Gegen den Sturm

8. Dezember 2014

Es ist nur der Regen, der alles so vertraut macht. Die Gewitter, die sich jeden Tag aufbauen und auf Beinen aus Blitzen durch den Talkessel marschieren, in dem die riesige Stadt sich ausbreitet.

Donner rollt die Hänge hinauf und vibriert zwischen den Glas- und Duracretefronten der Häuser.

Ich breite die Arme aus. Meine Klinge erwacht zum Leben. Wassertropfen zischen, wenn sie auf die Energie der Vibroklinge treffen. Die Augen schließen, das Gesicht dem Regen entgegen heben.

Ich mache ein paar Schritte. Ein paar Schwünge mit dem Schwert. Einfache Formen. Es ist meine Meditation. Und wenn ich mich tief genug versenke ist es, als stünde sie neben mir. Würde mit mir trainieren. Die selben Bewegungen. Unser Tanz. Ihr Schatten, ihre Energie. Ich kann ihren Duft riechen. Die Wärme ihrer Haut neben mir erahnen.

Ich fühle mich lebendig und zornig. Ich werde sie retten, wir werden sie retten. Es geht voran; scheiß auf die Politik, scheiß auf die Intrigen und scheiß auf Alderaans inzüchtige Adlige.

Und wenn Skaara und Onkel Ginyu recht haben, könnte ich es sogar überleben.

Vor ein paar Tagen kam der Miraluka an. Ich habe ihm die Koordinaten auf Alderaan gelassen aber nicht damit gerechnet, dass er mir folgen würde. Nur wenige trauen sich auf diesen Mond. Der uns gehört; dem Orden der Bladeborn. Selbst mit einer Einladung wie meiner ist nicht garantiert, dass ein Fremder lebend sein Ziel hier erreicht.

Hut ab für Skaaras Mut. Ich gebe zu, es war auch ein Test. Ich wollte sehen, ob er wirklich auf unserer Seite ist. Würde er noch für Borraa arbeiten, hätte er sein Leben sicher nicht so einfach aufs Spiel gesetzt.

Jedenfalls stand er plötzlich einfach vor mir. Riss mich mit eindringlichen Worten aus den Vorbereitungen für meinen Opfertod. Einen Tod den ich seit ein paar Wochen plante, um meinen Meister aus Darth Arovals Klauenfingern zu befreien.

Ich mag die ruhige, ironische Art des Miraluka. Ich will ihm … vertrauen. Ich darf niemandem vertrauen. Er erwähnt zu oft das Kind. Es ist für ihn wichtig. Was habe ich davon, den Meister zu befreien, wenn sie dann mitsamt dem Kind in der nächsten Falle sitzt?

Aber ich habe keine Wahl. Mein Gefühl sagt, dass er uns nicht hintergehen wird. Einem Gefühl zu glauben ist schwachsinnig.

Noch ein paar Schritte. Eine Serie von Schlägen. Meine Muskeln werden langsam warm, die Bewegungen geschmeidiger. Der Regen hat meine Kleidung durchdrungen und lässt mir das Hemd an der Haut kleben. Zirkulär atmen. Noch ein Set.
Auf Onkel Ginyus Terrasse ist fast soviel Platz wie im Trainingsraum in Meister Concabilles Apartment. Nur etwas mehr alter Schnickschnack steht im Weg. Vielleicht sollte ich einer der alten Statuen ein paar Schläge mit der Klinge mitgeben … für den dämlichen Kommentar. Nein, das ist unnötig und kindisch. Mein Onkel neigt nun einmal zu unpassenden Bemerkungen.
Geschlossene Augen, das Fließen der Macht um mich herum und durch meine Muskeln, fokussiert in meinem Zorn.

Skaara erzählte mir davon, dass Sheysa nun wohl aufgegeben hat. Dass sie anscheinend gar nicht mehr versucht, den Meister zu befreien, sondern nur noch strampelt, um ihre Machtbasis vor Darth Aroval zu schützen. Das hätte ich nicht von ihr gedacht – ich hatte sie für klein aber fies gehalten. Immer bereit, sich ins nächste Bein zu verbeißen. Wenn sie jetzt doch nur den eigenen Vorteil im Auge haben sollte, ist sie wieder nur Durchschnitt. Ich werde ihr helfen, wenn sie mich bittet – aber ich bezweifle, dass ich ihr etwas bieten kann, das sie benötigt. Und mein Ziel geht vor.

Nur noch zu zweit gegen einen Darth und zwei Lords ist natürlich nicht besonders rosig. Also habe ich Skaara meinen letzten Strohhalm gezeigt: Lord Ginyu, meinen illust´ren Onkel. Wir reisten nach Dromund Kaas und ich stellte den exzentrischen Bruder meines Vaters vor. Charmant wie immer begrüßte er mich nach einem Blick auf Skaara „Wie schön, du hast dir ein Haustier zugelegt!“. Manchmal ist meine Familie wirklich reizend. Ich korrigierte ihn mit einer deutlichen Betonung auf „Sith“ in „Das ist Sith Sha’re“.

Die nächsten Stunden verbrachten wir im Planungsgespräch. Oder besser: Onkel Ginyu und Skaara planten, ich steuerte nur Stichpunkte bei. Richtig einig sind sie sich noch nicht geworden, aber man nähert sich wohl an.

Jetzt steht es also zwei Sith, ein Lord und ein Schüler (Onkel Ginyu hat tatsächlich wieder einen jungen Akolythen angenommen. Noch dazu ein Alien. Vermutlich, um Vater zu ärgern) gegen Darth Aroval, Lord Drowl und Lord Rednelak. Und weiß der Geier wen sonst noch.

Traumhafte Aussichten.

Aber besser als vorher. Ich bin immer noch bereit, für ihre Freiheit zu sterben. Nur diesmal sind die Chancen auf unserer Seite.

Wir bleiben noch ein paar Tage auf Dromund Kaas, dann bricht Skaara zu einer ersten Mission auf. Meine Rolle wird die des Köders sein, soweit ich verstanden habe. Wen genau ich ködern soll weiß ich aber noch nicht. Borraa? Onkel Ginyu hat natürlich seinen Fokus darauf gelegt, Vater und ihr in die Parade zu fahren. Aber für mich steht das Schicksal meines Meisters an erster Stelle.

Immer noch hat die Vorstellung, mit ihr, dem Kind und Skaara irgendwo als Outlaws zu leben und unserer Vision der Macht und der Freiheit zu folgen, etwas sehr anziehendes.

Der Regen. Noch einmal eine Wiederholung der Serie. Training ist Meditation. Ich spüre sie bei mir …

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