Nur ein Brief

25. Februar 2015

Zu einer Zeit, als man Briefe noch auf Papier schrieb, hätte er jetzt wahrscheinlich auf dem Stift gekaut. So blieb ihm aber nichts übrig, als sich in die Ecke hinter dem Tisch mit den Waffen im Eingangsbereich der Enklave zu setzen und sein Datapad anzustarren, bis vielleicht Buchstaben darauf wuchsen.

So richtig schön war der Tag nicht gewesen … also eigentlich keine optimale Grundlage für eine fröhliche, positive Antwort. Was sollte er auch sagen? Sollte er davon erzählen, dass er jetzt viel Zeit mit buir in der mandalorianischen Enklave verbrachte und nicht mehr bei den Imperialen? Oder eher davon, dass er gerade von einem Planeten zurück gekommen war, auf dem er zusammen mit einer vod von Lorsa und zwei neu in den Clan adoptierten Frauen trainiert hatte? Das würde Illjana bestimmt nicht interessieren. Und dass es schon recht … speziell gewesen war, als die Zabrak mit ihm unbewaffneten Kampf geübt hatte … nein, das erzählte er besser Garrm. Vor dem konnte man damit auf jeden Fall gut angeben. So eine richtige Kriegerin, die sich auf ihn geworfen und – … da wüsste er noch nicht einmal, was für Worte er für Illjana benutzen könnte, damit das nicht … naja, so klang … wie es eben gewesen war. Beim Gedanken daran wanderte Khalb jetzt noch eine nicht unbedingt unangenehme Röte den Hals nach oben und landete heiß auf seinen Wangen. Ringkampf … ohne Rüstung. Ja, besser bei Garrm aufgehoben, dem konnte man die sehnigen Schenkel der Rothäutigen doch deutlich unbefangener beschreiben.

Aber vom Streit mit seiner Mutter könnte er Illjana erzählen. Dass sie ihn für etwas hatte bestrafen wollen, was er nicht getan hatte und sie sich dann angeschrieen hatten. Dämliches Gezanke wie in letzter Zeit immer wieder. Nein, das wäre auch komisch. Damit musste er ganz alleine klar kommen. Wenn er das verd`goten erst einmal hinter sich hätte, wäre er sowieso frei. ´lek, natürlich liebte er seine Mutter. Er verdankte ihr sein Leben. Sein richtiges Leben. Aber er blieb eben auch nicht ewig ein kleiner Junge ohne eigenen Kopf. Und da Lorsa genauso stur war wie er, führte das zwangsläufig immer wieder zu Kämpfen.

All diese Kleinigkeiten. Der Streit, das Training – eigentlich wurde doch alles von Illjanas Brief überschattet. Diesem plötzliche Schlag in den Magen, dass seine vod einfach nicht mehr da wäre. Weg. Gegangen. Gegangen worden?

Überraschend war es nicht. Die Ex-Piratin hatte nie wirklich zu den Imperialen gepasst. Sie war gut gelaunt, wild, phantasievoll und bunt. Das hatte nicht lange gut gehen können. Aber dass sie jetzt wieder in die Dienste eines der dar`jetiise getreten war, blieb Khalb unverständlich. Sicher, das war wohl eine eher auf Reisen und Abenteuer als auf Kampf und Krieg spezialisierte Truppe. Reisen, Abenteuer, Jagd – das klang genau wie alles, was Khalb im Moment nicht haben konnte. Aber trotzdem – schon wieder Imperiale? Gab es die auch in anders, als die Offiziere auf dem Jaguada-Planeten? Er dachte an Sergeant Morrisen, die versetzt worden war. An den verrückten Beskad. An den betulichen Arzt, den dunkelhäutigen Lieutenant mit den interessanten Trainingsideen und an den alten Ingenieur, der so schlecht rennen konnte. Ja, es gab andere. Aber die wurden im Laufe der Zeit geradegebogen, auf die imperiale Norm eingenordet. Und wenn er sich die lockere shereshoy der Zabrak-vod von vorhin im Vergleich zu buirs immer strenger werdendem Blick ansah, schien es wohl ein ziemlich auswegloser Prozess zu sein.

Also hatte sich Illjana gerettet, bevor es sie erwischen konnte. Oder hatte es aufgeschoben. Auf jeden Fall war sie nicht mehr da. Einfach so. Und Khalb war zu verletzt davon, als dass er zugestehen konnte, dass sie das nicht freiwillig getan hatte. Was zählte war, dass sie weg war.

Buir tat so, als sei es ganz normal, sich wieder mit Illjana zu treffen, hatte ihm sogar ganz nebenbei aufgetragen, sie zu grüßen. Als sei das alles so einfach!

Khalb starrte auf das Datapad. Ganz oben Illjanas Kennungsnummer. Das immerhin hatte er schon fertig gebracht. Also, schreiben. Er zog die Unterlippe zwischen die Zähne. Atmete tief und frustriert aus. Schreiben. Nicht seine starke Seite. Und schon gar nicht, wenn es um … so was ging.

Half nichts. Der Brief war ein Gegner und er würde ihn angreifen!

Su`cuy Illjana! (ein guter Anfang)
Wie geht es Dir mir geht es gut (klassische Fortsetzung. Das hatte schon damals gut geklappt, als er an buir geschrieben hatte). Hier ist alles okay. Buir sagt, sie will sich mal mit Dir treffen. Ich komme dann mit und schau mir das Schiff an. (und was jetzt? Wie fasste man in Worte, was man kaum gerade denken konnte?)
Ohne Dich wirds bestimmt nicht lustiger. Ich hoffe, ich hab bald meine erste Jagd. (sehr, sehr durcheinander. Und nichts Neues. Was konnte man sagen?) Es ist bestimmt toll, die Galaxis zu sehen und gefährliche Dinge zu jagen. Das klingt, als könnte man richtig Ehre gewinnen. Ich will Dich gerne mal wieder sehen, weil ich besser erzähle als schreibe. Ich vermisse Dich.
Ret´,
Khalb

Tja. Ein Brief. Und wenn er ihn abgeschickt hätte, wäre seine vod immer noch am anderen Ende der Galaxis.

Entschlossen tippte er auf “senden”.

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  1. Ayla
    25. Februar 2015 um 1:45 pm

    ganz im gegensatz zu dir, ist schreiben nicht seine stärke. ich bin aber jedesmal erfreut das dir das ganze so gut liegt und verfolge schon sein einiger zeit deinen blog und lese mit begeisterung alles über deine charaktere.
    kurz, ich freue mich über jeden beitrag hier von dir und find das einfach klasse, wie man durch deine erzählungen mit fiebern und auch fühlen kann.
    große klasse!!

    …..das musste ich jetzt einfach mal los werden

    • 25. Februar 2015 um 6:31 pm

      Vielen Dank! Ich freue mich sehr über so ein Lob. 🙂

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