Und die Welt dreht sich weiter

13. März 2015

Bin ich in einer von Darth Arovals Visionen? Nehme ich nur das wahr, was ich möchte? Alles nur Illusion?

Ich sehe es deutlich. Die seltsam grünlich gestrichene Wand des Frachtraums, in dem wir uns gegenüberstehen. Kleine abgeplatzte Farbflecken, die Ränder sternförmig aufgepilzt. Ich höre ihren Atem über die zwei Schritte, die uns voneinander trennen. Deutlich. Ich rieche das getrocknete Blut an mir und den Steinstaub, der noch in meinen Haaren hängt. Und ich fühle den Griff meiner Klinge in meiner Hand. Wie die Runen aufeinander reagieren, eine Verbindung schaffen und das Schwert zu einer Verlängerung meines Armes machen.

Niemand könnte so etwas schaffen.

Und der Alte hätte auch keinen Grund dazu. Nein, er ist wirklich tot, verschwunden, von der Dunkelheit hinter seinen Augen aufgefressen.

Und wir sind hier, im Schiff des Cathar. Mein Meister steht vor mir, das alte, hässliche Schwert in ihren Händen, die leeren Augenhöhlen verdeckt und wartet darauf, dass ich angreife. Ihr Geist ist klar, sie sprüht vor Leben. Tannan liegt in einem Nest aus Decken auf der Pritsche, die unser Bett ist und scheint sich so wohl zu fühlen, wie schon lange nicht mehr.

Wenn ich meinen eigenen Sinnen nicht traue, so ist doch das Gespür meiner Tochter mein Faden zur Wirklichkeit. Dieser kleine rote Zwerg ist mein Maßstab für Gut und Böse und alles dazwischen. Und eben dieser Zwerg liegt dort, sieht zu uns und spielt sich an den Zehen.

Es muss real sein.

Vor einer Stunde bin ich aus etwas zurückgekehrt, das ich noch nicht kannte. Ein Kampfrausch so vollständig, dass mein Geist nicht anwesend war. Nichts, was ich wieder erleben möchte. Aber es war wohl notwendig, dass sich mein Selbst löste, damit mein Körper tun konnte, was getan werden musste. Und es war nötig, den Meister zu beschützen. Vor denen, die sie opfern wollten, um den alten Dämon zu besänftigen. Feiglinge, die sich nicht selbst ihren Kämpfen stellen wollten.

Meister Concabille hat mir alles erzählt. Arovals Verschwinden (sein Tod! Er muss tot sein!), die Selbstsucht der verbündeten Sith … all das. Ich lauschte der Musik ihrer Stimme und stellte mir die Frage, die sich schon länger aufdrängt. Was sind wir jetzt?

Wir haben keinen Meister mehr. Und ich gehe immer weiter zu den Wurzeln zurück. Ich spüre Verachtung für die narzisstische Kaste von Egomanen, die sich Sith nennen. Sie haben das verloren, was unseren Vorfahren so wichtig war: ihre Ehre.

Die Bladeborn waren ein logischer Schritt. Das Ursprüngliche. Der Kampf als spiritueller Weg. Den Konflikt leben, der die Macht in uns anfacht.

Für mich zweifellos der Weg, den ich gehen will. Aber was ist mit dem Meister? Sie ist ein Pendel zwischen den Polen des Lichts und der Dunkelheit. Damit muss ich leben. Ich muss es nicht akzeptieren, kann es aber tolerieren – und schon das betrachte ich als mehr Kompromiss, als ich mir je zugetraut hätte.

Bleibt die Frage, wie es weitergeht.

Wir sind uns einig, dass Tannan selbst wählen wird. Bis sie das tun kann, werden wir sie ausbilden. Und da wahrscheinlich ist, dass ihre schon jetzt enorme Begabung weit über das hinausgehen wird, was wir einfachen Krieger sie lehren können, müssen wir uns nach Meistern für sie umsehen, die unseren Kriterien entsprechen.

Aber das ist der große Plan, nicht der nächste Schritt.

Der nächste Schritt liegt auf Alderaan. Meister Concabille will mit ihrer Tochter sprechen. Der großen Tochter. Ich weiß nicht, ob ich dabei sein sollte. Immerhin habe ich das letzte Mal, als ich im Anwesen der Garrdes war, nicht nur den Jedi angegriffen, der die ganze Zeit Einfluss auf die Familie zu nehmen versucht, sondern habe auch sonst die Gastfreundschaft eher mit Füßen getreten.
Dann braucht der Meister ein neues Schwert. Auch wenn ihr das alte nicht von Sheysas Verbündeten gestohlen worden wäre, hätte sie diese Klinge wohl nie wieder schwingen wollen. Zu tief sitzt Arovals Hexerei im Metall.

Da der Orden nicht ihre Zukunft sein kann, wird sie nie eine Masterblade führen. Also geht die Suche an anderen Orten weiter.

Es ist ein wärmender Gedanke, dass wir ein einfaches Ziel haben. Nicht mehr das Schicksal der Galaxis, nur noch wir.

Später vielleicht wieder … mischen wir uns ein in das, was größer ist als wir selbst. In den ewigen Konflikt, ohne den sich nichts entwickelt, dessen Chaos ständig Leben gebiert.

Aber zunächst einmal kümmern wir uns um das, was liegen geblieben ist.

Sie meint, ich wäre nicht mehr ihr Schüler. Nun, ich mag sie im Kampf besiegt haben – aber was ist schon ein Schlagabtausch in einem Krieg?

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OOC: Gestern schönes Fluff-RP gehabt. Nach all dem Drama und Blut war das auch mal wieder nötig und schön. Langsam pendelt man sich wieder ein. Noch ist man nicht wieder beim Kämpfen-Saufen-Philosophieren-Ficken angekommen, dazu sitzt Arovals Präsenz noch zu tief in den Knochen. Aber man arbeitet an Normalität.

Und etwas ganz Anderes. Das Thema, das heute wohl eine Menge Leute beschäftigt. Das verdammt traurige Thema.

Ich erinnere mich noch an den ersten Scheibenwelt-Roman, den ich gelesen habe. „Das Licht der Phantasie“. Ich war heftig am teenagern. Damals war das Internet noch ein „Whoaaa, 56k!!“-Ding für Meganerds, die auch mit Fischertechnik Brötchenschmiermaschinen bauten. War man also an Fantasy und Science Fiction interessiert, blieb einem nichts übrig, als in der Stadtbücherei das „Phantastik“-Regal einfach von A bis Z abzuarbeiten. Und das tat ich. Ich lernte, dass mir Lem imponierte aber einen komischen Geschmack im Mund machte, dass ich Cabell auf Anhieb liebte, dass man Anthony besser im Original las (meine Englischnote wurde zur Eins und blieb dort. Danke, Fremdsprachenbuchhandlung in Heidelberg!) und dass die Übersetzung von Kurtz´ Deryni-Zyklus die Bücher nicht kaputt machen konnte. Ich las völlig wahllos alles. Gibson, Farmer, Howard, Asprin, White, Bradley, Scarborough, Leiber, Weiss … Hauptsache Schwerter, Laser, Raumschiffe oder seltsame Welten.

Und dann fiel mir dieses eher dünne Taschenbuch mit der kruden (Kirby! Heute liebe ich ihn sehr) Titel-Illustration in die Hände. „Das Licht der Phantasie“ (wie man sieht las ich zu Anfang nicht in der richtigen Reihenfolge).

Ich fing an, es zu lesen. Und ärgerte mich. Dieser Kerl schrieb so, als wollte er an Adams heran. Und würde es einfach nicht schaffen. Wo Adams einen Satz hintupfte, der einen in aller Leichtigkeit mit dem Vorschlaghammer traf, doktorte dieser Pratchett herum und würgte auf Pointen hin.

Nicht mein Ding. Ich war mit der Scheibenwelt direkt wieder durch.

Doch zum Glück gab es in unserem Haushalt noch mehr Alles-Leser. Und so landete dank meiner Mutter (oder Schwester, ich weiß es nicht mehr genau) „Das Erbe des Zauberers“ auf dem Tisch. Und weil mir beim Frühstück langweilig war, fing ich an zu lesen.

Alles weitere ergab sich. Ich las jeden Scheibenwelt-Roman. Mit wachsender Begeisterung. Pratchett entwickelte sich und seine Welt mit Riesenschritten. Je mehr er sich auf schon Bestehendes beziehen konnte, je weniger er Grundlagenarbeit leisten musste, um so besser wurde er. Ich liebte Nanny Ogg, konnte Samuel Vimes absolut und vollständig verstehen, freute mich über jeden Kurzauftritt des Todes und vergaß zusammen mit den Zauberern, dass der Bibliothekar jemals ein Mensch gewesen war.

Die Scheibenwelt hat es mittlerweile zu einem solch festen Klassiker der Popkultur gebracht, dass man selbst nicht-Nerds mit Zitaten nicht völlig aus der Fassung bringt. Und nimmt man die tief zu Grunde liegende liebevoll-humanistische Haltung dazu, der man das „hope for the best but expecting the worst“ nicht immer abnimmt, hat Terry Pratchett für mehr als eine Generation etwas geschaffen, das Bestand haben wird.

Ja, ich gebe zu – die letzten zwei, drei Romane haben mir nicht mehr gefallen. Ich weiß nicht, ob die Krankheit des Autors nicht doch ihren Tribut gefordert hat. Jedenfalls verwirrte sich der rote Faden häufig und es ergaben sich stilistische Brüche, die ich so vorher nicht kannte (ich bin sogar fast sicher, dass er die letzten zwei Bücher nicht mehr selbst geschrieben hat). Aber das Gesamtwerk wird davon nicht überschattet.

Die Unsichtbaren Schriften des L-Space werden viele Ihrer Zeilen enthalten, Mr. Pratchett! Sie werden mir fehlen.

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