerstören. Nun, in diesem Fall hat nicht sie selbst es mir weggenommen, sondern Darth Aroval. Aber ich habe ihre Anwesenheit gespürt als ob man in einem Stück Schokolade auf eine Chili beißen würde. Sie ist dort. Und Sheysa hat Meister Concabille dort gefühlt (ja, ich weiß … ich schaffe es nicht, die Essenz meines Meisters in der Macht wahrzunehmen, habe aber keine Probleme damit, meine verhasste Schwester wie einen Leuchtturm aufragen zu sehen … von wegen „Band zwischen Meister und Schüler“ – das Band des familiären Hasses ist weitaus stärker! Oder zumindest sichtbarer).

Wenn Borraa herausfindet, was der Parasit ist, wird sie ihn töten. Oder versuchen, ihn gegen mich zu verwenden. Darth Aroval wird ihr vielleicht nicht erlauben, Meister Concabille für ihr Vergnügen umzubringen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er meiner Schwester Zügel anlegen wird, wenn es nur um so etwas Unwichtiges wie diesen Parasiten geht.

Betrifft mich das? Ich weiß nicht. Ich will meinen Meister zurück. Das hat Priorität. Aber darf ich meine Gefühle, die meinen Zorn und damit meine Kraft nähren, an … so etwas verschwenden? Ist es besser, sich nicht auch noch daran zu binden? Ich klinge schon wie ein Jedi. Keine Bindung. So ein Schwachsinn. Wir holen den Meister dort heraus. In einem Stück. Ganz. Mit Allem.

Und Borraa sollte sich vorsehen, denn auch früher schon endete die Geschichte nicht mit dem weinenden kleinen Jungen. Sondern damit, dass unser Vater einer schreienden Borraa mit maximaler Gewalt einen wütenden Miniaturderwisch entfernen musste, der sich mit scharfen Zähnen so tief in ihr Bein verbissen hatte, dass sie vermutlich heute noch eine Narbe an ihrem dürren Schenkel trägt!

Ich schleiche mich weiter um das Anwesen herum, das vor einem halben Jahr noch eine halb verfallene Hütte war und nun zu einer monströsen Festung ausgebaut wurde. Irgendwo hinter mir sitzen Sheysa und Xzari in einer Felsnische und beobachten den Fortschritt des Spionagedroiden.

Wir wissen, dass der Meister dort ist. Wir wissen, dass Borraa dort ist. Und wir wissen nun – zumindest in groben Umrissen – was Darth Aroval an Sicherheit aufgeboten hat, um Eindringlinge fernzuhalten.

Ich denke, es ist schaffbar, dort einzudringen. Wenn Darth Aroval selbst nicht dort ist, versteht sich. Sheysa muss dringend ihre Aufgabe erledigen und Sith und Jedi für die Ablenkung auf den Weg schicken. Das kann nur sie mit ihrer Diplomatie. Am liebsten wäre es mir auch, wenn wir diese Diplomatie nutzen könnten, um ohne Kampf in das Anwesen hineinzukommen. Sheysa ist die Schülerin des Alten, sie sollte dort doch erlaubt sein … Raus wird es auf jeden Fall nicht ohne Blutvergießen gehen, da sie uns Meister Concabille kaum auf einem Silbertablett servieren werden. Aber zumindest den Hinweg könnte man einfacher haben.

Es ist noch viel zu tun, bis wir angreifen können. Meine nächste Aufgabe ist es, mit Xzari zu trainieren. Ich weiß noch nicht, wie gut sie ist und wie sie kämpft. Das sollte ich herausfinden bevor es ernst wird. Ich bin zwar ziemlich sicher, dass ihr Meister sie im Schwertkampf hart ausbildet aber ich muss auf jeden Fall ihren Stil sehen.

Noch ein Blick zu den dunklen Mauern in den schneehellen Bergen Alderaans.

Ob mein Meister stolz wäre, wenn sie wüsste, wie viele ungewohnte Dinge ich tue, wie viel Neues ich ausprobiere, nur um sie dort herauszubekommen? Dass ich tatsächlich einmal das Konzept „erst denken, dann handeln“ teste? Dass ich sogar vorsichtiger war als Sheysa und nicht nur daran gedacht habe, zuerst die Mauern und Dächer nach Lebensformen und Sensoren zu scannen, sondern auch noch einen Plan entwickelt habe, um Sheysas Spionagedroiden unbemerkt in das Anwesen zu bringen. Gut, der Plan war nicht allzu elaboriert und beruhte nur darauf, eine Ablenkung durch ein aufgescheuchtes Nerf zu erschaffen – aber immerhin. Es hat funktioniert.

Der nächste Schritt wird schwerer. Aber er muss gelingen. Sie wird frei sein. Völlig egal, ob Borraa dort ist oder nicht.

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