Drogen und Wölfe

9. April 2015

Die phosphoreszierenden Wedel der mannshohen Pflanze bewegten sich träge, um in eine günstigere Position unter den großen Wärmelampen zu kommen. In dieser Klimazone von Ginyus Gewächshaus-Labor war es fast vierzig Grad warm und die Sprinkler hielten die Luftfeuchtigkeit konstant bei 92 Prozent. Perfekt für Tropenpflanzen. Und perfekt, um eine Schwitzhütte zu simulieren.

Saqr saß mit untergeschlagenen Beinen inmitten der Pflanzbottiche. Vor ihm ein Beutel mit kleinen Tiegelchen. Jedes gefüllt mit einem anderen in Nadelhirschtalg gelösten Pigment. Ocker, Blutrot, Dunkelgrün, Schwarz.

Siqsa hatte sich, den Bauch voll mit halbgegessenen Burgern aus dem Abfalleimer der Schiffscantina, etwas abseits zusammengerollt und füllte in unregelmäßigen Abständen mit einem Rülpsen aus tiefsten Eingeweiden den Raum mit dem Geruch nach ranzigem Ketchup.

Saqr ignorierte sie.

Er streifte die Lederwickel um seinen Oberkörper und die Arme ab und begann sich die rituellen Reinigungszeichen aufzumalen. Methodische Griffe in die Tiegel, ruhiges Streifenziehen über Rippen und Brust. Kreise, Wellen, Spiralen, das Gesicht der Sterne und die Muster der Schluchten in den heiligen Bergen. Er schloss die Augen, sah nicht einmal hin, wenn er eine neue Farbe wählte. Die Macht, die Götter, jeder Lichtpunkt in der Schwärze der Unendlichkeit leitete ihn.

Klarheit breitete sich aus. Die Ruhe füllte ihn vom Nabel bis zum Scheitel. Floss von ihm und rollte in Wellen bis zu den Wänden des weiten Raumes. Er summte die heiligen Worte. Fühlte jeden Schweißtropfen auf seiner roten Haut. Die Macht, kanalisiert und konzentriert durch das alte Ritual, staute sich hinter seinen Augen. Was wussten sie auf Korriban von den Gezeiten? Was von der Schnur, an der jeder Jäger hing, die sich zwischen ihm und der Beute spannte! Egal, wie groß die Beute war. Ob sie auf zwei, vier oder mehr Beinen lief.

Zeit verging. Das Ritual dauerte wie jedes Mal ewig und doch nur eine Stunde. Als er die letzte Stufe der Meditation veratmete und langsam wieder in die Fleischwelt zurückkehrte, fühlte er die selbe kurze Leere wie immer. Dann noch ein Atemzug und er war wieder da. Erfüllt. Ruhig.

Auf Korriban hatte er gelernt, ständig auf der Hut zu sein. Immer seinen Zorn zu schüren und allein zu sein. Dass die Macht nur dem wirklich diente, der sie in sich einschloss und eifersüchtig hütete. Der sich von allem trennte und in Schwärze existierte.

Auf Thenebria wurde ihm gezeigt, dass Kampf und heller Zorn nur ein Arm war, mit dem die Macht nach dem Äußeren griff. Dass es im Inneren noch mehr gab, das sich verbarg. Das man hervorlocken musste, um ganz darauf zugreifen zu können. Und dass manchmal Teilen dazu führte, dass der Stamm mehr hatte.

Saqr verschloss die Farbtiegel, räumte sie in den Beutel und wickelte sich wieder das Leder um den Oberkörper. Die Zeichen auf seiner Haut verschmierten zu bunten Wolken, doch das war egal. Sie hatten getan, was sie sollten.

Er dachte an den Streit der Sith auf der Brücke des Schiffes. So … wie immer. So … nicht mehr seins. Aber unvermeidlich, wenn man wieder im Imperium lebte.

Er würde der nicht-Stewardess bei ihrem Piratenproblem helfen. Das wäre interessant und irgendwie näher an der Wirklichkeit als die ewigen Hierarchiekämpfe unter seinesgleichen (nicht seinesgleichen! Nicht mehr!). Er grinste, als er daran dachte, wie heftig die nicht-Stewardess auf sein „Geschenk“ reagiert hatte. Natürlich hatte er gehört, was sie sagte, als er schon halb aus der Tür und im Aufzug war. Vor zehn Jahren hätte er auf eine solche … Provokation hin etwas getan. Eine schnelle Strafe. Ein beiläufiger Schlag. Was auch immer. Die Positionen klarstellen. Hierarchie. Ordnung der Dinge. Aber jetzt war es ihm egal. Nein, nicht einmal egal. Er empfand es als angenehm. Die Grenzen verliefen nicht dort, wo sie ihm auf Korriban gezeigt worden waren. Und ihn interessierte nicht mehr, ob die Hand am Halsband eines Sklaven Stärke sein konnte. Stärke war, sich zu beweisen – nicht gegen Schwächere, sondern gegen das Unbezwingbare. Gegen das, was dafür geschaffen war.

Saqr stand auf. Siqsa fühlte die Bewegung und sprang ebenfalls auf die Füße. Sah ihn mit ihrer typischen Mischung aus hingebungsvoller Liebe und völligem Wahnsinn an. Er musste dem kleinen Drachen Herausforderungen bieten. Auf Ginyus Landsitz hatte er jeden Tag mit ihr jagen gehen können. Tuk`ata, Wumpratten, was sich so fand. Aber hier auf dem Schiff … was gab es hier? Vielleicht wusste die nicht-Stewardess Rat.

Aber jetzt galt es erst einmal etwas zu finden, was diese Piraten unbedingt haben wollten. Eigentlich war es ihm egal, warum man überhaupt mit den Kriminellen handeln wollte. Es ging nur darum, etwas zu tun. Langsam wieder in den Alltag zu kommen. Imperium .. nun ja.

—————
Weiter mit OOC. Ich kriege das einfach nicht hin, das „Normalo“-Spielen. In Foren wird immer wieder angepriesen, wie wichtig es doch sei, dass es die „ganz normalen“ Leute im RP gäbe. Bürger. Standard-Sith. Cookie Cutter-Rollen. Weil das das wahre RP wäre. Das echte, pure, immersive.

Ich kann es nicht.

Es langweilt mich.

Ich bin im RL schon normal (vermute ich). Im RP möchte ich nicht das Hintergrundrauschen spielen. Ich verlange es aber auch von niemandem sonst. Jeder ein Held! So bin ich es vom P&P und LARP gewohnt, das gefällt mir. Exzentrische Persönlichkeiten, wilde Abenteuer. Nicht Alltag und „dashammwaschonimmasogemacht“.

Wer mag, darf auch den Büroangestellten von Hutte XYZ spielen und jeden Abend in die virtuelle Kneipe zum virtuellen Skatkloppen gehen. Oder den absolut straight aheaden Sith, der immer böse ist. Jeder wie er möchte. Aber bitte singt mir kein Loblied darauf. Macht euer Ding, rümpft im Stillen oder von der Höhe eurer Normalität (der großen Kunst des RPs, wenn ihr das so wollt) die Nase über meinen Substance-Abuse-Sith oder den neurotischen Geheimdienstler – völlig legitim. Ich hier – Alltag dort. Klappt doch! (Ich rechtfertige mich mal wieder! Wenn ich nur Stillers schönen Rant von vor ein paar Jahren zu dem Thema wiederfinden würde!)

Und in TESO? Bin ich jetzt ein Werwolf! Fürchtet mich!

Noch nicht wirklich. Ja, mein Char hat gestern von Kathros Char einen Biss bekommen, ich bin in Hircines Reich (ich war etwas verwundert, dass Hircine eine männliche Stimme hat. Hab ich mir in Skyrim immer weiblich vorgestellt. Aber vielleicht hatte sie´s ja grade mit Hormonen), habe dort – wie im Bild zu sehen – brav Verehrung dargebracht und wurde dann zum Wolf. Jetzt sollte ich ein Bossmonster erlegen. Es gibt dort zufällig verschiedene, die auch noch verschiedene Schwierigkeitsgrade haben. Ich hatte wohl Glück – ich bekam ein Mammut, das sich geradezu verblüffend leicht umschubsen ließ. Da war den Trash vorher ja aggressiver!

Nach dieser relativ heroischen Tat bekam ich die permanente Verwandlung und bin nun unterwegs, den Werwolf-Skill zu pushen. Dazu muss ich oft genug die Wolfsform nutzen, die jedoch ein zeitlich sehr begrenzter (im Moment noch 30 Sekunden) Ultimate ist. Also zockle ich durch die Wüste, fülle mein Ultimate und stürze mich dann in möglichst große Mobgruppen.

Läuft ganz gut. Der Skill ist schon bei drei. Jetzt muss ich noch einen Skillpunkt bekommen, dann kann ich eine Verlängerung der Wolfsform freischalten.

Wolfen, yeah!

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  1. 10. April 2015 um 5:21 pm

    Lange nicht gehört und gesehen……….

    Zasta echt, es würde auch mein Weltbild auf den Kopf stellen wenn Du auf einmal beginnen würdest, null acht fünfzehn Statisten zu spielen
    A very special snowflake is a very special snowflake is a very……………………

    grinst
    Hoffe es geht dem alten Sozialphobiker ansonsten gut. So, mein Lebenszeichen haste, zu sagen hab ich ausnahmsweise sonst nix…….ausser „hör auf mit Rechtfertigen, geh und spiel!“
    🙂

    • 10. April 2015 um 5:55 pm

      Hey Du Socke! Ja, ich bin fast nie mehr in SL – aber warum kommst Du nicht mal nach TESO? Ist auch Fantasy, kostet nur einmal was in der Anschaffung und man kann alles sein, was man will. RP ist leider wie es scheint nur Gurkenzüchten. Aber das kann man dann ja ändern! Machet jut, bis bald und so! 🙂 (Gor riecht nach Füßen! 😛 )

  2. 10. April 2015 um 7:48 pm

    lol ja tut es
    Aber ich bin einfach nicht der Typ der in normalen „Spielen“ RP sucht. Geht genau so wenig wie Du es fertig bringst mal keine very special snowflake zu sein, sorry alte Hütte.
    Und Geld ist mehr denn je Mangelware in meinem RL.
    Du wirst lachen aber ich befasse mich immo gern mit einem doofen Pferdezuchtbrowserspiel hehe.
    Auf Gor war ich nun eine ganz lange Zeit auch nicht mehr. Seit kurzem versuche ich mit einem Alt dort rumzumachen aber……..naja, ich muss nix weiter sagen. In meinem Blog steht ja schon vor langem das es nicht mehr mein Gor ist, und das der Alt da alle drei, vier Tage mal rumturnt ist reine Langeweile.

    Hab auch sonst kein RP, gestehe aber es fehlt mir. Nur sind die Möglichkeiten in normalen „Spielen“ einfach so eingeschränkt und da sind so viele Hirnis unterwegs die einfach nur ihren Quests nachgehen und ansonsten Mist absondern, nee………
    Und nu zieh ich mal die Sozialphobikerweste an ……gib schon her!………..ich hab keinen Nerv mir da Kumpane zu suchen die auf meiner Welle reiten können grins.

    • 10. April 2015 um 8:36 pm

      So sehr Gor nach Füßen riecht .. die „gute alte Zeit“ vermisse ich schon. Sollen wir nochmal versuchen, ob RP in SL geht? Das GoT-RP dort geht für mich nicht, das sieht einfach baulich zu altbacken aus (ich bin arrogant, ja). Gibt´s Gor-Sims, die antik und nicht nach Disneyland bebaut sind? Ich hab ja gar keinen Überblick mehr!

  3. 11. April 2015 um 11:51 am

    Gute Frage.
    (Du bist nicht arrogant, Zasta. Du hast lediglich die Ästhetik des Künstlerauges, grins)

    Da die deutsche RP Landschaft nicht nur in Bezug auf Gor recht tot ist, suche ich schon länger nicht mehr danach.
    Eine wunderschön bebaute Steampunk Sim hab ich entdeckt, die ist zwar englisch, aber möglicherweise darf man sie ja auch jenseits der einheimischen Gruppe für Eigenes nutzen.
    Ich würde es zu gern nochmal versuchen.
    Aber ich gestehe dass ich diesbezüglich inzwischen recht pessimistisch bin. Ich kann mich ja mal nach Antikensims umschauen.

    • 11. April 2015 um 11:55 am

      PS.:
      Gestern sah ich das Nea und Beric eine Idee für ein zeitlich begrenztes RP im umgebauten Kasra haben……….und zwar eines das für den Avatar keine Vita-Folgen hat, da es ein „Traum“ ist, und nicht Realität.
      Schau Dir mal ihren diesbezüglichen Blogbeitrag an
      https://neanotiert.wordpress.com/2015/04/06/wenn-rollenspiel-den-puls-beschleunigt-ein-wagnis-in-kasra/
      Allerdings habe ich keine Ahnung, wie das neu gestaltete Kasra nun eigentlich aussieht.

      • 11. April 2015 um 2:48 pm

        Nee, ich glaube nicht, dass das etwas für meinen Geschmack ist. Das zieht nur die Crowd an, die mich schon in Victoria erst verblüfft und dann vertrieben hat.
        Aber Steampunk hört sich doch nicht übel an. Und vielleicht findest du noch etwas anderes, schönes!

  4. 11. April 2015 um 3:30 pm

    Es ist Wochenende 🙂
    Der weil ich was anderes Schönes suche *Sklaventreiber Du!*, kannst die Zeit ja nutzen und die Steampunk Sim in Augenschein nehmen. Vielleicht kennst Du die auch schon längst, oben in einer Sky ist der „JD Toy Factory“ Laden.
    Und aufm Boden dann diese Steampunkstadt die ich genital finde. Es gibt zwar n Landepunkt aber ich hab Dir mal die Koordinaten eines Daches geholt, gleich neben einem hübschen kleinen Lufttaxizeppelin grins. Jaja. Zasta. Braucht Dächer. Unbedingt. Vielleicht klappts ja trotz Landepunkt
    http://maps.secondlife.com/secondlife/Forgotten%20City/120/113/84

    • 11. April 2015 um 3:35 pm

      PS.: Du Sklaventreiber – ich Schussel!
      Heut vergess ich die Hälfte ständig.
      Wollte sagen vergiss die „Crowd“, die existiert nicht mehr. Zu Zeiten Victorias war Deutschgor noch ‚extrem voll‘ von Spielern – jedenfalls verglichen mit der Zahl der Leute die heutzutage noch spielt. Sollte ich schätzen würde ich sagen etwa dreissig User nebst ihren Alts, also vielleicht insgesamt 90 Charaktere die selten on sind, sich daher ständig verpassen und sich auf viel zu viele leere Sims verteilen 😉

      • 12. April 2015 um 7:32 am

        Wo ist der Unterschied zu vorher? 😉 Mehr waren das meiner Beobachtung nach noch nie. 😀

  5. 12. April 2015 um 10:10 am

    Der Unterschied zu vorher ist, dass sie weniger denn je miteinander spielen können weil jeder mehr und mehr auf „SEIN GOR“ beharrt, soll heissen die Gorbilder in den Köpfen sind unterschiedlicher denn je. Jedenfalls nach meiner Beobachtung, die aber auch nicht extrem mikroskopisch ist, da ich ja wie gesagt ewig nicht auf Gor war. Ich krieg das ja auch immer nur so am Rande mit.
    Grinst.
    Damals haben die wenigen Leute wenigstens noch versucht miteinander halbwegs klar zu kommen und sim übergreifend zu spielen. (gut, das Klarkommen gelang schon da nicht sonderlich gut hehe, aber heute ist……………….*unterbricht sich* ach……..scheissegal oder?…..Ich vermisse die ‚good old times‘ auch aber zurückholen tun wir sie eh nicht, egal wie ich rante lol

    • 12. April 2015 um 12:18 pm

      Ich war ja nie besser. 🙂 Gor war für mich immer nur antiker Abenteuerspielplatz. Dieser BDSM-Zirkus hat mich nie interessiert, was vermutlich genauso schräg ist wie die Zimmer-Bradley-Panther und die Totenkopf-Piraten.

  6. 12. April 2015 um 8:30 pm

    Ich bin sowieso der Meinung das ein Sklave auf Gor etwas völlig anderes ist als eine BDSM Sub.
    Ich sehe Sklaven auf Gor viel mehr im historischen Kontext unserer Menschheitsgeschichte.

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