Der Weg ins dunkle Land

12. Januar 2015

Als ich aus dem Anwesen trete, sorgfältig die Jacke um die kleine Tannan ziehe, die ich an meiner Brust halte, und mich die ersten Regentropfen aus den sogar um diese Jahreszeit zum verrückt werden pittoresken Wolken treffen, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich mich zur Normalität des Krieges zurücksehne.

Als noch alles einfach war. Als wir wussten, wo der Feind steht und wie er aussieht. Wir – sie. Richtig – falsch. Und jetzt? Jetzt komme ich aus dem republiktreuen Haus von Shanora Garrde, wurde dort als „Familie“ bezeichnet, habe den Jedi, der dort drinnen ihren freundlichen Wachhund mimt, noch nicht einmal angegriffen und weiß nicht einmal mehr, ob ich mittlerweile im Imperium oder bei der Republik mehr Feinde habe.

Das einzige, was ich wirklich völlig sicher weiß ist, dass ich meine Tochter beschützen werde. Und ihre Mutter zurückholen.

Alles andere … Borraas Wahnsinn stoppen, Onkel Ginyus fröhlichen Amoklauf-in-Zeitlupe gegen Vaters Pläne unterstützen, Darth Arovals seltsam irre Religion ausrotten … ist so weit weg. Völlig abstrakt.

Tannan maunzt. Sie ist vermutlich hungrig. Immer mit der Ruhe, Kriegerin. Wir sind bald wieder in der Basis und dann kriegst du vom Medidroiden körperwarme Nährpampe. Ich schwinge mich auf meine Reitechse. Der Regen wird stärker und ich ziehe die Schultern nach oben. Ich lasse das Weingut hinter mir und wende den Kopf der Zeldrate in Richtung Küste.

Seit drei Tagen sind wir jetzt auf Alderaan. Wir … diese Ansammlung von Sith mit einem verschwindend geringen gemeinsamen Nenner. Fragile Bündnisse für spinnwebdünne Überzeugungen.

Wir haben uns mit Borraa getroffen, da Onkel Ginyu den vagen Plan hat, sie aus dem Konflikt zu ziehen und Aroval damit eine Schachfigur aus der Hand zu nehmen. Meine irre Schwester sollte mit einem Rakata-Artefakt geködert werden und in gewisser Weise scheint Onkels Plan auch Früchte zu tragen. Irgendwie. Anscheinend. Was soll man bei einer Verrückten auch groß feststellen können!

Sie ist dabei in Arovals Auftrag Experimente an den Bewohnern eines Dorfes zu machen. Ich will nicht genauer darüber nachdenken. Es ist reichlich widerlich und definitiv nichts, was sich mit einem wie auch immer gearteten Ehrenkodex vereinbaren ließe. Dabei hat sie die unwillige Unterstützung eines anderen Sith aus Arovals Gefolge, dessen Namen ich nicht mitbekommen habe. Onkel Ginyu hat jedenfalls recht schnell erkannt, dass die beiden eine herzhafte Abneigung pflegen und tat sein Bestes, den Keil weiter hineinzutreiben.

Ob er damit Erfolg hatte weiß ich nicht. Er selbst wirkt zufrieden. Ich habe mich den ganzen Besuch auf Borraas … Plantage lang damit beschäftigt, mich zusammenzureißen. Crucius war ebenfalls dabei und wir trugen Kapuzen und Masken. Dennoch bin ich sicher, dass meine Schwester mich erkannt hat. Wir erkennen uns immer.

Beunruhigender als das von der dunklen Seite immer mehr verwüstete Gesicht der Verrückten waren nur ihre Worte: Meister Concabille würde wieder treu und fest zu Aroval stehen. Sie würde die Armee des Alten anführen – aber wo genau, das ließ Borraa sich noch nicht entlocken.

Ich habe keine Ahnung, ob das nur wieder eine Lüge war … aber was, wenn nicht? Er kann sie vielleicht damit erpressen, dass er behauptet, Tannan in seiner Gewalt zu haben. Immerhin weiß sie nicht, wo die Kleine ist. Und um sie zu schützen beugt sie sich dem Willen des Darth. Wäre die einzig sinnvolle Erklärung. Denn noch einmal wird sie ihm nicht auf den Leim gehen. Dazu hat er sie zu oft hereingelegt.

Also ziehe ich los, bewaffnet mit all den Holobildern, die wir schon von unserem Zwerg gemacht haben … Tannan auf mir schlafend, Tannan an Skaaras Fingern hängend, Tannan auf Sheysas Schoß … all das. Für meinen Meister. Und wenn sie sieht, dass der Alte sie angelogen hat, wird sie mit mir kommen. Nachdem wir gekämpft haben, weil wir uns ewig nicht gesehen haben, selbstverständlich. Alles wird gut, Happy End. Oder?

Aber zunächst müssen wir sie finden – Alderaan ist kein kleiner Planet. Und so viele suchen jetzt! Sheysas Sith-Verbündete, zu denen sie heute aufbricht. Shanoras Jedi–Verbündete. Vielleicht hilft uns sogar Borraa. Gegen ihren Willen.

Es geht gar nicht anders. Wir werden sie finden.

Vor der Freiheit kommt dann noch die Verpflichtung. Verpflichtungen. Crucius zu helfen, Borraa zu schnappen. Onkel Ginyu zu helfen, Vater in die Pfanne zu hauen. Sheysa zu helfen, Aroval endgültig die Hebel gegen Haus Garrde aus der Hand zu nehmen. Oder Shanora? Welche der beiden ist nun die echte Lady Garrde? Nicht mein Problem.

Dass es vorangeht, dass wir Hinweise haben, dass ich so kurz davor stehe, sie zu finden … all´ das versetzt mich in beängstigend gute Stimmung. Jetzt kommt mir keine Politik mehr in die Quere. Nur noch Klingen und Blut. Sehr schön, das ist meine Arena. Hier bitte ich zum Tanz nach meiner Melodie.

Beflügelt von diesem mentalen Bild pfeife ich leise vor mich hin, während die Reitechse mich und Tannan zurück zur Küste trägt.

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OOC: Sehr viel passiert, sehr viel im Text weggelassen. Ich hoffe trotzdem, dass er als Dokumentation des Plotstandes aus Ghurabs Sicht dienen kann. Und ich hatte wieder Lust, das Baby zu zeichnen. Babies sind recht komplex, da sie zu 90% aus Speck bestehen, was die meisten konkreten Formen verwischt.

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