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Der Pfeil aus Stahl. Auf dem Schiff der Seniai Qo

7. April 2015

Er krümmte die Zehen. Tastete mit jedem Schritt, mit jedem Abrollen des Fußballens über die glatte Bodenfläche. Nach all den Jahren des Barfußlaufens machten ihm weder Temperaturveränderungen noch harte Kanten oder scharfes Gitterblech etwas aus. Trotzdem half es ihm immer wieder, sich zurechtzufinden. Die Erde zu spüren, um zu sehen, wo er war.

Nur, dass es jetzt keine Erde gab. Es gab lange Durasteel-Flure, sich abwechselnd mit Teppichen, deren Flor ihm fast bis zum Spann reichte und die in pompösem Rot-Gold wichtiges Understatement in die Welt bliesen.

Siqsa knurrte ihr Spiegelbild in einem besonders hübsch polierten Wandpaneel an, stellte die Stacheln auf und war kurz davor, einen Kampf mit dem Interieur des riesigen Schiffes zu beginnen. Saqr rief sie mit einem scharfen Pfiff an seine Seite.

Noch ein Gang. Eine weitere Kreuzung. Er klaubte ein Bröckchen fermentierten Pilzes aus der Tasche und schob es sich zwischen Unterlippe und Zahnfleisch. Er erweiterte seine Sinne ein wenig und erlaubte es sich, die wuselige Anwesenheit der vielen Soldaten, Forschungsassistenten und all der anderen Menschen zu fühlen. Wie blasse Funken vor der maschinenschweren Kälte des Schiffes.

Er bog wahllos ab, überliess es dem Zufall, wohin er gelangen würde. Er hatte noch den Lageplan, den die blonde Stewardess ihm gegeben hatte. Stewardess. Er kicherte in sich hinein. Sie hatte es ihm wohl nicht übel genommen, dass er sie so bezeichnet hatte. Die Frau …. Leiterin? … des diplomatischen Dienstes der Seniai Qo. Oder sie war zu sehr an den Umgang mit Sith gewöhnt, um niemandem mit roter Haut Korrekturen zuzumuten.

Es war so einfach, wieder die gedankenlose Arroganz anzunehmen, in der man als Sith erzogen wurde. Die Jahre auf Thenebria waren wohl doch nicht so prägend, wie er gedacht … gehofft hatte. Wie konnte er auch ein einfacher Jäger bleiben, wenn er hier wieder inmitten tausender Tonnen Durasteel zwischen den Sternen hing wie ein Gott im Spinnennetz?

Die Stunden in der warmen Dunkelheit der Schamanenhütte, Schulter an Schulter mit den anderen, die aufbrechen würden, die Drachen zu fangen. Das Ausharren in Höhlen, wenn man warten musste, bis die Gezeitenwellen nicht mehr hundert Schritt hoch waren. Der endlose Regen in den Sümpfen. Alles zu weit weg.

Ein schlechter Zeitpunkt, um sich darüber klar zu werden, was man nun wirklich war. Jetzt schuldete er es seinem Vater, der gute Sohn zu sein. Verdammt sollte Quen`lin sein! Hätte der Kleine nicht der Brave, der pflichtbewusste Erbe, der Forscherkollege für Vater sein können? Nein, Quen`lin war zu einem nutzlosen Egoisten herangewachsen. Und verbaute Saqr damit den Weg, auch einer zu sein.

Es war nicht so, als würde Ginyu Forderungen an seine Kinder stellen. Als würde er ihnen die Lebenswege vorzeichnen oder sie anketten. Saqr könnte jederzeit einfach verschwinden. Wieder in der Wildnis Thenebrias untertauchen. Niemand würde nach ihm suchen.

Und das machte es nicht einfacher. Denn, ganz Sith-untypisch – Saqr mochte seinen Vater. Den fröhlichen Ehrgeiz, den wilden Enthusiasmus, die ungebremste Protzerei. Deshalb würde er erst einmal bleiben. Würde sich sogar benehmen (soweit es ging). Würde helfen. Mitforschen. Sein Wissen und seine Erfahrung der Familie zur Verfügung stellen.

Vielleicht machten die anderen … Leute hier es ja einfacher, dem süßen Ruf der Wildnis zu widerstehen. Die Stewardess (Kurosawa hieß sie, hatte er gesagt bekommen. Seltsam, aus ihrem Munde klang der Name anders, aber was wusste er schon!) hatte ausgesehen, als ob sie Spaß verstehen würde. Und der vorsichtig-freundliche Bruder der Chefdiplomatin, dieser Menschensith namens Cyran. Erkundung. Nun, für Erstkontakte der unzivilisierten Art war sicherlich niemand geeigneter als Saqr, da könnte er Cyran sicher assistieren.

Noch dauerte es ein paar Tage, Wochen, bis man zu einer ersten größeren Mission aufbrechen würde. Zeit, doch noch einmal zum Landhaus zurückzukehren, um seine Mutter wiederzusehen.

Und dann … dann rief das Unbekannte. Zwar verpackt in Stahl, gerade Kanten und viel zu viele Sith, aber immerhin. Fremde Dinge.

Er schlenderte tiefer ins Schiff hinein. Die Wände fingen an, in einem sanften Violett zu pulsieren, als die Pilze ihre Wirkung entfalteten. Saqr lächelte.

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