Nauras: Zwischen Sith

29. Mai 2015

Auf dem Weg zu Herrin Borraa wiederholte er in seinen Gedanken das Gespräch mit Lord Neferus. Eine alte Angewohnheit, eine Möglichkeit, sich zu versichern, dass niemand seinen Geist mit Lügen füllte. Nichts, was gegen die Lügen half. Es gab nicht schwarz und weiß, es gab die Sith und es gab die anderen. Aber die Sith waren nie gleich.

Sie konnten schrecklich sein, unbeherrscht, eitel, gierig und rücksichtslos. Und sie konnten an ihren alten Werten festhalten, stolz sein bis in den Tod, ehrenhaft bis zur Selbstverleugnung und kalt wie ein Abend auf Hoth. Immer waren sie tödlich. Im besten wie im schlechtesten. Und Wert hatte nur, wer sich bewies.

Er war glücklich, er hatte Glück gehabt … ständiges Glück. Glück, dass er gefunden worden war. Glück, dass er behalten worden war. Denn wie konnte man schon voraussetzen, dass ein auf einer Türschwelle abgelegtes Neugeborenes von den hinter dieser Tür wohnenden Sith nicht einfach aus Effizienzgründen an die Wachhhunde verfüttert wurde? Glück, dass zur selben Zeit eben jenen Sith ein Kind geboren worden war. Glück, dass der Herr des Hauses Potential darin sah, seinen jüngsten Sohn mit einem Kampfsklaven aufwachsen zu lassen, in dessen Genen Gewalt und Zorn wohnten. Dem tief in den Knochen steckte, sich mit allen zu messen, die Herausforderung zu suchen. Der deshalb der beste Rivale und beste Freund des jüngsten Karaz-Kindes war und immer sein würde. Glück, dass er frei war. Frei seit … frei bis …

Nauras schüttelte den Kopf. Vielleicht war er nicht wirklich frei. Obwohl er ging, wohin ihm beliebte. Obwohl er tat, was er wollte. Denn immer kehrte er zurück. Immer folgte er dem Ruf. Saß zu Füßen des Lords, kniete vor der Herrin Borraa.

Er hatte es versucht. War nach seiner Freilassung (der Tag, an dem er vor Lord Rednelak kniete, der Tag, an dem ihm der Lord mit einer Ahle das Septum durchstach und den fein ziselierten Ring hindurchzog … sein Blut im Sand, in seinen Augen wilder Stolz …kein Halsband mehr) nach Rattatak gegangen, um zu sehen, woher er kam. Er zum einen roten Wüstenplaneten, sein fast-Bruder zum anderen; beide an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Ghurab wurde auf Korriban zum Sith, doch Nauras fand auf Rattatak nichts, was ihm auch nur das Geringste gesagt hätte. Kein Clan, keine Heimat. Nur endlose Kämpfe, endloser Streit. Eine Kultur, die ihre Wurzeln fraß. All´ die Jahre auf Dromund Kaas, in denen er über seinen Heimatplaneten las, in denen er sich ausmalte, wie es wäre, andere seiner Art zu treffen. Verschwendet. In dem sie ihren Hass sinnlos gegen sich selbst richteten, vergoldeten sie Kontrollverlust zu Tradition. Sie waren nicht einmal bemitleidenswert.

Was hätte er also sonst tun können, als wieder dorthin zu gehen, woher er wirklich kam? Mit nichts als ein paar neuen Tätowierungen und einer tief sitzenden Verachtung für ungezügelte, zur Kultur geadelte Gewalt ohne Kontrolle.

Wer auch immer seine Blutsverwandten gewesen waren, für ihn würden sie immer nur Tiere bleiben. In dieser Verachtung war er mehr Sith als Rattataki.

Vielleicht war seine Freiheit wirklich Illusion. Die Zeit, in der er sich in den Weiten der Galaxis herumtrieb, nach etwas suchte, das er weder benennen noch sich vorstellen konnte, nur ein ewiger Limbus, in dem er darauf wartete, dass sein Holocom piepte, dass einer der Karaz sich meldete, und ihm einen Sinn gab.

Vermutlich gab es deutlich sinnvollere Wege, die er in seinem Leben gehen könnte. Aber andererseits – er könnte auch auf Rattatak seine Zeit damit verbringen, für Warlords Schlachten zu schlagen, weil sie sich von der Farbe der Flagge eines anderen beleidigt fühlten.

Er stand vor Herrin Borraas Quartiertür. Er würde zu ihr gehen, würde mit ihr sprechen. Würde sie mit allem, was er aufbieten konnte, gegen die Schergen dieses Nudarah schützen. Und sollte sie dann irgendwann nach dem Willen ihres Vaters Lord Neferus heiraten, würde er später auch ihre Kinder schützen.

Freiheit bedeutete, wählen zu können.

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OOC: Eigentlich hatte ich ursprünglich über das Gespräch mit Neferus schreiben wollen. Aber dann wurde doch ein knappes in-Worte-fassen von Nauras´ Geschichte, die schon lange fertig in meinem Kopf existiert, daraus. Aber da gibt es beim nächsten RP sicher mehr zu berichten. Es war gestern ja nur ein Planungstreffen, wie man mit Nudarahs Drohung umgeht. Rednelak kann ich in diesen Plot nicht gut einbringen, da er Nudarah für eine ehrlose Wanze hält und deshalb schlicht nicht einmal dessen Existenz zur Kenntnis nimmt. Daher also Nauras als Workaround. Ist auch nett, mal nicht als Ober-Honcho herumzubefehlen, sondern am unteren Ende der Nahrungskette zu wuseln. Birgt natürlich Risiken. Als Machtblinder in einem Sith-Plot ist man das Äquivalent zum Typen mit dem Messer bei der Schießerei. Aber ich vertraue da auf gesunden Menschenverstand und Gelassenheit der Mitspieler.

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