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Elder Scrolls Online – ab heute „für umme“

17. März 2015

Also – fast. Die TESO-Forenbewohner bestehen mit Vehemenz darauf, sich vom „gescheiterten F2P-Pack“ (sie führen gerne SWTOR an, was ich im Vergleich der Spielerzahlen und der Gewinne für die Publisher recht amüsant finde) abzuheben. Sie sind jetzt nämlich nicht Free to Play sondern – und das ist natürlich um Längen exklusiver – Buy to Play.

Aber man sollte ein MMO nun beim besten Willen nicht an den Gestalten messen, die sein Forum bewohnen! Sonst wären die allermeisten völlig unspielbar. Gut, ich gebe zu, dass in WoW die Community Ingame fast so toxisch ist wie in den Foren. Aber da gilt wohl wie auch allgemein: In WoW ist alles größer und extremer.
Tummeln sich in den WoW-Foren also die Äquivalente zum prekären RTL2-Publikum mitsamt Tunnel im Ohr, Tribal aufm Arm, zehn Kindern namens Brooklyn und Cheyenne und flatternder Turnhose, so erscheinen die TESO-Foren dem Außenstehenden wie das Mutti-Ghetto Prenzlauer Berg der MMO-Welt. Bräsige Homöopathiegläubige, Dinkelselbstschroter und Manufaktum-Kunden, die „voll für Integration“ sind – aber bitte nicht hier in klein-Jesaja-Torbens Kindertagesstätte.

Natürlich ist das eine Übertreibung. Aber einen Trend zur Überheblichkeit habe ich in den letzten zwei Monaten, als ich mir TESO nach langer Pause wieder angesehen habe, durchaus feststellen müssen. Man fürchtet sich vor „dem Pack“, das die Umstellung auf B2P natürlich „zwangsläufig“ mitbringen muss, wittert im bisher reichlich spärlich ausgestatteten Kronen-Shop (entspricht dem Kartellmarkt, nur dass man die dort gekauften Gegenstände nicht Ingame für Gold weiterverkaufen kann) den Untergang der Spielkultur (so ein Hochzeitskleid wird das Erleben der Atmosphäre natürlich um Längen negativer beeinflussen als all´ die Klappspaten mit Namen wie „Kühlschrank“ und „Cuntdestroyer“, die derzeit durchaus auch mit Paywall in Tamriel herumgurken) und ist sich sicher, dass alle Trolle der virtuellen Welt nur darauf gewartet haben, fünfzig Euro für dieses Spiel auszugeben, um sich dann den ganzen Tag dort aufzuführen wie offene Hose.

Aber, wie gesagt: Foren haben mit der realen Situation selten etwas zu tun. Und genauso ist das auch in TESO. Oder scheint so zu sein. Ich will meine Erfahrungen nicht verallgemeinern. Also – alles, was ich hier von mir gebe, ist objektiv völlig unfundiert und steht nur und ausschließlich auf den tönernen Füßen meines Erlebens.
Im Gegensatz zur in den Foren vorgegaukelten Exklusivität habe ich nämlich die Ingame-Community von TESO als nicht anders wahrgenommen, als die eines jeden Mischmodell-MMOs. Die selbe Menge an unhöflichen Nervsäcken, die selben Bettler, Dumpfbacken und Griefer. Dazu auch nicht weniger doofe Namen (wir erinnern uns: Es gibt keine RP-Server) und der selbe Mangel an freundlichem Umgang wie überall. Und das gleiche Bild auch im Positiven. Es gibt in TESO genauso viele nette, hilfsbereite, engagierte und reife Spieler, wie man sie überall antreffen kann. Kurz: Alles im Normbereich.

Kein Grund, sich auf die Schulter zu klopfen und kein Grund, sich vor Free to Play (Entschuldigung, natürlich Buy to Play) zu fürchten. Es wird sich mittelfristig nichts ändern.

Doch, vielleicht wird sich etwas ändern. Vielleicht schafft TESO, wie damals SWTOR, die Kurve und macht mit dem neuen Modell genug Geld, um nicht nur weiterzuexistieren, sondern sich auch zu verbessern!

Wäre wünschenswert. Denn meine Rückkehr nach Tamriel hat mir gezeigt, dass sich im letzten Jahr leider nicht viel verändert hat. Immer noch das verbuggteste MMO, das ich je gespielt habe (mit 1.6 haben sie jetzt endlich auch den „als Administrator ausführen“-Bug von Windows 7 auf Windows 8.1 portiert – Respekt!) und leider immer noch weit unterhalb des Potentials, das die starke IP „Elder Scrolls“ vermuten ließe. Nicht falsch verstehen! TESO ist ein solides Fantasy-MMO mit solidem Kampfsystem (nicht meins aber ich erkenne an, dass es für andere Leute bestimmt ein großer Spaß ist), soliden Standard-Quests (töte Räuber, fange Werwölfe, haue X davon um, damit Y passiert) und einem mehr als nur soliden Charakter-Erstellungsmenü, in dem man viele vergnügliche Stunden verbringen kann (wobei man nicht erwarten darf, dass das Männlein am Ende blendend schön aussieht! Da hat Zenimaxx viel von Bethesda gelernt: Hässlich ist besser! Homunkelgesichter und Gummifusselfrisuren allüberall). Aber – reicht das heutzutage?

Die Hybris, im übervollen MMO-Markt mit einem Produkt aus dem oberen Mittelfeld auf ein reines Abomodell zu setzen wurde zu recht bestraft.

Nichtsdestotrotz wünsche ich mir sehr, dass der Schuss vor den Bug, den die freifallenden Abozahlen sichtbar bedeuteten, ein heilsamer Schock war und die Entwickler TESO nun nicht an der langen Leine zur Melkkuh bis zum Tode verkommen lassen, sondern dass sie das Ganze als Herausforderung begreifen, den Spielern nun erst recht zu zeigen, dass die Qualität nicht weiter sinkt, sondern dass sich etwas tun wird. Mehr Inhalte, spannendere Quests … all´ sowas.

Denn hin und wieder mag ich es wirklich, ganz für mich allein (Gruppenspiel fällt dank Megaserver flach. Mein Englisch ist gefühlt nicht gut genug, um flüssig in der Geschwindigkeit zu kommunizieren, wie sie bei einem Dungeon gebraucht wird … und das Englisch anderer Leute ist definitiv auch nicht besser … für eine deutsche Gilde spiele ich zu wenig, es ist ein Dilemma) in der hübschen Welt herumzustreifen, hie und da irgendetwas umzuhauen, Ruinen zu erkunden, versteckte Quests zu finden (das haben sie mal wirklich ordentlich hinbekommen! Ich liebe versteckte Dinge!), Rohstoffe (spärlich gesät) und Skyshards zu suchen und mich an der schön gestalteten Natur zu erfreuen.

Ja, das Leveln ist dank der eher so … mittleren Motivation zäh – aber irgendwann komme ich bestimmt mal voran.

Vor das Weiterspielen hat Zenimaxx aber mal wieder einen Patch gesetzt. Diesmal ein kleiner. Für ihre Verhältnisse. Nur 2 GB. Fast gar nichts.

Im großen und ganzen lohnt sich das Spiel wirklich. Wer es günstig ergattern kann, sollte es sich auf jeden Fall ansehen. Die Free-to-Play-Einschränkungen (Heulen aus dem Hintergrund: „BUY to Play!!“) sind minimal (10% weniger Erfahrung und die DLCs kosten extra. Es gibt glaube ich noch keine DLCs) und man bekommt eine riesige Welt zum Erkunden, Urlaub machen, Wandern, Spaß haben.

Wenn man sich von der Erwartungshaltung „Skyrim Multiplayer!“ löst, kann man mit TESO glücklich werden. Bleibt wohl auf längere Sicht das Zweit-MMO der Wahl für mich.

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