Der erste Schritt auf dem falschen Weg

23. Februar 2015

Die halbe Nacht nur Angst, Schreien, Wut. Dann ist sie vor Erschöpfung eingeschlafen und jetzt wieder wach und trotzdem nicht gut gelaunt. Ich kann es ihr nicht verdenken. Wir … ich … sind vor dem geflohen, was in einem der geschmackvoll eingerichteten Gästezimmer von Onkel Ginyu passiert ist. Und bei was ich nicht zusehen konnte, ohne dass mich Selbsthass und Zorn auf den Alten verbrannt hätten.

Seit drei Tagen waren der Meister, Tannan und ich schon auf dem namenlosen Wüstenplaneten, in dessen rechtsfreiem Raum Onkel Ginyu das tut, was ihm in den Sinn kommt. Der Zustand des Meisters hatte sich nicht verändert. Immer noch mäanderte sie zwischen Klarheit und den dunklen Tentakeln von Arovals Wahnsinn herum.

Gestern kam Sheysa an und brachte einen seltsamen Sith mit, der dem Meister helfen sollte. In dunkle Seide gekleidet und trügerisch sanft im Auftreten, ging er zu ihr, betrachtete sie zunächst aus dem Hintergrund, um dann auf sie zuzugehen und … Dinge zu tun. Ich kann es nicht beschreiben, denn es passierte hinter ihren Augenhöhlen, weit weg von dort, wo ich hätte eingreifen können. Ich blieb zunächst dabei. Ich habe sogar unkommentiert seine seltsamen Ausbrüche über korrekt-imperiales Verhalten ertragen.

Aber als er anfing, tiefer in ihren Geist zu greifen, als sie darauf ansprach, konnte ich nicht bleiben. Ich wollte nicht das Risiko eingehen, die Kontrolle zu verlieren und ihn anzugreifen. Ich schnappte mir Tannan, die noch deutlich sensibler als ich auf die geistige Verletzung ihrer Mutter reagiert, und ging mit ihr weg von allem. In die Wüste. In die große Leere, in der ich hoffte, nichts als einen Echoraum zu finden.

Ich wanderte ein paar Stunden in der klaren Nachtkälte – eine gerade Linie weg von dem, was hinter mir passierte. Und tatsächlich schien es zu helfen. Tannan schlief ein und auch mein Geist wurde ruhiger und offener.

Wie jedes Mal habe ich es nicht gespürt. Ich fühle selten, wenn dem Meister etwas zustößt. Meine körperliche Verbindung zur Macht war schon immer stärker als die seelische. Aber ich musste es auch nicht selbst spüren. Tannan wurde für uns beide getroffen. Es war deutlich nach Mitternacht, ich hatte mich die letzte Stunde auf nichts als meinen Atem und darauf konzentriert, im tiefen, nachglühenden Sand einen Fuß vor den anderen zu setzen, als Tannan nicht nur plötzlich wach wurde, sondern auch einen Schrei ausstieß, als würde sie abgestochen. Und dann mit dem Weinen nicht mehr aufhörte.

Mir war klar, worum es ging. Und dass ich nichts tun konnte. Also habe ich einfach hilflos versucht, das Kind zu beruhigen und einfach … weiterzulaufen.

Stundenlang. In den blauen Morgen hinein, durch die Hitze des Tages, über gesprungene Steine und wo es ging im Schatten überhängender Felswände. Tannans Verzweiflung wurde nicht kleiner, nur konnte sie irgendwann einfach nicht mehr. Und ich hatte nicht genug zu Trinken für sie dabei – nicht, dass sie auch nur einen Schluck hätte haben wollen.

Also kehrte ich um. Folgte der geraden Linie zurück zum Hof. Meine Spuren schon lange vom Wüstenwind gefressen.

Ich wollte nicht hören, was man mir dort erzählen würde. Und schon gar nicht sehen, was dort jetzt im Gästezimmer auf mich warten würde. Und trotzdem führte mich mein Weg direkt dorthin. Sheysa schlief in einem hochlehnigen Stuhl und mein Meister lag wie eine hingeworfene Puppe auf dem Bett. Nicht einmal mehr bewusstlos, nein, völlig weg.

Ich gebe zu, dass ich tatsächlich für einen Herzschlag daran gedacht habe, ihr die endgültige Freiheit zu schenken. Ihr Leben lang war sie nur ein Spielzeug und alles, was ich getan habe, um ihr zu helfen, sich zu befreien, führte sie nur tiefer in die hilflose Abhängigkeit. Ja, ein Großteil dessen, was in letzter Zeit passiert ist, war wohl mit meine Schuld. Ich hätte nur da sein müssen, als Aroval sie holte. Dann hätte ich es verhindern können.

Dass ich sie dann aber doch nicht getötet habe, ist purer Egoismus.

Und natürlich der Ärger über Sheysas bevormundende Art. Diese aufgedunsene Göre denkt, dass sie weiß, was in mir vorgeht. Und sie glaubt, dass sie die einzige sei, die sich um den Meister sorgt. Und von der moralischen Höhe dieser Selbstüberschätzung versucht sie mir einzureden, dass nur sie wüsste, was nun zu tun sei.

Seltsam, wie oft sie mit Vorschlägen kommt, die die Jedi involvieren. Wie bereitwillig sie mit ihnen zusammenarbeitet. Wie offen die Türen ihres Hauses für diese ewig herumredenden Häretiker stehen. Ich fange an, ihr stark zu misstrauen.

Sie sagt, der seltsame Sith hätte den Meister zu einem gewissen Teil von Arovals Beeinflussung getrennt, doch säße noch etwas in ihr, das nur ein Machtanwender der hellen Seite entfernen könnte.

Wie praktisch für Sheysas Geschichte, dass die Rituale des von ihr mitgebrachten Sith den Meister in ein Koma befördert haben und ich so den Wahrheitsgehalt der Geschichte nicht nachprüfen kann. Und wie noch viel praktischer, dass Sheysa direkt mit Kontakten zu Jedi aufwarten kann.

Und diese ganze Verkettung von „glücklichen Zufällen“ soll ich glauben?

Ich muss einen Weg finden. Und auf diesem Weg wird sich keiner von Sheysas oder Shanoras Jedi blickenlassen. Keiner dieser Irren, die mit religiösem Eifer unsere Vernichtung planen, statt zu begreifen, dass sich nur im Konflikt die Macht in all ihrer Schönheit entwickeln kann, wird meinen Meister wieder an die Kette legen.

Ich habe Sheysa jetzt auf eine falsche Spur geschickt (es tut mir Leid, Onkel Ginyu, dass ich sie jetzt dir an den Hals hänge. Du hast was gut!). Ich hoffe, dass es sie lange genug ablenkt, dass ich mit dem Meister und Tannan verschwinden kann. Bevor sie ihre Jedifreunde auf uns hetzen kann.

Das, was ich dann tun muss, ist nicht das, was ich tun möchte. Aber es ist das, was mir der Meister aufgetragen hat, als sie noch klar im Kopf war. Es widerstrebt mir … jede Faser meines Wesens will dagegen an. Aber es ist die einzig neutrale Möglichkeit.

Vertrauen? Nein. Vertrauen werde ich ihm nicht. Aber er hat wohl schon einmal das Richtige getan, ohne darauf zu hören, was seine „Freunde“ für richtig hielten. Ich kann nur hoffen, dass er das auch ein zweites Mal tut.

Jetzt muss ich warten, bis Sheysa verschwunden ist. Ein paar Minuten reichen. Und vorher werde ich den Cathar dazu bringen, unauffällig das Schiff startklar zu machen.

Ich bin müde. So furchtbar müde.

Ich werde nicht schlafen.

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OOC: Die Sache mit den Sith … Ich kann einfach keinen Sith spielen, der mit Jedi kooperiert. Funktioniert nicht. Nicht eine Sekunde. Ich stelle mir zwei Jahrzehnte der Konditionierung in Ghurabs Kopf vor. Dazu seine Erfahrungen an den Fronten des Krieges im direkten Kampf mit Jedi. Jedi, die nichts vorhatten, als ihn zu töten und das auch fast geschafft hätten. Jedi, deren Philosophie Ghurab als einen Affront begreift. Bei denen er spüren kann, dass sie ihn bemitleiden (weil sie glauben, ihre Wahrheit sei die einzige) und ihn gleichzeitig fürchten. Star Wars ist die Schlachtfelder der Kreuzfahrerzeit reloaded. Der selbe Gott, unterschiedliche Hintergründe. Deshalb unüberbrückbare Differenzen. Und am Ende spießt man Köpfe auf Stadtmauern.

Deshalb mache ich mir das RP, wie Ghurab mit Concabilles „Verletzung“ umgeht, nicht leicht. Wie er nun versucht, das Richtige zu tun – so sehr es ihm auch gegen den Strich geht.

Ob die Verwerfungen mit Sheysa je wieder geglättet werden können? In seinen Augen wird sie durch ihre Nähe zu den Jedi mehr und mehr zum Nicht-Sith. Und damit zum Feind. Aber er selbst hat sich mit seinem individualistischen Anarchismus (bis auf die Gewaltlosigkeit natürlich …und ein paar andere Dinge) auch langsam von der imperialen Doktrin entfernt. Es könnte also durchaus sein, dass man wieder zu einer Koexistenz (oder zumindest Duldung) zurückfinden kann.

Ghurab ist in seiner „aut caesar aut nihil“-Haltung der extremste Charakter, den ich je gespielt habe. Er ist nicht einfach und manchmal möchte ich ihm eine reinhauen. Aber dann hat er wieder großartige Momente voller Drama (im epischen Sinne) und Pathos.

Ich mag ihn!

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