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Khalb und Garrm – Zu warm hier drin

10. Juni 2015

Khalb atmete tief durch, als sie wieder draußen standen. Ein Fehler in der smogsatten Luft von Nar Shaddaa. Er hustete hingebungsvoll und nahm die Buy’ce vom Gürtel, damit die Filter im Helm ihm etwas Sauerstoff ohne all´ die unguten Partikel, die das Aroma des Schmugglermondes so unverwechselbar machten, verschaffen konnten.

Auch Garrm setzte seinen Helm auf. Der dunkle Visor verwischte das entrückte Grinsen des jungen Zabrak ins Schwarz.

Khalb schüttelte den Kopf, lachte aber in sich hinein. Zwar ganz sicher nicht aus den selben Gründen wie sein Ori’vod aber auf jeden Fall genauso gut gelaunt. Sie hatten eine Spur. Nein, besser – eine Möglichkeit! Und das ausgerechnet hier, am unwahrscheinlichsten aller Plätze, hergelangt auf die zufälligste aller Arten.

Moonlite Inn. Genau wie es sich anhörte.

Seit sie von den zwei Imperialen, die irgendwie mit Illjana zusammenarbeiteten, den Auftrag bekommen hatten, die Blonde zu suchen, waren kaum zwanzig Stunden vergangen. Nicht einmal eine Standardrotation und schon Ergebnisse! Ja, sie hatten einen optimalen Einstieg ins Search and Rescue-Business hingelegt! Im Kopfgeld-Bereich lief es auch glatt – sie würden diesen Khad bestimmt bald festsetzen. Und dann wären sie dabei. Denn der weißhaarige Typ, der sie mehr oder weniger angeheuert hatte, schien im Nachtleben von Nar Shaddaa eine ziemlich bedeutende Nummer zu sein. Zumindest kannte er jeden und jeder kannte ihn. So etwas war im Halbweltmilieu so viel wert wie ein Adelstitel auf Alderaan.

Für immer wollte Khalb diese Art Aufträge aber nicht machen. Ihm fehlte jetzt schon die Weite der Wüste, die feuchtwarme Hölle des Dschungels und die Klarheit des Himmels über Bergketten. Er war Jäger – und seine Beute lief idealerweise auf mehr als zwei Beinen.

Illjana war natürlich eine Ausnahme. Und sie war auch keine Beute. Nicht im eigentlichen Sinne. Und auch für die Jagd auf den fremden Zabrak gab es gute Gründe. Alles erklärbar, alles sehr spezielle Situationen. Situationen, die mitten hinein in den Unterbauch des Mondes führten …

Dabei hatte es nicht einmal so gut angefangen. Zwar konnte Garrm mit zweitausend Credits aufwarten, die er den beiden Imperialen aus der Tasche geleiert hatte, doch brachte Geld allein keine Ergebnisse. Wie auf der Jagd nach einem besonders gewitzten Wild war auch hier das Lesen der Spuren der bedeutendste Faktor. Und Khalb war nicht gerade der erfahrenste Großstadt-Waldläufer!

Illjanas Spur in der Laubschicht des Menschenwaldes war die Signatur ihres Com. Ein dünner Faden, eine Folge geknickter Ästchen, die nur die Besten lesen konnten. Keiner der beiden jungen Mando’ad war darin auch nur im entferntesten der Beste. Nicht ihr Ding. Also – wie einen Einheimischen im Dschungel finden?

Auftritt der ersten Situation … der weißhaarige Mann. Der, der sie nach diesem Khad suchen ließ und bereit war, dafür auch Belohnungen auszuloben. Der, der irgendwie immer auf der Promenade präsent zu sein schien. Elegant, unauffällig, Understatement auf teurem Schuhwerk. Der nicht einmal sein nach außen hin unglaublich freundliches Gespräch unterbrach – wer wusste schon zu sagen, ob es nicht wirklich freundlich war? – um einen Namen fallenzulassen.

Die zweite Situation. Ein Zufall, ein Nichts. Die Suche nach dem Namen, der wie absichtslos und nebensächlich aus dem Mund des Weißhaarigen gefallen war, verlief nicht gut. Sie hatten keine Zeit, in die Tiefe zu gehen. Langen Hinweisketten zu folgen. Und das einzige, was sie fanden, waren sich aufblasende Schlägertypen, die zeigen wollten, dass ein Helm mit T-Visor ihnen keine Angst machte (arme kleine Würste) und von Drogen verwüstete Gestalten mit zu wenig Kleidung auf zu viel teigigem Fleisch.

Zweite Situation … ja. Eine dezente Werbetafel. Khalb hatte sie nicht einmal bemerkt. Aber aus irgendeinem Grund war Garrm davon angezogen worden. Und manchmal sollte man sich schließlich auch auf sein Unterbewusstsein verlassen. Gerade wenn man davon ausgehen konnte, dass man schneller reagieren als denken musste.

Moonlite Inn. Was sollte man erwarten?

Khalb hatte maximal an Cocktails mit Zuckerrand gedacht. An das, was in der kriminellen Brühe oben schwamm. Dass Garrms Bauchgefühl sie ausgerechnet in ein Bordell führen würde … damit hatte er nicht im geringsten gerechnet.

Bunte Lichter, Haut in allen Farben, Stoffetzchen, die nur durch Willenskraft und Tape auf Titten und Ärschen blieben.

Und doch ergab sich gerade dort die dritte Situation. Als Garrm verzückt zuerst mit den Augen und dann mit dem Restgesicht im ausladenden Dekolltée einer Twi’lek versank, als Khalb nur mit Mühe den schweren Parfümgeruch und die abfälligen Blicke der Nutten und ihrer … Gäste ignorieren konnte. Dritte Situation … der Barkeeper, der sich nebenher mit allerlei Dienstleistungen etwas dazuverdiente. Der lakonisch zwei Bier auf den Tresen knallte und Khalb dann einfach so, kaum musste er etwas andeuten, genau das anbot, was er suchte: Einen Droiden. Gar nicht mal so legal auf Tracing programmiert. Dementsprechend teuer zu mieten, aber eine metallglänzende Lösung für ihre Probleme.

Also … eins davon.

Und jetzt standen sie wieder vor dem Puff. Aus den geöffneten Türen drang Musik, schrilles Gelächter und das Klirren von Glas. Die Reihe der wartenden Gäste bewegte sich im Halbdunkel des Eingangsbereiches, immer wieder herzschlaglang grell angeleuchtet von Werbeschildern, die nie gekannte Vergnügen versprachen.

In vier Stunden wäre der Droide in ihrem Zimmer im Laughing Loth Cat Guesthouse.

Und dann würden sie Illjana finden!

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Noch ein kurzes, frustriertes OOC: Ich weiß ja nicht, wer dem Mando-RP so einen schlechten Ruf verpasst hat. Aber es ist schon auffallend, wie oft man auf virtuelles Augenrollen und „bitte nicht welche von der Sorte!“-Stöhnen trifft, wenn man in ‚gam einen Open RP-Bereich betritt. Noch bevor man auch nur das erste Emote getippt hat. Und das nicht IC. Das sind OOC-Ressentiments. Und ich kann den Spielern nichtmal einen Vorwurf machen. Ich habe ja selbst meine Probleme mit der oft sehr stereotypen Darstellung der Mandos im RP. Viele Mando-Spieler scheinen nur Spaß an der Rolle zu haben, wenn sie rüberkommen können wie frisch wurzelbehandelte Hormonopfer mit heftiger „Guggs Du misch an, Alda, oda was?!“-Attitüde. Oder als der Spaghettiwestern-Geheimnisvolle (TM), der mit seinen kalten Blicken alles um sich herum in Respekt erstarren lassen will. Und egal wie ich darüber spotte – jedem sei sein RP-Stil gegönnt. Es ist nicht meins, aber wem es Spaß macht, der tobe sich so aus. Aber es gibt doch auch andere … hoffe ich …. Oder? Oder??

Andererseits existiert dann aber auch eine Erwartungshaltung. Und entspricht man der nicht, sind die Gegenüber oft auch nicht zufrieden. Man kann als Mando-RPler also eigentlich nur alles falsch machen. Ist man der Standard-Vanjervalis-Chain-Mando-vom-Fließband kommt man nur in dafür passende (und für meinen RP-Geschmack viel zu vorhersehbar-öde) Situationen, verhält man sich aber wie ein normaler Angehöriger eines Kriegervolkes mit strengen sozialen Normen aber keinem Telefonmast im Hintern oder dem Humor einer schockgefrosteten Seegurke bekommt man „Früher waren Mandos aber anders, ihr habt doch keine Ahnung!“-Kommentare und kann nur noch so episch facepalmen, dass man am Hinterkopf wieder herauskommt.

Kommt hinzu, dass unsere Rollen dahingehend problematisch sind, dass sie noch sehr jung und unerfahren sind. Sie können also gar nicht die abgeklärte Haltung einnehmen, die Herr Spaghettiwestern und Frau Wurzelbehandlung so natürlich vor sich hertragen. (Nicht, dass wir das wollten. Zu offensiv gespielte Coolness ist uns beiden zu albern)

Tja, was tun? Meine Lösung ist ja, praktisch nur gildenintern zu spielen. Aber schade ist es schon.

Ich würde mir so sehr wünschen, auf mehr Leute wie den Barkeeper, die Mirialanerin oder den Weißhaarigen zu treffen. Vielleicht sind sie ja sogar die Mehrheit, wer weiß! Aber leider trifft man dann doch in fast jeder Spieler-Crowd wieder auf die Abgeschreckten oder die Erwartenden. Und dann hat man den Rest des Abends schlechte Laune.

*Bernd das Brot*: Mist.

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  1. Rychell
    10. Juni 2015 um 9:34 pm

    Ich fand Euch stimmig. An meiner Theke seid Ihr immer willkommen. Der Barkeeper

    • 11. Juni 2015 um 5:41 pm

      Vielen Dank! Wir kommen auch wieder. 🙂

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