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Die unglaublichen Abenteuer und extraordinairen Reisen des verwegenen Piraten Lab. Teil 5 – Ballkleider und Lehrpersonal.

18. Mai 2015

Lab zögerte eine Sekunde, dann trat er doch mit entschlossen hochgezogenen Schultern in die abendliche Hitze hinaus. Mirialaner waren an trockene Kälte angepasst, nicht an Hitze, die das Fleisch auf den Knochen in Beefjerky verwandelte. Mit schnellen, zielstrebigen Schritten ging er an der Fassade der Cantina entlang, bog um einen Stand, dessen Besitzer in unverdrossenem Optimismus Fleischteile anbot, die vor schwarzen Fliegen wimmelten, und verschwand dann in einer Gasse. Auf nicht-ganz-so-direktem Wege in Richtung des Hangars, in dem die Blue Fire auf ihn wartete.

Warum genau er nun doch hier nach Tatooine gekommen war konnte er nicht wirklich sagen. Eine Laune. Denn eigentlich war das ja der Job der Detektivin, die ihn nicht gerade wenig Credits kostete. Aber es war trotzdem … amüsant gewesen. Er hatte Illjana gesehen, ohne dass sie ihn erkannt hatte. Gut hatte sie ausgesehen. Die Uniform stand ihr. Das Seidenfähnchen, welches sie beim letzten Treffen auf Willko spazieren geführt hatte, war nicht ihr Stil. Zu plump und offensichtlich. Ihr Ding war mehr das Understatement mit besonderem Touch …

Wieder die Vergangenheit. Viel zu viel Vergangenheit. Das aufdringliche Geschrei der Händler, der Geruch der Garküchen … nichts als das Heute. Das Damals war … anders. Er seufzte.

Das Kleid war perfekt. Hochgeschlossen bis zum Hals, mit silberweißen Pailetten betonte es ihre Silhouette, doch dann auf der Hinterseite … Lab konnte es nicht lassen, ihr die Hand an die schmalste Stelle des Rückens direkt auf die Haut zu legen, die Fingerspitzen schon fast unter dem Rand des Stoffes. Ein Rückenausschnitt bis ganz nach unten. Ganz. Sie drehte sich gekonnt unter seiner Berührung weg, stieß ihm den Ellbogen in die Rippen. „Flossen weg, sonst sind sie ab! Wir sind hier ehrbare Leute. Gute Diplomaten bei anderen guten Diplomaten!“ Ihr Grinsen strafte ihre Worte Lügen.

Lab spottete leise „Ja, Mutti“, reichte ihr aber den Arm und sie schwebte an seiner Seite in den Partysaal. Vor ihnen ein Meer aus Köpfen. Grüppchen diversester Wesen, alle in Gespräche vertieft. Amüsiertes Lachen, gekünstelte Freude und dazwischen wie Schleppschiffe Kellner mit silbernen Tabletts, auf denen bunte Häppchen interessante Muster bildeten.

Illjana hatte recht. Konzentration. Mit etwas Chuzpe und sehr viel Charme hätten sie bald die Zugangscodes zum experimentellen Labor der Corellian Arms and Services. Man musste nur an diesen netten, älteren Herrn im waldgrünen Smoking dort drüben herankommen, dessen Freude an jungen, menschlichen Damen geradezu legendär war. Illjana hatte ihn ebenfalls erspäht. Nun war es Zeit, sich langsam an ihn heranzutasten, dann einen Streit zu inszenieren, dann dafür zu sorgen, dass der fette Industriefisch die arme blonde Schönheit vor ihrem unmöglichen Begleiter rettete und dann wären sie praktisch am Ziel ihrer Wünsche.

Sie ließen ihre Annäherung an die Konversationsgruppe nicht zu offensichtlich erscheinen. Hier ein Glas Schaumwein genommen, dort ein „Oh, Sie sehen ja ganz reizend aus!“, ein nicht nachvollziehbares Zufallsmuster, Kometen zwischen Sternensystemen.

Fast dort. Der Herr Direktor erzählte eine Anekdote von der Großwildjagd auf Felusia. Bewunderndes, völlig falsches Gelächter. Noch eine Gruppe zwischen ihnen und ihm. Lab konnte spüren, wie Illjana sich an seinem Arm aufrichtete und anspannte. Jetzt nur noch –

„Dr. Rusch! Das ist aber eine Überraschung! Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen ..? Seit Ihrer Disputatio, oder? Was haben Sie nur so lange getrieben – ich dachte, Sie wären jetzt schon längst fest auf einem Lehrstuhl der Universität von Coruscant!“

Lab erstarrte. Illjanas Irritation fuhr ihm durch den Arm wie ein kleiner Stromstoß. Seine Gedanken schlugen Purzelbäume und er konnte ein paar Herzschläge lang nichts tun, als der bothanischen Professorin, die strahlend und mit erfreut geweiteten Nüstern vor ihm stand, dümmlich ins Gesicht zu lächeln. Neben sich hörte er Illjana zischen „Wer bei allen Sternen ist Dr. Rusch?“ Er drückte ihre Finger, hoffte, dass sie dieses „Ich schulde dir eine Antwort – später!!“ akzeptierte und schaltete dann mental in einen anderen Gang.

„Professor Ixbluet! Ja, damit hätte ich nie gerechnet! Sie hier?“ – „Ach, Forschungsgelder, Sie wissen ja, wie das ist. Ein ewiger Kampf“. Verständnisvolles Nicken. Klar wusste er das. Immer! Die gut gelaunte Bothanerin hakte nach „Sind Sie immer noch mit den alderaanischen Kanopen der zweiten Ära beschäftigt? Ich habe keine Publikationen dazu von Ihnen im Kopf.“ Lab atmete tief durch. Anscheinend war an der guten Professorin zumindest ein Skandal der Wissenschaftswelt vorbeigerauscht. Gelobt sei der Tunnelblick der wahrhaft Vernarrten! Er musste hier raus. Nur noch raus.

„Oh, Sie haben nicht mitbekommen, dass ich mich in den letzten Jahren umorientiert habe? Ich bin nach meiner zweiten Dissertation in die Wirtschaft gegangen.“ – „Nein! Sagen Sie das nicht, Dr. Rusch! So viele junge Talente gehen dem Wissenschaftsbetrieb verloren. Ich muss Sie zurückholen! Warten Sie bitte, ich bin mit Professor Un`Balauth hier. Er wird sie überzeugen, dass die Zukunft in der Forschung liegt! Gehen sie nicht weg.“

Die Bothanerin drehte sich um, ihre weite Robe fegte eine dekorative Topfpflanze an einer Säule um. Dann rauschte sie davon. Das war die Chance. Lab griff nach Illjanas Ellbogen und wollte in Richtung Balkontür. Doch seine entzückende Begleitung sträubte sich. Ein entzücktes Lächeln machte sie noch schöner als sonst. „Was war das denn? Wer war das denn?“ – „Komm mit. Bitte. Ich muss hier weg. Sofort. Professor Un`Balauth ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ganz so uninformiert wie unsere haargesichtige Freundin von eben und dann sollte ich wirklich, wirklich nicht mehr hiersein.“ – „Ich bekomme meine Antworten?“ – „Bekommst du.“ – „Versprochen?“ – Ein schneller Kuss „Versprochen“.

Zwanzig Minuten später saßen sie auf dem Dach des Hotels, hoch über Coronet City. Beobachteten den Verkehr ein paar Kilometer entfernt auf dem Expressway. Der nächste Balkon etliche Meter unter ihnen. Und dann nur sehr lange nichts außer einer werbe-erleuchteten Fassade, sich elegant im Tanz drehende Paare aus Neon. Aber hier ganz oben war es dunkel. Vom Lärm der Stadt kam nur ein schwaches Summen an. Illjana ließ ihre Schuhe von den Zehenspitzen baumeln. Lab zog sich die Fliege vom Hals und ließ sie im Wind davonwehen.

„Also, Dr. Rusch. Fang an.“

Er seufzte tief. Legte den Arm um sie. „Keine Ahnung, ob du mir das glaubst, aber das war zur Abwechslung mal mein … echtes Leben.“

Sie dehnte das Wort „Doooktoooor?“

Er nickte. „Doktor. Zweimal.“ – „Dafür bist du doch gar nicht alt genug. Du bist doch erst dreißig!“ – „Wunderkind. Mit vierzehn auf der Universität hier in Coronet. Erste Doktorarbeit geschrieben mit Neunzehn, zweite mit Dreiundzwanzig an der Universität von Coruscant. Zu viel vom Leben dort beobachtet. An Anarchisten geraten, Ärger gemacht, für Wirbel gesorgt, untergetaucht. Hier bin ich.“

Sie stupste ihn mit dem Zeigefinger auf die Nase. „Moment, Moment, Herr Doktor! Nicht ganz so schnell. Doktor in was? Arzt bist du nicht, das ist mal klar. Und wie überhaupt? Wer bist du?“

„Geboren bin ich als Thalab Rusch. Auf Mirial. Meine Vater ist Ingenieur, fand eine gute Stelle hier auf Corellia bei Excav, einer Firma für Bohrwerkzeuge. Meine Eltern förderten mich in allem, schickten mich auf die besten Schulen, zu den besten Lehrern. Nahmen dafür Kredite auf. Studiert habe ich dann zuerst Archäologie. Arbeiten über, ja, das was Professor Ixbluet gesagt hat. Alderaanische Begräbniskultur. Vergleichende Forschung. Langweilig. Nein, nicht langweilig. Aber reichte nicht.“ – „Du nimmst mich auf den Arm! Du bist ein reizender, wirklich charmanter Verbrecher. Aber kein Forscher!“ – „Schau ins Holonet. Meine Publikationen sind recht einfach zu finden. Vergleich der Tumuli-Strukturen von Machtnutzern in der Heron-Provinz. Beigabenkeramik am Übergang zur zweiten Ära unter dem Aspekt der Aufbewahrung von Datacrons. Und natürlich – besonders langweilig für Außenstehende – Nomenklatura der Königslisten auf Kammerstelen.“

Illjana lachte leise. „Ich fass´ es einfach nicht.“ Sie schwiegen ein paar Minuten. „Und der zweite Doktortitel?“ – „Zoologie. Kryptozoologie um genau zu sein.“ – „Also … ausgestorbene Tiere finden?“ – „Jap. Hatte ich mir … feldforschungsmäßiger vorgestellt, als es dann tatsächlich war. Das ist viel Archivarbeit.“

Wieder ein wenig schweigen. Vom Balkon unter ihnen schwebte ein spitzes Lachen herauf.

„Und die Anarchisten?“ – „Ich habe gesehen, was Korruption auf Coruscant anrichten kann. Diese ganzen Slumbewohner, die man nicht zu Gesicht bekommen soll. Naja, ich war wirklich leicht zu beeindrucken. Ein naiver Kindertrottel. Ohne Ahnung vom Leben. Die Gruppe … also die Anarchsiten, haben mich mit diesen Zweifeln aufgefangen. Und weil ich Zugang zu einer Menge Labore mit vielen Chemikalien hatte, nahmen sie mich auch mit offenen Armen auf. Tja, der Rest ist eine gesprengte Statue, jede Menge Flugblätter, ein Brunnen voller Waschpulver, ein brennender Bus und die schnelle Flucht der ganzen Gruppe in den Huttenraum. Das wars dann mit dem aufgehenden Stern der wissenschaftlichen Welt.“

Illjana legte den Kopf schräg. Der Wind zupfte ihr eine Haarsträhne aus der Frisur. „Ich bin mir fast sicher, dass du das noch nie jemandem erzählt hast.“ – „Ins Schwarze getroffen, meine Süße. Und wenn du das weitergibst, muss ich dich leider auf unnötig grausame Art töten.“

Sie sah ihn an, ihre Augen funkelten im unsteten Licht der weit hinten vorbeieilenden Fahrzeuge. Sie lehnte sich an ihn, drückte ihn sanft mit ihrem Körpergewicht nach hinten auf das Flachdach. Ihre Hand wanderte zu seinem Gürtel, öffnete ihn. „Hmmm … ich glaube, ich habe fast vor, das öffentlich zu machen … du solltest mich besser aufhalten …“

Heute. Nur die allgegenwärtige Hitze des frühen Abends auf Tatooine. Lab wich einem Wasserverkäufer aus, zog beiläufig das Messer, als ein zu deutlich erkennbarer Taschendieb Anstalten machte, die anrempel-Nummer anzusetzen und tauchte dann unter dem weißgekalten Torbogen hindurch, der zur Treppe des unterirdischen Hangars führte.

Viel zu viel gestern mal wieder. Er neigte in letzter Zeit dazu, sich zu weit in der Vergangenheit zu verlieren. Es ging um den Kristall. Um sonst nichts.

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