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Hook, line and sinker

24. März 2015

Irgendwann muss ich es auch vor mir selbst eingestehen: TESO hat mich. Ja, es ist immer noch kein herausragendes Spiel. Ja, es ist Standard-Fantasy. Ja, es hat Bugs wie Hulle. Ja, das Kampfsystem ist wirklich gewöhnungsbedürftig. All das und viel mehr: Ja.

Trotzdem habe ich zunehmend Spaß daran. Eben weil das Kampfsystem ganz anders ist. Es ist sehr movementlastig (ich bin dank Powertech-Erfahrung daran gewöhnt, mich nicht auf Autotarget zu verlassen, sondern meinen Charakter immer schön frontal zum Gegner zu platzieren, damit der Flammenwerfer nicht ins Leere geht), das aktive Blocken fordert meinen inneren Tank heraus (BÄM! Schild auf die Brotmühle! Du willst einen starken Angriff machen? Dann nochmal! BÄM! Haha, interrupt!) – dafür hat man dann eben nur fünf Fertigkeiten in der ersten Leiste. Der Spaß dabei ist, aus all den Fertigkeiten, die man lernen kann, genau die fünf parat zu haben, die in der Situation nützen.

Überhaupt die Fertigkeiten … so viele Möglichkeiten, seinen Charakter zu bauen! Magier in Kette mit Schwert und Schild, Schurke mit Stabkampf, Heilerdose mit zwei Waffen. Ich vermute, dass es im Endgame dann doch wieder nur drei effektive Builds gibt, aber in der Levelphase (und wohl auch als Casual) kann man sich austoben.

Dazu dann noch das Handwerkssystem, das ebenfalls nicht zu knapp Skillpunkte fressen kann, und schon ist man damit beschäftigt, jede Questreihe und jeden Skyshard zu suchen, damit man genug zu Verteilen hat.

Handwerken ist auch das, was mich derzeit am ausgiebigsten beschäftigt. Man hat die Möglichkeit, sich selbst Sets mit Setboni zu bauen. Ein MMO, bei dem die gebastelten Rüstungen tatsächlich besser sein können (zumindest in der Levelphase, ich vermute, im Endgame ist es das gleiche wie überall) als das, was man über PvE bekommt! Unglaublich!

Das Basteln von Rüstungs-Sets hat natürlich etliche Vorbedingungen. Man braucht ein bestimmtes Skillevel und man muss, je nach Set, verschieden viele Rüstungs-Traits über das – immer zeitintensivere – Zerlegen von Gegenständen erforscht haben. Zumindest ist das die Erfahrung, die ich bisher gemacht habe. Ich habe genug Traits an Rüstungen zusammenbekommen, um mir drei Setteile bauen zu können. Jedes Set wird an einer anderen, meist tief in der Pampa nur durch Zufall gefundenen, Spezialschmiede gefertigt. Und das Allerbeste: Man kann die Teile aussehen lassen wie man will! Es gibt kein festgelegtes Set-Design. Mein Charakter kann mittlerweile in fünf verschiedenen Volksstilen schmieden und hat sich sein Set wild zusammengestellt. Dunmerische Hosen, Khajiit-Oberteil und Redguard-Gürtel. Das Khajiit-Oberteil ersetze ich vielleicht noch durch etwas nordisches oder einen fetten bretonischen Panzer – aber da muss ich erst wieder genug Honing-Stones zum Verbessern finden.

Ja, Crafting macht in TESO tatsächlich Spaß. In SWTOR baue ich mir nur manchmal Einzelteile um ein RP-Set besser aussehen zu lassen – aber meist läuft es nur darauf hinaus, dass ich mich mit der Produktion von grünem Müll aufs Höchstlevel handwerke und dann Barrels, Augments und dergleichen herstelle. In der Levelphase hat mir nur das Cybertech-Zeug wirklich etwas gebracht. Und auch dann ausschließlich zu den Zeiten, wenn Kuat und andere Flashpoints nicht genug Marken abwarfen. Es ist natürlich auch so, dass das Crafting in SWTOR nur von wirklich verbissenen Naturen ausgiebig betrieben wird. In diesem Spiel geht es um andere Dinge, Basteln steht bei Sith nicht ganz oben auf der To-Do-Liste.

Da ich gestern nicht viel spielen konnte, habe ich Thalab nur in ein paar kleine Höhlen geschickt und ihn das Rätsel um die Baronin und ihren Spiegel lösen lassen. Wenn man in TESO die vielen herumliegenden Briefe liest, erfährt man eine Menge zum Hintergrund der verschiedenen Storyquests – und meistens bereut man es. Denn wer auch immer die Geschichten schreibt, ist ein maximaler Misanthrop. Oder Dramatiker. Findet man einen Liebesbrief kann man sicher sein, dass man entweder bald auf die Leiche eines der Beteiligten stößt oder ein Daedra Spaß daran hat, die Beziehung zu torpedieren. Und wäre es nicht schlimm genug, dass eine Attentäterin die Duchess umgebracht hat, findet man zufällig einen Tag später in einem völlig abgelegenen Goblinlager die angenagten Überreste eines Botenreiters, der einen Brief der Verblichenen an ihren Vater dabeihat, in dem sie davon erzählt, dass sie schwanger ist, aber ihren Mann erst noch damit überraschen will. Tja, tough luck.

Man muss das Ganze nicht lesen, es ist selten relevant für den direkten Questfortschritt. Aber es gibt Tiefe. Gestern hatte ich gerade durch einen Brief auf einer Kommode (mein Charakter ist neugierig, der stöbert in anderer Leute Korrespondenz) davon erfahren, dass die Baronin ein Verhältnis mit ihrem Diener hat (eben jener, der einem aufgetragen hatte, nach der Adligen zu sehen, weil diese sich so seltsam benehmen würde), als der arme Kerl auch schon aus dem Hinterhalt umgebracht wurde. So ein Mist. Ich hatte auf ein Happy End gehofft! Aber nicht bei TESO. Da stapeln sich die Leichen, sobald Gefühle ins Spiel kommen.

Heute wird es wieder gefühlig. Allerdings mehr familiär. Denn ich bin in SWTOR zum RP verabredet. Mowgli will seinem Vater mal die ganzen seltsamen Pilze zeigen, die er von Thenebria Drei mitgebracht hat und die alles so bunt machen können.

Ich hoffe, der jetzt endlich konkreter vorgestellte und mit dem nächsten Patch verwendbare Outfit-Designer macht mir wieder mehr Lust auf SWTOR. RP ist klar, da habe ich auch jetzt Freude dran. Aber ich habe derzeit einfach keinen großen Antrieb zu PvE. Na gut, Hardmodes würde ich ja machen … aber nur mit Gildenkollegen. Und die scheinen da keine Lust drauf zu haben.

Schlimmstenfalls dann eben auch in Zukunft die klare Zweiteilung: SWTOR fürs RP, TESO fürs PvE. In TESO habe ich keine Kontakte außer Kathro, der allerdings schon deutlich weiter gelevelt hat als ich. So bleibt TESO ein recht einsames Vergnügen. Ich mag, dass man Dinge wie Anchor oder Gruppenbosse mit anderen Leuten machen kann, ohne in ihrer Gruppe zu sein. Das hält das menschliche Aufeinandertreffen in erträglichem Rahmen.

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