Zu fallen versuchen

12. November 2014

OOC-Vorbemerkung: Ich habe gestern ein Charakter/Story-Konzept ins SRK-Forum gestellt. Bis jetzt habe ich drei Reaktionen dazu via Skype bekommen. Noch nichts konkretes aber zumindest bei allen Interesse. Vielleicht ergibt sich ja etwas handfestes. Ich möchte den Weg eines Überläufers von der Republik zum Imperium spielen. Das Ziel ist dabei unwichtig. Es kann sowohl das wirkliche Ankommen als auch eine Selbsttötung, weil einfach kein neues Leben möglich ist, sein. Interessant für mich ist die Entwicklung. Dafür suche ich Spielpartner, die das Ganze mit mir erleben wollen – als imperiales „Betreuungspersonal“ innerhalb des Regiments, als Überwacher, als alles mögliche, worauf man in diesem Umfeld so Lust hat.

Ohne feste Zusagen werde ich keinen Exotencharakter in die RP-Welt stemmen. Es kann also durchaus sein, dass das Konzept ungespielt wieder in die Schublade wandert. In diesem Fall hatte ich zumindest Spaß daran, mir die Vorgeschichte auszudenken. Und weil das so schön ist, einfach mal ein paar Zeilen IC …

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Das Kraftfeld vor der Zelle schloss sich mit einem weichen „wusch“. Das Licht im Block dimmte sich gleichzeitig automatisch. Für die nächsten acht Stunden waren die Schritte der Wachen auf den Gängen das einzige Geräusch. Beruhigend. Sicherheit. Ordnung. Das Imperium sperrte nicht weg, es schloss einen Kokon um seine … neuen Bürger. Um die, die lernen mussten. Um die, die nichts wussten. Um die, die nichts … waren. Keine Menschen … waren. Untermenschen. Aber aufgehoben in einer Struktur. Feste Struktur. Das war gut. Gut.

Er legte sich auf seiner Pritsche zurück. Zwei Schritte Zelle. Zimmer. Übergang.

Das Datapad einschalten. Dinge aufschreiben. Sich versichern, dass die Welt innerhalb seines Kopfes wertvoll war. Für das Imperium. Selbstverständlich konnte er keine Sonderbehandlung erwarten, nur weil er bei der Republik ein Forschungsteam des Militärs geleitet hatte. Das war früher. Und die Republik war viel zu … was war das Wort? Es floss fort. Konzentriere dich, Alienabschaum. Nachsichtig! Da war es. Viel zu nachsichtig. Das Imperium hatte Struktur. Feste Dinge. Feste Grenzen. Gut.

Nützlich sein. Dann konnte man hoffen. Wenn er nützlich war, würde er wieder nach oben finden. Erst einmal auf die Füße kommen. Er war angekommen. Dort, wo Sicherheit herrschte.

Dinge aufschreiben. Aus dem Kopf in Daten fallen lassen. Natürlich würde seine Führungsoffizierin das lesen. Es war nur zu seinem Besten.

Alles war besser als das, was er zurückgelassen hatte. Was er mit der ersten vorsichtigen Kontaktaufnahme verraten und mit dem Zugriff auf der Thranta-Corvette einfach abgeschüttelt hatte, als er mit erhobenen Händen … mitging. In das neue Leben. Das hier war richtig. Und sobald er aus dem Lager heraus war und wieder im Militär – eine andere Uniform, die selben Laborkittel – würden sie auch sehen, dass er mehr war als nur seine Arbeiten an den integrierten zygopodischen Kybernetiken. Mehr als die Patente, die er der Armee der Republik eingebracht hatte. Er würde wieder … jemand. Und dann mehr als nur jemand.

Es dauerte etwas, sich zu fokussieren. Er war müde nach den Stunden des … Lernens. Er sah auf. Verlor sich in den langsamen roten Wellen des Kraftfeldes, das ihn bis zum Morgen vom Rest der Welt trennte. Dann kniff er die Lider zu, drückte die Handballen in die Augenhöhlen, zwang seinen Geist, der sich zu gern fallen lassen wollte, auf das Datapad zu. Er begann zu tippen. Langsam. Sein Gesicht im Licht des Monitors fahl und kränklich, die olivgrüne Hautfarbe seltsam verwaschen.

Tag 51, Umerziehungseinrichtung HY2-67, zukünftiger Bürger Th. Rusch, Tagesbericht.
In wenigen Tagen werde ich meine Zeit hier zu einem Abschluss bringen. Ich hoffe, dass ich genug gelernt habe, um dem Imperium gut zu dienen. Ich wurde dazu angehalten, Selbstkritik zu üben, um meinen Wert stetig zu hinterfragen. Meine Schwäche ist es, dass ich mich für zu nützlich halte. Ich denke zu oft, dass mir mein ehemaliger Rang bei der Republik Vergünstigungen einbringen sollte. Dies ist natürlich falsch, denn im Imperium zählt nur das, was man leistet, nicht das, was man geleistet hat. Ich werde weiter an mir arbeiten und diesen Fehler ausmerzen, um dem Imperium bessere Ergebnisse zu liefern. Bis zu meiner Verlegung in eine reguläre Militäreinheit werde ich weiter lernen.

Er schaltete das Datapad aus. Nur noch schwachrotes Licht. Rutschte das Kissen hinunter, bis er flach ausgestreckt lag. Das Kissen war weich genug, dass er selbst auf dem Rücken liegend das Sprenghalsband in seinem Nacken kaum spürte. War das maximale Freiheit? Er öffnete den Reissverschluss des Overalls, damit er die flache Hand auf den Bauch legen und seine Haut fühlen konnte. War alles Zukunft? Er konnte sich über den täglichen Lehrstunden kaum noch denken hören. Er hatte Freiheit für seine Forschung gewollt. Und Freiheit … von … anderen Dingen. Jetzt war er im Imperium. Wo Forschung, sofern sie dem Krieg diente, so viel Platz hatte, wie man in seinem Kopf nur finden konnte. Er war glücklich? Er war nichts. Ein leeres Blatt.

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