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Eine einmalige Gelegenheit

16. Februar 2015

„….a whole lot of breakfast y-**krkz-ffrrrrzzz….“ Der Werbejingle brach mitten im fröhlichen Gesang ab. Radio Number One Mid Rim verflüchtigte sich in diffuses Rauschen und dann in Stille.

Das war weder verwunderlich noch beunruhigend. Die elektromagnetischen Interferenzen des roten Riesensterns, der zwei Drittel des Horizonts über Thenebria Drei einnahm, verursachten ständig Störungen. Jede elegant-riesige Eruption schleuderte Partikel, erzeugte Wellen, die der Elektronik vorbeifliegender Schiffe Mini-Blackouts bescheren konnten, wenn man nicht darauf vorbereitet war. Und dass Unterhaltungssendungen und das überdrehte Geschrei eines unterbezahlten Radiomoderators dagegen nicht die geringste Chance hatten, war klar. Ganz normal.

Weniger normal und durchaus beunruhigend hingegen, dass die Geräusche des Sumpfes ebenso abrupt erstorben waren. Das monotone Heulen der Pelzaffen, die ihr Revier markierten, das schrille Piepem der Schwärme winziger, wie Edelsteine funkelnder Wasservögel und sogar das dumpfe, mehr fühl- denn hörbare Grunzen der Plattenechsen weit hinter dem nächsten Flussarm.

Stille. Eine Sekunde. Zwei. Seltsamer Ozongeruch. Die langen Blätter der Thenebria-Rüstern raschelten.

Die Geräusche kehrten zurück. Als sei nichts passiert. „…. with the crunchy, crunchy carrots …“ Sogar der Song über Mikrowellenfutter plärrte wieder aus der offenen Schleuse des corellianischen Kleinfrachters, der wie ein flacher Käfer auf dem einzig festen Stück Untergrund der umliegenden hundert Quadratmeilen saß.

Die Frau, die ihren Beruf auf einer rein hypothetischen Steuererklärung vermutlich mit „Unternehmerin, Spedition, Im- und Export“ angegeben hätte, richtete sich auf. Legte den Spaten zur Seite. Griff ganz beiläufig zum Blaster an ihrer Seite. Sah sich um.

Nicht bange machen lassen. Der Job war es wert. Wenn sie diese Artefakte nach Nar Shaddaa bringen konnte, wenn ihr Käufer sie für wertvoll befinden würde (würde er!), hätte sie es geschafft. Eine Goldmine ganz allein für sich! Niemand sonst in der Branche wusste von diesem Planeten. Niemand sonst hatte sich damit beschäftigt, was es hier zu holen gab.

Ein ganzer Planet voll mit Artefakten, weder Jedi- noch Sith-Ursprungs, die nur darauf warteten, geborgen und in die Hände exzentrischer Sammler verkauft zu werden. Und keine Gefahren, sah man von der Strahlung des Sterns ab – gegen die man sein Schiff aber wappnen konnte, wenn man Bescheid wusste. Die örtliche Fauna sah zwar zum Teil so aus, als hätte irgendein Irrer die letzten Jahrtausende damit verbracht herauszufinden, wie viele Zähne und Hörner er an zuvor harmlose Tiere züchten konnte, aber das war es auch schon.

Die einzig intelligenten Bewohner des Planeten waren einige Stämme primitiver Humanoider, die sich nicht blicken ließen. Sie wusste von ihrer Existenz auch nur aus den Aufzeichnungen, die sie überhaupt erst hierher geführt hatten. Vermutlich Nachfahren der Hochkultur, welche die halb im Sumpf versunkenen, von Lianen und Luftwurzeln umschlungenen Ruinen hinterlassen hatte, in denen sie nun so interessiert stöberte. Diese Typen schienen nicht vorzuhaben, sie zu stören. Und selbst wenn … vor irgendwelchen speerschwingenden Steinzeitmenschen musste sie sich nicht fürchten.

Aber Stille … das war neu.

Alles wieder in Ordnung, oder nicht?

Es konnte nicht schaden, alles noch einmal zu prüfen. Nur zur Sicherheit. Nicht, weil sie sich im Schiff besser fühlte als unter den gründampfenden Nebeln des Sumpfes, mit den toten Steinaugen der halb in der feuchten Erde versunkenen Statuen im Nacken, die überall herumstanden und die Eingänge zu längst zerfallenen Häusern, Tempeln, Palästen markierten. Nur einmal nachsehen. Sonneneruption und so.

Sie stapfte die Rampe hinauf, das Geräusch ihrer Stiefel auf dem Metall war beruhigend modern. Normal.

Im Inneren stand der ungewohnte Ozongeruch. Als sei nur hier ein Gewitter niedergegangen. Sie wanderte ins Cockpit. Wusste nicht warum aber konnte die seltsame Unruhe nicht abschütteln. Als wären Blicke auf sie gerichtet.

Das Radio war aus. Nicht kaputt. Ausgeschaltet. Ihre Nackenhärchen richteten sich auf und das Hemd klebte ihr schweißfeucht am Rücken. Sie ließ die Hand ganz langsam auf den Blastergriff an ihrem Oberschenkel sinken.

„Das Programm ist in den letzten zehn Jahren nicht besser geworden, wie es scheint. Wir werden sicher eine Alternative finden, nicht wahr?“ Eine Stimme, klares Basic, der Akzent rau und rollend und doch darunter der polierte Schliff des Imperiums. Sie wollte herumfahren, schießen, sich verteidigen. Imperium. Das bedeutete nie etwas Gutes. Nie!

Aber sie konnte sich nicht bewegen. Ihre Muskeln waren wie festgefroren. Nichts gehorchte ihr mehr.

„Ich habe mich gefragt, ob Sie noch einmal wiederkommen, als ich Ihr Schiff das letzte Mal abheben sah. Als ich mir Ihre … Ausgrabungsstätte betrachtete, war mir dann klar, dass Sie diese Unternehmung in größerem aber privaten Stil betreiben wollen.“

Die Stimme wanderte um sie herum, kam in ihr Blickfeld.

Ein Mann, groß und sehnig. Gekleidet in Felle, Leder und das Gesicht bedeckt von einer Maske aus Knochen und Federn.

„Der Schamane hielt es für ein Zeichen. Ich gab ihm recht. Wir schauten in die Tiefen der Macht und beschlossen, dass es Zeit wäre.“

Sie konnte immer noch nichts tun. Oder doch? Ihre Finger begannen wieder, ihr zu gehorchen. Schneckenhaft langsam umschloss ihre Hand den Blastergriff.

Das Gesicht des Mannes war hinter der Vogelmaske nicht zu erkennen, sein Lächeln aber in der Stimme zu hören. „Ah, ah, aah .. nicht so unfreundlich“ Er hob die rechte Hand, formte ein Gefäß aus den Fingern, ließ einen kleinen Ball aus Blitzen darin tanzen. Sie stöhnte „… Sith“

Wieder nur hörbares Lächeln „Mehr als das. Und ich habe nicht vor, Sie zu töten. Vermutlich.“

Er ballte die Faust, der Blitz verschwand. Und gleichzeitig fühlte sie sich, als wäre sie eine Marionette, deren Fäden man zerschnitten hatte. Sie war wieder frei aber ohne Halt. Fast wäre sie hingefallen.

Der Sith ließ sich in den Copilotensessel fallen, legte die Füße hoch auf die Konsole, verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Überdeutlich sah sie das so gar nicht zur primitiven Kleidung passende, distinguiert-schwarze Lichtschwert an seiner Seite. „Ich habe meine kleinen Freunde schon in Ihren Frachtraum verbracht. Zumindest die, die ich direkt mitnehmen werde. Dieses Mal nur mit leichtem Gepäck. Wir können also jetzt los.“

Sie wollte nicht wissen, wer oder was die „kleinen Freunde“ waren. Sein Ton machte mehr als deutlich, dass er mit „jetzt“ „sofort“ meinte.

Mit weichen Knien setzte sie sich. Startete das Schiff. Die Rampe fuhr hoch, versiegelte sich.

Keine Chance. Sie musste aus dieser Sache lebend herauskommen. Irgendwie …

Der Sith neben ihr wühlte in ihrem Dinge-die-ich-zu-faul-bin-wegzuräumen-Fach an der Mittelkonsole, fand einen noch verpackten Schokoriegel, riss das Papier ab und seufzte zufrieden.

Und sollte sie nebenbei herausfinden, was es mit diesem seltsamen Wilden auf sich hatte, konnte es auch nicht schaden.

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To be continued!

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