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Khalb – Wachstumsschmerzen

22. Juni 2015

Das gleichmäßige Piepen der Kreislaufüberwachung hatte sich nach einigen Stunden irgendwie völlig mit dem stetigen Pochen in seiner Schulter synchronisiert. Herzschlag – Autsch – Herzschlag – Autsch. Nach und nach hatte sich jedes Zeitgefühl verflüchtigt. Es war nur noch irgendwann-in-der-Nacht.

Garrm war vor … ja, wann eigentlich? … gegangen. Vermutlich um Eria’Alor mit Fragen zu belästigen, wie er sein abgebrochenes Horn wieder ankleben, schneller nachwachsen lassen oder möglichst unpeinlich verstecken konnte. Die Dar’jetiiise waren sowieso schon wieder sonstwo, imperiale Dinge tun, wichtig sein, wasauchimmer.

Blieben nur Illjana und Khalb.

Er lehnte sich zurück. Betrachtete sie in der Düsternis. Das einzige Licht kam vom Gang her, die Tür war nur angelehnt. Ein heller Streifen, der über den Boden wanderte, das Bett hinaufkletterte und der schlafenden Hügelkette eine silberne Lichtkante gab. Hin und wieder ging irgendjemand vorbei. Arzt, Pfleger, Patient. Schwer zu sagen in dieser sehr improvisierten Klinik, die zwar für Nar Shaddaas Verhältnisse gutes Mittelmaß aber dennoch eher leger unterwegs war. Medizinisch typischer Geruch nach Desinfektionsmitteln traf auf das bittere Aroma von Deathsticks.

Mission erfüllt, oder nicht? Sie hatten Illjana gefunden und befreit. Dazu noch alle, die hineingegangen waren, auch wieder mit hinausgenommen. Viel besser konnte so etwas doch kaum laufen. Trotzdem hatten die Dar’jetiise unzufrieden gewirkt. Als hätten sie noch auf irgendwelche Erkenntnisse gehofft.

Khalb sah zu seiner Rüstung, die er auf dem Boden ausgebreitet hatte. In der Dunkelheit nichts als ein wirrer Haufen. Trotzdem kam es ihm vor, als ob die riesige Schramme, die der Arm des Ladedroiden in seine rechte Bes’mabur geschlagen hatte, auch jetzt noch zu sehen wäre. Ohne das Schulterstück wäre sein Arm jetzt Matsch. Also … dann doch lieber Reparaturkosten!

Er ließ den ganzen Angriff noch einmal Revue passieren. Irgendwie alles sehr linear. Ankommen, Stürmen, Aufteilen, Suchen. Und dabei jeden Widerstand mit Waffengewalt beantworten. Es war ihnen nicht gelungen, einen der Fremden zur Befragung mitzunehmen. Entweder waren sie tot oder geflohen. Und die Kisten, welche die Ladedroiden weggeschleppt hatten, waren auch nicht aufschlussreich gewesen.

Blieb nur Illjana. Gefangen in einer Kiste. Wie es aussah, unter Drogen gesetzt und so bewusstlos, dass sie noch nicht einmal jetzt, Stunden danach, wieder aufwachte. Wie aufgebahrt auf einer der Krankenliegen. Der stationäre Medidroide überwachte ihre Körperfunktionen, piepte devot und tat seine Pflicht.

Khalb lehnte sich auf seinem Besucherhöckerchen nach vorne und streckte den gesunden Arm aus. Eine verschwitz-verklebte Locke ringelte sich über Illjanas Stirn.

Er zog die Finger wieder zurück. Setzte sich wieder aufrecht. Seine Schulter protestierte, aber das war ihm egal. Er hatte schon deutlich schlimmere Verletzungen gehabt.

Auftrag erledigt …

Musste man nur noch Illjana zurückschicken. Zu den Imperialen. Die sie wie ein Haustier mit einem Sender versehen hatten.

Warum blieb sie bei ihnen? So sehr Khalb es auch versuchte, er konnte es nicht nachvollziehen. Warum ließ man sich so an die Leine legen? Gerade sie. Sie wusste doch, was es bedeutete, eine Sklavin zu sein.

Natürlich konnte sie ihn nicht hören. Sie war bewusstlos. Aber vielleicht war das besser so. Vielleicht war das überhaupt erst die Voraussetzung dafür, etwas zu sagen. Er beugte sich wieder vor. Eine seiner Haarsträhnen streifte ihren Arm unter dem Laken. Seine Stimme so leise, dass sie ihn auch in wachem Zustand kaum verstanden hätte.

„Wach wieder auf, Vod. Okay? Du has‘ mir noch gar nicht erzählen können, warum du hier auf Nar bis‘. Is vielleicht besser so, ich kapier eh nich‘, warum du bei den Imps bleibs‘. Versteh‘ ich auch bei Buir nich‘. Was denkt ihr beide, was diese Sklavenhalter euch geb’n könn‘? Naja, egal. Is‘ eure Sache. Würd’s nur gern kapieren.“

Kein guter Anfang. Es ging doch um Anderes …

„Ich hab‘ dich die ganzen drei Jahre ziemlich vermisst. Ich glaub‘, Garrm hat recht. Ich war übel in dich verknallt. Bin ich vielleich‘ ja immer noch. Keine Ahnung. Is‘ so ’n fliessender Übergang. Du wirs‘ mich eh immer nur als kleinen Jungen seh’n. Geht ja gar nich‘ anders. Ich versteh‘ das. Ja, total. Und da is‘ ja noch Frann. Kennst du nich‘, oder? Garrms Schwester. Klar, Mando’ad. Hat uns geholfen, dich zu finden. Is ’ne verdammt gute Späherin. Ich geh‘ bald mit ihr jagen.“

Das war ja furchtbar. Was für ein Gesülze! Wenn Illjana jetzt nicht für immer im Koma bleiben wollte, wäre das unglaubliches Glück. Aber wie sollte er ihr das auch erklären? Dass alles so dämlich kompliziert war und er doch eigentlich nur jagen, kämpfen, leben wollte. Er wünschte, er wäre wie Garrm, der sich jeden Tag unsterblich verliebte (im Moment hatte Khalb den durch diverse Ereignisse gestützten Verdacht, dass sein Ori’vod grade die Alor der Yustapi-Aliit anbaggerte … ) und nicht weiter darüber nachdachte.

Nicht, dass er selbst irgendwie besonders tiefschürfend veranlagt wäre – aber es gab Dinge, denen er gern auf den Grund gehen würde. Warum er sich nie mit dem Beskad anfreunden konnte, egal wie viel er trainierte. Wie man geworfenen Granaten so Spin gab, dass sie eine präzise berechenbare Bahn nahmen, egal wie sie geformt waren. Ob man ein Krayt-Ei stehlen und ausbrüten könnte, um einen Jagddrachen zu haben. Oder eben, ob er nun in Illjana oder doch Frann …ach, so ein Dreck. Würde man nie herausfinden. Da war die Sache mit dem Jagd-Krayt realistischer!

Khalb knurrte gereizt und ließ sich mit dem Rücken gegen die Wand fallen, was er sofort bereute. Vielleicht wäre ein Schmerz-Stim doch keine so schlechte Idee. Aber er hatte vor der Alor nicht als Weichei dastehen wollen und angeberisch alles dergleichen abgelehnt.

Er betrachtete die schlafende Illjana. Schüttelte den Kopf. Flüsterte zu ihr: „Einfach Ori’vode, hm?“

Schön auf sie aufpassen.

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