Aller Welten Feind

9. Februar 2015

Ich entriegele Das Tor zur Frachtrampe und die Drucktür öffnet sich mit einem leisen Zischen. Ein etwas weniger leises und viel bedrohlicheres Zischen antwortet aus dem moschusdampfenden Dunkel im Inneren. Zwei orange Augenpaare blinzeln und reflektieren das Licht aus dem Hangar des Garrde-Anwesens. Als die beiden Zeldrates mich erkennen, wechselt das Drohgeräusch zu aufgeregtem Grunzen und sie drängen nach vorn.

Ich lege ihnen die Stallhalfter an und schwinge mich auf den blanken Rücken meiner Echse. Die andere führe ich am Zügel. Ich lasse sie selbst den Weg zum Gartenbereich suchen, der ihnen zwar zu klein ist, den sie aber sicher als angenehmeres Zuhause empfinden als das Schiff des Cathar.

Wieder zu Hause? Niemand ist hier zu Hause.

Ich sehe vom Garten nach oben zu den Gästezimmern. Zähle die Fenster, reflektierende rote Flächen in der Abendsonne. Eins, zwei, drei … dahinter liegt sie. Dahinter sitzt Sheysa an ihrer Seite und versucht mit hilflosen Platitüden das zu erreichen, was ich mit Schwert und Faust nicht geschafft habe.

Mein Zorn ist tief in mir zusammengeflossen, sitzt wie ein schwarzer Klumpen in meinen Eingeweiden und Kälte kriecht durch meine Finger die Arme hinauf. Jetzt spüre ich auch den Schmerz in meinen Fingerknöcheln, die aufgerissen und blutig sind. Haut hängt in Fetzen, wo ihre Augenimplantate und ihr Jochbein, ihr Kieferknochen und die scharfkantigen Platinen unter ihrem Fleisch, in meine Hand geschnitten haben.

Sie ist wieder da. Mein Meister ist wieder da. Aber sie ist nicht wirklich mitgekommen. Der Teil, der sie ausgemacht hat, ist bei Aroval geblieben. Vermutlich weggeschlossen in einem Glas voller Alkohol, ausgestellt auf einem Regal neben Mutationen und Artefakten.

Geblieben ist eine leere Hülle, eine Sklavin, die wie ein Aufziehpüppchen die Sprüche ihres Meisters nachplappert.

Wie konnte ich auch so naiv sein zu glauben, dass alles einfach so werden würde wie früher, sobald ich ihr sagen würde, dass er nichts gegen sie in der Hand hat? Dass Tannan sicher bei uns ist. Dass er lügt. Immer.

Naiv. Dämlich.

Natürlich ist er klüger. Man wird nicht Darth, wenn man sich nur auf ein einziges wackliges Lügenkonstrukt verlässt. Er hat sie konditioniert wie einen Wachhund, der springt sobald Herrchen pfeift und dabei glücklich ist, weil er den Willen seines Meisters zu seinem eigenen gemacht hat.

Was dachte ich mir nur …

Sie kam zum vereinbarten (nicht vereinbart, nur vorgeschlagen) Ort. Und sie kam tatsächlich fast allein. Mein Herz füllte sich mit irrationaler Hoffnung. Sheysa hat darauf bestanden, mir Unterstützung mitzugeben, eine Mandalorianerin und einen Sith – mir war es recht, so lange ich meinen Kampf mit ihr für mich allein haben konnte. Kindische Sucht nach Aufmerksamkeit.

Ich glaubte daran, dass die Holobilder von Tannan sie auf wundersame Weise aufwecken würden. Dass unser Kampf sie aufwecken würde. Aber nichts davon ist geschehen. Gar nichts.

Irgendwann habe ich nicht mehr wahrgenommen, was um mich geschehen ist. Ich sah nicht mehr, wie Sheysas Verbündete Arovals Sith aufrieben. Es war mir auch völlig gleich. Nichts war von Bedeutung als unser Kampf.

So sinnlos. Ihre Lippen bewegten sich, teilten sich, um gelernte Lügen in die gischtige Meeresluft zu speien. Jeder Schwertschlag begleitet von einem falschen Satz, jede Parade akzentuiert von Arovals Philosophie, die sie nie wieder im Mund führen wollte. Von der sie sich so mühsam befreit hatte.

Ich fing an, mich für sie zu schämen. Sie war immer der Fels. Sie hatte sich immer freigekämpft. Und sie hatte versprochen, sich nie wieder zu beugen. Sie wollte an meiner Seite wahre Freiheit leben. Keinen Herrn, keinen Gott über uns, aller Welten Feind. Und jetzt sprach sie davon, dass nur Frieden das Ziel sein könnte. Frieden! Leben ist Kampf und Konflikt. Die Macht ist Kampf und Konflikt! Frieden ist nicht nur eine Lüge, Frieden ist Gift, das zu Stillstand führt. Und Stillstand ist Tod.

Aus dem Gefühl der Scham wuchs Zorn. Nicht mein kontrollierter Zorn, der mich in jedem Kampf antreibt, der mich mit der Macht in mir verbindet, der meine Füße in die Erde und meinen Kopf in die Sterne setzt, sondern Zorn, der alles zerreissen wollte. Der weder mich noch sie verschonen konnte.

Ihre Worte fielen wie Gift auf mich. Arovals Worte von ihren Lippen.

Ich wollte sie tot sehen. Lieber tot als so zerstört. Eine bewaffnete Propagandamaus für einen verrückten Herrn. Aroval hatte meine Meisterin getötet und ihre Leiche um mich zu verspotten mit einer kaputten Holoaufzeichnung seiner kranken Philosophie gefüllt.

Ich brachte es nicht einmal mehr über mich, meine Klinge gegen sie zu führen. Mein Schwert war für Besseres bestimmt. Ich habe sie mit der Macht und mit meiner Faust vom Pier hinunter ins Meer geworfen. Ich folgte ihr, bereit, immer weiter auf sie einzuschlagen, bis sie aufhören würde, Arovals Papagei zu sein.

Keine Kontrolle mehr über meinen Zorn. Ich fühlte ihr Nasenbein brechen und konnte nicht aufhören. Die Gewalt meiner machtverstärkten Schläge riss ihre Augenimplantate heraus und ich konnte immer noch nicht aufhören. Sie ging im hüfftiefen Wasser unter, Blut breitete sich um sie aus wie ein Mantel .. und immer noch wollte ich nur töten.

Ich hätte sie getötet.

Aber dann kam Onkel Ginyu mit dem Schiff des Cathar. Und mit ihm Sheysa. Sie stand auf der Rampe des alten Patrouillenschiffes und der Wind vom Meer zerrte an ihrer Robe. Tannan auf ihrem Arm. Und ganz ruhig erzählte Sheysa meiner Tochter, dass jetzt alles gut würde, denn ihre Mutter wäre jetzt wieder da.

Ihre Mutter, die fast bewusstlos dabei war, im Meer zu ertrinken und an ihrem Blut zu ersticken.

Das war der Moment, an dem mich die Müdigkeit einholte. Ich wollte nur noch schlafen – und irrationalerweise die beiden neben mir haben. Den Meister und Tannan. Und irgendeine absurde Hoffnung, dass nach Tagen der Bewusstlosigkeit ihr Verstand wieder klar sein würde.

Aber es gibt nichts umsonst.

Ich trug sie ins Schiff, Onkel Ginyu war ein wenig beleidigt, dass er seine Fieberwespen nicht auf Feind und Freund gleichermaßen katapultieren durfte, und wir zogen uns zurück zum Anwesen der Garrdes.

Ich glaube, Sheysas Verbündete haben einen lebenden Gefangenen mitgebracht – aber derzeit könnte mir wenig egaler sein. Wichtig ist nur die Frau, die im Gästezimmer liegt und lernen muss, ihren Verstand aus dem Sumpf zu ziehen.

Ich habe Hoffnung, denn sie scheint zu begreifen, dass Tannan wirklich lebt. Sie hat sie berührt. Aber hält diese Erkenntnis länger als eine Nacht? Sie wieder zu sich zu bringen wird ein steiniger Weg. Sheysa fängt schon wieder mit ihrem Gerede von Jedi oder dem Kerl in der Hütte an. Keine Jedi. Meister Concabille hat genug Gift im Ohr, da braucht es nicht noch mehr Harmoniegewäsch.

Ich werde jemanden finden, der ihr hilft.

Dämliche, kindische, irrationale Hoffnung.

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OOC: Das RP war klasse. Durch und durch! Ghurab durfte voll in den „Anakin will Padme umbringen“-Modus gehen (das war aber nicht geplant) und es wurde geradezu erschreckend gewalttätig. Ich habe mich lange auf dieses RP gefreut und wurde kein Bisschen enttäuscht. Vielen Dank an alle, die auch dabei waren! Ich hoffe, alle anderen hatten genauso viel Spaß wie ich.

Dass Ghurab sich nun das Motto der Vitalienbrüder abgewandelt hat ist nur meiner Freude an allem Piratischen geschuldet!

PvE-mäßig waren wir ebenfalls hochaktiv. Es sind schon 21 Millionen in der Kasse – fast die Hälfte des Gildenschiffes ist zusammen. Wir sind dafür auch ein paar Mal in Minibesetzung durch die Eternity Vault, haben Housing aus anderen Hardmodes gezogen und sind zu unchristlichen Zeiten nach Yavin zum Slicen. Nochmal ein, zwei Wochen mit dieser Schlagzahl und wir haben es.

Aber zunächst natürlich immer: RP!

Raised as son of the Empire, hardened like a piece of steel
I am the master now of all that I can see
This means so much to you but nothing much to me
Nothing touches … nothing ever touches

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