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Ghurab – Ein kurzes Ankommen

17. Juni 2015

Während die Heart of Courage durch den wolkigen Himmel Alderaans in Richtung des Garrde-Anwesens sinkt, betrachte ich wieder die kurze Holosequenz. Wie schon seit Wochen. Seit ich sie bekommen habe. Nicht ständig – das wäre seltsam – aber doch mehrmals am Tag.

Nur ein paar Sekunden lang. Meister Concabille hält Tannan an den Fußgelenken nach oben wie einen frisch gefangenen Fisch. Das Kind freut sich, fuchtelt herum, lacht – solange, bis sie ihre letzte Mahlzeit von sich gibt. Die Aufnahme bricht in dem Moment ab, als Meister Concabille Tannan hektisch wieder in die Senkrechte bringt.

Jedes Mal. Wirklich jedes Mal, wenn ich das sehe, muss ich grinsen. In der Zeit, die ich als Tannans rund-um-die-Uhr-Babysitter verbrachte, habe ich vor allem eins gelernt: Kleine Kinder kotzen ständig. Wenn sie zu viel lachen, wenn sie zu viel schreien, wenn sie sich aufregen und vermutlich auch einfach so, weil ihnen langweilig ist.

Richtig vermisst habe ich das in der Zeit beim Orden nicht. Dafür andere Dinge. Die Bladeborn sind keine sehr kontemplative Gemeinschaft. Wir sind die Jäger, die Klingen. Nicht die studierenden Denker. Das passt mir gut – dennoch fehlt mir, wenn ich mit anderen davon unterwegs bin, manchmal die philosophische Komponente, die auf eine sehr nüchterne Art für Meister Concabille essentiell ist. Nun, jetzt kann ich das ja bald wieder haben.

Ich sehe aus den Fenstern. Die Berge stürzen auf mich zu, die Wolken zerreissen und bleiben wie Schleppen eines Ballkleids an den Tragflächen der Interceptor hängen. Unter mir wird der Gebäudekomplex in den Weinbergen größer. Die Tore im Dach des Hangars öffnen sich.

Bevor sie die Heart of Courage in einem Bissen verschlingen, gehe ich schon in Richtung der Rampe.

Noch verbiete ich mir Emotionen, was mir nicht leicht fällt. Aber ich weiß noch nicht, was mich erwartet. Sie hat mich zurückgerufen, weil sie von Alderaan verschwinden muss. Nun, wäre weder das erste noch vermutlich das letzte Mal. Diesmal geht es darum, dass ihre Verwicklungen in Arovals Machenschaften nicht nur ihrer Glaubwürdigkeit geschadet haben und ihr irgendwelche selbstgerechten Ordnungshüter an die Hacken hängen, sondern wohl auch Shanoras Stand im Haifischbecken der blasierten Adelsarschlöcher wackelig machen. Ich hasse sie. Nicht Shanora. Die Adligen. Widerliche Kröten, aufgeblasen in ihrem kleinen Teich, wild quakend, wenn sich jemand nach ihren belanglosen Standards daneben benimmt. Sollte man alle töten und durch eine sinnvolle Meritokratie ersetzen, wenn es denn schon jemanden braucht, der dem Volk sagt, was es zu tun hat.

Aber das kommt wohl derzeit nicht in Frage. Also geht Meister Concabille den Weg des geringsten Widerstandes und hält ihrer älteren Tochter den Rücken frei, in dem sie einfach verschwindet.

Ich spüre das Schiff aufsetzen, ein Seufzen durch die Hydraulik des Landegestells. Dann drücke ich den Knopf, die Rampe fährt aus. Gleich wird sich die Tür öffnen und ich werde meinen Meister wiedersehen.

Zwei Monate ist es her.

Zwei Monate, in denen ich mit meinen Brüdern und Schwestern der Bladeborn unterwegs war. In denen wir gejagt haben. In denen wir den Kampf gesucht und den Tod gebracht haben. Unsere Ziele, unsere Regeln. Die letzten drei Wochen dann in den Ruinen. Auf dem Mond, der kein Zuhause ist. Meditation im Kampf, Konflikt als Herz dessen, was uns ausmacht. Ich habe meine Fertigkeiten weiter geschärft. Ich bin eine Klinge. Ich bin die Masterblade, die ich führe.

Und jetzt bin ich wieder hier. Auf dem Planeten, den ich bis jetzt nur als Schauplatz von Niederlagen in Erinnerung habe. Auch wenn ich die Kämpfe gewonnen habe – es waren hohle Siege mit dem Geschmack von Asche. Gut, wenn wir von hier wegkommen.

Die Tür öffnet sich. Ich mache unwillkürlich einen Schritt zurück, als mich ungezügelte Fröhlichkeit, Durcheinander und Neugier anfallen, als hätte man mir ins Gesicht geschlagen. Tannan. Das Kind hat so viel Potential, so viel Stärke. Und anscheinend ist es heute aufgeregt genug, mich mit einer Breitseite aus den Tiefen ihrer Verbindung zur Macht zu treffen wie mit einem Vorschlaghammer.

Ich schließe alle Verbindung und schüttle mich. Trete auf die Rampe und sehe nach unten.

Wie immer hat der Meister keine Zeit verloren. Sie steht im Hangar, Tannan auf ihrer Hüfte. In der anderen Hand eine Tasche, die verdächtig danach klingt, Glasflaschen zu enthalten, als sie sich zielstrebig zu mir hin in Bewegung setzt.

Ich nicke ihr zu. Sie erwidert den knappen Gruß in gleicher Weise. Ich erdreiste mich, ihr die Tasche abzunehmen und vor ihr ins Schiff zu gehen. Ich kann spüren, dass sie diese patronisierende Geste wütend macht. Und sie amüsiert. Sie weiß, dass ich damit kalkuliere, dass ihr Zorn sie beim gleich folgenden Kampf unvorsichtig werden lässt. Ich weiß, dass sie weiß, dass ich weiß …

Die Tür schließt sich, die Rampe fährt ein. Wir gehen in Richtung der Brücke.

Ich höre hinter mir, wie sie Tannan zu Boden setzt und das Schwert vom Gürtel nimmt.

Ja …

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