Ghurab – Augen

20. Juni 2015

Als ich die Augen öffne, ist das Schiff in die dunkle Stille seiner künstlichen Nacht gehüllt. Die Schlafkabine ist vom regelmäßigen Aufblinken des roten Türknopfes dämmrig erleuchtet. Ja, die Tür ist offen.

Das mehr fühl- als hörbare Maschinengeräusch der Heart of Courage hat sich verändert. Der Hyperantrieb ist aus. Vermutlich hat mich der Fall in den Normalraum geweckt.

Ich spüre Tannan in ihrer kleinen Deckennest-Schlafwanne am Fußende des Bettes. Ihre Vorstellungskraft treibt bunte Traumblüten. Gesichter, Tiere, wirbelnde Farbfelder. Ich verschließe mich ihrem offenen Geist und drehe mich herum. Ich greife in der Finsternis neben mir und das Bett ist leer. Noch warm.

Ich warte ein paar Minuten. Sie kommt nicht zurück. Die Wärme ihrer Decken verschwindet.

Ich stehe leise auf und gehe zur Tür. Ich halte mich nicht damit auf, mir etwas anzuziehen. Hinter mir träumt das Kind die alderaanischen Berge grüner als sie sind.

Ich kann sie immer noch nicht spüren. Konnte ich noch nie. Aber ich kenne sie gut genug. Ich gehe zur Brücke.

Sie sitzt im Pilotensessel. Die Metallschilde, die im Hyperraum die Fenster verschließen, sind zur Seite geschoben. Geben den Blick frei auf einen roten Riesenstern vor uns.

Ich stelle mich neben sie. Stumm beobachten wir das langsame Sterben eines Sternensystems. Sind Zeugen eines Todeskampfes, der noch Jahrtausende dauern wird.

Ich wende meinen Blick zu ihr. Zum ersten Mal seit ich sie kenne, kann ich in ihre Augen sehen. Es sind natürlich keine echten Augen. Aber es sind Implantate, die natürlichen Augen nahe sind. Anders als die schwarzen Gläser, die vorher jede Regung abschirmten.

Sie erwidert meinen Blick.

Seltsame erste Male.

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