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Khalb und Garrm: Private Investigators

1. Juni 2015

Khalb machte ein paar Schritte zurück vom Rand der Brücke hoch über dem Vergnügungsdistrikt von Nar Shaddaa. Nicht, weil ihm die die gähnende Tiefe Angst machen würde, sondern weil Garrm nun endlich dem seit einer Viertelstunde gepflegten und minütlich wiederholten Drang, seine Blase zu leeren, nachgeben konnte – mit dem üblichen Respekt direkt über die Brüstung des Walkway. Und bei den in dieser Höhe an den Fassaden der monströsen Gebäudekomplexen hochpeitschenden Windböen war das eine Unternehmung, die Khalb sich lieber aus einer gewissen Distanz ansah.

Also sich in eine Nische gedrückt und den von Neonreklamen bunt angeleuchteten Rücken des ori´vode beobachten: In Position stellen, Reißverschlussgeräusch, zufriedenes Ausatmen. Ungefähr zehn Sekunden. Windböe. „Osiiiik!!“

Jetzt konnte man entweder dem Drang nachgeben und lachen oder sich solidarisch zeigen und mit auf die atmosphärischen Bedingungen und angepisste Stiefel schimpfen. Keine Frage, wofür er sich entschied. „Verdammter Kackmond, hier kannste ja nich zivilisiert leben. Komm, lass noch was zu essen holen.“

Damit konnte man im Moment praktisch jedes Ungemach vergessen. Beide waren in der Lage, geradezu unglaubliche Mengen zu essen und in ebenso unglaubliche Mengen Energie umzusetzen. Garrm nickte düster zu diesem Vorschlag, schüttelte sich, schüttelte den rechten Fuß. Dann war das Unglück Vergangenheit und sie konzentrierten sich übergangslos wieder auf die wesentlichen Dinge.

Zehn Minuten später lehnten sie an einem Stehtisch vor einer der tausend mobilen Fressbuden tief unten in den mittleren Ebenen und nagten an Fleischspießen mit scharfer Soße. Von links wehte der ölige Geruch irgendwelcher frittierter Pflanzenteile, von hinten das beißende Aroma von Death Sticks und dazu die Geräuschkulisse aus bis auf elf gedrehten corellianischen Schlagern und dem leiernden Anpreisungs-Singsang der vielen Verkäufer diversester Dinge machte eine konzentrierte Unterhaltung nicht einfach.

Bis der erste Hunger gestillt war – ungefähr nach der dritten Pappschale halb roher Nerf-Reste mit kross-schwarzer Kruste (der Koch hatte Talent) – hingen beide ihren Gedanken nach. Ließen den Abend noch einmal Revue passieren. Für Khalb war es nicht unbedingt eine durchgehende Folge von Highlights gewesen. Schon prinzipiell waren Nachtclubs nicht seine bevorzugte Spielwiese. Er konnte mit den Horden von aufgetakelten Frauen in den verschiedensten Stadien der Entkleidung nicht wirklich viel anfangen und die fettfrisierten Gangster mit den zu großen Klappen machten ihn aggressiv.

Viel gebracht hatte es auch nicht. Niemand hatte den grünhäutigen Raumschiffdieb gesehen. Und zu allem Überfluss waren die Besitzer des Clubs auch nicht allzu scharf auf zwei neugierige mando`ade gewesen, die sich quer durch die Gäste fragten und dabei keine teuren Schirmchendrinks oder Schnittchen bestellten. Innerhalb von zehn Minuten hatten sie sofort den Sicherheitschef und seinen trandoshanischen Sidekick an der Backe gehabt. Letzterer sichtlich unerfreut über die zahlreichen Echsen-Trophäen an den ´game der beiden Freunde.

Es hätte schief gehen können – vor allem, da Khalb auch noch ohne es wirklich zu wollen den Clubchef – eine Riesenkante im Anzug mit schlimmer Frisur – beleidigte. Wenn es wenigstens mit Absicht gewesen wäre! War´s aber nicht. Der Stimmung half es trotzdem nicht. Garrm lief zu großer Form auf – sein Mundwerk war manchmal wertvoller als seine Fäuste – und redete die Gangster und ihre Security schwindelig. Faselte von Eria, der vod von Khalbs buir, die wohl irgendwie mit dem von diesen Nachtclubtypen veranstalteten Swoop-Rennen zu tun hatte und war generell mit Worten schnell wie Blasterbolzen. Was die beiden mando`ade letztendlich davor bewahrte, unzeremoniell aus dem Club geworfen zu werden, bevor sie sich auch nur die Hälfte davon angesehen hatten.

Den Sicherheitschef – eigentlich dazu abgestellt, sie im Auge zu behalten – wurden sie recht schnell los aber sie fanden niemanden, der ihnen mit Illjanas gestohlenem Schiff hätte weiterhelfen können. Obwohl sie doch dank Garrms Vorzimmerdamenbekanntschaft so ein hübsches Holobild des Diebes hatten.

Also waren sie unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Und kein bisschen in ihrem Kriminalfall vorangekommen. Es war wirklich deutlich einfacher, Gundarks zu jagen, Whitefangs das Fell abzuziehen oder seltene Zwergsleens für Menagerien zu besorgen.

Und natürlich gab es noch den Zwischenfall …

Khalb kaute an einem besonders widerspenstigen Fleischstück herum, warf den Holzspieß in die leere Pappschale zurück und leckte sich die Finger sauber. Sah seinen ori´vod an und meinte mit vollem Mund: „Und was nu mit dem Typen vom Eingang?“

Garrm versuchte Zeit zu schinden. Beschäftigte sich angelegentlich damit, mit einem sorgfältig gefalteten Stück Fladenbrot bröckelig-rote Soße aufzutunken. „Typ? Was für ´n Typ?“ – „Tu nich so. Der, der dir die Wumme annen Kopp gehalten hat als wärs´ du ´n Anfänger.“ – „Ach deeeer ..“ – „Ja genau, der. Du has gesacht, ich soll ihn laufen lassen. Ich hätt ihn in seinem Taxi abknipsen können. Aber du wolltst ihn laufen lassen.“

Der Zwischenfall war in der Tat extrem mysteriös gewesen. Khalb war gerade zum Eingang des Nachtclubs zurückgekehrt, hatte zwei Becher Caf von einer Cafbar gegenüber geholt, als er seinen vod von einem verhüllten Kerl als lebenden Schutzschild gegen die Security des Clubs gebraucht sah. Die Blaster zu ziehen und hinspringen war eine Bewegung gewesen (schade um den Caf). Er hätte den Typen einfach töten können, ohne dass der auch nur mitbekommen hätte, was los war. Aber Garrm hatte ihn angebrüllt, den Kerl entkommen zu lassen. Und weil man sich nunmal bedingungslos aufeinander verließ, konnte der Kapuzenträger – man konnte im Dunkel nur ein paar Zabrak-Tätowierungen erkennen – entkommen, obwohl ihm Khalbs grüne Laserpunkte auf der Nasenwurzel standen, als er in ein Taxi sprang.

„Der hat uns dumm ausseh´n lassen. Und da steh´ ich nicht drauf. Is schlecht für´s Geschäft.“

Garrm machte eine großspurige Handbewegung, ein fetttriefender Fetzen Nerfrest klatschte zu Boden. „Ach was. Das is nur aufgeschoben. Ich will ihn jagen. Aber das ging vorhin nich, sonst hätte die Security uns nie wieder da reingelassen.“

Ein sehr skeptischer Blick von Khalb.

„Doch, glaub mir, vod. Wir holen ihn uns.“ – „Und wo denks du, dass du ´n Typen findest, den du nichmal richtig gesehen has?“ – „Vertrau´ mir einfach, okay? Ich hab ´n Plan. Todsicher!“

Noch mehr Skepsis von Khalb, aber dann ein Nicken. „Klar,ich vertrau´ dir.“

Und so geschah es, dass die zwei jungen Krieger sich auf eine Jagd in unvertrautem Terrain begaben. Fernab von wilden Wäldern, unwegsamen Wüsten und ewigem Eis. Statt dessen in den ebenso tödlichen, kilometertiefen Canyons des Schmugglermondes. Ihre Beute nicht die riesigen Tiere der Wildnis, sondern ein Mann, dessen Gesicht sie nicht kannten …

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