Die Welt will betrogen werden

27. Januar 2015

Ja – Nein – Ja – Ja – Vielleicht – auf keinen Fall – mit Nachbearbeitung … Die Reihe an Bildern wurde kürzer, der Ordner mit den schon gesichteten voller. Eine Tür weiter war Kollegin Yadia dabei, den Text zu sortieren. Er konnte hören, wie sie die Audiodatei zusammenschnitt, um sie dann in passenden Text umzuwandeln.

Er schaltete den Holoprojektor aus und lehnte sich zurück. Rieb sich die Augen, gähnte. Sie hatten noch ein paar Tage bis Druckunterlagenschluss. Trotzdem war Zeit immer ein Faktor.

Er griff in eine der Taschen seiner Jacke, die nachlässig über der Lehne des Schreibtischstuhles hing, und fingerte eine Cigara und ein Feuerzeug heraus. Das mechanisch-höfliche Hüsteln des Protokolldroiden, der für die Übersetzung der Huttese-Ausgabe durch die Redaktion wanderte, ignorierte der Cathar vollständig. Ein leises Surren, als die Vokalmodulatoren des Droiden ein wenig höher schalteten „Das Rauchen in den Verlagsräumlichkeiten-“ – „Klappe, Blecheimer. Geh woanders hin. Meinetwegen beschwer´ dich über mich bei der Chefredakteurin.“

Der Droide hoppelte davon. Er sollte keine Emotionen haben, strahlte aber dennoch elektronische Empörung der Extraklasse aus.

Nimr betrachtete das Feuerzeug, strich mit der Kralle am Daumen über die Gravur. Das war alles, was noch übrig war. Vom letzten Versuch, das Geld zusammenzubekommen. Nichts wollte klappen. Langsam verlor er die Hoffnung, jemals genug Credits für die Doktorarbeit auf einen Haufen zu raffen. Jede Unternehmung lief ins Leere. Und statt in irgend einer vornehmen Klinik auf Coruscant die belanglosen Wehwehchen der Oberschicht zu behandeln, hatten ihn verschlungene Pfade über ein Logistikunternehmen und ein Interludium bei der Regierung (das klang großartiger, als es gewesen war) hier nach Aldera in das nach fast-nicht-billigem Parfüm und Übertreibungen riechende Gebäude des Castle-Verlages gebracht.

Natürlich könnte er auch ohne Doktortitel praktizieren. Aber dann würden ihn nur irgendwelche gemeinnützigen, chronisch unterfinanzierten Wald und Wiesen-Hospitäler nehmen. Und um jeden Tag Zwölfstundenschichten zu kloppen, bei gerade genug Geld um sich abends ein Fertiggericht leisten zu können, hätte er nicht von zu Hause weggehen müssen.

Ein tiefer Zug an der Cigara. Ein hübscher Rauchring in Richtung der Decke.

Vielleicht sollte er aufgeben und sich hier gemütlich einrichten. Der Beruf war doch auch ganz nett, oder nicht? Man kam in die Häuser von Leuten, die es entweder geschafft hatten oder sich nie Gedanken darüber machen mussten, es zu schaffen, weil ihre Familien schon seit Generationen nur immer mehr und mehr Geld weiterreichten. Man durfte Häppchen von Buffets essen, deren Eisskulpturen-Dekoration teurer war als die komplette Ausstattung der Redaktionsräume. Und man konnte Checklisten mit sich selbst führen, bei welchen Damen und Herren man das Werk welchen angesagten Gesichtsschneiders wiedererkannte (da musste man hin! Schönheitschirurgie! Mehr Credits als man essen konnte!).

Dagegen war die Homestory samt Interview heute doch richtig angenehm gewesen. Mr. Blackwatch wirkte recht bodenständig und hatte sichtlich Spaß daran, mit Yadias Fragen Katz und Maus zu spielen. Einer dieser „ehrlicher Geschäftsmann“-Typen, die im richtigen Moment skrupellos zuschlugen. Erfrischend wie ein Furz in einem Raum voller Rosen, wenn man ihn so in der alderaanischen High Society betrachtete.

Nimr lehnte sich mit einem Grunzen wieder nach vorne Richtung Schreibtisch und drückte die Cigara in einer leergegessenen Take-Out-Schüssel Sullustian Noodles aus. Weiterarbeiten.

Yadias Aufnahmegerät im Nebenraum war verstummt, man konnte sie tippen hören. Wie sie mit diebischer Freude Zuckergussworte erschuf, um sie über der Realität auszukippen und damit die harten Kanten aus dem Leben der von einer bunteren Welt träumenden Leserinnen und Leser zu nehmen.

Mundus vult decipi. Immer schon.

Nimr tippte das Holo-Vid an. Noch ein Bild des Interieurs der Firma Blackwatch Securities. Könnte man ein wenig kräftiger machen in den Farben …

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OOC: Spaß mit den Reportern. Wir haben gestern Naxx in seiner Firmenzentrale besucht und Yadia hat ihn interviewt, während ich meinen Fotografen nach guten Motiven habe stöbern lassen. Es war unser erstes RP in dieser Richtung und wir müssen uns noch ein wenig einfinden, hatten aber viel Spaß an der Sache. Hinzu kamen noch einige Firmenmitarbeiter, die ebenfalls im Gebäude herumwuselten. Und da die Chatrange in Strongholds wohl unendlich ist, bekamen wir life und in Farbe auch Hardiels Burger- und Unterwäscheproblematiken serviert.

Unseren nächsten Interviewkandidaten haben wir auch schon. Also, vermute ich mal. Zumindest wollte Sheysa Yadias Namen wissen und hat sie auf die Friendlist gepackt.

Ich konnte mich nicht ganz von Nimrs RP-Vergangenheit lösen. Er war ja damals (TM) mein erster SWTOR-RP-Char. Leider löste sich die Gilde auf (naja, nicht wirklich. Ich habe sie geerbt und trage sie als einzig aktiver Char mit Nimr noch herum wie eine Gorillamutter ihr seit zwei Wochen totes Baby) und ich bin dann RP-mäßig zum Imperium gewechselt. Langsam orientiere ich mich aber auch wieder gen Republik und wollte mit dem Cathar zumindest ein wenig Kontinuität wahren. Passt auch immer noch ganz gut. Schließlich hat er den Regierungsjob schon damals nur wegen der Kohle für die Doktorarbeit gemacht.

Heute abend geht es wieder auf Imperiumsseite (enginemäßig). Wir wollen den Mando-Dienstag wieder einführen. Hängt aber davon ab, ob meine bösere Hälfte es geschafft hat, per Ferndiagnose Genthris Rechner wieder zum Arbeiten zu bringen. Ich drücke die Daumen, dass es läuft!

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