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Die unglaublichen Abenteuer und extraordinairen Reisen des verwegenen Piraten Lab. Teil 2 – Es war einmal … Amour fou.

27. April 2015

Lab lehnte sich zurück und legte die Füße auf die Konsole, über der sich eine sehr hübsch anzusehende 3D-Simulation der Galaxis drehte. Der Pilotensessel quietschte leise und das abgewetzte Leder knarzte. Die Blue Fire (ja, das Schiff hatte den Namen lange vor … lange vor … dem „Erwerb“ des Steines) war rein innenausstatter-bequemlichkeitsmäßig nicht mehr die Jüngste. Sie hatten beide nie besonders viel Wert darauf gelegt, hübsche Gardinen aufzuhängen. Immer schon hatten sich in den Ecken kleine Schneeverwehungen aus Schokoriegel-Einwickelpapierchen und leeren Cigara-Schachteln gebildet und immer schon kam der Zustand der Triebwerke und Waffen vor dem Zustand der Captainskajüte.

Von weiter hinten wehte der Geruch nach frisch aufgebrühtem Caf ins Cockpit. Auch der Protokoll-und-Mädchen-für-alles-Droide war schon fast antik – er hatte ihn vom Vorbesitzer des Schiffes übernommen und nie ausgetauscht oder ihm auch nur den Speicher gelöscht, was gelegentlich zu amüsanten Verwicklungen führen konnte, wenn sich der Blecheimer durch irgendeinen elektronischen Schluckauf für ein paar Minuten wieder in adligen Diensten auf diplomatischer Mission wähnte.

Der Astromech an der Navikonsole neben Lab piepste und rollte aggressiv gegen den Pilotensessel. Der Kurs war berechnet. Dorthin, wo man alles fand, was man nicht suchte.

Dorthin, wo alles begonnen hatte, wie es das dort immer tut.

Die Vergangenheit zog sich um ihn, während die Sterne wie Wasser um die Blue Fire flossen, als sie in den Hyperraum sprang. Niemand schrieb Opern über so etwas … vermutlich ein Fehler.

Die meisten wilden Piratengeschichten enden damit, dass einer dem anderen das Schiff abzieht. In diesem besonderen Fall aber fing alles erst damit an.

Er erinnerte sich genau. An dieses sehr spezielle Sabacc-Spiel. Dieses sehr, sehr spezielle Sabacc-Spiel. In einer Nische einer nicht besonders glamourösen Cantina – der Wonky Womp-Rat – auf der dreißigsten Ebene von Nar Shaddaas Vergnügungsviertel. Nur sie beide. Er und diese Frau.

Nicht, dass er ein Profi-Zocker gewesen wäre! Aber er konnte die Finger nicht davon lassen, sein Glück herauszufordern. Es war, als könnte er sich damit versichern, am Leben zu sein. Als könnte er sich viel deutlicher spüren, während das elektronische Deck vor ihm flackerte und jeder Atemzug das schwere Aroma von Rauch, bunten Getränken, Deathsticks und Risiko brachte.

Normalerweise war er dabei absolut kontrolliert. Normalerweise hatte er sich voll im Griff. Normalerweise war es nur Spaß. Nicht dieses mal. Dieses mal saß ihm diese Frau gegenüber …

Nie hatte er sich von hübschen Augen ablenken lassen. Nie hatten ihn mit kirschrot-vollen Lippen geseufzte Bemerkungen Kombinationen übersehen oder unsinnige Züge machen lassen. Nie. Dieses mal saß ihm diese Frau … diese Frau gegenüber.

Und dieses mal war alles anders. Als sie sich das hellblonde Haar hinters Ohr strich und dabei ihren weißen Hals entblößte, wurde ihm der Mund trocken und die üblichen charmanten Bemerkungen blieben ihm wie Blei auf der Zunge liegen. Als sie erwähnte, dass es in dieser Cantina wirklich verdammt überheizt sei und den obersten Knopf ihrer Bluse öffnete, ließ er zwei Karten ins Nichts laufen. Und als sie die langen Beine übereinander schlug, der sowieso viel zu kurze Rock noch etwas weiter nordwärts wanderte und dabei das kleine Messer im Strumpfband im diesigen Cantinalicht aufblitzte, war nicht mehr genug Blut in Labs Gehirn, um noch vernünftige Züge zu spielen.

Zehn Minuten später hatte er sein Schiff, die Pink Turtle, verloren. Fünfzehn Minuten später hatten sie den Vorhang der Nische zugezogen und Lab konnte auf dem Tisch zwischen halbleeren Gläsern und einer fast noch vollen Schüssel Erdnüsse feststellen, dass diese Miss Karamasowa nicht zu allen Gelegenheiten Unterwäsche trug. Weil es ihr Glück brachte, oder so ähnlich.

Die nächsten Tage waren diese Art von Rausch, der einen nur aus dem Bett lässt, um mit einem Laken um die Hüften gewickelt zur Tür zu hüpfen, dem Pizzaboten die Pappschachteln aus den Händen zu reißen, um danach möglichst sofort dorthin zurückzukehren, wo sie auf ihn wartete. Verheißung zwischen abgewetzter Hotel-Bettwäsche.

Und es wurde auch nicht langweilig, als die Ferien vorbei waren und sie beschlossen, wieder Geld zu verdienen (was nötig war, jeder einzelne Credit war für teure Getränke, gut gewürztes Essen und ausschweifendste Unterhaltung draufgegangen). Sie die Pilotin, er der Stratege. Es war jetzt ihr Schiff; was recht war, war recht. Oh, wie waren sie erfolgreich! Nahmen von den Reichen und gaben es den Armen – wobei die Armen in diesem Falle hauptsächlich sie selbst waren.

Monate im Taumel, eine Galaxis voller Möglichkeiten. Früchte an tiefhängenden Ästen; bereit, ohne Anstrengung von ihnen gepflückt zu werden.

Das Ende kam so wild, so heftig und so glamourös wie es der Anfang gewesen war – alles andere hätte die Hitze dieser Leidenschaft nur in Asche verwandelt. Vielleicht war der Anfang vom Ende schon, dass sie das zweite Schiff stahlen. Die Idee dahinter – so irrwitzig wie alles, was sie unternahmen – war, eine Piratenflotte aufzubauen. Mit ihnen beiden als dem König und der Königin des Verbrechens am Steuer. Doch mit nur einem Schiff? Das wäre albern. So kam die Blue Fire dazu. Und Lab war wieder Captain.

Es änderte sich eigentlich nichts. Freiheit war immer ein wesentlicher Teil ihrer Beziehung gewesen. Freiheit und pure Leidenschaft. Das Wochenende mit den beiden sehr beweglichen Twi´lek-Schwestern war nichts, das ihre Liebe auch nur angekratzt hätte. So wenig wie Illjanas Nacht mit dem eingeölten Zabrak-Gladiator. Was war gegen Spaß einzuwenden? Sie stritten sich, kämpften, warfen Dinge. Um sich dann außer Atem, Blaster noch in der Hand, Flüche noch auf den Lippen, anzusehen … und im Bett, auf dem Sofa, dem Küchentisch, zwischen den Frachtkisten zu landen, halb ausgezogen bevor die eben noch aufeinander gerichteten Waffen auch nur den Boden berühren konnten.

Doch mit dem zweiten Schiff änderte sich dies irgendwie. Was genau geschah, konnte Lab selbst heute, mit all den Jahren dazwischen, nicht sagen.

Vielleicht war die Zeit, die ihnen zugestanden hatte, einfach abgelaufen. Vielleicht hatte das Schicksal, die Sterne, die Macht beschlossen, dass es nun genug war. Vielleicht hatten sie auch nur in Monaten das aufgebraucht, wovon andere Paare ihr Leben lang zehrten. Zu hell gebrannt.

Sich an das Ende, das eigentliche Ende, zu erinnern … nein, das war ein schmerzender Zahn, an dem man besser nicht mit der Zunge herumpolkte. Noch nicht. Vielleicht war es notwendig, um die Kälte zu erreichen, mit deren Hilfe er dann schlussendlich fähig sein würde, sich das wiederzuholen, was sie ihm gestohlen hatte.

Aber nicht jetzt. Jetzt würde er noch ein wenig zu den guten Zeiten zurückkehren. Zu Illjana in dem gestohlenen Kleid der Botschafterin. Zu dem Balanceakt hoch über den Häuserschluchten von Corellia, als sie den Prototypen im staatlichen Ingenieursbüro gegen eine funktionslose Replik ausgetauscht hatten (die Ironie, ach, die Ironie!). Zu den Nächten voller Cocktails mit Schirmchen und nicht bezahlter Rechnungen …

Der Protokolldroide wackelte mit einem Thermobecher Caf ins Cockpit.

Die schweren Durasteelplatten schoben sich vor die Fenster, sperrten den Wahnsinn des Hyperraums aus. Gegen die Wildnis im Inneren gab es nichts.

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OOC: Ich schreibe gern. Mehr hat es damit nicht auf sich. Und Sey liest die Lab-Stories gern. Zumindest hat sie sich sehr über die erste gefreut. Und es sind auch Details von Illjanas tatsächlicher Backstory verwoben. Vielleicht beleuchte ich demnächst auch einmal Labs Vorgeschichte. Immerhin ist der erstaunlich gebildete Gentleman-Pirat ja schon eine Weile im Geschäft und hat eine bewegte Vergangenheit. In meinem Kopf. Ich habe zu NSCs meistens zehn Minuten nachdem ich sie erfunden habe ihr komplettes Leben. Ist vermutlich meine shitty-super-power.

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  1. Te-ah-tim-eh
    27. April 2015 um 6:22 pm

    „shitty-super-power“

    Nope, das ist ein (meist antrainierter) Spielleiter/Storyteller/GameMaster Reflex, der mitunter auch langjährige Spieler befällt.

    • 27. April 2015 um 7:46 pm

      Verdammt. Wieder nix mit dem Platz bei den Avengers!

  2. Te-ah-tim-eh
    28. April 2015 um 7:26 am

    Mit dieser Art Kraft würde ich eher mit einem Platz bei der Authority rechnen. *schmunzelt*

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