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Die unglaublichen Abenteuer und extraordinairen Reisen des verwegenen Piraten Lab. Teil 9 – Interludium: Zeit totschlagen

11. Juni 2015

Lab lehnte sich auf der Couch zurück, alle Gliedmaßen über Arm und Rückenlehne verteilt, als könnte er kaum noch mehr mit der Polsterung verschmelzen. Mirialanische Piraten waren derzeit als Flüssigkeiten zu klassifizieren, fähig, sich vollkommen der Form des Untergrundes anzupassen. Um ihn herum war das alte Apartment einerseits deutlich netter und bewohnbarer als noch vor vier Tagen, andererseits begannen sich die Ablagerungen von Take-Out-Kartons und leeren Flaschen langsam zu Dünen beachtlicher Höhe zu türmen. Als Archäologe konnte Lab die Tage ablesen. Grabungshorizonte in Verpackungsmüll.

Ihm war unsagbar langweilig.

Er rollte sich auf der Couch herum, seine Beine auf der Rückenlehne und den Kopf von der Sitzfläche nach unten hängend, starrte an die Decke. Der Echsenaffe schleppte einen Pizzakarton über den Boden hinüber zu seinem langsam Gestalt annehmenden Fort.

Vier Tage … Illjana hatte sich nicht gemeldet. Wollte sie das Schiff gar nicht mehr? Lab hatte die Pink Turtle einer oberflächlichen Untersuchung unterzogen – nach Tracking-Gerätschaften natürlich gründlicher geforscht – und es gab keine Hinweise darauf, dass jemand anders als Illjana sich das Schiff zu eigen gemacht hatte. Etliche Wartungszyklen in verschiedenen imperialen Werften, aber keine Umregistrierung – von der absurden Indienststellung bei der imperialen Flotte einmal abgesehen. Da dies aber mit Illjanas Untertauchen in imperialen Gewässern zusammenfiel, blieb kein Restzweifel, dass Schiff und Ex-Piratin weiterhin eine Einheit waren.

Warum also reagierte sie nicht?

Geduld. Er brauchte mehr Geduld. Eigentlich sollte ihm das nicht allzu schwer fallen. Man wartete in seiner Branche sehr viel. Auf den richtigen Moment, wenn ein Geleitzug in einem Sternennebel sensorenblind wurde, auf das Auftauchen von Verhandlungspartnern, auf das Verschwinden von penetranten Gesetzeshütern, auf viel zu wichtige Hutten und auf das Abklingen von Gravitationsstürmen … es war Lab nie schwer gefallen, diese Zeiten des Leerlaufs durchzustehen.

Aber jetzt spürte er den bleiernen Zug der Langeweile fast körperlich.

Immer noch verkehrt herum auf der Couch angelte er nach seinem Holo. Rief wahllos Seiten auf. Tippte sich durch seine Favoriten – eine bunte Mischung aus Porno, wissenschaftlichen Newsgroups und politischen Foren. Expansionspolitikkritik, ein paar der üblichen irren Verschwörungstheoretiker („Wacht auf! Hypermatter kann keine Durasteel-Träger schmelzen!“), einige wenige nüchterne Analysen und dann … hoppla, das klang interessant! Ein neues Blog. Putzig geschrieben. Sehr idealistisch. Und mit genug eingestreuten Fakten unterfüttert, um mehr als nur das Feierabendprojekt eines Politikstudenten zu sein. Common Whistle nannte sich der Schreiber, der mit Feuer und Schwefel gegen Adel und Dekadenz zu Felde zog.

Rein auf Alderaan war dieses Blog bezogen – aber durch seine Arbeiten noch auf der legalen Seite der Galaxis betrachtete Lab diesen Planeten mit einigem Wohlwollen.

Ihm war immer noch langweilig.

Er verfasste eine Antwort. Warum auch nicht? Solange Illjana nicht auftauchte, saß er sowieso fest. Es war unterhaltsam, wieder den alten Namen herauszukramen – Snapping Turtle. Ja, die Pink Turtle hatte durchaus ihre Geschichte.

Ein wenig Pathos, ein paar Ideale. Lab seufzte nostalgisch. Alte Zeiten.

Das, was in politischen Foren im Holonet immer geschah, traf auch Common Whistles Blog. Trolle. Lab wog ab, ob ihm langweilig genug war, um diesen Keulenschwingern Fische zuzuwerfen. Der Echsenaffe kam zu ihm und zog ein Kissen von der Couch.

Lab antwortete. Ausgiebig. Sehr ausgiebig. Wirklich. Aber wie hätte er sich auch kurz fassen sollen, wenn es darum ging, seine Überzeugungen in Stein zu meißeln!

Als er auf „abschicken“ drückte und von seinem Pad aufsah, stellte er verblüfft fest, dass zwei Stunden vergangen waren und sein Magen sich mit einer großen Leere zu Wort meldete. Wie hatte das passieren können? Er war schon lange über seine politische Aktivistenphase hinausgewachsen. Jahre inmitten Krimineller aus allen Ecken der Galaxis hatten ihm nach und nach den Idealismus abgekauft. Wieso also jetzt plötzlich dieses Interesse?

Er hatte sich, als er von Williko weggegangen und seine Piratencrew hinter sich gelassen hatte, keine Gedanken darüber gemacht, was passieren würde, sobald er den Edelstein wiederhätte. Zwischenzeitlich hatten sich in seinem Kopf vage romantische Seifenblasen im groben Umfeld von „wie früher“ und „mit ihr zusammen“ gebildet, die aber der grauen Realität vermutlich nicht würden stand halten können.

Lab bestellte sich sullustianische Nudeln mit Kaktussprossen und beobachtete nachdenklich den Affen, der sich jetzt in einem architektonisch sehr durchdachten Konstrukt zusammengerollt hatte und im Schlaf mit dem intakten Ohr zuckte.

Nach all dem zynischen Materialismus wieder etwas mit mehr geistigem Nährwert in sein Leben lassen? Zunächst natürlich immer noch der Austausch. Und Illjana. Aber dann vielleicht ein Abstecher nach Alderaan und diesen Common Whistle suchen?

Vielleicht.

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OOC: Das ist derzeit sehr Meta. Im VC-Forum hat Sey im Alderaan-Projekt ein Blog einer politisch engagierten Dame simuliert, die Alderaan vom parasitären Adel befreien möchte. Ich habe geantwortet, es fanden sich Meta-Trolle ein und das Ganze wurde zu einer virtuell-virtuellen Schlammschlacht. Sehr amüsant.

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