Timsah – Feierabend

9. Juni 2015

Sobald er die Navigation dem Astromech übergeben konnte, stemmte er sich aus dem Pilotensessel und kehrte dem Cockpit den Rücken. Hinter ihm verwandelte sich die edelsteinblau-grün-bunte Wand von Corellia langsam in eine den ganzen Horizont einnehmende Halbkugel, dann kündigte der Navicomputer mit einem servilen Piepen den Sprung in den Hyperraum an. Weg von den Kernwelten, hin zum inneren Rand. Nach Hause.

Als die Balac Aste`hut (gute Gelegenheit) wie von einem Gummiband gezogen zwischen die Sterne sprang, war Timsah von den Tracinya Aliit schon auf den Weg unter die Dusche. Seinen Weg markierten zunächst seine Waffen, dann die Einzelteile seiner ´gam und schließlich Unterwäsche, mit der man nach drei Wochen im Untergrund von Coronet City vermutlich jemanden hätte erschlagen können.

Echtes Wasser, keine Schalldusche. Auf der einen Seite ein Luxus, auf der anderen Seite eine verdammte Verschwendung. Er berührte die Paneele und stellte sich in die winzige Kabine. Wenn man deutlich über zwei Meter groß war, waren viele Dinge winzig. Aber in diesem Fall war das eine absolut objektive Sache. Der riesige Rutian Twi´lek konnte sich kaum drehen. Exotischere Körperstellen erreichte das Wasser nur mit ein wenig Hilfe.

Die Biodaten seiner Jagdbeute waren schon auf dem Weg zu dem imperialen Offizier, der ihn dafür bezahlte. Nur noch den Credittransfer bestätigen und dann konnte er sich darum kümmern, ob die Corellianer und die dort nun langsam wieder fester im Sattel sitzende Republik – die Sith mochten es sich schönreden, aber Corellia hatten sie verloren – ihn bemerkt hatten und verfolgen würden. Unwahrscheinlich. Er war völlig undercover unterwegs gewesen.

Nur noch zwei Tage Hyperraum zwischen ihm und seiner Familie. Zumindest dem Teil, der zu Hause war. Es war immer schwer zu sagen, wen man letztendlich antraf. Der Tracinya Clan war selbst für die Verhältnisse der mando’ade sehr unstet. Es war nicht ungewöhnlich, jemanden ein paar Jahre einfach nicht zu Gesicht zu bekommen, weil man immer an verschiedenen Enden der Galaxis unterwegs war.

Das galt auf jeden Fall für die Kinder. Seit die beiden ihr verd’goten hinter sich hatten, waren sie praktisch ständig von zu Hause weg gewesen. Immer wieder traf man sich fast zufällig, gab es Holo-Nachrichten … aber wirklich Zeit mit Garrm und Frann hatten in den letzten zwei Jahren weder Timsah noch seine riduur verbracht. Das war nichts Schlechtes. Sie hatten die zwei gut erzogen, ihnen alles mitgegeben, was man zum Überleben und Kämpfen wissen musste. Aber in Momenten wie jetzt gerade, nach Beendigung eines Auftrages, allein im Schiff, noch kein neues Ziel vor Augen … da kam doch manchmal das leicht sentimentale Gefühl auf, das die mando’ade als aay’han zusammenfassten – bittersüße Erinnerung und Freude auf einmal.

Alles, was man dann tun konnte, war die liebevoll von Frann als kleines Kind auf die Wände des Schifes gemalten Blurrg-Horden zu betrachten. Und sich daran zu erinnern, wie sie mehrere Monate lang von diesen Reittieren besessen gewesen war, nachdem ihr Timsah wirre Geschichten von Ryloth erzählt hatte. Ryloth … woran er sich selbst nicht mehr erinnerte. Weil er mit drei Jahren von dort wegverkauft worden war. Weil er mit elf Jahren von dem Exchange-Boss, der sein Besitzer gewesen war, wegrannte, der aus dem Jungen mehr als seinen Tänzer machen wollte. Weil er mit dreizehn doppelt so alte Männer für Credits tötete. Weil er mit fünfzehn von einem Krieger der Tracinya Aliit aufgegriffen worden war. Und weil sein Leben dann erst wirklich begonnen hatte.

Das Interkom knarzte, piepte unmelodisch und stellte schließlich eine eingehende Audiobotschaft in die Dusche (wer war auf die Idee gekommen, im Bad ein Com zu installieren?). Timsah jonglierte den Waschlappen an die Seite, stieß mit den breiten Schultern gegen das Com, das „Frrrrrrkrrrrr“ machte und dann metallisch verzerrt eine amüsierte Stimme über das Rauschen des Wassers legte. „Einen Umweg nach Manaan gemacht, riduur? Oder regnet´s im Hyperraum?“

Timsah lachte. „Das erste Mal Duschen seit Wochen! Glaub´s mir, Beviin, nichtmal für dich unterbrech´ ich das!“ Beviin. Die Lanze. Sein Kosename für sie. Wegen ihrer eleganten aber verdammt spitzen Hörner, an die sich zu gewöhnen ihn etliche Jahre gekostet hatte – und selbst heute noch schlug sie ihm manchmal unbeabsichtigt Löcher in die Haut, wenn er unvorsichtig war.

Wer mit Zabrak lebte, war an ständige Verletzungen gewöhnt. Wenn den Kindern die Hörner wuchsen, dauerte es etliche Monate, bis sie nicht ständig jedem in ihrer Umgebung und auch sich selbst damit blutige Schrammen verpassten. Das war nicht schlimm.

Manchmal fragte Timsah sich, ob sie der Natur nicht hätten nachhelfen sollen, Genetik und dergleichen; die Ärzte im Huttenraum konnten die seltsamsten Dinge. Mit Beviin leibliche Kinder zu haben, hätte vermutlich Lekku statt Hörner hervorgebracht, was im Handling doch etwas bequemer gewesen wäre. Aber sie hatten schon mit den zwei, die Beviin mitgebracht hatte, alle Hände voll zu tun gehabt. Mehr? Bloß nicht!

Und in seinem Fall waren Kinder nicht einmal geplant gewesen. Aber was hätte er tun sollen? Sein ori’vod Elezz war an seiner Seite im Kampf gestorben, als dessen riduur Beviin gerade mit Frann schwanger gewesen und Garrm zwei Jahre alt gewesen war. Hätte Timsah sich nicht um die Familie kümmern sollen? Aliit ori’shya tal’din – Familie ist mehr als Blut.

Die Kinder waren nie das Problem gewesen. Sie waren da, sie wurden groß, man lehrte sie kämpfen, man zeigte ihnen, wie sie überleben konnten. Nein, Garrm und Frann waren nie das Problem. Niemals. Das Problem war, dass Timsah und Beviin sich verliebten – nach Monaten, nach Jahren. Und das war nicht einfach, wenn der Geist des toten ori’vod, des toten riduur, ständig im Raum stand.

Aber mando’ade leben nicht in der Vergangenheit, ihre Sprache hat nicht einmal die Möglichkeit, Vergangenes wirklich auszudrücken. Und so hatten Beviin und Timsah zugelassen, dass aus ihrer Zweckgemeinschaft mehr wurde. Zwei Jahre später tauschten sie den Schwur. Mhi solus tome, mhi solus dar’tome, mhi me’dinui an, mhi ba’juri verde – Wir sind eins, wenn wir zusammen sind, wir sind eins, wenn wir getrennt sind, wir werden alles teilen, wir werden Krieger großziehen.

Fünfzehn Jahre war der Schwur nun her. Und keine Sekunde bereut.

Timsah hob das Gesicht in den Wasserstrahl, schüttelte sich und knurrte leise, als er sich einen Lekku zwischen einer Rohrleitung und der Armatur einklemmte. Beviins Stimme klang immer noch liebevoll-amüsiert. „Also zwei, drei, vier Tage, bis du wieder auf Dxun bist?“ Timsah wischte sich Seifenschaum vom Gesicht. „Hmmm. Wahrscheinlich. Muss noch auf die Credits warten, bevor ich zu weit weg bin, um noch umkehren zu können, falls der Imperiale meint, mich bescheissen zu können.“ – „Ach was, sie sind viel zu bürokratisch, um zu betrügen.“ – „Träum´ weiter, riduur! Sie nennen´s dann Sondersteuer zur Finanzierung der Kriegsanstrengungen und zack bin ich die Hälfte meiner Kohle los. Erinnere dich – sie haben Garrm damals nichtmal zwei Drittel von dem gezahlt, was sie ihren eigenen Leuten gegeben haben.“ – „Ich hab´ nicht gesagt, dass du nicht vorsichtig sein sollst. Nur nicht paranoid. Sei einfach in spätestens vier Tagen da, okay?“ – „Was ist in vier Tagen?“ – „Sag´ ich nicht. Wart´s ab.“ – „Wie, wart´s ab?“ Keine Antwort. Das Knacken des Coms verriet, dass Beviin den Anruf beendet hatte.

Timsah grinste.

Er wusch sich zuende, systematisch und sehr entspannt. Was immer auch in vier Tagen auf Dxun passieren mochte, bis dahin war es unnötig, sich darüber Gedanken zu machen. Er schälte sich aus der Nasszelle und trocknete sich ab. Wanderte dann mit einem Handtuch um die Hüften zurück ins Cockpit, um die eingehenden Transmissionen auf Credit-Transfers zu überprüfen.

Von den Wänden starrten ihn Franns kreative Interpretationen des Blurrg-Themas an.

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OOC: Ich schreibe im Moment viel über Nebenfiguren. Im RP bin ich fast ausschließlich mit Rednelak und Khalb unterwegs. Der Rest ist aber trotzdem da. Und ich mag es, eine Umgebung zu schaffen. Sei es mit dem charmanten Taugenichts Lab, dem versponnenen Jäger Saqr oder eben hier dem Vater von Seys Jung-mando’ade. Außerdem ist Timsah im PvE interessant. Ich habe ihn auf Innovative Ordnance geskillt und muss sagen, dass das sehr spannend aber beim besten Willen nicht einfach ist. Arsenal fällt mir als Skillung viel leichter. Damagedealer zu spielen finde ich generell ziemlich herausfordernd. Nach Jahren ausschließlich mit Tanks und ein paar Heilern ist es eine völlig neue Welt.

Ich sollte mal wieder ein paar Bilder einstreuen. Aber von Timsah gibt es keine aktuellen Screenshots und die Zeichnung ist für WordPress nicht geeignet. Na, vielleicht am Wochenende.

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